Igor Iwanowitsch Sikorski

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Luftfahrtpionier. Für die von ihm gegründete Firma siehe Sikorsky Aircraft Corporation.
Igor I. Sikorski

Igor Iwanowitsch Sikorski (auch Sikorsky, russisch Игорь Иванович Сикорский, ukrainisch Ігор Іванович Сікорський Ihor Iwanowytsch Sikorskyj, wiss. Transliteration Igor' Ivanovič Sikorskij (russisch) bzw. Igor Ivanovyč Sikorsʹkyj (ukrainisch); * 25. Mai 1889 in Kiew, Russisches Kaiserreich; † 26. Oktober 1972 in Easton[1], Connecticut, Vereinigte Staaten) war ein ukrainischer und US-amerikanischer Luftfahrtpionier. Er schuf die ersten viermotorigen Flugzeuge und mit ihnen Grundlagen für die moderne Passagierluftfahrt. Sehr viel bekannter sind jedoch seine Arbeiten als Konstrukteur und Erbauer von Hubschraubern, nicht zuletzt durch den noch heute unter seinem Namen existierenden Hubschrauberproduzenten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Igor I. Sikorski kam als jüngster Sohn des Medizinprofessors der Universität Kiew Iwan Sikorskyj, dem Spross einer ukrainischen Priesterfamilie, in Kiew zur Welt.[2] Igor Sikorskis Mutter hieß Mariya Stefanovna Sikorskaya (geborene Temryuk-Cherkasova) und war Ärztin, die ihren Beruf nicht ausübte.

Er studierte am Militärischen Marineinstitut in Sankt Petersburg. Unter seinen Arbeiten als Chefingenieur der Luftfahrtabteilung von Russo-Balt (Russisch-Baltische Waggonfabrik, größtes Industriekonglomerat des Russischen Reiches mit Eisenbahn-, Automobil- und Flugzeugproduktion in Riga, Moskau und Sankt-Petersburg), war das erste viermotorige Flugzeug, die bekannte Russki Witjas (russischer Recke), das er selbst am 13. Mai 1913 einflog. Eine Weiterentwicklung davon war die Ilja Muromez. Sikorskis Flugzeuge wurden von der russischen Armee im Ersten Weltkrieg als Bomber eingesetzt.

Igor Sikorski war in Russland mit Olga Fyodorovna Simkovitch verheiratet, beide hatten eine Tochter Tania Sikorski, die 1918 in Kiew geboren wurde und bis 22. September 2008 lebte. Die Ehe wurde geschieden. Igor Sikorski emigrierte nach der russischen Revolution von 1917, während des russischen Bürgerkriegs 1919 im Alter von 30 Jahren in die USA. Die Tochter Tania blieb bei ihrer Mutter in Russland.

Elizabeth Semion (1903 Slavna, Russland - 1995) verlor ihre Eltern in der russischen Revolution und arbeitete in einem Krankenhaus des Roten Kreuzes für Flüchtlinge in Sibirien. Als das Rote Kreuz aus Russland vertrieben wurde, wurde Elizabeth Semion nach Japan geschmuggelt, wo sie 3 Jahre als Kindermädchen bei einer japanischen Familie arbeitete und mit erspartem Geld 1920 in die USA reiste. In den frühen 1920er-Jahren trafen sich Igor I. Sikorski und Elizabeth Semion am Russian Collegiate Institute in New York City, wo beide unterrichteten. Sie heirateten 1924 in New York. 1923 emigrierten Schwestern von Igor I. Sikorsky in die USA und bringen seine Tochter Tania mit.

Igor I. Sikorski und Elizabeth Semion Sikorski bekamen vier Söhne Sergei, Nikolai, Igor Jr. and George. Der 1925 erstgeborene Sergei erhielt den Vornamen wie Financier Rachmaninov. 1928 erhielt Igor I. Sikorski die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

Er gründete 1923 mit Unterstützung vieler emigrierter Russen und der finanziellen Unterstützung des Komponisten Sergei Rachmaninow die Sikorsky Aero Engineering Company, die später von United Aircraft übernommen wurde. Mittlerweile sind beide Firmen ein Teil der United Technologies Corporation. Das Unternehmen fertigte Flugboote wie die Sikorsky S-42, die von Pan Am für transatlantische Flüge eingesetzt wurden, und als Pan Am Clipper bekannt wurden, vor allem aber Hubschrauber.

Bereits in Russland hatte Sikorski mit Hubschraubern experimentiert. Am 13. Mai 1940 startete er zum ersten Freiflug mit dem Sikorsky VS-300, der einen Hauptrotor und zum Drehmomentausgleich einen Heckrotor besaß. Diese auch Heckrotor-Konfiguration genannte Form gilt heute als Standardbauweise, da sie am häufigsten angewandt wird.

1955 wurde Sikorski mit der James-Watt-Medaille ausgezeichnet. Die Sikorsky Aircraft Corporation ist bis heute einer der führenden Hubschrauberhersteller.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Igor-Sikorski-Denkmal in Kiew

1968 wurde er zum Mitglied der National Academy of Engineering gewählt.[3] Der von der American Helicopter Society 1980 ausgeschriebene Preis für Muskelkraft-Hubschrauberflug – gespendet von der Sikorsky Aircraft Corporation und im Jahr 2010 auf 250.000 USD erhöht – wurde nach Sikorsky benannt.[4] Erst am 13. Juni 2013 konnte ein kanadisches Team mit dem AeroVelo Atlas den Preis gewinnen.[5]

Am 23. Mai 2000 wurde ein Asteroid nach Igor Sikorski benannt: (10090) Sikorsky.

Am 25. März 2010 veröffentlichte Autodesk eine neue Version von Autodesk Inventor, bei dem Sikorskis Name ihm zu Ehren Pate für die firmeninterne Bezeichnung stand.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Igor Iwanowitsch Sikorski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Igor Sikorsky Dies – Today in History
  2. Biografie Iwan Sikorskyj auf uahistory.com; abgerufen am 1. Juni 2017 (ukrainisch)
  3. Members Directory: Igor Sikorsky. National Academy of Engineering, abgerufen am 9. Juni 2017 (englisch).
  4. The AHS Sikorsky Prize, Alfred Gessow Rotorcraft Center, University of Maryland, abgerufen 20. März 2013
  5. Mitteilung auf der Homepage von AeroVelo, aufgerufen am 12. Juli 2013