IABG

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IABG
IABG Logo.svg
Rechtsform GmbH
Gründung 1961
Sitz Ottobrunn, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter ca. 1000 (2016)
Umsatz 148,9 Mio. Euro (2016)
Branche Automotive, Infokom, Mobilität, Energie & Umwelt, Luft- und Raumfahrttechnik, Verteidigung & Sicherheit
Website www.iabg.de
Geschäftsführung und Aufsichtsrat der IABG am 16. April 1964. Von links: Albert Wahl, Helmuth Sachse, Theodor Benecke, Theodor Schultes, Herbert Köppel (Vorsitzender), Ludwig Heigl, Hans Pasche, Klaus Kopfermann, Max Mayer, Gerhard Ritter, Fritz Troll.

IABG (Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH) ist ein deutsches Analyse- und Testdienstleistungs-Unternehmen mit Sitz in Ottobrunn bei München. Schwerpunktmäßig ist das Unternehmen für die Automotive-, Luft- und Raumfahrtindustrie sowie Verteidigung & Sicherheit tätig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. Februar 1961 trafen sich Vertreter des Bundesverteidigungsministeriums und der Industrieverwaltungsgesellschaft (IVG) in Bonn, um die Gründung einer Gesellschaft zum Betrieb eines Anlagenzentrums zu beschließen. Im März 1961 stimmte Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß der Gründung zu, worauf am 1. Juni 1961 das neue Unternehmen schließlich seine Tätigkeit aufnahm. Zum technischen Geschäftsführer wurde Dr.-Ing. Klaus Kopfermann bestellt. Kopfermann, ein Enkel des Luftfahrtpioniers Otto Lilienthal, war zuvor bei der Bölkow Entwicklungen KG leitend tätig. Als von der Bundesrepublik Deutschland finanziertes Test- und Analysezentrum sollte die IABG als industrieunabhängiges Unternehmen der gesamten deutschen Luftfahrtindustrie zur Verfügung stehen.[1]

Ein frühes großes Projekt war 1973 der Gesamtzellen-Ermüdungsversuch am ersten Airbusmodell, dem Airbus A300. 1992 begannen Großversuche an der europäischen Ariane 5-Rakete. 1993 wurde das Unternehmen privatisiert und wird heute von ihren Eigentümern geführt. Eines der bekanntesten Projekte ist der Gesamtzellen-Ermüdungsversuch am Airbus A380, den die IABG von 2004 bis 2012 am Standort Dresden durchführte. 2015 beschäftigte die IABG rund 1.000 Mitarbeiter an 18 deutschen und internationalen Standorten bei einem Gesamtumsatz von 161,9 Mio Euro.

Am 22. September 2006 kam es auf der Transrapid-Versuchsanlage Emsland zu einem schweren Unfall mit 23 Todesopfern. Die IABG musste sich in ihrer Rolle als Transrapid-Betreibergesellschaft für diesen Vorfall verantworten. Die Unfallursache war menschliches Versagen.

2014 wurde durch die von Edward Snowden entwendeten Geheimdokumente bekannt, dass der britische Geheimdienst GCHQ versucht hat, eine Satelliten-Bodenstation der IABG zu hacken.[2]

Geschäftsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

IABG Hauptsitz Ottobrunn

Automotive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Geschäftsfeld Automotive bietet das Unternehmen Test- und Entwicklungsdienstleistungen für Automobilhersteller und -zulieferer an. Hierfür betreibt die IABG ein nach gängigen Normen akkreditiertes Erprobungszentrum. Zum Portfolio gehören auch die Entwicklung und der Bau von Prüfständen.

InfoKom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geschäftsfeld InfoKom wurde 1989 geschaffen. Die IABG plant, integriert und betreibt komplexe IT- und Kommunikationssysteme bis zur Einführung und begleitet deren Lebenszyklus. Zum Dienstleistungsangebot gehören Sicherheitskonzepte und Kostenmodelle zur Optimierung der Sicherheit und Wirtschaftlichkeit von IT-Systemen.

Das Unternehmen war vor ihrer Privatisierung unter anderem an der Ausarbeitung dreier ehemaliger deutscher Standardwerke zur IT-Sicherheit beteiligt. Namentlich sind das die IT-Sicherheitskriterien (ITSK), das IT-Evaluationshandbuch (ITEHB) und das IT-Sicherheitshandbuch (ITSHB). Die Werke erschienen 1989, 1990 und 1992. Zu den Nachfolgern dieser Werke gehören die Common Criteria (1996 veröffentlicht) und das 1994 erschienene IT-Grundschutzhandbuch.[3]

Mobilität, Energie & Umwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Geschäftsfeld Mobilität führt das Unternehmen zur Fahrzeug- und Verkehrstechnik, Fahrdynamik, Fahrkomfort und Antrieb durch. Zum Portfolio gehören Berechnungen zu Festigkeit, Dynamik und Akustik sowie Strukturversuche an Gesamtstrukturen und Komponenten. Überdies untersucht die IABG die Möglichkeiten der Übertragung der Magnetbahntechnik auf Anwendungen für den Individualverkehr.

Im Geschäftsfeld Energie werden Lösungen für Elektromobilität und die Energiewende angeboten. Die Schwerpunkte liegen hier auf dem Rückbau von Kernkraftwerken und der Nachrüstung kerntechnischer Anlagen sowie der Qualifizierung und dem Engineering von Windenergieanlagen.

Im Geschäftsfeld Umwelt konzentriert sich das Unternehmen auf die Schwerpunkte Geodaten und Umweltengineering. In ihrer Geodaten-Factory am Standort Dresden ermittelt und interpretiert die IABG raumbezogene Daten, z. B. für die Vermessung von Überschwemmungsgebieten, die Mobilfunkplanung oder für Kommunale Kataster.

Luftfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Versuchsaufbau Airbus A380 der IABG zusammen mit der IMA Dresden

Das Unternehmen testet Flugzeuge und einzelne Baugruppen auf ihre Festigkeit und Lebensdauer. Dazu gehören Lebensdauer- und Sicherheitsanalysen, Versuchskonzepte und -programme, Testsimulation, statische Belastungsversuche, Betriebsfestigkeitstests an Gesamtzellen und Teilstrukturen, Werkstoffprüfung und die zerstörungsfreie Prüfung. Wichtige Projekte sind der Struktur-Ermüdungsversuch am Airbus A380 (2012 beendet), der Ermüdungsversuch an der Gesamtstruktur des Militärtransporters A400M, die Lebensdauerverlängerungstests an der A320 sowie die Struktur-Ermüdungsversuche an der A350 XWB. In jüngsten Projekten führte die IABG Versuche an der Bombardier C-Series sowie am Pilatus PC-24 durch.

Raumfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen führt in ihrem von der ESA koordinierten Raumfahrtzentrum Qualifikationstests an Trägerraketen wie die Ariane 5 Oberstufe und Vega, an Satelliten wie SWARM, LISA Pathfinder und Sentinel-2A sowie anderen Raumfahrtstrukturen durch. Dazu gehören mechanische, thermische und akustische Tests, die Bestimmung der Masseeigenschaften sowie Unterstützungsleistungen im Bereich Engineering und Qualitätsmanagement.

Verteidigung & Sicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Geschäftsfeld Verteidigung & Sicherheit unterstützt das Unternehmen Streitkräfte und ihre Beschaffungsvorhaben. Hierzu gehören Lösungen für Schutz- und Sicherheitsfragen, für Prävention und Reaktion gegen Gefahren wie Cyber-Terrorismus und Angriffe auf kritische Infrastrukturen.

Zudem besitzt das Planungsamt der Bundeswehr eine Außenstelle in den Gebäuden der IABG. Die Leitung der Dienststelle hatte von 2014 bis 2017 Oberst i.G. Sönke Marahrens inne.

Besitzverhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Wirkung zum 1. Januar 2010 bilden die SCHWARZ Holding GmbH (87,4 % des Stammkapitals) gemeinsam mit der IABG Mitarbeiterbeteiligungs AG (MBAG, 12,6 % des Stammkapitals) den Gesellschafterkreis der IABG.

Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Acentiss GmbH, Ottobrunn
  • Alawe Vermietungs GmbH & Co KG, Wiesbaden
  • BIGS gGmbH, Potsdam
  • B.I.M. GmbH, Ottobrunn
  • European Test Services B.V. (ETS), Niederlande / Noordwijk
  • EXTEDO GmbH, Ottobrunn
  • IABG Grundbesitz GmbH, Ottobrunn
  • IABG Innovationen GmbH, Ottobrunn
  • IFB GmbH, Berlin
  • INTIS GmbH, Hamburg
  • MEADS LLC, USA / Huntsville
  • Vites GmbH, Ottobrunn

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: IABG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. IABG (Hrsg.): 50 Jahre IABG. 1961 - 2011. August Dreesbach Verlag, München 2011, ISBN 978-3-940061-57-7.
  2. A wie Angela Laura Poitras, Marcel Rosenbach und Holger Stark in Der Spiegel 14/2014
  3. Andreas Fritsch: Das IT-Sicherheitshandbuch des BSI. Sicherheitskonzepte erstellen ist kein Abhaken von Checklisten. In: computerwoche.de. 19. November 1993, abgerufen am 27. August 2013.