IS-2 (Panzer)

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IS-2
Sowjetischer IS-2 im militärischen Museum Lešany (Tschechien)

Sowjetischer IS-2 im militärischen Museum Lešany (Tschechien)

Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 4 (Kommandant, Richtschütze, Ladeschütze, Fahrer)
Länge 9,90 m
Breite 3,09 m
Höhe 2,73 m
Masse 46 Tonnen
Panzerung und Bewaffnung
Panzerung 20–120 mm
Hauptbewaffnung 1 × 122-mm-Kanone D-25T
Sekundärbewaffnung 1 × 12,7-mm-DSchK-Maschinengewehr

2 × 7,62-mm-DP-Maschinengewehr

Beweglichkeit
Antrieb Dieselmotor W-2IS
520 PS
Federung Drehstabfeder
Höchstgeschwindigkeit 37 km/h (Straße), 19 km/h (Gelände)
Leistung/Gewicht 11,3 PS/Tonne
Reichweite 240 km

Der schwere sowjetische Panzer IS-2 (JS-2) (von Iossif Stalin; deutsch Josef Stalin) war der Nachfolger des IS-1 und der wichtigste Vertreter der IS-Serie. Er zählt zu den stärksten Panzern, die im Zweiten Weltkrieg gebaut wurden.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der unter dem Namen IS-122 entwickelte IS-2 basierte auf dem IS-85 (IS-1). Er bestand anfangs aus der Wanne des IS-85 mit einem neuen Turm und einer Hauptwaffe größeren Kalibers.

Noch während der Entwicklung des IS-85 wurden die Fahrleistungen und die Panzerung als gut befunden, allerdings erschien die 85-mm-Kanone D-5T für einen schweren Panzer zu schwach. Als Alternativen boten sich die neuentwickelte D-10T im Kaliber 100 mm sowie die bewährte A-19 mit 122-mm-Kaliber an. Die D-10T zeigte bessere Durchschlagsleistungen gegen Panzerplatten, wäre aber erst im Frühjahr 1944 in Massenproduktion gegangen. Da die A-19 nicht wesentlich schlechter war, dafür aber eine wesentlich bessere Sprengwirkung hatte, entschied man sich für eine modifizierte A-19, nun D-25T genannt.

Da die D-25T im Vergleich zur D-5T größer und schwerer war, musste der Turm etwas vergrößert werden. Um das Gewicht nicht unnötig zu erhöhen, wurde die Panzerung an Turmheck und Turmseite um etwa 10 mm verringert. Der Nachteil der neuen Kanone war die Benutzung zweiteiliger Munition mit dementsprechend geringer Feuerrate sowie die nun lediglich vorhandenen 28 Schuss Munition. Dieser Panzer ging im Dezember 1943 als IS-122 in Serienproduktion, Anfang 1944 wurde dieser in IS-2, genauer IS-2 Modell 1943 umbenannt.

Bei den ersten Einsätzen Anfang 1944 zeigte sich eine unerwartet hohe Verlustrate, besonders auch gegen die kleineren deutschen 7,5-cm-Kanonen der StuG III und Panzerkampfwagen IV sowie der ähnlichen 7,5-cm-PaK 40. Bei vielen Tests und Beschussversuchen der Konstruktionsbüros wurde die Ursache in der ungünstigen stufenförmigen frontalen Wannenpanzerung gefunden. Diese verlief mit 60 mm Wandstärke bei 18 Grad Neigung erst recht flach, um dann um die ausfahrbare Sichtluke des Fahrers mit 120 mm bei 60 Grad steil anzusteigen. Daraufhin wurde eine neue gleichmäßig verlaufende Panzerplatte entwickelt, die eine durchgehende Stärke von 120 mm bei 30 Grad Neigung aufwies, ein Sichtschlitz für den Fahrer war nun fest eingebaut. Diese Version wurde dann als IS-2 Modell 1944 bezeichnet und befand sich ab Juni 1944 in Produktion. Vielfach wird der IS-2 Modell 1944 fälschlich als IS-2m bzw. IS-2M bezeichnet; einen IS-2M gab es aber erst in den 1950er-Jahren, als eine dem aktuellen Stand der Technik angepasste modifizierte Version des IS-2. Dieser erhielt unter anderem eine bessere Feuerleitanlage und eine verstärkte Panzerung.

Auf dem IS-2 aufbauend, wurde der IS-3 als Nachfolger entwickelt. Von 1944 bis 1945 wurden insgesamt 3475 IS-2 produziert und damit schon mehr als von den deutschen Tiger I und Tiger II zusammen.

Der General der Panzertruppe Hasso von Manteuffel berichtet in seinen Erinnerungen, dass bei den Kämpfen um Târgu Frumos im Mai 1944 die von ihm kommandierte Division Großdeutschland auf sieben IS-2, die für ihn „die Vorherrschaft des Tigers“ brachen, traf. Er ließ von den erbeuteten Panzern Bilder machen und führte sie zusammen mit einem Geschoss, um „die Größe der Kolosse“ zu veranschaulichen, Hitler auf dem Berghof vor.[1]

Vergleich mit gegnerischen deutschen Panzern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch wenn der Panzerkampfwagen IV weder in Panzerung noch in Bewaffnung mit dem IS-2 mithalten konnte, hatte die Hauptwaffe des Panzer IV auf geringe Entfernungen (etwa 500 m), wie beispielsweise bei einem Hinterhalt, gute Chancen, die Panzerung des IS-2 von hinten oder seitlich zu durchschlagen. Wurde ein Panzer IV von einem IS-2 angegriffen, hatte er hingegen kaum Überlebenschancen. Es gibt Berichte, dass nicht-durchdringende Treffer nahe dem Turm eines Panzers IV diesen glatt absprengten.

Im Vergleich zum Panzerkampfwagen VI Tiger hatte der IS-2 trotz seines um 10 t geringeren Gewichts eine wirksamere Panzerung, da sie eine bessere Form aufwies. Große Nachteile des Tigers waren seine wenig oder kaum abgeschrägte Panzerung und sein vergleichsweise langsam drehender Turm. Die 122-mm-Kanone des IS-2 wies mehr oder weniger die gleiche Leistung auf wie die 8,8-cm-KwK des Tigers.

Im Vergleich zum Panzerkampfwagen V Panther war der IS-2 besser gepanzert und lediglich etwa 2000 kg schwerer. Der Panther wies durch seine höhere Motorleistung jedoch eine bessere Beweglichkeit auf dem Schlachtfeld auf. Die Kanone des Panthers war der 122-mm-Kanone des IS-2 geringfügig überlegen, sodass sich die beiden Panzer gegenseitig auf etwa 1000 Meter ausschalten konnten. Der IS-2 hatte zudem eine deutlich höhere Nachladezeit für seine Kanone als der Panther, wodurch der Panther im Kampfgeschehen einen klaren Vorteil erhielt. Schwächen der Panther waren die untermotorisierte Turmschwenkanlage, er konnte nur nahezu geradestehend den Turm schwenken, zu geringe seitliche Panzerung sowie ein anfälliges Laufwerk.

Im Vergleich zum Panzerkampfwagen VI Tiger II hatte der IS-2 die schlechtere Hauptwaffe und weniger Panzerung. Der Tiger II konnte den IS-2 bereits auf große Entfernungen bekämpfen, wodurch die bedeutend bessere Beweglichkeit des IS-2 ausgeglichen wurde. Im Gegensatz dazu war der IS-2 wesentlich leichter herzustellen als der Königstiger. Außerdem funktionierte die Turmdrehung des Königstigers nur, wenn der Panzer gerade stand. Der Königstiger konnte aufgrund seiner Masse viele Brücken nicht passieren, die für den IS-2 kein Problem darstellten.

Allgemein war die 122-mm-Kanone des IS-2 nicht für die Panzerbekämpfung auf größere Distanz geeignet, da die Flugbahn der vergleichsweise langsamen Geschosse stark gekrümmt verlief und die Waffe nur eine geringe Präzision aufwies. Auf kurze und mittlere Entfernung konnte sie jedoch alle Panzerungen feindlicher Panzer durchdringen.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

IS-2 Modell 1943 (vorne) und IS-3 (hinten)
IS-2 im polnischen Oderbruch
IS-2 (ausgestellt im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden)
Heckansicht
Panzerkampfwagen IS-2[2]
0Allgemeine Eigenschaften
Besatzung vier Soldaten
Gefechtsgewicht 46 t
Bodendruck 0,82 kg/cm2
Länge 9,90 m
Breite 3,09 m
Höhe 2,73 m
Bodenfreiheit 42 cm
Kettenbreite 65 cm
0Bewaffnung
Hauptbewaffnung 122-mm-Kanone
Sekundärbewaffnung 4 × MG
Kampfbeladung HW 28 Geschosse
Kampfbeladung MG 2631 Schuss
0Fahrleistung
Motor W-2-IS, Diesel
Kühlung Wasser
Hubraum 38,9 l
Bohrung × Hub 150 mm × 180 mm
maximale Drehzahl 2200/min
PS 520 PS
Literleistung 13,4 PS/l
Leistungsgewicht 11,3 PS/t
Getriebe 8V, 2R (acht Vorwärts- zwei Rückwärtsgänge)
Höchstgeschwindigkeit Straße 37 km/h
Höchstgeschwindigkeit Gelände 19 km/h
Kraftstoffvorrat 820 l
Reichweite Straße 240 km
Reichweite Gelände 210 km
Lenkung Lenkbremsen
Laufrollen 6
Federung Torsionsstäbe
Watfähigkeit 130 cm
0Panzerung
Wannenbug 30–60° 60–120 mm (später 120 mm)
Wannenseite 75–90° 90 mm
Wannenheck 41–49° 60 mm
Wannenboden 20 mm
Turmfront 100 mm
Turmseite 72° 90 mm
Turmheck 60° 90 mm
Turmdach 30 mm
Stückzahl 3475

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mikhail Baryatinskiy: The IS-Tanks IS-1, IS-2, IS-3 Russian Armour Volume 1. Ian Allan Publishing Ltd., Hersham 2006, ISBN 0-7110-3162-2.
  • M. Swirin: Panzer Iosef Stalin. Exprint, Moskau 1999, ISBN 5-85729-031-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: IS-2 – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hasso von Manteuffel: Panzerkampf im Zweiten Weltkrieg. Schnellbach 2007, S. 125.
  2. Thomas L. Jentz: Die deutsche Panzertruppe 1943–1945. Podzun-Pallas Verlag, 1999, ISBN 3-7909-0624-7, S. 279.