Ignatius von Senestrey

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Bischof Ignatius von Senestrey
Wappen als Bischof von Regensburg und persönlicher Erzbischof mit Pallium ehrenhalber (1858–1906)
Grabmal von Ignatius von Senestrey in St. Jakob, Regensburg

Ignatius von Senestrey (* 13. Juli 1818 in Bärnau; † 16. August 1906 in Regensburg) war von 1858 bis 1906 Bischof von Regensburg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ignatius von Senestrey wurde am Collegium Germanicum ausgebildet und empfing am 19. März 1842 die Priesterweihe. 1858 wurde er von Papst Pius IX. zum Bischof von Regensburg ernannt. Die Bischofsweihe spendete ihm am 2. Mai 1858 der Kurienkardinal Flavio Chigi.

Senestrey stand stets auf der Seite des Papstes. Seine Ernennung zum Bischof löste öffentliche Proteste aus. Während des Ersten Vatikanischen Konzils war er ein strikter Befürworter des Dogmas der päpstlichen Unfehlbarkeit. Die Berufung Senestreys auf die Regensburger Kathedra war vor allem im Domkapitel nicht auf Begeisterung gestoßen. Man hatte sich erhofft, der eigene Kandidat Johann Baptist Lemberger würde vom bayrischen König Maximilian II. zum Bischof ernannt. Die Enttäuschung sowohl im liberalen als auch im konservativen Lager war groß, als am 27. Januar 1858 die Nomination in Regensburg bekannt wurde. Konservative warfen Senestrey eine zu große Staatshörigkeit vor, Liberale sahen in ihm nur den Jesuitenzögling. Auch innerhalb des bayrischen Episkopates waren die Bischöfe gespalten. In dieser Stimmung wurde Senestrey am 2. Mai vom päpstlichen Nuntius als Zeichen der Wertschätzung, die ihm vom Vatikan entgegengebracht wurde, offiziell inthronisiert.

Kurz darauf kam es zum ersten Zusammenstoß zwischen Domkapitel und Bischof. Die Domherren überreichten Senestrey eine „Rechnung“ für die Feierlichkeiten, die gemäß der Primizordnung forderte, dass der neue Bischof für die Ausgaben aufkam. Doch Senestrey weigerte sich, die Kosten zu begleichen.

Bald nach der Übernahme der Amtsgeschäfte ließ der Bischof nicht nur die Gemächer in den ehemaligen Damenstift Niedermünster verlegen, sondern leitete auch die Bauarbeiten am Dom ein. Er wollte die beiden Turmstümpfe vollenden lassen. Dies geschah von 1859 bis 1869 und gab der Westfassade des Regensburger Doms ihr heutiges Aussehen.

Es gelang Senestrey, das Schottenkloster St. Jakob, das vor dem Hintergrund seines exterritorialen Status die Klosterauflösungen der Säkularisation 1803 nach dem Übergang Regensburgs an Bayern 1810 überstanden hatte, im Jahr 1862 „wegen Personalmangels“ von Papst Pius IX. auflösen und dem Bistum Regensburg übertragen zu lassen. Nach Umbaumaßnahmen zwischen 1866 und 1872 bezog das Priesterseminar des Bistums die ehemaligen Klosterräume. Senestrey bestimmte seine spätere Grablege in der Kirche des Schottenklosters, der späteren Seminarkirche.

Im Frühjahr 1877 ließ eine angebliche Wunderheilung im Weiler Mettenbuch den schon vorher auf Grund der Schilderungen von „wundergesichtigen Kindern“ entstandenen Wallfahrerstrom anschwellen. Senestrey war jedoch wie der Ortspfarrer misstrauisch und ließ die Kinder in verschiedenen Klöstern isoliert verhören. Als Ergebnis ließ Senestrey am 23. Januar 1879 in allen Kirchen seines Bistums einen Hirtenbrief verlesen, der die Mettenbucher Erscheinungen als unecht bezeichnete. Trotz der Ablehnung lebt die Mettenbucher Wallfahrt zur „Trösterin der Betrübten“ bis heute weiter.[1][2]

In seiner Zeit als Regensburger Bischof geriet er unter den Einfluss der Mystikerin Louise Beck, die (wohl zum Teil auch durch Erpressung) immer stärkeren Einfluss auf seine Amtsführung und sein Leben gewann und über ihn die bayerische Kirchenpolitik beeinflusste. Als sie am 9. August 1879 starb, äußerte Senestrey, er wisse nun nicht mehr, wie er die Diözese leiten solle.

Senestrey initiierte ein – letztlich nicht erfolgreiches – posthumes Inquisitionsverfahren gegen seinen Vorgänger im Amt Johann Michael Sailer.

Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurde er mit dem Ehrentitel des Erzbischofs ad personam und dem Pallium ausgezeichnet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. MERIAN Monatsheft, 16. Jahrgang (1963), Heft 6, S. 88 ff
  2. Bayerwaldbote vom 3. April 2009 (Memento des Originals vom 2. Januar 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/regiowiki.pnp.de
VorgängerAmtNachfolger
Valentin RiedelBischof von Regensburg
1858–1906
Anton von Henle