Ian Brady

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Ian Brady (Geburtsname Ian Duncan Stewart; * 2. Januar 1938 in Glasgow) ist ein britischer Serienmörder, der gemeinsam mit Myra Hindley als Moormörder (engl. Moors Murderer) in die Kriminalgeschichte einging.

Leben[Bearbeiten]

Er wurde als das Kind einer Kellnerin in Gorbals, einem der Problemviertel Glasgows, geboren. Bereits mit 3 Monaten gab seine Mutter ihn zu den Pflegeeltern Mary und John Sloan, nachdem sein Vater verstorben war.

Im Alter von zehn Jahren wechselte er auf eine Schule für hochbegabte Kinder, fiel dort jedoch vor allem durch sein schlechtes Verhalten auf. Schon früh beschäftigte er sich mit den Schriften von Donatien Alphonse François de Sade, Friedrich Nietzsche und Fjodor Dostojewski und mit Hitlers Mein Kampf.

Zwischen seinem dreizehnten und sechzehnten Lebensjahr kam er mehrfach wegen Diebstahls und Einbruch mit dem Gesetz in Konflikt und wurde zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Eine der Bewährungsauflagen bestand darin, dass er zu seiner Mutter ziehen musste, die inzwischen in Manchester mit einem Mann namens Patrick Brady verheiratet war. Er nahm den neuen Namen seiner Mutter an. Nachdem er einem LKW-Fahrer geholfen hatte, von einem Gemüsemarkt, auf dem Ian inzwischen arbeitete, Früchte zu stehlen, wurde er 1955 zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt.

Er arbeitete nach seiner Entlassung zuerst bei einer Brauerei und später als Buchhalter bei einer kleinen Chemiefabrik. Dort lernte er 1961 auch Myra Hindley kennen und die beiden verliebten sich ineinander.

Brady hielt sich für einen Außenseiter der Gesellschaft, herausragend aufgrund seiner Willenskraft und Selbstdisziplin. Er wollte sich mit seinen folgenden Verbrechen von der üblichen Kriminalität abheben. In einem späteren Schreiben an die Presse rechtfertigte er seine Taten als „das Produkt einer existenzialistischen Philosophie, gepaart mit der Spiritualität des Todes selbst”.

Morde[Bearbeiten]

1963 begann das Paar mit seiner Mordserie, der mindestens fünf Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 17 Jahren zum Opfer fielen. Ihr erstes Opfer war die sechzehnjährige Pauline Reade. Hindley sprach sie mit der Bitte an, ob das Mädchen ihr helfen könne; sie habe ihren Handschuh verloren. Mit der Aussicht auf Finderlohn lockte sie Reade in das bei Manchester gelegene Saddleworth-Moor und überwältigte sie dann gemeinsam mit Brady. In ihrer gemeinsamen Wohnung missbrauchten und ermordeten sie das Mädchen.

Auch die anderen Opfer des Paars, John Kilbride (12), Keith Bennett (12), Lesley Ann Downey (10) und Edward Evans (17), wurden meist von Hindley angesprochen. An der Stelle, an der sie Kilbrides Leiche verscharrt hatten, posierte Hindley für ein Foto mit ihrem Schoßhund; dieses Foto führte die Polizei später zum Fundort im Saddleworth Moor. Im Sommer 2013 wurde von einer Fernsehdokumentation des britischen Senders ITV die Vermutung geäußert, dass es sich bei den Fotos, die Brady und Hindley machten, um Hinweise ähnlich einem Grabkreuz zu den Gräbern der Opfer handele. Die Leiche von Keith Bennett, die bisher trotz wiederholte Suchen im Saddleworth Moor nicht gefunden werden konnte, soll sich dem Fernsehsender demnach an den Ramshaw Rocks oberhalb von Leek und dem Tittesworth Reservoir in Staffordshire und damit über 60 km entfernt vom Saddleworth Moor befinden.[1]

Brady und Hindley versuchten wiederholt, auch andere Menschen für ihre Taten zu begeistern, unter anderem Hindleys 17-jährigen Schwager David Smith, vor dessen Augen Brady 1966 den siebzehnjährigen Edward Evans folterte und ermordete. Smith floh aus dem Haus und alarmierte die Polizei.

Verhaftung und Verurteilung[Bearbeiten]

Am 6. Mai 1966 wurden Ian Brady und Myra Hindley zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Morde und Misshandlungen an den drei Jugendlichen Lesley Ann Downley, John Kilbride und Edward Evans hatten sie im Prozess nicht gestanden. Ihre Taten, die sie auf Fotos und Tonbändern festgehalten hatten, zeugten von geradezu unmenschlicher Grausamkeit. Als Beweismittel wurde im Gerichtssaal unter anderem ein Tonband abgespielt, auf dem das Paar die Ermordung von Lesley Ann Downey aufgezeichnet hatte. Auf dem Tonband hörte man die Zehnjährige um ihr Leben flehen. Dieser Prozess blieb so über Jahrzehnte im öffentlichen Bewusstsein präsent; die Nation stand unter Schock.

Mehr als 20 Jahre später gestand Ian Brady gegenüber dem Journalisten Fred Harrison, auch für die Morde an Pauline Reade und Keith Bennett verantwortlich zu sein.[2] Er gab jedoch trotz der Bitten von Keiths Mutter Winnie Johnson nicht den Ort preis, an dem er dessen Leiche beseitigt hatte.[3]

Einweisung in die Psychiatrie[Bearbeiten]

Ian Brady wurde 1985 durch Psychiater für unzurechnungsfähig erklärt und aus dem Strafvollzug in die forensische Psychiatrie des Ashworth Hospital eingewiesen. Brady befindet sich seit 1999 in einem Hungerstreik – sein selbsterklärtes Ziel ist es, seinen Tod herbeizuführen; er wird deshalb zwangsernährt.[4][5] Nach eigenen Angaben nimmt er keine Nahrung zu sich, während das Krankhauspersonal in einer öffentlichen Anhörung am 25. Juli 2013 berichtete, dass er sich "jeden Tag Toast zubereite" und das angebotene Essen "an den meisten Tagen" zu sich nähme, was auch den Angaben von Prozeßbeobachtern zu seiner physischen Erscheinung entspricht.[6][7] Im Juli 2012 brach Brady im Krankenhaus erstmals zusammen und erlitt einen Atemstillstand. Er wurde jedoch von den verantwortlichen Ärzten wiederbelebt und daraufhin weiter zwangsernährt. Im Herbst 2012 brach er sich bei einem Sturz zwei Wirbel. Am 28. Januar 2013 beantragte Brady über seine Anwältin eine gerichtliche Verfügung, wonach er im Fall von erneuter schwerster Krankheit keine weiteren lebenserhaltenden Maßnahmen bekommen darf.[8]

Im Juni 2013 fand eine Anhörung von Brady und Sachverständigen vor einem Mental Health Review Tribunal statt, die dazu beitragen soll eine Entscheidung über Bradys weitere Unterbringung in der Psychiatrie zu treffen. Die Anhörung, die ursprünglich bereits 2012 stattfinden sollte, wegen der Gesundheitsprobleme Bradys aber verschoben wurde, war das erste Mal seit 47 Jahren, dass Brady in der Öffentlichkeit gesehen wurde. In der Anhörung sprach Brady auch selbst zu seiner Situation. Sachverständige und Krankenhauspersonal berichteten von psychotischen Episoden mit paranoniden Wahnvorstellungen und bestätigten, dass er damit noch immer unter der ursprünglich diagnostizierten Schizophrenie leide, auch wenn er seine Krankheit besser beherrschen könne. Brady selbst gab an, er habe das angeführte Verhalten nur entsprechend der Technik des Method Acting und Konstantin Stanislawski gespielt. Bradys Anwälte selbst gestanden ein, dass ihr Mandant unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leide, aber sie bestehen darauf, dass er nicht psychisch krank ist.[6] [7]
Das Mental Health Review Tribunal kam zu der Entscheidung, dass Brady zum Wohl seiner eigenen Gesundheit und Sicherheit und der Sicherheit anderer Personen noch immer ärztliche Behandlung benötigt, weil er an einer psychischen Krankheit leidet. Deshalb wurde sein Gesuch auf Verlegung in ein Gefängnis abgelehnt und seine weitere Unterbringung im Ashworth Hospital bestätigt.[9]

Trivia[Bearbeiten]

2006 entstand der Fernsehfilm Die Moormörderin von Manchester (engl. Originaltitel: Longford), in dem Andy Serkis die Rolle von Ian Brady verkörperte und dafür für den British Academy Film Award nominiert wurde.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Photographs may yield clues to location of Moors murder victim's remains The Guardian 16. Juni 2013, abgerufen am 17. Juni 2013
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWinnie Johnson's fight for Moors Murder son Keith. BBC News, 18. August 2012, abgerufen am 18. August 22 (englisch).
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMoors Murder victim Keith Bennett's mother dies. BBC News, 18. August 2012, abgerufen am 18. August 2012 (englisch).
  4. Ian Brady seeks public hearing auf BBC News 7. Oktober 2002
  5. Ian Brady : A fight to die auf BBC News 10. März 2000
  6. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMoors Murderer Ian Brady says insanity was 'method acting'. BBC News, 25. Juni 2013, abgerufen am 25. Juni 2013 (englisch).
  7. a b Dominic Casciani - Ian Brady: Witnessing the tribunal evidence BBC News 25. Juni 2013 abgerufen am 26. Juni 2013
  8. Moors Murderer Ian Brady 'moves closer to dying in prison after legal breakthrough' Daily Mail (Großbritannien) vom 29. Januar 2013 (englisch)
  9. Moors Murderer Ian Brady loses prison move bid auf BBC News 28. Juni 2013, abgerufen am 28. Juni 2013

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]