In den Fesseln von Shangri-La

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Filmdaten
Deutscher TitelIn den Fesseln von Shangri-La
OriginaltitelLost Horizon
Lost Horizon lobby card.JPG
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1937
Länge133 Minuten
AltersfreigabeFSK 6[1]
Stab
RegieFrank Capra
DrehbuchRobert Riskin
ProduktionFrank Capra für
Columbia Pictures
MusikDimitri Tiomkin
KameraJoseph Walker
SchnittGene Milford,
Gene Havlick
Besetzung
Synchronisation

In den Fesseln von Shangri-La (Originaltitel: Lost Horizon) ist ein US-amerikanisches Filmdrama des Regisseurs Frank Capra aus dem Jahr 1937. Die Hauptrollen spielten Ronald Colman, Jane Wyatt und Edward Everett Horton. Als Vorlage für das Drehbuch diente der utopische Roman Der verlorene Horizont von James Hilton.[2] Im Mittelpunkt der Handlung steht Shangri-La, ein fiktiver Ort in Tibet, wo Menschen in Frieden und Harmonie leben. Die Uraufführung des oscarprämierten Films fand am 2. März 1937 in San Francisco statt.[3]

Aufgrund seiner pazifistischen Botschaft und Kritik an der westlichen Lebensweise wurde der Film während des Zweiten Weltkriegs und im Kalten Krieg im Zuge der damaligen US-amerikanischen Filmzensur massiv gekürzt und bearbeitet; von der Uraufführungsfassung blieb nur die Tonspur erhalten.[4][5] Nach Abschaffung des Hays Codes initiierte 1973 das American Film Institute eine Restaurierung des Originalfilms.[6] Über einen Zeitraum von 25 Jahren konnte mittels weltweit aufgesuchtem Filmmaterial eine Anzahl von fehlenden Szenen wieder eingefügt werden.[7]

1999 wurde die wiederhergestellte Urversion von Columbia TriStar veröffentlicht, 2013 von Sony Pictures im 4K-Format digitalisiert, und in dieser Fassung 2014 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes nochmals uraufgeführt.[8][9] In den USA stufte die Library of Congress 2016 Frank Capras zeitloses Meisterwerk im National Film Registry als „kulturell, historisch und schöngeistig bedeutsam“ ein.[10] Zum 80-jährigen Bestehen des Films gewann die restaurierte Fassung 2018 den Saturn Award als eine der besten Veröffentlichung.[11]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während eines Aufstandes 1935 in China versucht der pazifistisch eingestellte britische Diplomat Robert Conway gemeinsam mit seinem Bruder Georg mehrere Ausländer mit hastig organisierten Flugzeugen aus dem (fiktiven) Ort Baskul nach Shanghai zu evakuieren. Dabei kritisiert er, dass nur „Weiße“ ausgeflogen werden können. In der letzten Maschine, mit der die Flüchtlinge starten können, befinden sich außer den beiden Brüdern der Amerikaner Henry Barnard, der englische Professor Alexander Lovett und die an einer unheilbaren Krankheit leidende Gloria Stone. Erschöpft schlafen die Passagiere ein. Erst am nächsten Morgen bemerken sie, dass das Flugzeug von seinem Kurs abgewichen ist und dass am Steuer statt des britischen ein asiatischer Pilot sitzt. Nach einer Zwischenlandung, bei der ein Bergvolk Flugbenzin zur Verfügung stellt, stürzt die Maschine in einem Schneesturm im Himalaya meilenfern von aller Zivilisation ab. Als alle Hoffnung auf Rettung verloren scheint, wird die kleine Gruppe von Fremden gefunden und in entlegenes Tal namens Shangri-La gebracht.

In Shangri-La, ein Tal von wunderbarer Schönheit, herrschen nicht nur klimatisch paradiesische Zustände: Die Bewohner des der westlichen Welt unbekannten Ortes haben sich einen Garten Eden geschaffen und halten ihre Gemeinschaft für die letzte Oase, in der die geistigen Schätze der Menschheit aufbewahrt werden, geschützt vor Kriegen und Katastrophen. Sie leben in Frieden, Harmonie und Altern nur langsam. Einführend erklärt der Mönch Chang, das die Bezirke in Shangri-La stellvertretend für das Reich der menschlichen Seele stehen, welche in der heutigen Welt mit ihrer Hast, ihrer Oberflächlichkeit, ihren Dogmen und ihrem Zwang tödlich bedrängt wird. Weiter führt Chang aus, das es in Shangri-La verschiedene Religionen gibt, unter anderem einen taoistischen und einen konfuzianischen Tempel weiter unten im Tal, und fügt hinzu: „Jedes Juwel hat Facetten, und es ist möglich, dass viele Religionen die gemäßigte Wahrheit enthalten.“[12]

Obwohl das Eintreffen der Gruppe nicht zufällig ist, gewöhnen sich Conway und seine Begleiter schnell an das sagenhafte Leben. Die Abgeschiedenheit zwingt die unfreiwilligen Gäste zu Selbsteinkehr und innerer Bewährung. Langsam findet Conway Zugang und Vertrauen zum Hohen Lama von Shangri-La. Dieser eröffnet ihm, dass er das Flugzeug entführen ließ, weil er Conways Büchern und öffentlichen Handlungen entnommen habe, dass sich Conway nach Frieden sehne und nach Shangri-La gehöre. Die Besonderheiten und Vorzüge des Lebens in dieser kleinen abgeschiedenen Welt, in der die Lebensspanne der Menschen bei geistiger und körperlicher Jugend um den Faktor 3 bis 4 verlängert ist, erläutert der Hohe Lama mit den Worten:

„Wir sind keine Wundertäter, wir haben weder den Tod besiegt noch den Verfall. Alles, was wir tun können, ist, den Ablauf dieses kurzen, 'Leben' genannten Zwischenspiels, zu verlangsamen. Wir bewirken dies durch Methoden, die hier so einfach wie anderswo unmöglich sind. Aber täuschen Sie sich nicht, das Ende erwartet uns alle. Haben Sie jemals in diesen Tagen der Kriege und Gerüchte von Kriegen von einem Ort geträumt, an dem es Frieden und Sicherheit gibt, in dem das Leben kein Kampf, sondern eine dauerhafte Freude ist? Natürlich haben Sie das. Jeder Mensch hat diesen Traum. Es ist immer der derselbe Traum. Manche nennen diesen Ort Utopia, andere Jungbrunnen. Schauen Sie sich die Welt von heute an. Gibt es etwas, das erbärmlicher ist? Was für ein Wahnsinn! Was für eine Blindheit! Was für eine geistlose Führungselite! Eine hastige Masse verwirrter Menschen, die kopfüber aufeinanderprallt und von einer Orgie aus Gier und Brutalität angetrieben wird. Es ist unsere Hoffnung, dass sich eines Tages die brüderliche Liebe von Shangri-La auf der ganzen Welt ausbreiten wird. Wenn die Machgierigen einander verschlungen haben, und die Sanftmütigen die Erde erben, kann endlich die christliche Ethik erfüllt werden.“[12]

Zunehmend fühlen sich Robert Conway und seine Begleiter in der neuen Umwelt glücklich und zufrieden. Nur George Conway sehnt sich in die Zivilisation und seine frühere Existenz zurück, obwohl Maria, ein junges Mädchen aus Shangri-La, ihn leidenschaftlich liebt und ihn zum Bleiben zu bestimmen sucht. Maria erzählt, dass sie eigentlich 60 Jahre alt ist und ihre Jugend sowie Schönheit der Wunderkraft Shangri-Las verdankt. Auch Robert Conway verliebt sich in eine Bewohnerin, die mysteriöse und schöne Sondra. Zudem entwickelt sich eine herzliche Zuneigung zwischen Gloria, die ihre Gesundheit wiedererlangt, und dem Amerikaner Henry Barnard.

Kurz vor seinem Tode bittet der Hohe Lama Robert Conway, dass er die Führung und Verantwortung von Shangri-La übernehmen möge. Jedoch weckt Georg in Robert Zweifel an der Wunderkraft des Ortes und bewegt ihn, gemeinsam mit Maria und einer Gruppe nicht vertrauenswürdiger Sherpas Shangri-La zu verlassen. Auf dem Wege durch die eisigen und schneebedeckten Berge verlieren die Brüder mit Maria, deren Kräfte zusehends schwinden, immer mehr den Anschluss. Um den Ballast los zu werden, schießen die Sherpas in Richtung der Zurückfallenden. Durch die Schüsse löst sich eine Schneelawine, die alle Sherpa unter sich begräbt. Robert, Georg und Maria finden Zuflucht in einer Höhle, wo Maria schlagartig altert und stirbt. Nun erkennt George, dass er seinen Bruder mit Unrecht um den Glauben an Shangri-La gebracht hat. Von Wahnsinn und Reue ergriffen, springt er von einem hohen Bergmassiv in den Tod.

Robert erreicht mit letzten Kräften die Zivilisation und wird in einem Hospital gepflegt. Durch eine Reihe von Telegrammen an den Premierminister in London wird klar, dass Conway eine Amnesie hatte, aber nun von dem britischen Botschaftsangehörigen Lord Gainsford nach England zurückgebracht werde. Jedoch erlangt Robert sein Gedächtnis zurück und flieht kurz vor der Abreise, um nach Shangri-La zurückzukehren. Nach zehn Monaten Suche nach Robert gibt Gainsford die Verfolgung auf und kehrt nach London zurück. Er erzählt seinen Clubmitgliedern von Roberts erstaunlichen Abenteuern und den Versuchen, seinen verlorenen Horizont zu finden. Während die Männer auf Conways Erfolg anstoßen, gelangt dieser unter abenteuerlichen Umständen zurück nach Shangri-La, wo er seinen Traum vom Frieden verwirklicht. [13][14][12]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frank Capra
PR-Veranstaltung zum Film, 1937

Frank Capra war, nach späteren Aussagen seines Sohnes, tief von den Auswirkungen der Great Depression betroffen, gab aber die Hoffnung auf eine bessere Welt nicht auf. Wie Millionen andere Menschen faszinierte ihn der Roman Lost Horizon des jungen britischen Schriftstellers James Hilton, der mit seinem Paradies Shangri-La das Idealbild einer menschlichen Gemeinschaft entworfen hatte. Für Capra stand fest, dass ein von der Depression mental geschlagenes Volk an die Verwirklichung einer Gemeinschaft in Frieden und Harmonie glauben musste.[15] Zu dieser Zeit galt Frank Capra als bestbezahlter Regisseur in Hollywood und konnte drehen, was er wollte.[16]

Im Auftrag von Capra erwarb Columbia Pictures bereits 1934 die Filmrechte. Als Kameramann konnte Joseph Walker verpflichtet werden, welcher bei insgesamt 18 Filmen mit Capra zusammenarbeitete. Das Drehbuch schrieb Capras ebenfalls langjähriger Mitarbeiter Robert Riskin. Hierbei stand James Hilton beratend zur Seite. Im Wesentlichen entsprach die spätere Urfassung des Films der Romanvorlage. Hinzugefügt wurden aus romantischen Aspekten die Charaktere der Sondra sowie der belustigende Professor Alexander Lovett, die beide im Roman nicht vorkommen. Hilton billigte diese Unterschiede.[17]

Der Beginn der Dreharbeiten verzögerte sich aufgrund zahlreicher Castings und Probeaufnahmen erheblich. Für die Hauptrolle kam für Capra ausschließlich Ronald Colman als Robert Conway infrage, der noch in anderen Produktionen verpflichtet war, sodass sich der Drehbeginn weiter verschob. Für die Rolle des George Conway sprachen unter anderem David Niven und Louis Hayward vor; erst zwei Tage vor Drehbeginn entschied sich Capra hierbei für John Howard. An dem Auswahlverfahren für die Rolle der Maria nahm Rita Hayworth teil, die schließlich Margo Albert erhielt. Für die Nebenrollen konnten mehrere damals sehr bekannte Schauspieler gewonnen werden, wie David Torrence, Lawrence Grant, Willie Fung, Richard Loo und Victor Wong. Große Auseinandersetzungen führte Capra mit Harry Cohn, dem Studioboss von Columbia Pictures, bei der Besetzung der Rolle des Hohen Lamas. Cohn mochte die Aufnahmen mit Sam Jaffe nicht und bestand darauf, dass Capra ihn durch Walter Connolly ersetzt. Capra beugte sich dieser Bitte und ließ auf Wunsch von Cohn sogar speziell für Connolly ein neues, teures Set bauen. Letztlich bestand zwischen den Beiden dann doch Einigkeit, dass die Aufnahmen mit Connolly nicht annähernd so gut waren wie die mit Jaffe. Folglich erhielt dieser seinen Part zurück, wofür alle seine Szenen nochmals gedreht werden mussten.[18][19]

Die Kulisse von Shangri-La, welche Stephen Goosson mit 150 Arbeitern in einer Bauzeit von zwei Monaten errichtete, war eine außergewöhnliche künstlerische Leistung und gilt bis heute als die größte Filmkulisse, die jemals in Hollywood gebaut wurde.[20] Ursprünglich wollte Capra den Film im neuen Technicolor-Verfahren in Farbe drehen. Dies lehnte Harry Cohn nicht nur aufgrund der extrem höheren Materialkosten ab. Mitte der 1930er Jahre waren Aufnahmen von Lawinen sowie schneebedeckten hohen Bergen technisch schwierig zu realisieren, weshalb für diese Szenen Schwarzweißfilmmaterial aus einer Dokumentation über Bergsport in den Alpen verwendet werden musste.[21][22]

Am 23. März 1936 begannen die Dreharbeiten. Sie endeten am 17. Juli 1936 und dauerten somit einhundert Tage, 34 mehr als geplant. Außenszenen entstanden unter anderem in Ojai, Palm Springs, Victorville, Griffith Park und Idyllwild-Pine Cove. Die Lamaserie wurde auf der Columbia Ranch in Burbank (Los Angeles County) errichtet. Das Tal des blauen Mondes lag im San Fernando Valley, etwa 64 Kilometer nordwestlich von Hollywood entfernt. Die Aufstandsszene in Baskul entstand auf dem Los Angeles Municipal Airport. Zum Einsatz kam eine Douglas DC-2, mit der Capra auch mehrere Aufnahmen in der Luft drehen ließ. Die Betankungssequenz bei dem Bergvolk fand an einem ausgetrockneten See in der Mojave-Wüste statt. Viele Szenen konnten im Eis- und Kühllager von Los Angeles realisiert werden, wo Capra 13.000 Quadratmeter Kühlfläche zur Verfügung standen. Das Kamerateam hatte hier große Schwierigkeiten mit dem Equipment zu bewältigen, da die extreme Kälte statische Elektrizität erzeugte. Für die Aufnahmen im Schneesturm wurden Tonnen von Gips sowie gebleichte Cornflakes verwendet.[23][12]

Die Budgetplanungen beliefen sich auf 1,5 Millionen US-Dollar. Am Ende kostete Lost Horizon doppelt so viel und war damit zu dieser Zeit der teuerste Film in der damaligen Kinogeschichte.[24] Zum Vergleich: Drei Millionen Dollar im Jahr 1936 entsprechen der Kaufkraft von rund 55 Millionen Dollar im Jahr 2018.[25]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Harry Cohn (links) und Frank Capra, 1938

1938 wurde Lost Horizon bei den 10th Academy Awards für sieben Kategorien nominiert. Stephen Goosson gewann mit den aufwendigen Bühnenbildern des Films den Oscar für die beste künstlerische Leitung. Gene Havlick und Gene Milford teilten sich den Oscar für die beste Filmbearbeitung. Fünf weitere Nominierungen erfolgten in den Kategorien:

Das American Film Institute (AFI) nominierte die Uraufführungsfassung des Films wiederholt für die Kategorien:

  • 2002: AFI's 100 Years...100 Movies (Liste der besten Filme)[27]
  • 2005: AFI's 100 Years of Film Scores (Liste der besten Filmmusik)[28]
  • 2007: AFI's 100 Years...100 Movies - 10th Anniversary Edition (Liste der großartigsten Filme)[29]
  • 2008: AFI's 10 Top 10 (Liste der besten Fantasy-Filme)[30]

Deutsche Fassungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cover der deutschen Erstausgabe des Romans Lost Horizon mit dem Titel Irgendwo in Tibet, Herbert Reichner Verlag 1937
Titelseite Film-Kurier Nr. 1836

Unter dem Titel Irgendwo in Tibet erschien 1937 die deutsche Erstausgabe des Romans Lost Horizon im Herbert Reichner Verlag (Wien-Leipzig-Zürich), der den Großteil seiner Produktion in Deutschland verkaufte.[31] Registriert im Reichsfilmarchiv mit der Karteinummer 3168, Titel-Signatur Das verlorene Paradies (Der verlorene Horizont), kam der Film im Frühjahr 1938 in Originalfassung mit deutschen Untertiteln in deutschsprachige Kinos und wurde auf Plakaten sowie in Filmzeitschriften beworben.[32][33][34]

Unklar ist, in welchem Jahr der Film im Dritten Reich der Zensur zum Opfer fiel. Unbelegten Aussagen zufolge soll Lost Horizon wegen seines pazifistischen Inhalts im Zuge der Kriegsvorbereitungen in Deutschland verboten worden sein.[35] Hingegen gab die US-amerikanische Fachzeitschrift The Hollywood Reporter an, dass das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda den Film mit der Begründung verbannt habe, weil er „unsere [deutschen] heiligsten Gefühle und auch unsere künstlerischen Seelen verletzt“.[36] Auch dieser Angabe widersprechen andere Quellen, wonach der Film infolge eines Urheberrechtskonflikts aus dem Verleih genommen wurde.[37] Tatsächlich stammten, laut Aussage des Regieassistenten Andrew Marton, mehrere Cuts von Aufnahmen aus zwei deutschen Bergsportfilmen.[38] Stichhaltige Belege existieren für keine dieser Darstellungen, da der größte Teil der Bestände des Reichfilmarchivs im Glockenturm Berlin eingelagert war und 1945 bei einem Brand verloren ging. Selbst die Karteikarten des Reichsfilmarchivs liegen dem Bundesarchiv nur in Bruchstücken vor.[39]

Gemäß neuerer Forschungsergebnisse wurden während der gesamten Periode des Nationalsozialismus in deutschen Kinos auch von der Zensur zugelassene ausländische Filme gezeigt, in Sondervorführungen für bestimmte Personengruppen sogar nichtzugelassene.[40] Allgemein galten Frank Capras gesellschaftskritische Filme wegen der teilweise offenen Kritik an der amerikanischen Lebensweise in Deutschland zumindest vermutlich bis 1942 als unproblematisch. Zudem war Capra ein überzeugter Republikaner und kritisierte wiederholt die Politik der Demokraten, besonders in Person Franklin D. Roosevelts. Obwohl mit Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg grundsätzlich alle US-amerikanischen Filme in Deutschland aus dem Verleih genommen wurden (wie übrigens auch alle deutschen Filme in den USA), soll sich Joseph Goebbels ab 1940 intensiv um die Aufführungsrechte von Capras Film Mr. Smith geht nach Washington bemüht haben. Spätestens 1942, mit Capras Propagandafilmen Why We Fight, dürften dann alle seine Filme in Deutschland verbannt worden sein.[41]

In der Schweiz kam die Originalfassung mit Untertiteln ebenfalls erstmals 1938 unter dem Titel Der verlorene Horizont in die Kinos.[42] Als Orizzonte perduto (Verlorener Horizont) lief der Film im mit Deutschland verbündeten Italien bereits ab 1937; und beispielsweise in Ungarn unter dem Titel A kék hold Völgye (Das blaue Mondtal) nachweislich zumindest noch 1941.[43][44]

Die erste deutsche Synchronisation erfolgte 1950 durch die Ala-Film GmbH München unter der Synchronregie von Conrad von Molo in der überarbeiteten US-Schnittfassung von 1942.[45] Die Erstaufführung in deutscher Sprache fand am 13. März 1950 statt.[46] Gemäß der Beschreibung im Vorspann dieser Version wurde die Handlung allgemein in die Zeit während des Zweiten Weltkriegs verlegt. Der Film erhielt fortan im deutschen Sprachraum den Titel In den Fesseln von Shangri-La.[47]

Am 2. Juli 1979 wurde der Film erstmals im Deutschen Fernsehen ausgestrahlt; in bearbeiteter US-Fassung von 1954 neu synchronisiert.[48] Der Spiegel beschrieb Lost Horizon in einer damaligen Fernsehprogrammvorschau als „opulentes Melodrama über ein Nirwana in Tibet“ und als „Klassiker der sophisticated comedy im New-Deal-Amerika“.[49]

Nach dem Dialogbuch und unter der Dialogregie von Hilke Flickenschildt realisierte im Jahr 2000 die Berliner Synchron Wenzel Lüdecke eine Synchronisation der restaurierten Fassung.[50] Die DVD (127 Minuten) kam in deutscher Sprache 2001 auf den Markt und enthält Szenen mit Standbildern (Diashow), von denen zu dieser Zeit nur noch der Ton existierte.[51] Seit dem 9. November 2017 ist die nahezu vollständig mit fehlenden Szenen wiederhergestellte Urfassung (133 Minuten) in Deutsch auf Blu-ray in sehr guter Qualität im Handel. Darauf sind Extras (53 Minuten) enthalten; unter anderem eine Fotodokumentation nebst Vorher-/Nachher-Restauration sowie ein Restoration-Featurette, einschließlich drei gelöschter Szenen (8:36 Minuten).[52]

Rolle Darsteller Synchronsprecher 1950 Synchronsprecher 1979 Synchronsprecher 2000
Robert Conway Ronald Colman Ernst Fritz Fürbringer Hellmut Lange
Sondra Bizet Jane Wyatt Eleonore Noelle Marianne Bernhardt
Alexander Lovett Edward Everett Horton Klaus Miedel Michael Brennicke
George Conway John Howard Ulrich Folkmar Lutz Mackensy
Chang H. B. Warner Hans Paetsch Friedrich Schoenfelder
Henry Barnard Thomas Mitchell Günther Jerschke
Maria Margo Bianca Krahl
Gloria Stone Isabel Jewell Katrin Miclette
der Hohe Lama Sam Jaffe Hans Hessling Eric Vaessen

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film trug gegen Ende der 1930er Jahre zu einem Medienhype und zum Mythos von Shangri-La bei.[53] Lost Horizon hat den westlichen Blick auf Tibet und den Lamaismus bis heute nachhaltig geprägt, wobei inzwischen der Name Shangri-La als ein Synonym für das Paradies oder idealen Rückzugsort aus dem Weltgeschehen in der Umgangssprache vieler Länder ein gewisses Eigenleben führt.[54] Beispiele:

  • In Denver ließ sich ein exzentrischer Millionär eine exakte Nachbildung der im Film zu sehenden Lamaserei von Shangri-La als Villa bauen.
  • Präsident Roosevelt antworte 1942 auf einer Pressekonferenz, die Flugzeuge beim Doolittle Raid, einem Überraschungsangriff auf Tokio, seien in Shangri-La gestartet.
  • 2001 wurde der tibetische Ort Zhongdian in Shangri-La umbenannt.

Des Weiteren soll, verschiedenen Darstellungen zufolge, auch Heinrich Himmler dem Bann des Mythos verfallen gewesen sein und mehrere Tibet-Expeditionen auf die Suche nach Shangri-La entsandt haben.[56][57] Davon beeinflusst erschien 2010 ein mit dem Deutschen Entwicklerpreis ausgezeichnetes Adventuregame namens Lost Horizon, bei welchem in einem virtuell dem Film nachgebildeten Shangri-La SS-Soldaten gejagt werden können. 2015 folgte das Spiel Lost Horizon 2.[58][59]

1973 drehte der Regisseur Charles Jarrott ein Remake von Lost Horizon als Musical, mit Peter Finch, John Gielgud, Liv Ullmann, Michael York, George Kennedy, Charles Boyer in den Hauptrollen, das sich jedoch als künstlerischer und finanzieller Misserfolg herausstellte.[60]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In aktuellen Kritiken wird Frank Capras Meisterwerk unverändert überwiegend positiv bewertet. So habe die Botschaft des Films nichts an Relevanz eingebüßt, insbesondere sprächen die pazifistischen Ansätze für sich, auch wenn diese heute zuweilen etwas naiv wirken können.[61] Der Filmdienst bezeichnete den Film als „eine vor allem durch ihre Atmosphäre faszinierende, romantische und pessimistische Allegorie“.[62] Von 92 Prozent der Kritiker bei Rotten Tomatoes wird Lost Horizon positiv bewertet, vom Publikum von 82 Prozent (Stand 2018).[63]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Victor Scherle, William Turner Levy: The Complete Films of Frank Capra. Citadel Press, 1992.
  • James Hilton: Der verlorene Horizont. Roman. Ungekürzte Taschenbuchausgabe, Piper, 2003.
  • Bodo Traber: In den Fesseln von Shangri-La. In: Bodo Traber, Hans J. Wulff (Hrsg.): Filmgenres. Abenteuerfilm. Reclam, 2004.
  • John R. Hammond: Lost Horizon Companion. A Guide to the James Hilton Novel and Its Characters, Critical Reception, Film Adaptations and Place in Popular Culture. McFarland & Company, 2008.
  • Stephanie Wössner: Lost Horizon. A film review. GRIN Verlag, 2009.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Online-Filmdatenbank: In Fesseln von Shangri-La. Sony Pictures In: ofdb.de, abgerufen am 11. Juni 2018
  2. In den Fesseln von Shangri-La. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 5. Juni 2018.
  3. American Film Institute Catalog of feature films, Details of ‚Lost Horizon‘ (1937) In: afi.com, abgerufen am 6. Juni 2018
  4. Jerry Hopkins: Romancing the East: A Literary Odyssey from the Heart of Darkness to the River Kwai. Tuttle Publishing, 2013, S. 151.
  5. Universität Kiel: Lexikon der Filmbegriffe: Lacuna, Sonderfall Lost Horizon. In: filmlexikon.uni-kiel.de, abgerufen am 6. Juni 2018
  6. Stephen Farber: Cuts in film ‚Lost Horizon‘ restored. New York Times, 3. September 1986. In: Online-Archives New York Times, abgerufen am 5. Juni 2018
  7. Sony Pictures Entertainment: Kurzbeschreibung In den Fesseln von Shangri-La. in: sphe.de Filmvorstellung, abgerufen am 6. Juni 2018
  8. Cannes Classics 2014: Lost Horizon (Horizons Perdus) by Frank Capra (1937, 2h12) In: Archives Festival de Cannes, abgerufen am 6. Juni 2018
  9. The Digital Bits: Lost Horizon 1937 (1999) - Columbia TriStar In: thedigitalbits.com, abgerufen am 6. Juni 2018
  10. Ashley Hoffman: These 25 Movies Were Just Added to the National Film Registry. Time-Magazine, 14. Dezember 2016. In: Archives Time Magazine, abgerufen am 6. Juni 2018
  11. Awards In den Fesseln von Shangri-La (1937), Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films, USA 2018. In: Internet Movie Database IMDb.com, abgerufen am 6. Juni 2018
  12. a b c d Internet Movie Database: In den Fesseln von Shangri-La (1937). Quotes. In: imdb.com, abgerufen am 12. Juni 2018
  13. Mein Film – Illustrierte Film- und Kinorundschau, Heft 635 vom 25. Februar 1938, S. 19. In: ÖNB – ANNA Österreichische Nationalbibliothek, abgerufen am 5. Juni 2018
  14. Hal Erickson: Lost Horizon (1937). Allmovie Rhythm One group, 2018. In: allmovie.com, abgerufen am 12. Juni 2018
  15. Kevin Lewis: Topic of Capra-Cohn. The Battle over Lost Horizon. Editors Guild Magazine, Nr. 20056, 23. Februar 2011.
  16. Barry Gewen: It Wasn't Such a Wonderful Life. The New York Times, 3. Mai 1992. In: nytimes.com, abgerufen am 17. Juni 2018
  17. American Film Institute Catalog of feature films, Details of ‚Lost Horizon‘ (1937) In: afi.com, abgerufen am 6. Juni 2018
  18. American Film Institute Catalog of feature films, Details of ‚Lost Horizon‘ (1937) In: afi.com, abgerufen am 16. Juni 2018
  19. Internet Movie Database (englisch): Trivia. In den Fesseln von Shangri-La (1937). In: imdb.com, abgerufen am 11. Juni 2018
  20. Sony Pictures Entertainment: Kurzbeschreibung In den Fesseln von Shangri-La. in: sphe.de Filmvorstellung, abgerufen am 6. Juni 2018
  21. Joseph McBride: Frank Capra. The Catastrophe of Success. Touchstone Books, 1992, S. 351.
  22. Kevin Lewis: Topic of Capra-Cohn. The Battle over Lost Horizon. Editors Guild Magazine, Nr. 20056, 23. Februar 2011.
  23. American Film Institute Catalog of feature films, Details of ‚Lost Horizon‘ (1937) In: afi.com, abgerufen am 16. Juni 2018
  24. Kevin Lewis: Topic of Capra-Cohn. The Battle over Lost Horizon. Editors Guild Magazine, Nr. 20056, 23. Februar 2011.
  25. Inflationsrechner Dollar 1935 zu Dollar 2018 In: dollartimes.com, abgerufen am 17. Juni 2018
  26. Academy Awards 1938, USA In: Internet Movie Database IMDb.com, abgerufen am 5. Juni 2018
  27. Nominierungen American Film Institute In: afi.com, abgerufen am 11. Juni 2018
  28. Nominierungen American Film Institute In: afi.com, abgerufen am 11. Juni 2018
  29. Nominierungen American Film Institute In: afi.com, abgerufen am 11. Juni 2018
  30. Nominierungen American Film Institute In: afi.com, abgerufen am 11. Juni 2018
  31. Murray G. Hall: Österreichische Verlagsgeschichte. Herbert Reichner Verlag (Wien-Leipzig-Zürich). ZIRKULAR. Sondernummer 2, Oktober 1981, S. 113-136. In: verlagsgeschichte.murrayhall.com, abgerufen am 8. Juni 2018
  32. Mein Film – Illustrierte Film- und Kinorundschau, Heft 635 vom 25. Februar 1938, S. 19. In: ÖNB – ANNA Österreichische Nationalbibliothek, abgerufen am 5. Juni 2018
  33. Bundesarchiv (Deutschland): Die Karteien des Reichsfilmarchivs. Titel-Signatur 3168, verlorene Paradies, Das (Der verlorene Horizont), S. 205. In: bundesarchiv.de, abgerufen am 5. Juni 2018
  34. Dirty Pictures: Film Nr. 55, Der verlorene Horizont (OT: Lost Horizon, USA 1937) In: dirtypicture.de, Film-Kurier Nr. 1836, abgerufen am 12. Juni 2018
  35. Stephanie Wössner: Lost Horizon - A film review. GRIN Verlag, 2009, S. 2 f.
  36. American Film Institut: Lost Horizon (1937) In: afi.com, abgerufen am 11. Juni 2018
  37. Sarah Rayne: Roots of Evil. Simon & Schuster, 2008, S. 177.
  38. Internet Movie Database (englisch): Trivia. In den Fesseln von Shangri-La (1937). In: imdb.com, abgerufen am 11. Juni 2018
  39. Bundesarchiv (Deutschland): Die Karteien des Reichsfilmarchivs. S. 2. In: bundesarchiv.de, abgerufen am 11. Juni 2018
  40. Ingo Schiweck: Weil wir lieber im Kino sitzen als in Sack und Asche. Waxmann Verlag, 2002, S. 31.
  41. Markus Spieker: Hollywood unterm Hakenkreuz. Der amerikanische Spielfilm im Dritten Reich. Wissenschaftlicher Verlag Trier, 2003, CD-ROM.
  42. Richard Plaut: Taschenbuch des Films. A. Züst, 1938, S. 138.
  43. Magyar Film (Filmzeitschrift): A kék hold Völgye (Lost Horizon), 3. Mai 1941, Anzeige auf S. 2. In: epa.oszk.hu, abgerufen am 11. Juni 2018
  44. Internet Movie Database (englisch): Release Info. In den Fesseln von Shangri-La (1937) In: imdb.com, abgerufen am 11. Juni 2018
  45. Synchronsprecher-Datenbank: In den Fesseln von Shangri-La (1937); Synchronisiert (1950) In: synchrondatenbank.de, abgerufen am 5. Juni 2018
  46. Online-Filmdatenbank: In Fesseln von Shangri-La. Columbus Film, Starttermin: 13. März 1950. In: ofdb.de, abgerufen am 11. Juni 2018
  47. Prisma Verlag: Fantasyfilm: In den Fesseln von Shangri-La. In: prisma.de, abgerufen am 11. Juni 2018
  48. Synchronsprecher-Datenbank: In den Fesseln von Shangri-La (1937); Synchronisiert (1979) In: synchrondatenbank.de, abgerufen am 11. Juni 2018
  49. Der Spiegel: Diese Woche im Fernsehen (Montag, 7. Juli 1979, 23.00 Uhr. ARD. In Fesseln von Shangri-La.), Der Spiegel, 27/1979. In: spiegel.de, abgerufen am 11. Juni 2018
  50. In den Fesseln von Shangri-La. In: synchronkartei.de. Deutsche Synchronkartei, abgerufen am 6. Juni 2018.
  51. Online-Filmdatenbank: In Fesseln von Shangri-La. Columbia Tristar, 2001 In: ofdb.de, abgerufen am 11. Juni 2018
  52. Online-Filmdatenbank: In Fesseln von Shangri-La. Sony Pictures, VÖ-Termin: 9. November 2017 In: ofdb.de, abgerufen am 11. Juni 2018
  53. Claudia Frickel: Mystery. Das verborgene Paradies Shangri-La. Web.de-Magazin, 7. Juni 2017. In: web.de Magazine, abgerufen am 7. Juni 2018
  54. Die Suche nach dem "Mikro-Shangri-La" als Rückzugsraum im Zeitalter der Globalisierung In: internetloge.de, abgerufen am 12. Juni 2018
  55. Peter Dittmar: Wo das höchste Glück wohnt. Die Welt, 15. August 2006, in: welt.de, abgerufen am 7. Juni 2018
  56. Claudia Frickel: Mystery. Das verborgene Paradies Shangri-La. Web.de-Magazin, 7. Juni 2017. In: web.de Magazine, abgerufen am 7. Juni 2018
  57. Peter Dittmar: Wo das höchste Glück wohnt. Die Welt, 15. August 2006, In: welt.de, abgerufen am 7. Juni 2018
  58. Till Boller: Der cineastische Computerspiel-Check. Lost Horizon. Moviepilot.de, 27.Oktober 2010. In: moviepilot.de, abgerufen am 7. Juni 2018
  59. Deutscher Entwicklerpreis 2010: Jury wählt Lost Horizon als Bestes Adventure. In: adventurespiele.de, abgerufen am 7. Juni 2018
  60. Internet Movie Database: Der verlorene Horizont (1973). In: imdb.com, abgerufen am 13. Juni 2018
  61. Blu-ray Disc Review: In den Fesseln von Shangri-La. in: blurayreviews.ch, abgerufen am 12. Juni 2018
  62. In den Fesseln von Shangri-La. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 8. April 2017.
  63. Tomatometer Lost Horizon (1937) in: rottentomatoes.com, abgerufen am 5. Juni 2018