Iatrophysik

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Die Iatrophysik (griech. iatros: Arzt, Heilkundiger) bezeichnet im 17. Jahrhundert eine, unter anderem auf den physikalisch-mechanistischen Vorstellunge des Philosophen René Descartes aufbauende, medizinische Lehre, nach der die Lebensvorgänge und die krankhaften Veränderungen im Organismus – neben der Lehre der Iatrochemie und im Gegensatz zur tradierten Vorstellung des Galenos – physikalisch (als Iatrophysik) und mechanisch (als Iatromechanik) bedingt sind.[1]

Mit dieser Begründung sollte es auch möglich sein, auf diese Lebensprozesse mit physikalischen und mechanischen Mitteln Einfluss zu nehmen. Dementsprechend bezeichnete man mit Iatrophysiker einen Arzt, der die Auffassungen der Iatrophysik vertrat. So wurde zum Beispiel der Blutkreislauf auf die Hydrodynamik zurückgeführt.[1] Die mechanische Funktion des Herzens wurde mit der Funktion einer Pumpe verglichen. Die mechanischen Funktionen der Extremitäten des menschlichen Körpers wie Arme und Beine wurden mit der Funktion von Hebeln verglichen und der Körper des Menschen auch als „Maschine“ verstanden.

Als hauptsächlicher Begründer der Iatrophysik gilt Santorio Santorio. Weitere wichtige Vertreter waren Giovanni Alfonso Borelli[2], René Descartes, Francis Glisson und Friedrich Hoffmann.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christoph Weißer: Iatromechanik. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 656 f.
  • Christa Habrich: Iatrophysik. In: Werner E. Gerabek u. a. (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. 2005, S. 657.
  • I. W. Müller: Iatromechanische Theorie und ärztliche Praxis im Vergleich zur galenischen Medizin. Stuttgart 1991.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Wolfgang U. Eckart: Geschichte der Medizin: Fakten, Konzepte, Haltungen. Springer, 2008, ISBN 978-3-540-79215-4, S. 142 (Google Buch online).
  2. Giovanni Alfonso Borelli – Geisteswissenschaftliche Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz. Abgerufen am 11. Januar 2010.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]