Igeler Säule

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Die Igeler Säule in Igel
Die Igeler Säule (Stich von Edward Rooker nach einer Vorlage von William Pars, 1783)

Die Igeler Säule im Dorf Igel an der Mosel ist neben dem Mainzer Drususstein das einzige an seinem Originalstandort seit der Antike oberirdisch erhaltene römische Grabmal nördlich der Alpen. Der Zerstörung nach dem Zerfall des Römischen Reiches entging es durch den Umstand, dass im Mittelalter das Hauptbild auf der Südseite für eine Darstellung der Vermählung des Constantius Chlorus mit der heiligen Helena, der Mutter Konstantins des Großen, gehalten wurde.

Beschreibung[Bearbeiten]

Das 23 Meter hohe Pfeilerdenkmal aus rotem Sandstein wurde um 250 von den Brüdern Lucius Secundinius Aventinus und Lucius Secundinius Securus für sich und ihre verstorbenen Angehörigen errichtet. Es ist reich mit Reliefs geschmückt. Sie zeigen Szenen aus dem Alltags- und Berufsleben der Tuchhändler sowie aus der Mythologie. Das ursprünglich farbig gestaltete Denkmal hatte neben der Erinnerung an die Toten der Familie wohl auch den Zweck, werbend auf das Tuchgeschäft der Secundinier in der Stadt Trier (Augusta Treverorum) hinzuweisen. Eine Rekonstruktion der Säule mit originalgetreuer Bemalung steht im Rheinischen Landesmuseum in Trier.

Die Pfeilerspitze ziert die Skulptur eines Adlers mit ausgebreiteten Flügeln. Sie ist heute sehr stark verwittert und kaum noch als Adler zu erkennen. Von dem lateinischen Wort für Adleraquila – hat der Ort Igel seinen Namen (vgl. das englische Wort „eagle“ und den Namen Eigelstein).

Geschichte[Bearbeiten]

Der Bologneser Edelmann Fulvio Ruggieri hat den päpstlichen Sondernuntius Giovanni Francesco Commendone, Bischof von Zante, nach Trier begleitet und am 14. Januar 1562 die Igeler Säule besichtigt, die er in seinem Reisebericht kurz beschreibt.[1]

Die Igeler Säule und Goethe[Bearbeiten]

Johann Wolfgang von Goethe hat die Igeler Säule am 26. August sowie am 22. oder 23. Oktober 1792 besichtigt; hernach hat er sie beschrieben und gezeichnet.[2] Er äußerte sich danach noch des Öfteren über das antike Monument.[3] Unter anderem schrieb er dazu in der autobiografischen Schrift Kampagne in Frankreich am 23. August:

„Auf dem Wege von Trier nach Luxemburg erfreute mich bald das Monument in der Nähe von Igel. Da mir bekannt war, wie glücklich die Alten ihre Gebäude und Denkmäler zu setzen wußten, warf ich in Gedanken sogleich die sämtlichen Dorfhütten weg, und nun stand es an dem würdigsten Platze. Die Mosel fließt unmittelbar vorbei, mit welcher sich gegenüber ein ansehnliches Wasser, die Saar, verbindet; die Krümmung der Gewässer, das Auf- und Absteigen des Erdreichs, eine üppige Vegetation geben der Stelle Lieblichkeit und Würde.“

Und am 22. Oktober:

„Vielleicht war die Macht des Altertums nie so gefühlt worden als an diesem Kontrast: ein Monument, zwar auch kriegerischer Zeiten, aber doch glücklicher, siegreicher Tage und eines dauernden Wohlbefindens rühriger Menschen in dieser Gegend. Obgleich in später Zeit, unter den Antoninen, erbaut, behält es immer von trefflicher Kunst noch so viel Eigenschaften übrig, daß es uns im ganzen anmutig ernst zuspricht und aus seinen, obgleich sehr beschädigten Teilen das Gefühl eines fröhlich-tätigen Daseins mitteilt.“

Die Sayner Hütte bei Bendorf am Rhein, die sich auf Nachbildung antiker Modelle im Kunstgussverfahren spezialisiert hatte, hat 1829 eine 19 Zoll große Nachbildung der Igeler Säule nach dem Entwurf des Kunstformers Heinrich Zumpft und nach Zeichnungen von Carl Osterwald erstellt. Einer der ersten Bronzeabgüsse ging im Mai 1829 nach Weimar an Goethe.[4]

Verschiedenes[Bearbeiten]

Unweit der Igeler Säule in einem Weinberghang befindet sich mit dem Grutenhäuschen ein weiteres, aber rekonstruiertes römisches Grabmal.

Denkmalschutz[Bearbeiten]

Die Igler Säule ist ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz (DSchG) und in der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz eingetragen. Sie liegt in der Trierer Straße.[5]

Seit 1986 ist die Igeler Säule Teil des UNESCO-Welterbes Römische Baudenkmäler, Dom und Liebfrauenkirche in Trier. Des Weiteren ist sie ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention und mit dem blau-weißen Schutzzeichen gekennzeichnet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Cüppers: Arbeiten und Beobachtungen an der Igeler Säule. In: Trierer Zeitschrift für Geschichte und Kunst der Trierer Landes und seiner Nachbargebiete 31 Jg. (1968), S. 222–226.
  • Hans Dragendorff, Emil Krüger: Das Grabmal von Igel. Lintz, Trier 1924.
  • Friedrich Drexel: Die Bilder der Igeler Säule. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Römische Abteilung. Bd. 25, 1920, S. 84–142
  • Franz Kugler: Das Römische Denkmal zu Igel. Fr. Lintz, Trier 1846 (MDZ München, Google Books).
  • Andreas Mehl: Wirtschaft, Gesellschaft, Totenglauben. Die "Igeler Säule" bei Trier und ihre Grabherrn. In: Laverna. Bd. 8, 1997, S. 59ff.
  • Eberhard Zahn: Die neue Rekonstruktionszeichnung der Igeler Säule. In: Trierer Zeitschrift für Geschichte und Kunst der Trierer Landes und seiner Nachbargebiete 31 Jg. (1968), S. 227–234.
  • Eberhard Zahn: Die Igeler Säule in Igel bei Trier. 5. Aufl. Neusser Dr. u. Verl., Neuss 1982.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Igeler Säule – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Adam Wandruszka: Kurtrier vor vier Jahrhunderten. In: Kur-Trierisches Jahrbuch 1969, hrg von der Stadtbibliothek Trier und der Gesellschaft für nützliche Forschungen, 9. Jahrgang 1969. Druckerei und Verlag Neu & Co. Trier 1969. S. 129ff.
  2. Goethes Zeichnung der Igeler Säule, Original im Kupferstichkabinett, Staatl. Museen Preuß. Kulturbesitz.
  3. Karl-Heinz Weichert: Goethe und die Igeler Säule. In: Goethe in Trier und Luxemburg. 200 Jahre Campagne in Frankreich 1792. Katalog der Ausstellung der Stadtbibliothek Trier, der Nationalbibliothek Luxemburg und der Stiftung Weimar Klassik. 1992. ISSN 0942-7031. ISBN 2-87980-005-6. S. 102–123.
  4. Karl-Heinz Weichert: Goethe und die Igeler Säule. In: Goethe in Trier und Luxemburg. 200 Jahre Campagne in Frankreich 1792. Katalog der Ausstellung der Stadtbibliothek Trier, der Nationalbibliothek Luxemburg und der Stiftung Weimar Klassik. 1992. ISSN 0942-7031. ISBN 2-87980-005-6. S. 108.
  5. Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler - Kreis Trier-Saarburg (PDF; 1,6 MB), Koblenz 2013.

49.7091666666676.5494444444444Koordinaten: 49° 42′ 33″ N, 6° 32′ 58″ O