Illinois (Volk)

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Wohn- und Jagdgebiet der Illinois vor 1700
Ein Stammesmitglied der Illinois, Zeichnung von Georges-Henri-Victor Collot (1796)

Die Illinois waren eine Konföderation von rund zwölf kleinen Algonkin sprechenden Indianerstämmen,[1] die zu Beginn des 17. Jahrhunderts über ein Gebiet verstreut waren, welches das nördliche Illinois und Teile von Missouri und Iowa umfasste. Der Name leitet sich von ihrer Eigenbezeichnung Illiniwek oder Illini, die Das Volk bedeutet, her.

Sprache und Stammesgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Ende des 17. Jahrhunderts die ersten französischen Siedler kamen, bezeichneten sie die Illini als „[les] Illinois“ (Die Illini-ischen, Illinois). Die Illinois waren eng mit den benachbarten Miami-Stämmen verwandt und deren Algonkin-Dialekte werden mit dem Sammelbegriff Miami-Illinois bezeichnet.[2]

Die ersten Berichte über die Illinois weisen auf mindestens 12 Stämme hin, doch einige von diesen könnten unterschiedliche Namen desselben Stammes sein. Zu den fünf Stämmen, deren Identität als gesichert gilt, gehören die Cahokia, Kaskaskia, Michigamea, Peoria und Tamaroa. Weitere Stämme waren die Chepoussa, Chinkoa, Coiracoentanon, Espeminkia, Maroa, Moingwena und Tapouaro, die sich vermutlich nach 1700 mit den vorher genannten Stämmen vereinigt hatten. Als Europäer 1673 erstmals Illinois-Stämmen begegneten, lebten diese am Mississippi River zwischen den heutigen US-Bundesstaaten Iowa und Arkansas und am gesamten Illinois River bis zu dessen Oberlauf. Das Stammesgebiet der Peoria lag im östlichen Iowa, während die Tamaroa im östlichen Missouri und die Cahokia im westlichen Illinois zu finden waren. Die Michigamea lebten im nordöstlichen Arkansas und die Kaskaskia am oberen Illinois River mit ihrem Hauptdorf nahe dem heutigen Starved Rock State Park. Insgesamt kann ihr Stammesgebiet im späten 17. Jahrhundert als von Hochgras bedeckte Prärie bezeichnet werden, die von baumgesäumten Flüssen durchzogen wurde.[2]

Externe Beziehungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus frühen französischen Aufzeichnungen geht hervor, dass die Illinois- und Miami-Stämme als sprachlich und kulturell identisch angesehen wurden. Außerdem wiesen sie kulturelle Ähnlichkeiten mit anderen zentralen Algonkingruppen auf und teilten darüber hinaus signifikante Merkmale mit den Prärie-Sioux, insbesondere aus dem Chiwere-Zweig. Trotz der kulturellen Gemeinsamkeiten standen sich die Illinois und Miami feindlich gegenüber und führten zeitweilig heftige Kriege gegeneinander. Die Beziehungen zu anderen indianischen Gruppen wechselten im Laufe der Jahrhunderte. Zur Zeit des ersten Kontakts mit Europäern und wohl auch schon früher gab ständige Auseinandersetzungen zwischen Illinois- und Irokesen-Stämmen. Zur gleichen Zeit kämpften sie auch gegen Völker, die westlich des Mississippi lebten, besonders gegen die Missouri, Osage, Quapaw und Pawnee. Erst im späten siebzehnten Jahrhundert verbesserten sich die Beziehungen zu den Stämmen im Westen. Im achtzehnten Jahrhundert waren die Illinois in ständige Kriege mit ihren nördlichen Nachbarn verwickelt, die sie schließlich aus ihren Stammesgebiet im Norden von Illinois weiter nach Süden abdrängten.[2]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Informationen über die Lebensweise der Illinois stammen aus den Aufzeichnungen der französischen Entdecker zwischen 1673 und 1700, wie Jacques Marquette und Louis Jolliet. Sie berichteten ausschließlich über Besuche bei den Peoria und Kaskakia, denn über die Kultur der Cahokia, Michigamea und Tamaroa ist fast nichts bekannt.

Der Lebensunterhalt der Illinois wurde durch Ackerbau, Jagen, Fischen und Sammeln von Wildpflanzen bestritten. Der Anbau von Mais und das Sammeln von Wurzeln und wildwachsenden Pflanzen war Frauenarbeit, während die Männer auf die Jagd und zum Fischfang gingen. Der jährliche Kreislauf begann Ende März oder Anfang April, wenn die Menschen aus ihren Winterlagern in die Sommerdörfer zurückkehrten. Die Frauen verbrachten die erste Zeit mit dem Sammeln von Feuerholz, um sich danach dem Pflanzen von Mais ab Anfang Mai intensiv widmen zu können. Ab Juni verließen die meisten Bewohner ihre Dörfer und zogen gemeinsam zur Büffeljagd, die etwa sechs Wochen dauerte. Ende Juli konnte der erste Mais geerntet und getrocknet werden, dem die zweite Ernte Ende August folgte. Danach verließen die Bewohner erneut ihre Dörfer, um die Winterlager zu errichten. Außer Mais bauten die Illinois Bohnen, Squash und Wassermelonen an. Frauen sammelten außerdem eine Vielzahl an Knollen, Nüssen, Beeren und Früchten. Bei der gemeinsamen Büffeljagd wurde eine Herde von jungen Männern eingekreist, welche die Tiere in einen vorbereiteten Hinterhalt trieben und töteten. Das Fleisch der Bisons wurde getrocknet und damit konserviert und die präparierten Felle dienten als Winterbekleidung. Zur Jagdbeute zählten auch Hirsche, Bären, Truthähne, Luchse und Pumas.

Die Sommerlager lagen am Ufer der Flüsse und erstreckten sich manchmal über beachtliche Distanzen. Das von Marquette und Joliet 1673 besuchte Peoria-Dorf zählte 300 Hütten, das 1677 besuchte Kaskaskia-Dorf bestand sogar aus 351 Hütten. Jedes Dorf hatte vermutlich ein größeres Gebäude, das für Rituale und als Gemeinschaftsunterkunft Verwendung fand. Die Sommerhütten hatten einen rechteckigen Grundriss und bestanden aus gebogenen Baumschösslingen, die mit Schilfmatten bedeckt waren. Sommercamps wurden gewöhnlich am Rand von Prärien errichtet, an Orten, die Schatten boten und gegen plötzliche Angriffe verteidigt werden konnten.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des Kontakts mit Europäern waren die Illinois von den Irokesen, die zu dieser Zeit schon Feuerwaffen besaßen, nach Westen verdrängt worden. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts konzentrierten sich die meisten Illinois entlang des Illinois Rivers von Starved Rock bis zum Mississippi River, wohin sie vor den Überfällen der Dakota, Fox, Sauk und anderer nördlicher Stämme ausgewichen waren. Um 1667 bekam der französische Außenposten Chequamegon erstmals Besuch von einer Gruppe der Illinois. 1673 beobachtete Marquette bei den Peoria den Besitz französischer Handelsgüter, darunter auch Gewehre. Die Aussicht auf engere Handelsbeziehungen mit den Franzosen veranlasste offenbar die nördlichen Illinois-Stämme, sich bevorzugt im großen Kaskaskia-Dorf beim heutigen Starved Rock State Park niederzulassen. Dieser Ort wurde 1680 von den Irokesen überfallen und zerstört, zwei Jahre später aber an derselben Stelle als La Salles Fort und Trading Post wieder aufgebaut. Zu den Bewohnern zählten außer den Kaskaskia auch Angehörige der Miami und Shawnee. 1691 zwang der Mangel an Feuerholz die Bewohner, weiter flussabwärts die neue Siedlung Pimitéout am Lake Peoria zu gründen. Inzwischen hatten die südlichen Illinois-Stämme begonnen, statt einer großen Siedlung viele kleinere Dörfer im American Bottom einzurichten. Die Cahokia lebten weiterhin in ihrem traditionellen Wohngebiet am Zusammenfluss von Illinois River und Mississippi, während die Tamaroa zum östlichen Ufer des Mississippi und die Michigamea um 1693 nach Norden zum Kaskaskia River zogen. Um 1700 verließen die Kaskaskia Pimitéout, gefolgt von den französischen Händlern und Missionaren, und zogen nach Süden an den Mississippi bei Fort de Chartres. Die Illinois-Stämme verbündeten sich mit bestimmten französischen Ansiedlungen: Die Cahokia mit dem französischen gleichnamigen Cahokia, die Michigamea mit Fort de Chartres, die Kaskaskia und Tamaroa mit dem französischen Kaskaskia.[4]

Im Verlauf des 18. Jahrhunderts schrumpfte die Bevölkerungszahl der Illinois-Stämme dramatisch und schließlich gab es nur noch wenige Überlebende. Einer der Gründe für den Verfall war der nicht endende Krieg mit den Stämmen aus Wisconsin, der begann, als die Überfälle der Irokesen aufhörten. Die Peoria waren aufgrund ihres nördlichen Wohngebiets besonders gefährdet und litten unter permanenten Angriffen ihrer Feinde. Die Ermordung des Ottawahäuptlings Pontiac durch einen Angehörigen der Illinois provozierte Vergeltungsaktionen von verschiedenen nördlichen Algonkin-Stämmen, wodurch ihre Bevölkerungszahl weiterhin abnahm. Im späten achtzehnten Jahrhundert wurden sie schließlich nach Süden vertrieben. Die im Süden lebenden Illinois-Stämme verdankten den Franzosen einen gewissen Schutz. Dennoch litten sie unter der Armut und dem Verlust ihrer kulturellen Identität, so dass zahlreiche Angehörige dem Alkohol verfielen. Eine offenbar erfolgreiche Missionierung führte zur völligen Abhängigkeit von den Franzosen. Sie folgten diesen und zogen über den Mississippi bis zum Beginn des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs, in dem die Kaskaskia Verbündete der Amerikaner wurden.[4]

Im frühen neunzehnten Jahrhundert lebten die Reste der Illinois überwiegend westlich des Mississippi und begannen ihr Land zu verkaufen. 1832 bestanden die Illinois nur noch aus wenigen Stammesangehörigen, die ihre Identität verloren hatten, und bezogen eine Reservation im östlichen Kansas. Hier entstand eine neue Bewegung unter dem Baptisten Peoria, die zur kulturellen Anpassung führte und ihr gemeinsames Leben als Peoria sicherte. 1854 vereinigten sie sich mit den Resten der Wea und Piankashaw und nannten sich Confederated Peoria (Vereinigte Peoria). Die fortschreitende Besiedlung von Kansas zwang sie schließlich, in eine neue Reservation im nordöstlichen Oklahoma zu ziehen. Sie wurden 1940 als Peoria Indian Tribe of Oklahoma bundesstaatlich anerkannt. Allerdings gibt es kaum noch Überreste ihrer traditionellen Kultur.[2]

Demografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Schätzungen der Bevölkerungszahl erfolgten in der Angabe von Hütten oder Kriegern und bezogen sich nur auf die nördlichen Stämme. 1673 berichtete Marquette von rund 300 Hütten im Peoria-Dorf und 74 Hütten in der Kaskaskia-Siedlung. Um 1677 gab es hier einschließlich der Peoria und anderer Stämme insgesamt 351 Hütten. Louis Deliette ermittelte für 1691 in der Pimitéoui-Siedlung, Sammlungsort für die nördlichen Illinois, insgesamt 260 Hütten mit 800 Kriegern, das heißt Männer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Bei den Cahokia und Tamaroa ermittelte er nur 60 Hütten. Céloron schätzte 1736 für alle Illinois-Stämme eine gesamte Population von 2.400 Stammesangehörigen, davon 600 Krieger. Um 1756 war diese Zahl auf 1.720 Personen geschrumpft. Auch in den folgenden Jahren sank die Bevölkerungszahl, so dass bis 1840 nur noch rund 200 Personen überlebt hatten.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cahokia. Encyclopedia of Oklahoma History and Culture. Abgerufen am 6. Oktober 2016.
  2. a b c d Charles Callender: Handbook of North American Indians. Band 15: Northeast, Illinois, S. 673
  3. Charles Callender: Handbook of North American Indians. Band 15: Northeast, Illinois, S. 674–676
  4. a b Charles Callender: Handbook of North American Indians. Band 15: Northeast, Illinois, S. 677–679
  5. Charles Callender: Handbook of North American Indians. Band 15: Northeast, Illinois, S.679