In der Glut des Südens

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Filmdaten
Deutscher Titel In der Glut des Südens
Originaltitel Days of Heaven
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1978
Länge 95 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Terrence Malick
Drehbuch Terrence Malick
Produktion Jakob Brackman
Bert Schneider
Harold Schneider
Musik Ennio Morricone
Leo Kottke[1]
Doug Kershaw[1]
Kamera Néstor Almendros
Haskell Wexler
Schnitt Billy Weber
Besetzung

In der Glut des Südens (Days of Heaven) ist ein US-amerikanisches Drama aus dem Jahr 1978. Der Film, der zur Zeit der Industrialisierung etwa ab 1916[2] in den Feldern von Texas spielt, wurde unter der Regie von Terrence Malick gedreht. Roger Ebert sprach 1997 von einem der schönsten Filme, die jemals gedreht worden sind.[3]

Handlung[Bearbeiten]

In der Glut des Südens erzählt die Liebesgeschichte zwischen Bill und Abby in Zeiten der Industrialisierung am Anfang des 20. Jahrhunderts. Bill aus Chicago hat sich in einer Stahlfabrik mit einem Vorarbeiter angelegt und diesen bei einem Kampf getötet. Zusammen mit seiner Geliebten Abby, die sich als seine Schwester ausgibt, und seiner kleinen Schwester Linda flüchten sie nach Texas. Dort reihen sie sich in die Scharen von Erntehelfern auf den riesigen Weizenfeldern eines wohlhabenden Farmers ein. Bill belauscht ein Gespräch und erfährt, dass der Farmer nur noch ein Jahr zu leben hat. Bill ist nicht entgangen, dass der Farmer ein Auge auf Abby geworfen hat, und so ermutigt er sie, diesen zu heiraten.

So zieht die frisch Vermählte schließlich mit ihrem falschen Bruder und Linda in das Haus des Farmers. Die Ernte ist vorbei und zusammen mit vagabundierenden Zirkusleuten erleben die vier einen unbefangenen Herbst. Nachts treffen sich Bill und Abby jedoch hinter dem Rücken des Farmers, bis Abby ihm gesteht, sich in den Farmer verliebt zu haben. Bill räumt das Feld.

Zur nächsten Erntesaison im folgenden Jahr taucht Bill jedoch wieder auf, um seine vorgebliche Schwester zu besuchen. Der Farmer beobachtet, wie die beiden zärtliche Abschiedsgesten austauschen. Als seine Farm von Heuschreckenschwärmen heimgesucht wird, dreht er durch und setzt seine Felder in Brand. Als er Bill mit der Pistole in der Hand zur Rede stellen will, rammt ihm dieser im Affekt einen Schraubendreher in die Brust. Der Farmer stirbt, Bill macht sich mit Abby und Linda erneut auf die Flucht.

Doch der ehemalige Vorarbeiter des Farmers ist ihnen hartnäckig auf den Fersen und so wird Bill schließlich auf der Flucht von der Polizei erschossen. Lindas und Abbys Wege trennen sich: In den letzten Bildern gelingt Linda die Flucht aus einem Waisenhaus.

Hintergrund[Bearbeiten]

Nach dem überraschenden Erfolg seines Debütfilms Badlands – Zerschossene Träume standen dem Regisseur Terrence Malick alle Türen offen. So verblüfft In der Glut des Südens weniger durch die ausgefeilte oder außergewöhnlich „neue“ Geschichte als durch die Kraft der opulenten Bilder, von denen Martin Scorsese gesagt haben soll, man könne jedes Einzelbild dieses Films vergrößern und als Gemälde in einem Museum ausstellen. Obwohl Malick ein Drehbuch erarbeitet hatte, schmiss er viele der Dialoge und Handlungsstränge hin und improvisierte mit den Schauspielern. Er verzichtete (ähnlich wie Stanley Kubrick in Barry Lyndon) weitgehend auf künstliches Licht und drehte die Außenaufnahmen hauptsächlich zur Morgen- oder Abenddämmerung (der sogenannten Magic Hour) oder nachts. Ein zeitaufwendiges Verfahren, da sich die tatsächliche Drehzeit dadurch auf maximal eine Stunde täglich beschränkte. Malick verbrachte zwei Jahre über dem Schnitt des Films.[4] Doch durch die dadurch eingefangenen, außergewöhnlichen Lichtstimmungen ist Malick ein äußerst poetischer Film gelungen. Für die Kameraarbeit von Néstor Almendros, der für die letzten 19 von 72 Drehtagen durch Haskell Wexler ersetzt wurde, weil Almendros bereits bei Truffauts «L’homme qui aimait les femmes» zugesagt hatte, wurde der Film dann auch 1979 mit einem Oscar ausgezeichnet.

Malick selbst gewann bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1979 den Preis als bester Regisseur. Nach Entgegennahme des Preises verabschiedete sich Malick von der Öffentlichkeit. Erst 20 Jahre später sollte er mit Der schmale Grat ins Filmgeschäft zurückkehren.

Kritiken[Bearbeiten]

„In epischen Bildern von unvergleichlicher Schönheit entwickelt die Film-Ballade eine eigenwillige Mischung aus sozialkritischer Milieuzeichnung und Eifersuchtsmelodram mit kriminalistischem Ausklang, die zwar nicht konsequent durchdacht scheint, aber durch ihre meditative Beschaulichkeit und die daraus resultierende besinnliche Bildpoesie besticht.“

Film-Dienst[2]

„Terrence Malicks Arbeit ist ein wahrer Augenschmaus, einerseits angefüllt mit den herrlichsten Landschaftsaufnahmen, andererseits ebenso mit realistischen Bildern vom harten Leben amerikanischer Landarbeiter zu Beginn des 20. Jahrhunderts versehen. […] Nestor Almendros hielt in unvergleichlichlicher Weise die Poesie der sich wiegenden texanischen Kornfelder mit dem einsamen Farmhaus in ihrer Mitte […] in langen, fast meditativen Einstellungen fest. Ein optisch in jeder Szene fesselndes, einfach erzähltes Melodrama […]“

Jens Golombek: Das große Film-Lexikon: alle Top-Filme von A–Z[5]

„Malicks destruktiver distanzierender Inszenierungsstil mag den Eindruck ästhetischer Sterilität erwecken: Charaktere werden zu Chiffren reduziert, vehemente Leidenschaften scheinen zu visuellen Vignetten zu erfrieren. Doch Melodramen müssen nicht immer glühen. „Days of Heaven" ist ein eisgekühltes Melo. Ein Melo-Poem.“

Die Zeit, 1979[6]

„Tracking shots, die ohne klares Ziel im Verlauf enden, unterstreichen gemeinsam mit Ennio Morricones melancholisch-märchenhafter Musik die traumähnliche Note des Films, der dabei aber fest in einem sozialen und geschichtlichen Kontext verankert ist.[...]Wenn man die finale Apokalypse auf der Farm als Kriegsallegorie versteht, dann könnte man das Zweite-Weltkriegs-Drama Der schmale Grat, das der Regisseur erst zwanzig Jahre nach In der Glut des Südens drehen sollte, als späte Fortsetzung lesen.“

Critic.de[7]

Auszeichnungen und Nominierungen[Bearbeiten]

Im Jahr 2007 erfolgte die Aufnahme in das National Film Registry.

Oscarverleihung 1979
British Academy Film Award 1980
  • Anthony Asquith Award for Film Music für Ennio Morricone
British Society of Cinematographers 1979
  • Nominierung in der Kategorie Best Cinematography Award für Néstor Almendros
Internationale Filmfestspiele von Cannes 1979
  • Auszeichnung in der Kategorie Best Director für Terrence Malick
  • Nominierung Goldene Palme für Terrence Malick
David di Donatello Awards 1979
  • David in der Kategorie Best Foreign Actor für Richard Gere (zum Teil)
  • David in der Kategorie Best Screenplay – Foreign Film für Terrence Malick
Golden Globe Award 1979
Los Angeles Film Critics Awards 1978
National Board of Review 1978
National Society of Film Critics Awards 1979
New York Film Critics Circle Awards 1978
  • NYFCC Award in der Kategorie Best Director für Terrence Malick
Writers Guild of America 1979
  • Nominierung WGA Award (Screen) in der Kategorie Best Drama Written Directly for the Screen für Terrence Malick

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Days of Heaven - Original Soundtrack. Allmusic.com. Abgerufen am 25. Juli 2014.
  2. a b In der Glut des Südens im Lexikon des internationalen Films
  3. Roger Ebert: Days of Heaven (1978). rogerebert.suntimes.com, 7. Dezember 1997, abgerufen am 21. April 2008 (englisch): „‚Days of Heaven‘ is above all one of the most beautiful films ever made.“
  4. IMDb.
  5.  Jens Golombek, Dirk Manthey u. a. (Hrsg.): Das große Film-Lexikon: alle Top-Filme von A–Z. Verlagsgruppe Milchstraße, Hamburg 1995, ISBN 3-89324-126-4, S. 1427 f.
  6. Filmtips: Sehenswert. In: Die Zeit, Nr. 23 vom 1. Juni 1979
  7. Rezension auf Critic.de