INIT Innovation in Traffic Systems

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
init innovation in traffic systems SE

Rechtsform Societas Europaea
ISIN DE0005759807
Gründung 1983
Sitz Karlsruhe, Deutschland Deutschland
Leitung
Mitarbeiterzahl 1009 (2020)[1]
Umsatz 180 Mio. Euro (2020)[1]
Branche Verkehrstelematik
Website www.initse.com
Stand: 31. Dezember 2020

Die init innovation in traffic systems SE ist ein deutsches Unternehmen für IT-Lösungen im öffentlichen Personenverkehr. Der Konzernhauptsitz befindet sich in Karlsruhe.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

INIT wurde 1983 als Universitäts-Spin-off von Gottfried Greschner gegründet. 1988 kam aus Osnabrück der erste Auftrag für ein rechnergesteuertes Betriebsleitsystem (RBL). Zwei Jahre später folgte das erste internationale Projekt in Stockholm. Mit INIT USA gründete das Unternehmen 1999 die erste Niederlassung im Ausland. Der Gang an die Börse erfolgte 2001. Seit 2003 ist die AG am regulierten Markt der Deutschen Börse im Prime Standard gelistet.[2] Seit seinem Börsengang internationalisierte sich das Unternehmen verstärkt mit Projekten und Standorten in der MENA- und APAC-Region. Auch durch Übernahmen und Beteiligungen wuchs die INIT-Gruppe.

Im Jahr 2017 firmierte sie schließlich in eine Europäische Aktiengesellschaft (Societas Europaea) um.

Hauptsitz in Karlsruhe

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Hauptsitz in Karlsruhe besitzt init Niederlassungen in den USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Dubai, Abu Dhabi, Singapur, Großbritannien, Frankreich, Finnland, Irland und Schweiz. Hundertprozentige Töchter der init SE sind die INIT GmbH und INIT Inc. sowie HanseCom GmbH, INIT Mobility Software Solutions GmbH[3], inola GmbH und Mattersoft Oy in Tampere, Finnland.[4] Außerdem verfügt die init SE über Beteiligungen an der CarMedialab GmbH[5]. Die INIT GmbH wiederum ist alleinige Gesellschafterin der iris-GmbH[6] und verfügt darüber auch Anteile an der DResearch Fahrzeugelektronik Gruppe[7] und der maBinso software GmbH.[8] Zur INIT Inc. wiederum gehören die hundertprozentige Tochter SQM LLC[9] sowie Anteile der TQA LLC.[10]

Der Vorstand der SE setzt sich zusammen aus dem Gründer Gottfried Greschner (CEO), dessen Bruder Jürgen Greschner (CSO) und Matthias Kühn (COO). Im Aufsichtsrat sitzen Hans-Joachim Rühlig (Vorsitzender), Christina Greschner, Ulrich Sieg und Andreas Thun.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

INIT entwickelt Soft- und Hardware für Aufgaben von Verkehrsunternehmen.[11] Die Prozesse von der Erstellung von Fahrplänen und der Fahrzeug- und Fahrereinsatzplanung über den Fahrscheinverkauf, die Betriebssteuerung, die Information der Fahrgäste bis hin zur Analyse und Optimierung des Betriebsgeschehens werden von einem vollintegrierten System unterstützt. Dabei haben die IT-Lösungen einen modularen Aufbau, so dass alle Komponenten auch einzeln eingesetzt oder in vorhandene Systeme integriert werden können.

Schlüsselprodukte sind:

  • das Intermodal Transport Control System MOBILE-ITCS
  • das Planungs- und Datenmanagement System MOBILE-PLAN
  • das Dispositions- und Betriebshofmanagementsystem MOBILE-PERDIS
  • das Ticketinghintergrundsystem MOBILEvario
  • der PC-basierte Bordrechner COPILOTpc2
  • die Produktfamilie zum Erwerb und zur Validierung von Fahrscheinen
  • die integrierten Systeme zum Einsatz von Elektrobussen im ÖPNV

Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

INIT hat weltweit zahlreiche Projekte umgesetzt, darunter mit Verkehrsunternehmen in Karlsruhe, München, Nürnberg, Stockholm, Oslo, Turku, Luxemburg, New York, Portland, Vancouver, Montréal, Dubai und Christchurch.

Für die New Yorker Paratransit-Busse löste INIT 2006 das Problem fehlender GPS-Signale. Mit einer patentierten Neuentwicklung wurde es dem Verkehrsunternehmen Metropolitan Transportation Authority (MTA) möglich, inmitten der Häuserschluchten seine Fahrzeuge zu orten. Dazu rüstete das Unternehmen die 1.300 starke Paratransit-Flotte der Metropole mit einem Überwachungs-, Navigations- und Dispositionssystem aus. Ein Jahr später kamen weitere 500 Busse hinzu.[12]

Ticketingsystem für den Nahverkehr in Portland

2012 haben sich Luxemburgs Ministerium für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur und der Verkéiersverbond Luxembourg für ein Mobilitätsprojekt für das gesamte Staatsgebiet entschieden. INIT lieferte dafür ein mandantenfähiges Ticketingsystem zur Verbindung verschiedener ÖPNV-Angebote. 2016 entschied man sich außerdem dafür, Luxtram in das System zu integrieren. Luxtram ist verantwortlich für Konzeption, Bau und Betrieb des Tramnetzes. Das Unternehmen beauftragte INIT zudem damit, die Haltestellen mit stationären Fahrkartenautomaten auszustatten.[13]

Seit 2007 unterstützt INIT die Roads and Transport Authority (RTA), die Verkehrsbehörde von Dubai, dabei, den ÖPNV zu erweitern. Der Auftrag bestand im Aufbau eines Leit- und Informationssystems, inklusive der Ausrüstung von 1.300 Bussen mit innovativer Fahrzeugtechnologie. 2015 erfolgte die systemische und technische Ausweitung auf den Schiffsverkehr.[14] Das Betriebssteuerungssystem wurde mit dem Gulf Engineering Innovation Forum Award ausgezeichnet.[15]

2014 unterstützte INIT das Verkehrsunternehmen Tri-Country Metropolitan Transportation District of Oregon TriMet bei der Einführung des bargeldlosen Fahrscheinkaufs in Portland und entwickelte dafür ein kontenbasiertes Ticketingsystem, das sowohl unternehmenseigene Karten als auch offene Bezahlsysteme unterstützt. Mithilfe ID-basierter Chipkarten können Fahrgäste das Ticket mit Smartphone oder Kreditkarte bezahlen. Dabei vergleicht das System die hinterlegten Tarife und berechnet den günstigsten Fahrpreis. Seit 2018 können die Fahrgäste der Unternehmen TriMet, C-TRAN und Portland Streetcar auch die weltweit erste regionale, virtuelle Smartcard über Google Pay nutzen, um ihre Fahrtberechtigung zu erwerben.[16]

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

INIT hat es sich zum Ziel gesetzt, technischen Fortschritt schnell für den öffentlichen Personenverkehr verfügbar zu machen. Dafür arbeitet das Unternehmen mit verschiedenen Partnern zusammen.

Auf Sicherheit im ÖPNV konzentriert sich das seit 2013 laufende, 2017 mit dem Deutschen Mobilitätspreis[17] ausgezeichnete Forschungsprojekt InREAKT. Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, entwickeln INIT und ihre Partner ein technisches System, das automatisiert kritische Situationen erkennt und entsprechende Maßnahmen initiiert.[18]

Aim4it ist ein von der EU gefördertes Projekt, bei dem INIT 2014 bis 2018 mit Forschungsinstituten, Verkehrsunternehmen und der Industrie zusammenarbeitete. Es beschäftigte sich mit einem Reiseassistenzsystem für Personen mit besonderen Mobilitätsbedürfnissen.[19]

2016 hat INIT gemeinsam mit ihren Partnern die Arbeit am Forschungsprojekt Mendel aufgenommen. Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Projekt soll die Belange von Energieversorgern und Verkehrsunternehmen in Einklang bringen. Konkret geht es um die besonderen Anforderungen, die der Betrieb von Elektrobussen im ÖPNV an die Ladeinfrastruktur, Umlaufplanung und Betriebssteuerung stellt.[20]

Ebenfalls seit 2016 erforscht INIT gemeinsam mit Scania im Rahmen des Projekts iQMobility die Auswirkungen autonom fahrender Busse. Ziel ist es, Daten zu sammeln, die Rückschlüsse, darauf zulassen, wie Systeme für Planung, Disposition und Depotmanagement angepasst werden müssen, damit sie den Anforderungen fahrerloser Fahrzeuge Rechnung tragen.[21]

Ziel des deutsch-französischen Forschungsprojektes U-THREAT ist es, die Sicherheit im U-Bahn-System zu erhöhen. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes werden Konzepte und technische Lösungen erarbeitet, um nach Betriebsstörungen jeglicher Art rasch wieder zum Normalbetrieb zurückkehren zu können. Im Anschluss werden Maßnahmen ausgearbeitet, um die Widerstandsfähigkeit in den maßgeblichen Bereichen Betrieb, Gebäude und Nutzer zu erhöhen.[22]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem europäischen „Talent in Mobility Award“ in der Kategorie "Best Manager" wurde im Jahr 2018 Dirk Weißer, Head of Research bei INIT, ausgezeichnet.[23]

Im Jahr 2017 erhielt INITs nordamerikanische Niederlassung INIT Inc. in Chesapeake, Virginia den Business of the Year Award für ihr Unternehmenswachstum, gesellschaftliches Engagement und Förderung des Wirtschaftsstandorts. Auch die Unternehmenskultur spielte bei der Entscheidung zur Awardvergabe eine tragende Rolle.[24]

Ebenfalls an die nordamerikanische Niederlassung in Chesapeake ging im selben Jahr für positive Unternehmenskultur der „Best Place to Work“-Award, verliehen durch das COVA Biz Magazine.[25]

Auch das deutsche Mutterunternehmen wurde mehrfach als guter Arbeitgeber ausgezeichnet: 2009, 2013 und 2015 honorierte der von den Wirtschaftsjunioren Karlsruhe verliehene BFamily-Award das Gesamtpaket aus Kinderbetreuung, Gesundheit und Arbeitszeit.[26]

Firmengründer Gottfried Greschner wurde mehrfach für seine unternehmerische Leistung ausgezeichnet: 2014 mit dem „Talent in MobilityAward“ in der Kategorie „Special Career Award“,[27] 2012 als „Entrepreneur des Jahres“ (verliehen von der Unternehmensberatung Ernst & Young)[28] sowie bereits 1989 mit dem Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg („Dr. Rudolf Eberle Preis“).[29]

2009 erhielt das Unternehmen vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) den itcs-Innovations-Award. Der Preis würdigt innovative Leistungen der INIT im Bereich Intermodal Transport Control Systems (ITCS, Rechnergestütztes Betriebsleitsystem) und wurde für das Modul „Onlineumleitung“ im MOBILE-ITCS verliehen.[30]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Key figures. In: initse.com. Abgerufen am 30. August 2021.
  2. Die Aktie. In: initse.com. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  3. Organisation. In: initse.com. Abgerufen am 14. Mai 2021.
  4. Organisation. In: initse.com. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  5. Website CarMediaLab. In: carmedialab.de. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  6. Website iris-GmbH. In: irisgmbh.de. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  7. Website DResearch Fahrzeugelektronik Gruppe. In: DResearch. Abgerufen am 6. Mai 2020.
  8. Website maBinso. In: mabinso.com. Abgerufen am 7. Dezember 2020.
  9. Website Software Quality Methods, LLC. In: softwarequalitymethods.com. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  10. Organisationsstruktur. In: initag.de. Abgerufen am 26. August 2016.
  11. Produktübersicht. In: initag.de. Abgerufen am 26. August 2016.
  12. init US-Tochter gewinnt Ausschreibung New York City. In: finanzen.net. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  13. Verkéiersverbond und Luxtram. In: initse.com. Abgerufen am 7. Juni 2018.
  14. Website IT Times: Folgeauftrag für init AG aus Dubai. In: it-times.de. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  15. Arabian Business Community: RTA wins engineering innovation forum award. In: tradearabia.com. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  16. init celebrates world's first account-based regional transit fare card within Googole Pay. In: busride.com. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  17. Deutscher Mobilitätspreis 2017. In: deutscher-mobilitaetspreis.de. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  18. Website InREAKT. In: inreakt.de. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  19. Website Institut für Verkehrssystemtechnik: aim4it. In: dlr.de. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  20. Forschungsportal Sachsen-Anhalt: Mendel. In: forschung-sachsen-anhalt.de. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  21. iQMobility. In: initse.com. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  22. Startseite Forschungsprojekt U-THREAT. In: u-threat.com. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  23. Talent in Mobility. In: transportspublics-expo.com. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  24. Business of the Year Award 2017. In: www.initse.com. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  25. Best Place to Work Award 2017. In: www.initse.com. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  26. Wirtschaftsjuroren Karlsruhe: BFamily Award. In: wj-karlsruhe.de. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  27. Gottfried Greschner erhält Special Career Service Award. In: itcs-info.de. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  28. Entrepreneur des Jahres 2002. In: initse.com. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  29. Innovationspreis Baden-Württemberg: Auszeichnungsjahr 1989. In: innovationspreis-bw.de. Abgerufen am 28. Juni 2018.
  30. INIT online detour module wins innovation award. In: metro-magazine.com. Abgerufen am 28. Juni 2018.