ISAS BC-9001

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

ISAS BC-9001 ist eine Qualitätsmanagementnorm für die Rundfunkbranche. Sie wurde von der Schweizer Media & Society Foundation (MSF) in Zusammenarbeit mit International Standardization and Accreditation Services (ISAS) entwickelt. Die MSF und die ISAS gehen dabei davon aus, dass das in der Wirtschaft seit Jahren praktizierte Qualitätsmanagement sich grundsätzlich auch auf die Medienbranche anwenden lässt. Trotz der Offenheit und Flexibilität der ISO 9000-Normenreihe kann diese aber nicht allen spezifischen Eigenheiten der Medien gerecht werden. Einerseits nehmen Medien eine gesonderte Rolle in der Gesellschaft ein („vierte Macht“), andererseits ist die gleichzeitige Orientierung auf zwei Märkten – dem Publikumsmarkt und dem Werbemarkt – in der übrigen Wirtschaft unbekannt.

Aufbau der Norm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die internationale Norm ISAS BC-9001:2003 [1] basiert auf der QM-Norm ISO 9001. Deren Anforderungen an ein Qualitätsmanagementsystem sind Bestandteil von ISAS BC-9001. Darüber hinaus werden Anforderungen definiert, die spezifisch für Rundfunkunternehmen sind. Ein gesonderter Leitfaden [2] beschreibt grundsätzliche Prinzipien und Standardverfahren und soll die Einführung eines entsprechenden Qualitätsmanagementsystems erleichtern. Dabei liegt ISAS BC-9001 das Grundprinzip des PDCA-Zyklus von William Edwards Deming zu Grunde.

Rundfunkspezifische Anforderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Norm ISAS BC-9001 bewertet nicht die Qualität des Programms an sich, sondern ausschließlich die der Organisation. ISAS BC-9001 kann nicht beglaubigen, dass einzelne Nachrichten richtig sind oder eine Sendung unterhaltsam ist. ISAS BC-9001 kann jedoch bestätigen, dass die Nachricht oder die Unterhaltungssendung von einem Rundfunkunternehmen produziert wurde, welches allgemein gültige professionelle Standards und ethische Werte beachtet. Medienorganisationen, die ein Qualitätsmanagementsystem nach ISAS BC-9001 implementieren wollen, müssen nachweisen, dass sie sich der Vollständigkeit, Ausgewogenheit und Genauigkeit von Informationen – also den Hauptbestandteilen von Medienqualität – verpflichtet fühlen. Gleichzeitig müssen sie zeigen, dass sie redaktionell unabhängig sind und eine interne Kultur besitzen, die u.a. eine klare inhaltliche Zielsetzung, einen effektiven Mechanismus zur Feststellung und Korrektur von Fehlern sowie Feedback-Möglichkeiten für Zuschauer und andere interessierte Parteien beinhaltet.

Die einzelnen Anforderungen sind in den Kapiteln 4 bis 8 aufgeführt, die mit dem Kapitelsystem der ISO 9001 identisch sind.

Die acht Hauptkapitel des Standards sind:

  • (Kap. 1-3 enthalten Vorwort und Allgemeines)
  • Kap. 4: Qualitätsmanagementsystem
  • Kap. 5: Verantwortung der Leitung
  • Kap. 6: Management von Ressourcen
  • Kap. 7: Produktrealisierung
  • Kap. 8: Messung, Analyse und Verbesserung

Qualitätsmanagementsystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ISAS BC-9001 verlangt vom Management, dass es alle Prozesse identifiziert und dokumentiert, die Einfluss auf den Inhalt des Programms, die Beziehung zu Regulierungsbehörden sowie Werbetreibenden, die Messung der Zuschauerzufriedenheit und das Personalmanagement haben. Die Dokumentation soll redaktionelle und Werberichtlinien, einen ethischen Kodex sowie ein Qualitätshandbuch beinhalten.

Verantwortung der Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leitung soll nachweisen, dass sie sich Werten wie der Unabhängigkeit von Politik, Wirtschaft und Militär, Meinungspluralismus, Innovation und Kreativität etc. verpflichtet fühlt. Die Qualitätspolitik der Leitung muss in einem offen zugänglichen Dokument formuliert werden. Weiter soll die Leitung einen Qualitätsausschuss und einen Mediationsmechanismus (Ombudsman) einrichten. Die Leitung soll die Beziehungen zu Eigentümern, Investoren, Behörden und Werbetreibenden klar beschreiben. Die jährlichen Managementbewertungen müssen u.a. die Berichte des Qualitätsausschusses sowie die Zufriedenheitswerte der Zuschauer und Werbetreibenden beinhalten. Diese Bewertung soll bewirken, dass die Qualitätspolitik wenn nötig aktualisiert wird und dass neue Zielsetzungen für die Verbesserung der Qualität gesetzt werden.

Management von Ressourcen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation muss klare Regeln für die Bewerbung und Entwicklung des Personals aufstellen. So sollen u.a. verständliche Arbeitsverträge vorhanden sein und die Leistungen jedes Mitarbeiters jährlich bewertet werden. Die Organisation soll zudem ihre Aufmerksamkeit auf die Qualität der Ausrüstung legen.

Produktrealisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation soll Kundenbeschwerden besondere Aufmerksamkeit schenken. Es soll sichergestellt werden, dass jede Produktion den Anforderungen der redaktionellen Richtlinien und dem ethischen Kodex entspricht. Die Organisation soll die inhaltlichen Anforderungen formal prüfen. Besonders wichtig ist die Messung von Zuschauerzufriedenheit und Beschwerden. Die Organisation soll Regeln einführen, nach denen externe Lieferanten bewertet werden. Urheberrechte müssen beachtet werden. Darüber hinaus sollen Kennzahlen und Kriterien für die Richtigkeit der Information, Zuschauerzahlen, technische Qualität und Beschwerden entwickelt werden. Die Organisation muss besonders darauf achten, dass Werbung mit den Werberichtlinien übereinstimmt.

Messung, Analyse und Verbesserung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Organisation muss alle wichtigen Informationen überwachen und wenn nötig korrigierende und präventive Maßnahmen einführen, um die ständige Verbesserung zu fördern.

Ziele der Norm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Interessierte Rundfunkorganisationen können sich die Einhaltung der Anforderungen zertifizieren lassen. Ziel ist es dabei, das Vertrauen zwischen dem Medienunternehmen und der Öffentlichkeit zu stärken, einen Beitrag zur kontinuierlichen Verbesserung des Medienunternehmens zu leisten sowie eine die Qualität mit den ökonomischen Erfordernissen abzustimmen. Weitere Vorteile sind die Vergleichbarkeit zwischen Rundfunkveranstaltern (Benchmarking), die Identifizierung und der Austausch von Standardabläufen, die Fähigkeit, qualitätsorientierte Journalisten anzuziehen sowie die Anerkennung von Beiträgen zur sozialen Entwicklung und Demokratie.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Körte: ISAS BC-9001: Eine internationale Qualitätsmanagementnorm für Fernsehsender in praktischer Anwendung und Auswertung am Beispiel des Deutschen Gesundheitsfernsehens, Bachelorarbeit, Mittweida 2007

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. International Standard BC-9001, version 1.0, 15.Nov.03, Quality Management Systems, Requirements for Radio, TV Broadcasters and Internet Content Producers
  2. Guidelines for ISAS BC-9001:2003 and ISAS P-9001:2005 International Standards, Version 1.1, March 15, 2007, Reference Number - ISAS-GLPBC 9001:2005 En