IFA F9

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IFA
IFA F9 front 20040924.jpg
F9, später 309
Produktionszeitraum: 1950–1956
Klasse: Untere Mittelklasse
Karosserieversionen: Limousine, Kombi, Cabriolet, Cabriolimousine
Motoren: Ottomotoren:
0,9 Liter
(21–22 kW)
Länge: 4200 mm
Breite: 1600 mm
Höhe: 1450 mm
Radstand: 2350 mm
Leergewicht: 900–960 kg
Vorgängermodell IFA F8
Nachfolgemodell Wartburg 311

Der IFA F9 ist ein Pkw-Modell des Industrieverbandes Fahrzeugbau der DDR. Der Wagen mit Dreizylinder-Zweitaktmotor wurde von Oktober 1950 bis Sommer 1953 im VEB Kraftfahrzeugwerk Audi Zwickau (früher Auto Union, Werk Audi) gebaut und lief danach bis 1956 noch unter dem Namen EMW 309 im VEB Automobilwerk Eisenach (AWE) vom Band. Nachfolger war der Wartburg 311.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg wurde von der Auto Union der DKW F9 entworfen, dessen Markteinführung für 1940 vorgesehen war. Mit dem Kriegsbeginn wurden die Pläne vorerst zurückgestellt. Der F9 wurde dann 1948 auf der Leipziger Frühjahrsmesse offiziell vorgestellt und als eines der ersten Nachkriegsmodelle in der DDR gebaut.

Ab 1949 wurde im VEB Kraftfahrzeugwerk Audi Zwickau zunächst das Vorkriegsmodell IFA F8 hergestellt (siehe DKW F8), ab Oktober 1950 ging auch der F9 in Zwickau in Produktion. Die Karosserien wurden im Zwickauer Horch-Werk produziert, der Motor kam vom Motorenwerk Chemnitz, montiert wurden die Wagen im ehemaligen Audi-Werk der Auto Union. Die Stückzahlen hielten sich zunächst in Grenzen, insgesamt wurden 1920 F9-Fahrzeuge in Zwickau hergestellt.[1] 1952 kam ein Cabriolet vom VEB Karosseriewerk Dresden (vormals Gläser-Karosserie) hinzu, im selben Jahr wurde die Motorleistung von 28 auf 30 PS erhöht.[2] Es wurden Versuchswagen mit Kunststoffkarosserie hergestellt.[2] Entwicklungsarbeiten in diese Richtung wurden später jedoch nicht mehr weiter verfolgt. Im Sommer 1953 wurde die Produktion in Zwickau zugunsten des neuentwickelten AWZ P70 – einem F8 mit Kunststoffkarosserie in Pontonform – beendet.

In nunmehr deutlich größeren Stückzahlen wurde unter der internen Bezeichnung EMW 309 die Produktion von 1953 bis 1956 im VEB Automobilwerk Eisenach fortgesetzt. Die Limousine hatte fortan eine modernere Windschutzscheibe sowie eine veränderte Heckscheibe: Die Frontscheibe bestand nicht mehr aus zwei planen, winklig zueinander angeordneten Teilen mit Mittelsteg, sondern war nun größer, einteilig und gewölbt. Eine große einteilige Panoramaheckscheibe ersetzte das bisher zweigeteilte kleine Rückfenster. Wegen der deutlich vergrößerten Scheiben wurde damals auch von einer Vollsichtkarosserie bzw. einer Vollsichtlimousine gesprochen.[3] Im Laufe des Jahres 1954 hielt die durchgehende Frontscheibe auch bei allen anderen Karosserievarianten Einzug.[4] Ergänzt wurde das Fertigungsprogramm durch einen Kombiwagen mit wahlweise Stahl-Holz- oder Ganzstahlaufbau[5], dessen Stückzahl allerdings recht gering blieb. Er hatte verstärkte Federn hinten, dickere Reifen 5,50 statt 5,00, sowie eine andere Übersetzung im Vorderachsantrieb.

1954 wurde der Tank nach hinten verlegt und dabei von 30 auf 40 Liter vergrößert. An dessen bisherigem Platz wurde eine wirksamere Heizung installiert. Veränderte Zylinderköpfe verringerten vor allem die Ansprüche des Motors an die Klopffestigkeit des Zweitaktgemisches und eine veränderte Auspuffanlage dämpfte die Geräusche in der Fahrgastzelle etwas besser.[6] Außerdem wurden Getriebe- und Antriebsübersetzung verändert. 1955 wurde dann die Krückstockschaltung durch eine Lenkradschaltung ersetzt. Die störanfällige Zentralschmierpumpe wurde 1955 von Pressstoff auf Zinkspritzguss umgestellt.[7] 1956 wurde der Unterbrecher verändert, um Zündstörungen zu beseitigen.[8] Ausstattung und Zubehör des F9 hatten bis zum Produktionsende eine Reihe kleinerer Schwächen.[9] Die Produktion endete 1956, Nachfolger wurden der in Eisenach aus dem F9 weiterentwickelte Wartburg 311. Insgesamt wurden bis Mai 1956 etwa 30.000 Fahrzeuge gebaut.

Modellvarianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

F9 Kombi
Seitenansicht der Limousine
Kübelversion
Kübelwagen 309/4

In der DDR wurden etwa zehn unterschiedliche Roadster und „Sportvarianten“ als Einzelstücke hergestellt und auf der Leipziger Messe präsentiert. Die Cabriolet-Karosserie kam von Gläser-Karosserie in Dresden. Auch eine Kombiversion war erhältlich.

Unter der Modellbezeichnung IFA F9 309/4 wurde in geringer Stückzahl eine offene Karosserievariante als Einsatzfahrzeug für die Nationale Volksarmee hergestellt. Drei erhaltene Exemplare des viersitzigen Kübelwagens sind bekannt.[10]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Technische Daten IFA F9
IFA F9 1950–1953 1954–1956
Motor: Dreizylinder-Zweitakt-Reihenmotor
Ladungswechsel: Umkehrspülung
Hubraum: 900 cm³
Bohrung × Hub: 70 mm × 78 mm
Leistung: 21 kW
(28 PS)
bei 3600/min
22 kW
(30 PS)
bei 3.800/min
max. Drehmoment:  73,5 Nm bei 2500/min
Verdichtung: 1:6,25 1:6,9
Gemischaufbereitung: 1 Flachstromvergaser BVF H32/0
Kühlung: Wasser (10 Liter)
Getriebe: Viergang
Radaufhängung vorn: Dreieckquerlenker unten, Querblattfeder oben
hydraulische Kolben-Stoßdämpfer
Radaufhängung hinten: starre Rohrachse, Längslenker, Querblattfeder oben
hydraulische Kolben-Stoßdämpfer
Bremsen: Trommeln vorn und hinten
Lenkung: Zahnstangenlenkung
Karosserie: Ganzstahl, Kastenprofilrahmen
Spurweite vorn/hinten: 1184 mm/1260 mm
Radstand: 2350 mm
Abmessungen: Limousine: 4200 mm × 1600 mm × 1450 mm
Kombi: 4200 mm × 1650 mm × 1570 mm
Cabriolet: 4200 mm × 1600 mm × 1500 mm
Leergewicht: 900–960 kg
Höchstgeschwindigkeit: Limousine u. Cabriolet: 110 km/h, Kombi: 90 km/h
Beschleunigung von 0–100 km/h in: Limousine u. Cabriolet: 39 s
Verbrauch: Limousine u. Cabriolet: 10 l/100 km, Kombi: 11 l/100 km
Preis: Limousine: 13.200, Kombi: 12.650, Cabriolet: 14.000
Cabrio-Limousine: 15.000 DM-Ost

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der IFA F9 war der letzte in der DDR gebaute PKW mit Selbstmördertüren.

Der F9 hatte ein „Schwestermodell“ – den von der „neuen“ westdeutschen Auto Union ab 1950 im Werk Düsseldorf-Derendorf gebauten DKW F89. Die Fahrzeuge waren weitgehend baugleich, der F89 hatte jedoch einen kleineren Zweizylindermotor und einen anderen Kühlergrill. Er wurde 1953 vom DKW F91 mit Dreizylindermotor ersetzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • DKW F9 – der neue leistungsfähige Personenkraftwagen der IFA. In: Kraftfahrzeugtechnik. 3/1951, S. 59–62.
  • Werner Oswald: Kraftfahrzeuge der DDR. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-613-01913-2.
  • Verbesserung an der Zentralschmierpumpe des PKW IFA F9. In: KFT 5/1957, S. 195.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: IFA F9 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Horch–Audi–Sachsenring. In: Super Trabi. Nr. 16, Jahrgang 1999, S. 46.
  2. a b Was gibts Neues? In: Kraftfahrzeugtechnik 11/1952, S. 330.
  3. Eberhard Kittler, DDR-Automobil-Klassiker. Band 2, Motorbuch Verlag, Stuttgart 2003, S. 47–48.
  4. Rückblick auf die technische Messe 1954. In: Kraftfahrzeugtechnik. 11/1954, S. 339.
  5. Kraftfahrzeuge auf der Leipziger Messe 1953. In: Kraftfahrzeugtechnik 11/1953, S. 343–344.
  6. Rückblick auf die technische Messe 1954. In: Kraftfahrzeugtechnik 11/1954, S. 339–340.
  7. Verbesserung an der Zentralschmierpumpe des PKW IFA F9. In: Kraftfahrzeugtechnik. 8/1957, S. 320.
  8. Unterbrecher wurde verbessert. In: Kraftfahrzeugtechnik. 1/1956, S. 33.
  9. Kritik an unseren Personenkraftwagen. In: Kraftfahrzeugtechnik. 2/1956, S. 70–72.
  10. DDR-Fahrzeuge von AWO bis Wartburg. Garant-Verlag, 2012, ISBN 978-3-86766-378-6, S. 145.