IGeL-Monitor

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Das Internetportal IGeL-Monitor stellt Gesundheitsinformationen bereit. Es bewertet seit 2012 Individuelle Gesundheitsleistungen beim Arzt (IGeL). Die Arbeit erfolge nach wissenschaftlichen Standards. Initiator und Auftraggeber ist der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS).

Problematisch seien dabei nach Frank Ulrich Montgomery vor allem eine politisch motivierte Auswahl der bewerteten IGeL und nicht kommunizierte Kriterien, nach denen IGeL zur Bewertung ausgewählt werden.[1]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der IGeL-Monitor ist ein Projekt des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS).[2] Inhaltlich unterstützt wird das Projekt durch externe Wissenschaftler. Das Projekt IGeL-Monitor ist dem Bereich Evidenzbasierte Medizin des MDS zugeordnet. Der MDS wird vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) finanziert.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgabe des IGeL-Monitors ist das Bereitstellen von Gesundheitsinformationen über IGeL, damit Versicherte beim Arzt eine informierte Entscheidung treffen können. Der IGeL-Monitor hat (Stand Oktober 2018) 50 Leistungen bewertet. Die Bewertungen:

  • positiv: 0
  • tendenziell positiv: 3
  • unklar: 20
  • tendenziell negativ: 21
  • negativ: 4
  • in Überarbeitung: 1
  • durch neue Bewertung ersetzt: 1

Zudem hat der IGeL-Monitor den Umgang mit IGeL und die Häufigkeit von angebotenen und nachgefragten IGeL in Umfragen untersucht. Die beiden am häufigsten genannten IGeL (Augeninnendruckmessung zur Glaukom-Früherkennung und Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung) werden von den ärztlichen Fachgesellschaften nicht empfohlen und durch den IGeL-Monitor mit „tendenziell negativ“ und „negativ“ bewertet.[3]

Der IGeL-Monitor ist außerdem Mitherausgeber des Leitfadens Gute Praxis Gesundheitsinformation.[4]

Arbeitsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der IGeL-Monitor bewertet möglichst relevante, häufig in Anspruch genommene IGeL.[5] Die Bewertungen folgen dem wissenschaftlichen Standard der Evidenzbasierten Medizin (EbM). Nach einer systematischen Recherche in medizinischen Datenbanken und Studienauswertung werden Nutzen und Risiken einer IGeL-Leistung dargestellt und gegeneinander abgewogen.[6]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik kommt von Vertretern der Ärzteschaft. Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, sagte 2015: „Problematisch sind vor allem die offenbar rein politisch motivierte Auswahl der bewerteten IGeL und die nicht kommunizierten Kriterien, nach denen IGeL zur Bewertung ausgewählt werden.“[1] Christian Albring, Vorstand im Spitzenverband der Fachärzte Deutschlands e.V. (Spifa), sprach 2017 von „Ärztebashing“[7] und 2018 kritisierte er, dass die Krankenkassen mit dem IGeL-Monitor ein Instrument des Medizinischen Dienstes geschaffen hätten, das diese modernen „Individuellen Gesundheits-Leistungen“ in der Öffentlichkeit vielfach in Misskredit bringe.[8] Auch Facharztverbände reagieren mitunter kritisch auf einzelne Bewertungen.[9] Überregionale Medien greifen Pro und Contra immer wieder auf.[10][11]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Pressemitteilung der Bundesärztekammer vom 26. Februar 2015, „BÄK bietet Patienten und Ärzten seriöse Informationen zum richtigen Umgang mit Igel“
  2. IGeL-Report 2018: Individuelle Gesundheitsleistungen sind nur selten von Nutzen, rp-online, 3. Mai 2018
  3. IGeL-Report 2018, Versichertenbefragung des MDS/IGeL-Monitor (Kurzbericht)
  4. Gute Praxis Gesundheitsinformation 2016, Liste der Unterzeichner
  5. IGeL-Monitor, „Wie wir arbeiten“, Themenauswahl
  6. IGeL-Monitor, Bewertungsgrundsätze
  7. Spifa kritisiert Urteile des IGeL-Monitors, 22. Februar 2017, Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
  8. IGeL-Leistungen laut MDS nicht in Einklang mit medizinischen Empfehlungen, Ärzteblatt, 3. Mai 2018
  9. IGeL: Die Top-Ten im Check, 13. September 2018, Ärzte-Community Coliquio
  10. Jan Schweitzer: Und das soll mir helfen? Nicht alle Versprechen auf dem Markt der Gesundheit dienen den Patienten. Oft geht es ums Geschäft., Die Zeit 37/2018, 5. September 2018
  11. Braucht es teure Zusatzleistungen beim Arzt? Kommentar von Felix Hütten, Süddeutsche Zeitung, 26. Februar 2017