Ilha Grande

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Ilha Grande
Topographische Karte
Topographische Karte
Gewässer
Geographische Lage 23° 8′ S, 44° 15′ WKoordinaten: 23° 8′ S, 44° 15′ W
Ilha Grande (Rio de Janeiro)
Ilha Grande
Länge 29 km
Breite 11,8 km
Fläche 193 km²
Höchste Erhebung Pico da Pedra D'Água
1031 m
Einwohner 3000
16 Einw./km²
Hauptort Vila do Abraão

Die Ilha Grande (portugiesisch Große Insel) ist mit ihren 86 Stränden eine der bekanntesten Inseln Brasiliens. Sie gehört zur Stadt Angra dos Reis im Westen des Bundesstaates Rio de Janeiro und liegt etwa 160 km westlich der Stadt Rio de Janeiro zwischen der Baía de Sepetiba und der Baía da Ilha Grande im Atlantik.

Es gibt Fährverbindungen vom Hauptort Vila do Abraão zum Stadtzentrum von Angra dos Reis und nach Mangaratiba auf dem Festland. Die Fahrzeit beträgt jeweils ca. 75 Minuten zur ca. 25 km entfernt gelegenen Insel.

Der Nationalpark von Ilha Grande ist nur ein Teil (5.594 ha) der gesamten Insel (19.300 ha), die sich vor der Südküste des Bundesstaates Rio de Janeiro zwischen den Badeorten Mangaratiba und Angra dos Reis befindet. Etwa die Hälfte des Parks (47 %) ist mit dichtem atlantischen Regenwald (Mata Atlântica) bewachsen. Auf der Ilha Grande finden sich zahlreiche Vertreter seltener Tiere, wie z. B. Brüllaffen, Papageien, Wasserschildkröten, Schlangenarten und der noch relativ wenig erforschte Guyana-Delfin. Vom Berg Pico do Papagaio („Papageienspitze“, 982 m)[1] hat man einen Blick über die ganze Insel und bei guter Sicht bis hinüber zum Festland nach Mangaratiba.

Die Ilha Grande ist Teil des Tamoios-Naturschutzgebietes und gliedert sich in den eigentlichen Staatspark, den Marine-Staatspark und das biologische Reservat Praia do Sul. Außerdem sind die Gewässer und Strände der Ilha Grande heute beliebte Ausflugs- und Urlauberziele. Es gibt eine große Anzahl von Pousadas (Pensionen), die teilweise nur mit dem Boot erreichbar sind und oft sehr luxuriös eingerichtet sind.

Einziger größerer Ort der Insel ist Vila do Abraão. Hier legen die Fähren vom Festland an und von hier aus starten die meisten Ausflugstouren per Boot in die Natur.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte des 16. Jahrhunderts verfasste der Landsknecht Hans Staden den ersten Reisebericht, in dem die Insel erwähnt wird. Er war im Dienste des portugiesischen Königshauses Kommandant einer kleinen Festung nördlich von São Vicente. Anfang 1554 wurde er von Indianern gefangen genommen. Auf einem Kriegszug mit den Tupinamba machte er Rast auf der Insel.

Nach über neun Monaten Gefangenschaft wurde er 1555 von einem französischen Kapitän befreit. Er kam nach Wolfhagen (Hessen) zurück und veröffentlichte 1557 in Marburg seine Chronik „Warhaftige Historie und Beschreibung einer Landschaft der Wilden, Nackten, Grimmigen Menschenfresser-Leute“. Die Aufzeichnung Stadens ist die erste Beschreibung indianischen Brauchtums in Brasilien.

Große Süßwasserreserven, tropische Früchte, große Vorkommen des Brasilholzes, eines Edelholzes, aber vor allem die Nähe zur Hafenstadt Paraty, von wo aus das brasilianische Gold nach Europa verschifft wurde, machten die Ilha Grande nach dem Besuch Stadens zum bevorzugten Zufluchtsort von europäischen Piraten und Korsaren. Etwa 50 Schiffswracks zwischen Angra do Reis und der Ilha Grande sind Zeugen der Schlachten, die sich im 16. und 17. Jahrhundert zwischen Piraten, Tamoios-Indianern und Portugiesen ereigneten.

Danach wurde im 18. Jahrhundert Ilha Grande zu einem der Hauptumschlagplätze des Sklavenhandels. In einem der schwärzesten Kapitel der brasilianischen Geschichte landeten über 200 Jahre lang an den Stränden von Palmas und Dois Rios Schiffe mit Männern, Kindern und Frauen aus Afrika, bestimmt für die schwere Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen und Fazendas (Bauernhöfe) von Rio de Janeiro.

Um 1888 nach der Abschaffung der Sklaverei den wachsenden Arbeitskräftebedarf decken zu können, öffnete Brasilien seine Tore für – vorwiegend europäische und asiatische – Einwanderer. Da einige dieser Länder zu dieser Zeit von Cholera-Epidemien befallen waren, ließ Dom Pedro I. auf der Ilha Grande ein Quarantäne-Lazarett errichten, in dem sich die Immigranten eine Zeit lang aufhalten mussten, bis sie offiziell nach Brasilien einreisen durften. Die Ruinen des Lazarettes sind heute von tropischem Regenwald überwachsen, aber immer noch vorhanden.

Später wurde die Insel zu einer geschlossenen Kolonie für Leprakranke (Hanseníase oder Hansen-Krankheit) erklärt und es wurde das Gefängnis Colônia Penal Cândido Mendes gebaut, wo zuerst gefährliche Verbrecher landeten und dann während des Estado Novo und später während der Militärherrschaft ab 1964 hauptsächlich politische Gefangene. Der Ort wurde deshalb ausgesucht, weil eine Flucht von der Insel damals als aussichtslos angesehen wurde, da das Festland ca. 25 km entfernt lag.

Im Jahr 1993 beschloss die Regierung des Bundesstaates Rio de Janeiro das Gefängnis zu schließen. Danach erhielt die Universidade do Estado do Rio de Janeiro das Recht, ein Zentrum für Umweltstudien (Centro de Estudos Ambientais e Desenvolvimento Sustentável (CEADS)) zu errichten, welches 1998 eingeweiht wurde.

Am 1. Januar 2010 kam es zu einem verhängnisvollen Erdrutsch an der Praia do Bananal. Mehrere Gebäude der dort gelegenen Pousada Sankay wurden dabei zerstört, und 28 Menschen ließen ihr Leben.

Fotos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptstrände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Uhrzeigersinn von Vila do Abraão aus:

Strand von Abraãozinho
  • Abraão
  • Palmas
  • Pouso
Strand von Lopes Mendes
Strand von Dois Rios
Strand Aventureiro
Strand Feiticeira
  • Feiticeira
  • Preta

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pico do Papagaio. Abgerufen am 23. April 2011.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ilha Grande – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien