Iljuschin Il-14

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Iljuschin Il-14
Iljuschin Il-14
IL-14, 2012
Typ: Transportflugzeug
Entwurfsland: Sowjetunion 1923Sowjetunion Sowjetunion
Hersteller: Iljuschin
Erstflug: 13. Juli 1950
Indienststellung: 1954
Stückzahl: 1122
IL-14 auf dem Flughafen Leipzig am 29. August 1956
Cockpit
Passagierkabine

Die Iljuschin Il-14 (russisch Ильюшин Ил-14, NATO-Codename: Crate) ist ein sowjetisches Kurz- und Mittelstrecken-Verkehrsflugzeug. Sie war der verbesserte Nachfolger der Il-12.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Flugzeug wurde als Ersatz für die Iljuschin Il-12, dem Nachfolgemuster der Li-2, welche eine in der Sowjetunion unter Lizenz gefertigte Douglas DC-3 war, entwickelt. Der Erstflug fand am 13. Juli 1950 statt. Die Il-14 ist eine zweimotorige, als Tiefdecker ausgelegte Propellermaschine. Das Flugzeug wird sowohl für zivile wie auch für militärische Zwecke, z. B. als Frachtflugzeug, eingesetzt. Der Großteil der 1122 produzierten Maschinen wurde bis 1958 in der Sowjetunion von Iljuschin gefertigt. 80 Maschinen wurden in der DDR vom VEB Flugzeugwerke Dresden als Il-14P gefertigt. In der Tschechoslowakei wurde das Flugzeug unter der Bezeichnung Avia 14 gebaut. Später wurden die Avia 32 aus der Il-14M, die Avia 14-32A mit strukturell verstärktem Rumpf und höherer Abflugmasse, die Avia 14 Salon sowie die Fotomaschine Av-14 FG entwickelt. Von 1958 bis 1962 wurden insgesamt 203 Avia 14 hergestellt.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Il-14 hat ein äußeres Erscheinungsbild, welches sehr ihrer Vorgängerin Il-12 ähnelt. Der kreisförmige Rumpf und das Bugradfahrwerk wurden von der Il-12 übernommen. Die Tragflächen sind als Trapezflügel mit hoher aerodynamischer Streckung mit geraden Flügelspitzen ausgelegt. Die Klappen an der Hinterkante sind Spaltklappen. Das Seitenleitwerk hat eine quadratische Form mit einer vorgezogenen Leitwerkskante und einer relativ kleinen Rückenfinne.

Angetrieben wird die Il-14 von zwei 14-Zylinder-Sternmotoren vom Typ Schwezow ASch-82T und AW-50-Vierblatt-Verstellpropellern mit 3,80 m Durchmesser. Die Motoren wie auch die Propeller, die Front und die Leitwerke sind mit Enteisungssystemen ausgestattet.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Flugzeug war in nahezu allen RGW-Staaten im Einsatz, neben den osteuropäischen auch in Kuba und Vietnam, außerdem in Afghanistan, Tschad, Irak, Nordkorea, der Volksrepublik China, Ägypten, Syrien und Südjemen. Die Il-14 wurde auch als VIP-Flugzeug für Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser, Indiens Premier Jawaharlal Nehru, Jugoslawiens Präsident Tito und den Schah von Persien eingesetzt.

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Il-14P: erste Serienversion für max. 28 Passagiere
  • Il-14M: verlängerte Variante für max. 36 Passagiere
  • Il-14G: Frachtversion
  • Il-14T: militärische Transportversion, auch zum Absetzen von Fallschirmspringern

Erhaltene Exemplare in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reichenbach: Die bei einem Autohaus ausgestellte Maschine mit dem Kennzeichen DM-ZZB war die erste vom Flugzeugwerk Dresden produzierte Maschine. Sie wurde auch als Erprobungsflugzeug für das Höhenleitwerk der 152 eingesetzt. Unter dem Kennzeichen DM-SAZ flog sie von 1961 bis 1967 bei der Deutschen Lufthansa der DDR bzw. bei der Interflug.
  • Cämmerswalde: Die ausgestellte Maschine mit dem Kennzeichen DM-SAB flog bis 1970 bei der Interflug und dient heute als Gaststätte.
  • Dessau: Die im Technikmuseum Hugo Junkers ausgestellte DM-SAF flog bis 1967 bei der Interflug. Sie kann von innen besichtigt werden.
  • Dresden: Die auf dem Gelände der Flugzeugwerft Dresden abgestellte DM-SAL war die letzte in der DDR fliegende Il-14. Sie wurde bis 1984 bei der Interflug eingesetzt, zuletzt als Messflugzeug. Das Flugzeug ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.
  • Finowfurt: Die im Luftfahrtmuseum Finowfurt ausgestellte Il-14 flog bis 1982 als Salonmaschine bei der NVA.
  • Hermeskeil: Die in der Flugausstellung Hermeskeil ausgestellte Maschine flog bis 1988 bei den Polnischen Luftstreitkräften als Salonmaschine.
  • Das Museum für Verkehr und Technik in Berlin verfügt ebenfalls über eine Il-14. Es handelt sich um die bis 1983 bei der Interflug – zuletzt als Fotoflugzeug – eingesetzte DM-SAM. Sie wird zurzeit aufgearbeitet und ist nicht öffentlich zugänglich.
  • Im Auto- und Technikmuseum Sinsheim ist eine Il-14 in einer Farbgebung ausgestellt, die an die der ehemaligen bulgarischen Fluggesellschaft Balkan angelehnt ist.

Mit Ausnahme der Sinsheimer Il-14 stammen alle in Deutschland noch vorhandenen Maschinen aus der Dresdner Produktion.[1][2] Die Sinsheimer Maschine wurde vermutlich in der UdSSR produziert und flog bei den Polnischen Luftstreitkräften.[3]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dreiseitenriss
Kenngröße Daten der Il-14M
Länge 22,31 m
Spannweite 31,7 m
Höhe 7,8 m
Antrieb 2 Schwezow ASch-82T Doppelsternmotoren
Leistung je 1397 kW (1900 PS)
Höchstgeschwindigkeit 430 km/h
Reisegeschwindigkeit 345 km/h
Gipfelhöhe 6500 m
Reichweite 2250 km
Startmasse max. 18.500 kg
Leermasse 12.700 kg
Passagiere max. 36
Besatzung 5

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Iljuschin Il-12 und Il-14. In: de Agostini (Hrsg.): AIRCRAFT – Die neue Enzyklopädie der Luftfahrt. Nr. 83. TOPIC, München-Karlsfeld 1994, S. 2297–2301.
  • Manfred Meyer: Versionen: Iljuschin IL-14 (1. Teil). In: Fliegerrevue. Nr. 6/1992. Brandenburgisches Verlagshaus, ISSN 0941-889X, S. 261.
  • Manfred Meyer: Versionen: Iljuschin IL-14 (2. Teil). In: Fliegerrevue. Nr. 7/1992. Brandenburgisches Verlagshaus, ISSN 0941-889X, S. 309.
  • Yefim Gordon, Dmitriy Komissarov: Ilyushin Il-12 and IL-14 – Successors to the Li-2. Midland Publishing Ltd, Hinckley 2005, ISBN 1-85780-223-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Iljuschin Il-14 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Standorte der ehemaligen Interflug-Maschinen auf interflug.biz, abgerufen am 3. Juni 2015
  2. Detlef Meyer/Manfred Billig: Flugzeuge der DDR, Bd. I, TOM Modellbau, Friedland 2002, ISBN 3-613-02198-6, S. 181ff.
  3. Informationen zur Maschine auf skybird-ev.de. Die Seriennummer deutet auf einen sowjetischen Hersteller hin, abgerufen am 5. Oktober 2010