Impulse (Theaterfestival)

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Das internationale Impulse Theater Festival (bis 2011 Theater Festival Impulse) präsentiert im jährlichen Rhythmus Produktionen der freien Theaterszene aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es ist zu einer wichtigen Plattform für unabhängigen, experimentellen Theaters geworden. Später erfolgreiche Künstler und Gruppen wie René Pollesch oder Rimini Protokoll wurden hier erstmals einem breiteren Publikum vorgestellt.

Das Festival findet seit seiner Gründung in mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen statt, seit 2015 in Düsseldorf, Köln und Mülheim an der Ruhr.[1] Zwischen 2009 und 2013 wurde das Festival biennal veranstaltet, seit 2015 findet es wieder jährlich statt. Das Hauptprogramm wird nun abwechselnd in jeweils einer der Partnerstädte präsentiert, die anderen beiden bleiben als Satelliten mit kontextspezifischen Sonderprojekten präsent.[2] Künftig soll alle drei Ausgaben eine neue künstlerische Leitung bestellt werden. Veranstalter ist das NRW-Kultursekretariat.

Das Festival wurde 1990 von Dietmar N. Schmidt gegründet und bis einschließlich 2006 geleitet, ihm folgten Matthias von Hartz und Tom Stromberg (2007–2011) und Florian Malzacher (2013–2017).[3][4] Für die Jahre 2018–2020 wurde Haiko Pfost zum künstlerischen Leiter berufen.[5]

Ausrichtung und Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 2018 erhält das Festivals ein verändertes Profil, das der neue künstlerische Leiter voraussichtlich im Frühjahr 2018 vorstellen wird.[6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1990 bis 2006[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1990 gründete der Direktor des NRW KULTURsekretariat in Wuppertal Dietmar N. Schmidt das Theaterfestival Impulse als Theatertreffen der freien Szene. Jährlich wurden herausragende Theaterproduktionen freier Gruppen und Theater gebündelt präsentiert. Unter Schmidts Leitung bis 2006 kürte eine Fachjury in jedem Jahr die beste Theaterarbeit der Szene.

2007 bis 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 2007 und 2011 übernahm der ehemalige Theaterintendant und Kulturproduzent Tom Stromberg gemeinsam mit dem Regisseur und Festivalmacher Matthias von Hartz die künstlerische Leitung des Festivals. Im zweijährigen Rhythmus präsentierte das Festival neue ästhetische und inhaltliche Positionen innerhalb des deutschsprachigen freien Theaters. Das Festival zeigte zu ihrer Zeit herausragende Produktionen und Ko-Produktionen aus dem deutschsprachigen Theaterraum. Zu den durch die beiden eingeführten Neuerungen gehörten die Special Guests, d. h. internationale Theaterproduktionen, die abseits des Wettbewerbs das Festivalprogramm ergänzten, sowie ein Besucherprogramm für internationale Kuratoren, durch das gezielt die internationale Vermarktung der gezeigten Produktionen und der deutschen Szene vorangetrieben wurde.

2012 bis 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2013 bis 2017 fand das Festival mit veränderter Konzeption unter der künstlerischen Leitung des Kurators und Autors Florian Malzacher statt.[7] Damit verschob sich der Fokus weg von einer reinen Bestenschau hin zu stärker kuratorisch motivierten Verknüpfungen und thematischen Fragestellungen.[8] Die Auswahl- und Preisjury wurde abgeschafft, dafür unterstützen ein Open Call und ein künstlerischer Beirat die Programmierung.[9]

Im Kern stehen weiterhin rund zehn Einladungen herausragender Arbeiten von Künstlern mit Lebensmittelpunkt im deutschsprachigen Raum. Ergänzt werden sie durch Auftragsarbeiten, die von internationalen Künstlern in den Partnerstädten entwickelt werden – unter anderem Yael Bartana, Phil Collins, Ahmet Öğüt und Lotte van den Berg.[10] Die internationalen Auftragsarbeiten im Jahr 2016 wurden vom New Yorker Nature Theater of Oklahoma, der israelischen Performance-Gruppe Public Movement unter Leitung von Dana Yahalomi und Künstler wie z. B. Chto Delat, Mårten Spångberg und Vierte Welt Kollaborationen aus Berlin beigesteuert.

Begleitet wurden die Impulse in dieser Zeit von einem Beirat aus Wissenschaft und Kunst.[11] 2013 gehörten dem Beirat unter anderem die Kuratorin Ellen Blumenstein, der Ethnologe Thomas Hauschild, der Theaterwissenschaftler Hans-Thies Lehmann, der Komparatist Winfried Menninghaus an.[12] Für die Ausgaben 2015 und 2016 bildeten unter anderem die Kunsthistorikerin Beatrice von Bismarck, der Philosoph Boris Buden sowie der Soziologe Oliver Marchart den Beirat.[13] Für die Ausgabe 2017 gehörten dem Beirat der bildende Künstler Ulf Aminde, die Kuratorin Ekaterina Degot, der Lyriker Cristian Filips, die Journalistin Margarita Tsomou, der Philosoph Marcus Steinweg und die Theaterwissenschaftlerin Joy Kristin Kalu an.[14]

Wettbewerb 1990 bis 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis einschließlich 2011 wählte eine unabhängige Jury gemeinsam mit der künstlerischen Leitung die Teilnehmer-Produktionen des Festivals aus. Zudem begutachtete eine Preisjury die gezeigten Arbeiten während des Festivals und vergab verschiedene Preise. 2011 wurde in Erinnerung an den verstorbenen Festivalgründer der Dietmar N. Schmidt Preis für die beste künstlerische Einzelleistung im Wert von 1500 € vergeben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Esch, Matthias von Hartz, Tom Stromberg (Hrsg.): Es geht auch anders : Theater-Festival-Impulse. 2007 bis 2011. Theater der Zeit, Berlin 2012, ISBN 978-3-942449-43-4.
  • Florian Malzacher u. Stefanie Wenner (Hrsg.): Two Minutes of Standstill. A Collective Performance by Yael Bartana. Sternberg Press u. NRW KULTURsekretariat, Berlin/Wuppertal, 2014, ISBN 978-3-95679-061-4.
  • Florian Malzacher, Ahmet Öğüt, Pelin Tan (Hrsg.): The Silent University. Towards a Transversal Pedagogy. Sternberg Press u. NRW KULTURsekretariat, Berlin/Wuppertal, 2016, ISBN 978-3-95679-245-8.
  • Florian Malzacher, Dominik Müller, Felizitas Stilleke (Hrsg.): Stichworte. Impulse Theater Festival 2013 - 2017. Alexander Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-89581-475-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ronny von Wagenheim: „Impulse“ wird es in Bochum nicht mehr geben. In: ruhrnachrichten.de. 14. Februar 2014, abgerufen am 13. Februar 2019.
  2. Dorothea Marcus: Theaterfestival Impulse 2015: Spielender Ernst. In: goethe.de. Juni 2015, abgerufen am 9. April 2017.
  3. Festival: „Boris wird definitiv nicht nur tanzen!“ - WELT. Abgerufen am 15. August 2017.
  4. Haiko Pfost ab 2018 Leiter des Impulse-Festivals. In: darstellende-kuenste.de. Bundesverband Freie Darstellende Künste e. V., 16. März 2017, abgerufen am 14. Juni 2020.
  5. Heiko Pfost wird Leiter des Theaterfestivals "Impulse" - WELT. Abgerufen am 15. August 2017.
  6. geka: Verändertes Profil. nachtkritik.de, 16. März 2017, abgerufen am 15. August 2017.
  7. Saison der Theatertreffen an Rhein und Ruhr
  8. Detlev Baur, Stefan Keim: Gewandelte Impulse. Interview mit Florian Malzacher. In: Die Deutsche Bühne. Nr. 6, 2013, S. 22 f. (Digitalisat [PDF; abgerufen am 13. September 2019]).
  9. Mehr als 300 Einsendungen zum ersten Open Call. (Nicht mehr online verfügbar.) In: festivalimpulse.de. 15. Oktober 2012, archiviert vom Original am 6. Juni 2014; abgerufen am 13. Mai 2019.
  10. Martin Krumbholz: Theater: Ist der Tod eine Performance? In: sueddeutsche.de. 23. Juni 2015, abgerufen am 14. Dezember 2017 (Anmeldung erforderlich).
  11. Deutschlandfunk: Off-Theater von Berlin bis Graz, abgerufen am 5. Juni 2014
  12. Impulse Beirat 2013 (Memento des Originals vom 16. Juli 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/2013.festivalimpulse.de, abgerufen am 5. Juni 2014
  13. Impulse Beirat 2015, abgerufen am 5. Juni 2014.
  14. Beirat 2017. In: impulsefestival.de. Abgerufen am 23. März 2019.