Ignazio Marino

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Ignazio Marino (2012)

Ignazio Roberto Maria Marino[1] (* 10. März 1955 in Genua) ist ein italienischer Chirurg und Politiker des Partito Democratico. Er war von 2013 bis Oktober 2015 Bürgermeister von Rom.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ignazio Marino wurde als Sohn eines Sizilianers aus Acireale und einer Schweizerin in Genua geboren. Seit 1969 wohnte seine Familie in Rom, wo er die Schule abschloss. Er studierte in Catania und Rom Medizin und promovierte an der Katholischen Universität Sacro Cuore in Rom.

Marino ist verheiratet und hat eine Tochter. Die Familie lebt in Rom.

Karriere als Chirurg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marino spezialisierte sich am Policlinico Gemelli in Transplantationsmedizin und arbeitete in der Folge am Transplantationszentrum der Universität Cambridge, am Pittsburgh Transplantation Institute der Universität Pittsburgh und als Direktor der Transplantation Division an der Thomas Jefferson Universität in Philadelphia. 1992 gelang ihm in Philadelphia zum ersten Mal die Transplantation der Leber eines Pavians auf einen Menschen.[2] 1998 gründete er das Institut ISMETT in Palermo, das erste Lebertransplantationszentrum in Sizilien. 2002 wurde er Professor am Jefferson Medical College in Philadelphia.[1]

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Parlamentswahlen 2006 wurde Marino als parteiloser Kandidat für das Wahlbündnis L’Ulivo in den Senat gewählt und bei den Wahlen 2008 und 2013, inzwischen als Mitglied des Partito Democratico wiedergewählt. Er hatte den Vorsitz des Gesundheitsausschuss inne.[3] 2009 kandidierte Marino bei der Urwahl zum Parteivorsitz des Partito Democratico. Mit lediglich 12,5 % unterlag er jedoch deutlich. Gewählt wurde Pier Luigi Bersani.[4]

Bürgermeister von Rom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Stichwahl am 9. und 10. Juni 2013 wurde er zum Bürgermeister von Rom gewählt.

Während der Familiensynode der katholischen Kirche erkannte Marino im Oktober 2014 öffentlich 16 im Ausland geschlossene gleichgeschlechtliche Eheschließungen an, die in Italien bisher nicht zulässig sind.[5]

Am 12. Oktober 2015 reichte Marino wegen Anschuldigungen in einem Korruptionsskandal seinen Rücktritt ein.[6][7] 17 Tage später widerrief er seinen Rücktritt.[6] Am folgenden Tag traten aber 26 der 48 Mitglieder des Stadtparlaments von Rom zurück, womit Stadtparlament und Stadtregierung als aufgelöst galten. Zu Marinos kommissarischem Nachfolger wurde Francesco Paolo Tronca ernannt.[8]

Marino wurde vorgeworfen, bei verschiedenen Essen mit privatem Charakter insgesamt 12.716 Euro mit einer Scheckkarte der Stadt bezahlt zu haben. Die Staatsanwaltschaft Rom leitete daher Ermittlungen ein und forderte drei Jahre und vier Monate Haft für den Ex-Bürgermeister.[9] Am 7. Oktober 2016 wurde Marino vor einem römischen Gericht freigesprochen, da, so der Richter, die Vorwürfe haltlos seien.[10] Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Berufung.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Credere e curare, Einaudi, 2005.
  • Sistema Salute. Analisi e prospettive per il futuro della sanità italiana, Fondazione Italianieuropei, 2007.
  • Idee per diventare chirurgo dei trapianti, Zanichelli, 2008.
  • Nelle tue mani, Einaudi, 2009.
  • mit Carlo Maria Martini: Credere e conoscere, Einaudi, 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ignazio Marino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Marco Valeri: Ignazio Marino biografia e curriculum 2015 del Sindaco di Roma. Politicanti, 11. Juni 2015, abgerufen am 10. Oktober 2015.
  2. Federica Sgorbissa: Il senatore e il babbuino. In: oggiscienza. 6. Mai 2015, abgerufen am 10. Oktober 2015.
  3. Seite auf der Homepage des Senats
  4. Pd, è Bersani il nuovo segretario. Corriere della Sera, 24. Oktober 2009, abgerufen am 10. Oktober 2015.
  5. Roms Stadtchef erlaubt Homo-Ehe im Alleingang. In: Heute.at. 18. Oktober 2014, abgerufen am 19. Juni 2016.
  6. a b Marino bleibt doch im Amt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung online. 29. Oktober 2015, abgerufen am 19. Juni 2016.
  7. Roms Bürgermeister tritt zurück. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung online. 8. Oktober 2015, abgerufen am 19. Juni 2016.
  8. Provinzposse in Italiens Hauptstadt. In: Deutsche Welle. 31. Oktober 2015, abgerufen am 19. Juni 2016.
  9. Michela Allegri: Scontrini, assolto Marino. L'ex sindaco in lacrime: sapevo di essere innocente. In: Il Messaggero. 7. Oktober 2016, abgerufen am 27. November 2016.
  10. Roms Ex-Bürgermeister Marino von Betrugsvorwurf freigesprochen. In: Die Presse. 7. Oktober 2016, abgerufen am 27. November 2016.
Vorgänger Amt Nachfolger
Gianni Alemanno Bürgermeister von Rom
2013–2015
Virginia Raggi