Iberischer Drachenkopf

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Iberischer Drachenkopf
Lallemantia iberica, Ölziest

Lallemantia iberica, Ölziest

Systematik
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Nepetoideae
Tribus: Mentheae
Untertribus: Nepetinae
Gattung: Lallemantia
Art: Iberischer Drachenkopf
Wissenschaftlicher Name
Lallemantia iberica
(M.Bieb.) Fisch. & C.A.Mey.

Der Iberische Drachenkopf (Lallemantia iberica), auch Ölziest genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Lallemantia in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Teile von Kleinasien und Transkaukasien, in Osteuropa wurde sie regional als Ölpflanze eingebürgert und dient hier als Rohstoff für die Herstellung von Lallemantiaöl. In Westeuropa wurde der Iberische Drachenkopf 1873 durch die Wiener Weltausstellung bekannt.[1]

Lallemantia iberica Samen

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Iberische Drachenkopf ist eine krautige, einjährige Pflanze mit einer Wuchshöhe von 40 bis 60 Zentimetern in Kultur, kann aber auch höher werden, wild wird er nicht so hoch.[2] Die Wurzeln reichen als Anpassung an trockene Standorte sehr tief in den Boden. Er besitzt einen vierkantigen, spärlich verzweigten und teils rötlich überlaufenen Stängel, an dem die oft bootförmigen und eiförmigen bis lineal-lanzettlichen, bis etwa 6 cm langen und bis 2 cm breiten Blätter kreuzgegenständlich angeordnet sind. Die Blätter sind bis etwa 2,5 cm lang gestielt, die Nervatur ist ausgeprägt. Der Blattrand der unteren Blätter ist gezähnt, bei den oberen ist er ganz bis entfernt gezähnt. Es sind pro Blatt zwei kleine, kurz gestielte, verkehrt-breiteiförmige Nebenblätter vorhanden. Die Nebenblätter sind bis 9 mm lang und bis 5 mm breit, sie haben am Rand sechs bis zehn grannenspitzige Zähne, die bis 5 mm lange und schmale Spitzen (Grannen) tragen, wobei in der Mitte die Grannenspitzen etwas kürzer sind. Die Bätter und Nebenblätter sind am unteren Stängel größer und werden dann nach oben immer kleiner.[3]

Die zwittrigen Blüten bilden Scheinquirle, die ähnlich einer Ähre aufgebaut sind.[4] Die Blüten sind weiß, lavendel-weiß oder auch blau-violett; auch mit weißer Unterlippe, die weißblütige Form gibt größere Samen und wird daher bevorzugt.[5][6] Der röhrenförmige, rippige und fein behaarte Kelch ist bis 9 mm lang und mit fünf bis 3 mm langen Spitzen. Die Kronröhre ist bis 12 mm lang, die Oberlippe der Krone ist zweilappig, die untere dreilappig mit einem größeren, ausladenden mittleren Lappen. Die vier Staubblätter sind didynamisch.

Die Blüten werden vor allem durch Bienen und Hummeln befruchtet. Die Blühzeit liegt im Juli bis August, die Samenreife erfolgt von August bis September.[7]

Als Früchte werden offene Kapseln (Klausenfrüchte) mit je vier dreikantigen, bauchseitig gekielten und rückseitig flach gewölbten, schmaleiförmigen und abgeflachten Samen (Klausen) ausgebildet. Die matt dunkel- bis schwarzbraunen Samen besitzen ein deutliches, weißes Hilum, sie haben eine Länge von 3,5–5,5 Millimeter und eine Breite von etwa 1,2–2 Millimeter und sind 1–1,5 Millimeter dick. Die Tausendkornmasse beträgt 4 bis 5 Gramm. Die Samen enthalten bis zu 38 Prozent Öl, das Lallemantiaöl besteht zu etwa 50–65 Prozent aus Triglyceriden mit α-Linolensäure als Fettsäure-Komponente.[4] Durch den sehr hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren von über 90 Prozent in den Estern der Triglyceride, zählt das Öl zu den am schnellsten trocknenden Pflanzenölen.

Die Chromosomenzahl ist 2n = 14.[8]

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der akzeptierte Name Lallemantia iberica (M.Bieb.) Fisch. & C.A.Mey. wurde in Index sem. hort. petrop. 6, 1840, S. 53 veröffentlicht. Die Erstveröffentlichung erfolgte unter Dracocephalum ibericum durch M.Bieb. in Fl.taur -caucus. 2, 1808, S. 64, weiter Veröffentlichungen erfolgten unter Dracocephalum aristatum von Bertol. in Novi Comm. Acad. Sci. Inst. Bonon. 6, 1844, S. 225, sowie als Lallemantia sulphurea von K.Koch in Linnaea 21, 1848, S. 679.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das natürliche Verbreitungsgebiete des Iberischen Drachenkopfs liegt in den gemäßigten bis subtropischen Regionen Kleinasiens bis Mittelasiens. Entsprechend ist die Pflanze vor allem in den Ländern Iran, Irak, Jordanien, Syrien, Israel, Libanon und der Türkei sowie Armenien, Aserbaidschan, Turkmenistan und Teilen der Kaukasusregion Russlands zu finden.[9] In der Türkei wird er bis in Höhen von 2.150 Metern angetroffen.[7]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Iberische Drachenkopf ist eine wärmeliebende Art ohne größere Ansprüche an das Klima. Er wächst vor allem in sonnigen Lagen und ist trockenheitstolerant. Gegenüber hohen Niederschlägen und Kälte ist er dagegen empfindlich. Er braucht kalkhaltige Böden und wächst besonders gut an Verwitterungsstandorten, während tonige Böden nicht geeignet sind. Staunässe sowie schwachsaure Böden sind als Standorte ebenfalls nicht geeignet.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Iberische Drachenkopf wird als Ölpflanze kultiviert.[5] Dabei wächst er entsprechend seiner ökologischen Ansprüche vor allem auf trockenen bis mittelfeuchten Kalkböden. Innerhalb einer Fruchtfolge stellt er keine Ansprüche an Vorfrüchte, wobei allerdings für die Unterdrückung von Wurzelkonkurrenten vor allem Getreide geeignet sind. Er ist für jede Nachfrucht geeignet.

Die Frühjahrsaussaat erfolgt Mitte April, wobei die Minimaltemperatur für die Keimung bei etwa 2 bis 3 °C liegt. Die Keimdauer beträgt 2 bis 3 Wochen, die Vegetationszeit ist mit 90 bis 120 Tagen relativ kurz. Eine späte Aussaat reduziert den Ertrag teilweise beträchtlich, so konnte nachgewiesen werden, dass eine Aussaat Mitte Mai weniger als 60 Prozent der Samenerträge und nur etwa 80 Prozent des Ölertrages bedingt.

Die Ernte erfolgt mit dem Mähdrescher bereits kurz vor der vollständigen Samenreife, um Verluste durch das Herausfallen der Körner aus den Früchten zu vermeiden. Der Samenertrag liegt bei etwa 20 Dezitonnen (auch Doppelzentner) pro Hektar.[4]

Düngung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nährstoffbedarf der Pflanze bei einem Körnerertrag von 15 dt/Hektar ist mit rund 70 kg Stickstoff pro Hektar gering. Bei den weiteren Hauptnährstoffen Phosphor, Kalium und Magnesium genügen mäßige Bodengehalte (mittlere Versorgungsstufe).

Pflanzenschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegenüber Unkräutern ist der Iberische Drachenkopf aufgrund seines schnellen Wachstums sehr konkurrenzstark, eine Entfernung ist entsprechend nur bei Wurzelkonkurrenten sinnvoll. Herbizide sind für den Anbau der Pflanze nicht zugelassen. Durch starke Niederschläge und Kälte kann es zu Stängelfäule durch Botrytis-Befall kommen, wobei Saatgut aus nördlicheren Bereichen dagegen wahrscheinlich weitgehend resistent ist.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bisher wurde der Iberische Drachenkopf vor allem in den Gebieten der GUS als Ölpflanze angebaut.

Die Hauptverwendung der Pflanze erfolgt für die Herstellung von Öl als Alternative für Leinöl, insbesondere von Linolenöl für die chemische Industrie. Dabei kommt es bei der Herstellung von Lacken und Ölfarben, Holzschutzmitteln, Möbelpolitur sowie bei der Herstellung von Linoleum zum Einsatz.

Junge Pflanzen können zudem als Nahrungsmittel und als Arzneipflanze genutzt werden. Erntereste werden zu Tierfutter verarbeitet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gustav Hefter: Technologie der Fette und Öle. Zweiter Band, Springer, 1908, ISBN 978-3-662-01825-5 (Reprint), S. 139.
  2. L. Ubbelohde, F. Goldschmidt: Handbuch der Chemie und Technologie der Öle und Fette. II. Band, Hirzel, 1920, S. 342, archive.org.
  3. V. Ion, A. Gh. Bǎșa et al.: Results Regarding Biological Characteristics of the Species Lallkemantia Iberica in the Specific Conditions from South Romania. In: Scientific Papers, UASVM Bucharest, Series A, Vol. LIV, 2011, S. 275–280, online (PDF; 200 kB) auf researchgate.net, abgerufen am 3. Dezember 2017.
  4. a b c Artporträt im Informationssystem Nachwachsende Rohstoffe
  5. a b Monika Vala: Ausgewählte Pflanzliche Fette und Öle von pharmazeutischer Relevanz. Diplomarbeit, Universität Wien, 2012, S. 84–86, online (PDF; 1 MB), auf othes.univie.ac.at, abgerufen am 29. April 2017.
  6. Comptes rendus (Doklady) de l'Académie des sciences de l'URSS. Band 24, 1939, S. 192 f.
  7. a b Datenblatt in Plants For A Future.
  8. Taner Özcan, Elif Geze et al.: Karyotype Analyses on the Genus Lallemantia Fisch. & C.A.Mey. (Lamiaceae) from Turkey. In: Cytologia. 79(4), 2014, S. 553–559, doi:10.1508/cytologia.79.553.
  9. Datenblatt im Germplasm Resources Information Network (GRIN).