Ijoma Mangold

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Ijoma Mangold bei einem Vortrag in Osnabrück im Februar 2016

Ijoma Alexander Mangold (geb. 2. März 1971 in Heidelberg) ist ein deutscher Literaturkritiker und Autor.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ijoma Mangold wuchs bei seiner Mutter, einer in Schlesien geborenen Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, in Dossenheim auf. Seinen Vater, einen nigerianischen Kinderchirurgen und Chief eines Dorfes, und dessen zweite Familie lernte er erst als Zweiundzwanzigjähriger kennen.[1] Er versteht sich, so schreibt er ironisch, als „gänzlich unfundamentalistischer Schlesienvertriebener der zweiten Generation“. Sein Aussehen, mit dem er „erkennbar das Klassenziel der Nürnberger Rassengesetze verfehlt hätte“, habe er nur einmal zum Gegenstand eines anekdotisch gehaltenen Zeitungsartikels gemacht. „Es war in der Zeit, als die Parteien über die deutsche Leitkultur diskutierten.“[2] Als Jugendlicher las er sich dank des Bücherschranks seiner Mutter durch die Weltliteratur. Seine Lieblingslektüre wurde Marcel Prousts Werk Auf der Suche nach der verlorenen Zeit.[3] Zudem machte ihn seine Mutter mit Theaterstücken und Opern bekannt. Während seiner Jugend gehörte der Sänger Kofi „Linguist“ Yakpo von der Heidelberger HipHop-Gruppe Advanced Chemistry zu Mangolds entfernterem Bekanntenkreis.[4]

Nach dem Besuch des Kurfürst-Friedrich-Gymnasiums Heidelberg studierte Mangold ab 1991 Literaturwissenschaft und Philosophie in München und Bologna.[5][6][7] Als Student arbeitete er in einem Callcenter für den Abonnement-Service der Süddeutschen Zeitung.[8] Von 2000 bis 2001 war er Redakteur bei der Berliner Zeitung, ab 2001 Feuilletonredakteur der Süddeutschen Zeitung.[9][3] Seit April 2009 ist Mangold stellvertretender Leiter des Feuilletons der Wochenzeitung Die Zeit und dort verantwortlich für Literatur.[10] Für die Serie Das war meine Rettung des Zeit Magazins war er neben der Fotografin Herlinde Koelbl und dem Psychologen Louis Lewitan einer der regelmäßigen Interviewer.[11] 2012 wurden die Interviews in Buchform veröffentlicht. Für die Neuausgabe des Romans Cécile (2006) von Theodor Fontane und des Schauspiels Die Räuber (2009) von Friedrich Schiller schrieb Mangold Vor- bzw. Nachworte.

Er gehörte zur Jury des Deutschen Buchpreises 2007 sowie mehrfach des Ingeborg-Bachmann-Preises und ist Jury-Mitglied der Literatur-Bestenliste des SWR-.[6]

2008 übernahm er am Seminar für Deutsche Philologie der Georg-August-Universität Göttingen einen Lehrauftrag für Literaturkritik. Seine Antrittsvorlesung hielt er zum Thema Die Beteiligung des moralischen Ich an der Literaturkritik.[12][13] 2014/15 hatte er eine einjährige Gastprofessur im amerikanischen St. Louis inne.

In der Nachfolge von Elke Heidenreich moderierte er gemeinsam mit Amelie Fried von Juli 2009 bis Dezember 2010 die ZDF-Literatursendung Die Vorleser.[14] Mit Thea Dorn, Denis Scheck und Felicitas von Lovenberg gehörte er seit 2013 zum Moderatoren-Quartett der Literatursendung lesenswert des SWR-Fernsehens.[15] Seit der Neufassung des Konzepts zählte Mangold neben dem Moderatoren Denis Scheck und der Literaturkritikerin Insa Wilke zum festen Team der Sendung.

Im August 2017 kam seine vornehmlich positiv rezipierte Autobiografie Das deutsche Krokodil. Meine Geschichte heraus. Alexander Solloch wünschte sich im NDR unter der Überschrift Mit der Katastrophe rechnen, die nicht kommt, mit Leseproben untermauert, Mangold solle noch viele Bücher jenseits der Literaturkritik veröffentlichen.[16] Ulrich Gutmair schrieb eine Buchbesprechung für Die Tageszeitung unter dem Titel Autobiografie eines Journalisten. Zwei zu eins für Deutschland. Keine Opfergeschichte: (…) der Journalist Ijoma Mangold (erzählt) von Fremdheit bei totaler Assimilation.[17] In der Süddeutschen Zeitung ging Kristina Maidt-Zinke von Mangolds Frage aus: „War ich überassimiliert?“ und hebt seine Distinktionsleidenschaft hervor.[18] „(…) ‚Blut kann sehr dick sein.‘ (…) Vater Nigerianer, Mutter aus Schlesien: Der Literaturkritiker Ijoma Mangold erzählt die Geschichte seiner Herkunft“ titelte Gerrit Bartels im Tagesspiegel.[19] In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung äußerte sich Jan Wiele zu Mangolds Autobiografie und nennt das Buch, das man auch als Roman bezeichnen könne, „eindrucksvoll“. Der Autor lehne die Psychoanalyse ab, analysiere sich aber selbst. Der Titel sei „genial gewählt“.[20] Einerseits handelt es sich beim deutschen Krokodil um den Namen einer Lokomotive in Deutschland und in teurerer Ausführung in der Schweiz, andererseits um eine Anspielung auf seine afrikanische Herkunft. Mangold erklärte in der Fernsehsendung Sternstunde Philosophie des Schweizer TV-Senders SRF im Februar 2018:

„Erst im Schreiben ging mir auf, dass es zum Beispiel Verhaltensweisen von mir gibt, die eindeutig eine Reaktion sind auf mein Aussehen. Quasi eine prophylaktische Reaktion, wenn man so möchte. Also dieses etwas übertriebene gestochene Hochdeutsch, das ich so schnell anschlage und spreche, ist glaube ich auch der Versuch immer gewesen: Ich sehe nicht aus wie ein Deutscher, aber lasst mich nur einen Satz sagen, dann werdet ihr keinen Zweifel mehr an meinem Pass haben.“[21]

Seit Juli 2020 moderiert Mangold gemeinsam mit Lars Weisbrod und Nina Pauer den Feuilleton-Podcast Die sogenannte Gegenwart bei der Zeit.[22]

Mangold lebt in Berlin und in der Uckermark.[23] Er ist konfessionslos.[24]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2007 erhielt Mangold den Berliner Preis für Literaturkritik. Die Jury würdigte damit „die Genauigkeit und Empathie“, mit der Mangold die Literaturkritik als literarische Gattung gestaltet.[25] Im Herbst 2020 wurde Mangold ein Stipendium in der Villa Aurora zuerkannt.

Buchveröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sehr wahrheitsgemäße Bekenntnisse eines fernsehaffinen Literaturkritikers, in: Alexander Wasner (Hrsg.): Ich möchte lieber doch: Fernsehen als literarische Anstalt, Wallstein Verlag 2008, ISBN 978-3-8353-0279-2, S. 144ff.
  • Mit Herlinde Koelbl und Louis Lewitan: Das war meine Rettung. 50 Persönlichkeiten erzählen von Wendepunkten in ihrem Leben, Verlag Edel, Hamburg 2012, ISBN 978-3-8419-0175-0.
  • Ijoma Mangold: Das deutsche Krokodil. Meine Geschichte. Autobiografie, Rowohlt Verlag, Reinbek 2017, ISBN 978-3-498-04468-8.[26][27]
  • Ijoma Mangold: Der innere Stammtisch. Ein politisches Tagebuch, Rowohlt Verlag, Hamburg 2020, ISBN 978-3-498-00119-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ijoma Mangold – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kristina Maidt-Zinke: Distinktionsleidenschaft. Rezension. Süddeutsche Zeitung, 22. August 2017, S. 13, online: Autobiografie. Deutscher als Jeder Deutsche. 23. August 2017
  2. Ijoma Mangold: Tunesien liegt zwischen Namibia und Schlesien, Kulturstiftung des Bundes
  3. a b Philipp Wurm: Ijoma Mangold: Ein Bildungsbürger, kein Rebell, Westdeutsche Zeitung, 9. Juli 2009 (Memento vom 8. April 2014 im Internet Archive)
  4. Ijoma Mangold: Das deutsche Krokodil meine Geschichte. 1. Auflage. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2017, ISBN 978-3-498-04468-8, S. 171–172.
  5. Ijoma Mangold, Profilseite Zeit Online
  6. a b SWR-Bestenliste, Kurzbiografien zu den Jurymitgliedern
  7. Ijoma Mangold, ZDF (Memento vom 12. August 2014 im Internet Archive)
  8. Lars Weisbrod, Ijoma Mangold: Feuilleton-Podcast : Weltrettung als Event. In: Die Zeit. 22. Februar 2021, abgerufen am 22. Februar 2021.
  9. Alexander Wasner (Hrsg.): Ich möchte lieber doch: Fernsehen als literarische Anstalt, Wallstein Verlag 2008, ISBN 978-3-8353-0279-2, S. 236
  10. Ijoma Mangold, Literatur & Kunst, Nr. 9, 11/2011 (online)
  11. Serie: Das war meine Rettung
  12. Literaturredakteur der Süddeutschen Zeitung lehrt an der Georg-August-Universität, Pressemitteilung der Uni Göttingen, Nr. 148/2008, 2. Juli 2008.
  13. Literaturwissenschaft (Magister/Staatsexamen) Gastprofessur für Literaturkritik 2008/09: Ijoma Mangold (PDF, S. 2).
  14. Michael Hanfeld: Neue ZDF-Literatursendung. Lesen und lesen lassen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 10. Februar 2009 (faz.net).
  15. lesenswert, SWR Mediathek, Sendung vom 6. Juli 2014.
  16. Alexander Solloch: Mit der Katastrophe rechnen, die nicht kommt. «Das deutsche Krokodil – Meine Geschichte» von Ijoma Mangold. NDR – Kultur, 17. August 2017, 12:40
  17. Ulrich Gutmair: Autobiografie eines Journalisten. Zwei zu eins für Deutschland. Taz online, 20. August 2017 und print
  18. Kristina Maidt-Zinke: Distinktionsleidenschaft. Rezension. In: Süddeutsche Zeitung, 22. August 2017, S. 13, online: Autobiografie. Deutscher als Jeder Deutsche. 23. August 2017
  19. Gerrit Bartels: Ijoma Mangold und „Das deutsche Krokodil.“ Blut kann sehr dick sein. In: Der Tagesspiegel. online, 28. August 2017 und print (tagesspiegel.de).
  20. Jan Wiele: Ijoma Mangolds Autobiographie: Wem gehörst denn du? Frankfurter Allgemeine Zeitung. online, 26. September (aktualisiert faz.net) und print.
  21. Ijoma Mangold: Was hat meine Herkunft mit mir zu tun? SRF Kultur, 4. Februar 2018, 11.00 (Zitat ab Minute 39:18). Moderatorin Barbara Bleisch.
  22. ZEIT ONLINE und DIE ZEIT starten Feuilleton-Podcast „Die sogenannte Gegenwart“ mit Nina Pauer, Ijoma Mangold und Lars Weisbrod. In: zeit-verlagsgruppe.de. Zeit Verlagsgruppe, 20. Juli 2020, abgerufen am 28. Juli 2020.
  23. Mit Ijoma Mangold im uckermärkischen Wald | Durch die Gegend | Viertausendhertz | Das Podcastlabel. 23. Dezember 2020, abgerufen am 23. Dezember 2020 (deutsch).
  24. Ijoma Mangold, Lars Weisbrod: Feuilleton-Podcast: Der ultimative Christencheck. In: Die Zeit. 21. Dezember 2020, abgerufen am 23. Dezember 2020.
  25. Preis für Literaturkritik an Ijoma Mangold. In: Börsenblatt. 11. Juli 2007, boersenblatt.net abgerufen 30. Mai 2020.
  26. Klappentext und Rezensionsnotizen auf Perlentaucher.de.
  27. Ijoma Mangold: Vater-Sohn-Beziehungen: Bis ich 22 war, hatten wir uns nie gesehen. Dann kam der Brief meines Vaters aus Nigeria. In: Die Zeit online, 16. August 2017 und print 23. August 2017 (zeit.de).