Iğdır

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Iğdır
Wappen fehlt
Hilfe zu Wappen
Iğdır (Türkei)
Red pog.svg
A view of Igdir city centre.jpg
Zentrum von Iğdır
Basisdaten
Provinz (il): Iğdır
Koordinaten: 39° 55′ N, 44° 3′ OKoordinaten: 39° 55′ 15″ N, 44° 2′ 40″ O
Höhe: 861 m
Einwohner: 92.340[1] (2018)
Telefonvorwahl: (+90) 476
Postleitzahl: 76000
Kfz-Kennzeichen: 76
Struktur und Verwaltung (Stand: 2019)
Gliederung: 14 Mahalle
Bürgermeister: Yaşar Akkuş (HDP)
Website:
Landkreis Iğdır
Einwohner: 137.613[1] (2018)
Fläche: 1.431 km²
Bevölkerungsdichte: 96 Einwohner je km²
Vorlage:Infobox Ort in der Türkei/Wartung/Landkreis

Iğdır (armenisch Իգդիր Igdir, nach der antiken Stadt auch Ցոլակերտ Tsolakert; aserbaidschanisch İğdır; kurdisch Îdir) ist eine Stadt im äußersten Osten der Türkei, an der Grenze zu Armenien. Sie ist die Provinzhauptstadt der gleichnamigen Provinz Iğdır, bildet ebenso einen Landkreis und liegt in der Talebene des Aras im Nordwesten des Ararat.

Als Sitz des gleichnamigen Landkreises (Merkez) beherbergt sie etwa 67 Prozent der Kreisbevölkerung. 41 Dörfer (Köy) mit insgesamt 30.772 Einwohnern (751 pro Dorf) komplettieren den Kreis. Die größten Dörfer sind: Aşağıerhacı (3.925), Karakuyu (2.802), Panik (2.775), Enginalan (2.478), Yüzbaşılar (2.476), Evci (1.541), Suveren (1.289), Gülpınar (1.035) und Tacirli (1.020 Einwohner).

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung 2007 – 2018[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachfolgende Tabelle zeigt den vergleichenden Bevölkerungsstand am Jahresende für die Provinz, den zentralen Landkreis und die Stadt Iğdır sowie den jeweiligen Anteil an der übergeordneten Verwaltungsebene. Die Zahlen basieren auf dem 2007 eingeführten adressbasierten Einwohnerregister (ADNKS).[2]

Jahr Provinz Landkreis Stadt
real % real % real
2018 197.456 69,69 137.613 67,10 92.340
2017 194.775 69,90 136.155 67,03 91.261
2016 192.785 69,76 134.480 66,36 89.247
2015 192.435 69,48 133.704 66,17 88.476
2014 192.056 68,79 132.110 65,53 86.567
2013 190.424 68,34 130.134 64,51 83.944
2012 190.409 67,74 128.976 64,09 82.656
2011 188.857 67,57 127.609 63,60 81.162
2010 184.418 67,01 123.570 63,05 77.912
2009 183.486 66,92 122.780 62,67 76.950
2008 184.025 66,21 121.848 62,23 75.824
2007 181.866 65,67 119.432 63,57 75.927

Ergebnisse der Volkszählungen 1965 – 2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Tabelle sind die Ergebnisse der Volkszählungen manifestiert. Eine Unterteilung erfolgt in städtisches und ländliches Gebiet, das städtische Gebiet (şehir) betrifft nur die Kreisstadt Iğdır, das ländliche Gebiet sind die Dörfer (Köy).

Jahr Landkreis städtisch ländlich
1965 58.222 15.701 42.521
1970 68.159 21.420 46.739
1975 81.618 29.542 52.076
1980 77.887 24.352 53.535
1985 89.269 29.460 59.809
1990 95.732 35.858 59.874
2000 102.648 59.880 42.768

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Umgebung von Iğdır gehörte in urartäischer Zeit vermutlich zu Erekua.[3] Aus dieser Zeit stammt ein Gräberfeld, das 1913 wenige Kilometer östlich an der Straße nach Markara freigelegt wurde. Mit einer Ausnahme handelte es sich bei allen Bestattungen um Urnengräber in Felsspalten, die mit Steinplatten abgedeckt waren. Der Fundort lässt den Schluss zu, dass sich hier ein urartäischer Militärstützpunkt befand.[4]

Die mittelalterliche armenische Stadt Tsolakert (Ցոլակերտ) befand sich wahrscheinlich nahe der heutigen Stadt Iğdır.[5]

Lange Zeit war Iğdır lediglich ein kleines Dorf. Seit 1555 gehörte der Ort zum persischen Safawiden-Reich, abgesehen von kurzen Perioden unter osmanischer Herrschaft (1578–1605, 1635–1636 und 1722–1746). Nach dem Russisch-Persischen Krieg (1826–1828) kam Iğdır unter russische Herrschaft und wurde Kreisstadt im Gouvernement Eriwan. Unter der Zarenherrschaft siedelten sich viele Armenier in Iğdır (damals russ. Игдир) an. 1914 betrug die Bevölkerungszahl bereits 10.000, mehrheitlich Armenier. Iğdır hatte zu jener Zeit drei Kirchen.[5]

1917 wurde Iğdır Teil der neu gegründeten Demokratischen Republik Armenien. Im Hungerwinter 1918/1919 kam ein erheblicher Teil seiner Bevölkerung um. 1919 wurde Iğdır zur Stadt erhoben.[6][7]

Im Türkisch-Armenischen Krieg eroberten türkische Einheiten im September 1920 die Stadt. Durch den Vertrag von Kars wurde das Gebiet von Iğdır auch formell der Türkei zugesprochen.[8]

Bei der Volkszählung von 1897 hatte die Stadt Iğdır 4680 Einwohner, überwiegend Armenier (84 %) und Russen (12 %).[9] Im Rahmen des Völkermords an den Armeniern und als Folge der türkischen Eroberung im Oktober 1920 flohen die Armenier und andere christliche Volksgruppen aus der Stadt. Später wanderten viele Aseris aus dem Umland sowie Kurden aus den Provinzen Van und Ağrı ein, so dass die Bevölkerung heute mehrheitlich aus schiitischen Aseris und sunnitischen Kurden besteht.

Nahe der Stadt Iğdır baut die Türkei seit 2017 einen 144 Kilometer langen Grenzwall, um illegale Migration aus Afghanistan einzudämmen.[10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal und Museum

In Iğdır befindet sich ein umstrittenes „Völkermord-Denkmal und Museum“ (Iğdır Soykırım Anıt-Müzesi), dessen Bau im August 1997 begann und das am 5. Oktober 1999 vom türkischen Minister Ramazan Mirzaoğlu eröffnet wurde. Es ist 43,5 Meter hoch. Das Denkmal soll dem Gedenken an Massenmorde dienen, die während des Ersten Weltkrieges und des nachfolgenden Türkisch-Armenischen Krieges von armenischen Truppen an türkischen Zivilisten begangen wurden. Die Errichtung des Denkmals wird auch als Antwort auf Mahnmale in anderen Ländern verstanden, die an den Völkermord an den Armeniern während genau dieser Jahre erinnern sollen.[11]

Klimatabelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Iğdır (856 m)
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
13
 
2
-8
 
 
17
 
6
-5
 
 
21
 
13
1
 
 
40
 
20
7
 
 
49
 
24
11
 
 
33
 
30
15
 
 
16
 
34
19
 
 
11
 
33
18
 
 
11
 
29
13
 
 
27
 
21
6
 
 
19
 
13
1
 
 
12
 
5
-4
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: Staatliches Meteorologisches Amt der Türkischen Republik, Normalperiode 1981-2010
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Iğdır (856 m)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 2,0 5,7 13,1 19,9 24,3 29,7 33,6 33,3 29,1 21,4 12,9 4,8 Ø 19,2
Min. Temperatur (°C) -7,6 -4,7 0,7 6,8 10,8 15,0 18,7 18,1 12,8 5,8 0,5 -4,4 Ø 6,1
Temperatur (°C) -3,2 -0,2 6,7 13,4 17,6 22,5 26,1 25,4 20,2 13,1 5,8 -0,3 Ø 12,3
Niederschlag (mm) 12,9 16,5 21,1 39,6 49,4 32,8 15,5 10,6 10,5 26,8 19,1 11,9 Σ 266,7
Sonnenstunden (h/d) 2,6 4,2 5,4 6,0 7,6 9,5 10,1 9,8 8,6 6,2 4,4 2,4 Ø 6,4
Regentage (d) 6,0 6,7 7,4 12,1 15,2 10,7 5,9 4,7 4,1 8,6 6,7 6,4 Σ 94,5
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
2,0
-7,6
5,7
-4,7
13,1
0,7
19,9
6,8
24,3
10,8
29,7
15,0
33,6
18,7
33,3
18,1
29,1
12,8
21,4
5,8
12,9
0,5
4,8
-4,4
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
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s
c
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g
12,9
16,5
21,1
39,6
49,4
32,8
15,5
10,6
10,5
26,8
19,1
11,9
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahlen 2019[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Kommunalwahlen 2019 gewann der Bürgermeisterkandidat Yaşar Akkuş (HDP) mit 50,1 % der Stimmen.

Kommunalwahl 2019 in IĞDIR
 %
60
50
40
30
20
10
0
50,1
46,7
2,3
0,5
0,2
0,3

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Iğdır ist Sitz des Fußballvereins Iğdırspor, der zeitweise in der zweiten türkischen Liga spielte.

Fotos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Iğdır ist mit zwei Städten verschwistert:

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Iğdır – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Türkiye Nüfusu İl ve İlçelere Göre Nüfus Bilgileri (Nufusune.com), abgerufen am 23. April 2019
  2. Central Dissemination System/Merkezi Dağıtım Sistemi (MEDAS) des TÜIK, abgerufen am 5. Mai 2019
  3. Kemalettin Köroğlu: The Northern Border of the Urartian Kingdom. In: Altan Çilingiroğlu/G. Darbyshire (Hrsg.): Anatolian Iron Ages 5, Proceedings of the 5th Anatolian Iron Ages Colloquium Van, 6.–10. August 2001. British Institute of Archaeology at Ankara Monograph 3 (Ankara 2005) 101
  4. R. D. Barnett: The Urartian Cemetery at Igdyr. In: Anatolian Studies, Vol. 13, 1963, S. 153–198, hier S. 163
  5. a b Armenische Sowjetische Enzyklopädie, Band 4, Jerewan, 1978, S. 309.
  6. Richard G. Hovannisian: The Republic of Armenia – The First Year, 1918–1919. University of California Press, Berkeley 1971, ISBN 0-520-01984-9, S. 128–129.
  7. Melville Carter: The Land Of The Stalking Death: a Journey Through Starving Armenia on an American Relief Train. National Geographic, XXXVI, November 1919; abgerufen am 20. Februar 2011.
  8. Richard G. Hovannisian: The Republic of Armenia – Between Crescent and Sickle, Partition and Sovietization. University of California Press, Berkeley 1996, ISBN 0-520-08804-2.
  9. N. A. Troynitskii: Первая всеобщая перепись населения Российской Империи, 1897 г. (Erivanskaya Guberniya), (Sankt Petersburg 1904) S. 144.
  10. FAZ Nr. 116, 22. Mai 2018, S. 10.
  11. Iğdır Genocide Monument and Museum.