Inaktiver

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„Inaktiver um 02 Uhr 30“ (Rainer Assmann)

Ein Inaktiver ist ein älteres, aber noch studierendes Mitglied einer Studentenverbindung, das seine Aktivenzeit hinter sich gebracht und die Bedingungen zur Inaktivierung erfüllt hat.

Bedingungen und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorausgesetzt werden in der Regel eine bestimmte Zahl von Aktivensemestern und bei schlagenden Verbindungen eine bestimmte Zahl von Bestimmungsmensuren. Dazu können noch die Übernahme einer Charge, das Wohnen auf dem Korporationshaus und das Stiften von Bierkrügen und Couleurbildern (zur Erinnerung an den Betreffenden) kommen. Manche Verbindungen machen auch die bestandene Vorprüfung zur Bedingung der Inaktivierung.

Inaktive genießen alle Rechte eines studierenden Vollmitglieds (manchmal mit Einschränkungen beim Stimmrecht), sind von Verpflichtungen aber weitgehend befreit. Bei Veranstaltungen müssen sie keine Organisations- oder Gastgeberpflichten übernehmen. Sie werden normalerweise nicht mehr auf Chargen oder in Ämter gewählt. Nicht selten sind sie Fuchsmajor. Sie werden nicht auf Mensur gestellt und haben kaum noch Anwesenheitspflichten bei Veranstaltungen.

Besonders die Inaktiven am Ort sind für die jungen Bundes- oder Corpsbrüder wichtige Ratgeber und sorgen für Kontinuität. In schlagenden Verbindungen spielen sie als Sekundanten und „Fechtlehrer“ eine große Rolle.

Sinn des Inaktivenstatus ist es, dem fortgeschrittenen Studenten mehr Zeit zum Studium zu geben und ein zeitgerechtes Examen zu ermöglichen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Student in der ganzen Studienzeit am Verbindungsleben teilnahm und oft erst in hohen Semestern Führungsaufgaben übernehmen konnte, stiegen in der Kaiserzeit die Anforderungen an den aktiven Studenten enorm. Bei oft mehreren Terminen am Tag war ein Besuch der Universität so gut wie ausgeschlossen. Die rechtzeitige Inaktivierung war deshalb notwendig und oft mit einem Wechsel der Universität verbunden.

Heute kennen fast alle Verbindungen den Status des Inaktiven, der meistens nach drei oder vier Semestern erreicht werden kann; manche Inaktive bleiben über das ganze Studium „aktiv“ oder lassen sich reaktivieren, wenn Nachwuchsmangel herrscht oder PP-Suiten gefochten werden. Noch heute schicken viele (alte) Familien ihre Söhne vor dem eigentlichen Studium in bestimmte Corps.

„Die schönste Geschichte vom Königsberger Schlossteich passierte freilich Anfang der 1930er Jahre: Ein Inaktiver hatte sich am Vormittag eines schönen Sommertages in das Boot gesetzt und war aus ungeklärten Gründen über Bord gegangen. Die Königsberger Allgemeine Zeitung berichtete hierüber im lokalen Teil und meinte, es sei wohl der Alkohol mit im Spiele gewesen. Jener Inaktive schrieb an die Zeitung, er sei auch an diesem Tage nicht von seiner Gewohnheit abgegangen, sich erst in den späten Nachmittagsstunden zu betrinken, und bat um eine entsprechende Berichtigung. Die Zeitung berichtete tatsächlich.“

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Silke Möller: Zwischen Wissenschaft und „Burschenherrlichkeit“. Studentische Sozialisation im Deutschen Kaiserreich, 1871–1914 (= Pallas Athene. Beiträge zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte. Bd. 4). Steiner, Stuttgart 2001, ISBN 3-515-07842-8, S. 140, (Zugleich: Bielefeld, Universität, Dissertation, 2000).
  2. Friedrich G. Ossig: Beiträge zur Corpsgeschichte der Hansea-Königsberg. Bintz-Dohany, Offenbach am Main 196.7