Ignaz Maybaum

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Ignaz Maybaum (2. März 1897 in Wien - 12. Juni 1976 in London) war ein deutsch-britischer Rabbiner.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ignaz Maybaum war das dritte von vier Kindern des Scheiders Meyer (Max) Moritz Maybaum und dessen Frau Josefine, geborene Kohn. Er war ein Neffe des Rabbiners Siegmund Maybaum. Im Oktober 1915 machte er vorzeitig sein Abitur. Danach war er bis 1918 Leutnant im Infanterieregiment der österreichischen Armee. Von 1918 bis 1919 war er Höhrer an der Israelitischen.theologischen Lehranstalt Wien. Ab 1919 studierte er an der Humboldt-Universität zu Berlin Philosophie und Kunstgeschichte, ab 1920 studierte er auch an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. und studierte in Berlin an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. 1924 promoviert er mit Die beiden Formen des sittlichen Handelns und ihr Verhältnis zur Religion im System Schleiermachers. 1926 wurde er zum Rabbiner ordiniert. Er war Rabbiner in Bingen von 1925 bis 1928, danach bis 1936 in Frankfurt (Oder) und bis zu seiner Flucht 1939 war er Rabbiner in Berlin-Wilmersdorf. Ab 1935 lehrte er an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und an der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt in Berlin (hier Bibelexegese, Biblische Geschichte und Religionsphilosophie) in Berlin. 1935 wurde er wegen privater Äußerungen über Hitler denunziert und von der Gestapo verhaftet und war vom 18. Dezember 1935 bis zum 21. Januar 1936 im KZ Columbia inhaftiert. Im März 1939 emigrierte er mit seiner Frau Franziska (geborene Schor) und seinen zwei Kindern Michael (geboren 1929) und Alisa (geboren 1935) nach London. Hier blieb er zehn Jahre ohne rabbinische Anstellung bis er 1949 Rabbiner der Edgware and District Reform Synagogue wurde. In der Zeit davor war er von 1941 bis 1945 Mitarbeiter im Hilfsprogramm für die Flüchtlingsjugend.

Von 1956 bis zum Beginn seines Ruhestands 1963 hielt er Vorlesungen in Homiletik und jüdischer Religion am Leo Baeck College. 1957 war er Gastdozent an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Er war im interreligiösen Dialog aktiv, zu seinen Studenten gehörte auch Nicholas de Lange.

Obwohl Maybaum viele verschiedene Betrachtungen zum Holocaust verfasste, ist er doch vor allem durch seine Behauptung bekannt geworden, der Holocaust habe sich nur ereignet, da die Juden für die Sünden des Rests der Welt von Gott bestraft worden seien. Er brachte die Juden gesamthaft in Verbindung zur Figur des „leidenden Gottesknechts“ im Buch Jesaja, Kapitel 52 und 53.[1] Diese Einstellung wurde kontrovers diskutiert.

Ignaz Maybaums Mutter wurde 1942 in Minsk ermordet, seine Schwester Babette wurde am 14. Juni 1942 in Sobibor ermordet, Schwester Hermine wurde bereits 1940 ermordet.

Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stolperstein für Ignaz Maybaum in Frankfurt (Oder)

Am 21. März 2011 wurde in Frankfurt (Oder) ein Stolperstein für den Rabbiner Ignaz Maybaum verlegt. Die Inschrift lautet:

HIER WIRKTE
IGNAZ MAYBAUM
RABBINER
JG. 1897
FLUCHT 1939
ENGLAND
ÜBERLEBT

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Creation and guilt. Vallentine, Mitchell, London 1969.
  • The Face of God after Auschwitz. Polak & van Gennep, Amsterdam 1965.
  • The Jewish mission. Clarke, London 1949.
  • The Jewish Home, zus. mit L. V. Snowman. Clarke, London 1945.
  • Synagogue and Society. Clarke, London 1944.
  • Man and catastrophe. Allenson, London 1941.
  • Neue Jugend und alter Glaube. Philo-Verl., Berlin 1936.
  • Parteibefreites Judentum. Philo Verlag, Berlin 1935.
  • Die beiden Formen des sittlichen Handelns und ihr Verhältnis zur Religion im System Schleiermachers (Dissertation)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lexikon des Judentums, Bertelsmann-Lexikon-Verlag, Gütersloh 1971, ISBN 3-570-05964-2, Sp. 475
  • Rabbiner Ignaz Maybaum - Leben und Lehre: Die Grundlagen jüdischer Diasporaexistenz, Autor Friedrich Lotter, Verlag Frank & Timme; Auflage: 1 (Januar 2010), ISBN 3865962769

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. dazu: Michael Brocke, Herbert Jochum (Hrsg.): Wolkensäule und Feuerschein. Jüdische Theologie nach dem Holocaust, München: Chr. Kaiser 1993, S. 14-16 (Auszug online auf pkgodzik.de; PDF; 77 kB)