Indianerbild im deutschen Sprachraum

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Interessengemeinschaft Mandan-Indianer (Landkreis Leipzig, 1970)

Das klassische europäische Bild der Indianer ist das der „edlen Wilden“ oder der „wilden Männer“. Ein spezifisches Indianerbild im deutschen Sprachraum entspringt der intensiven Beschäftigung mit Kulturen und Schicksalen der nordamerikanischen Ureinwohner in deutschsprachigen Publikationen und Medien. Ein heroisierendes Indianerbild wurde, beeinflusst insbesondere von Karl Mays Winnetou-Romanen, bereits im deutschen Kaiserreich und in der Jugend- und Wandervogelbewegung als Element einer antimodernistischen Kulturkritik entwickelt. Bei der Beschäftigung mit dem Indianer ging es zumeist weniger um die realen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Realitäten der Indigenen Nordamerikas, sondern um deutsche Sehnsüchte. Im Zuge der Industrialisierung des Deutschen Reiches war dies die Sehnsucht nach einem „authentischen“, freien und naturverbundenen Leben abseits des tristen Alltags der modernen Fabriken und Städte. Befruchtet durch die mannigfaltige Literatur, Völker- und Wild West-Schauen mit „echten Indianern“ und die ersten Western-Filme entwickelte sich eine große Vorliebe für das populärkulturelle Material „Indianer“, was sich auch in der Beliebtheit von Indianer- und Cowboyspielen widerspiegelt.[1]

Archetypen in Überlieferungen wie auch Kultobjekte und Artefakte der Indianer und anderer Ureinwohner spielten in der Kunst der frühen Moderne wie auch der Psychologie etwa Carl Gustav Jungs eine wesentliche Rolle.

Unter anderem im Nationalsozialismus wurde versucht, diese Sehnsüchte zu instrumentalisieren. In der DDR wurde das Reenactment von indianischen Bräuchen[2] und Alltagsleben im Rahmen der Indianistik, wie das Westernhobby in der DDR genannt wurde, von Seiten des SED-Staates anfangs misstrauisch beäugt, geduldet, teilweise gestört und nach und nach in die Strukturen der sozialistischen Kulturarbeit integriert.[3] In der Bundesrepublik wirkten das idealisierte Indianerbild in der 1968er Bewegung und in der Gründungsphase der Partei Die Grünen nach. Doch auch im „Mainstream“ dominierten die Bilder vom weisen Schamanen, Heiler und Umweltschützer. Nicht zuletzt wurde diese Sicht von der New-Age- und Esoterik-Bewegung gefördert und hat ungeachtetet von realen Konflikten mit tatsächlichen Indigenen zur starken Unterstützung für Greenpeace in Deutschland beigetragen. Ein in Bayern bekanntes Beispiel eines Indianers aus eigenem Willen ist der Musiker Willy Michl, ein bayerisches Original und Blueslegende vom Stamme der Isarindianer.

Die Realität der Wirtschafts- und Naturbeziehung der nordamerikanischen Ureinwohner und ihrer heutigen Nachfahren ist komplexer als die deutschen Projektionen auf ebenjene. Für die kulturellen Vorstellungen[4] der vielen nordamerikanischen Völker trifft dies gleichfalls zu. Das Jagdverhalten und der Umgang mit Brandrodung waren keineswegs nachhaltig. Sklaverei, brutale Kriegführung, Umweltschäden und der Aufbau von Herrschaftsbereichen und Imperien ist kein alleiniges Erbe der Europäer.[4] Die romantisierenden Bilder der Indigenen Nordamerikas ist durch die europäische und spezifisch deutsche konservative Kulturkritik vorgeprägt. Im Rückfluss hat es mittlerweile auf (historisch unzutreffende) Selbstbilder der heutigen Indianer[4] gewirkt.

Deutsche und Indianer in den USA[Bearbeiten]

Wie andere Einwanderer verdrängten auch Deutschamerikaner die Indianer aus ihren früheren Heimatgebieten. Die Synthese und Kooperation wie etwa bei einigen schottischen Einwanderern[5] blieb aus. Ausnahme ist etwa der deutschstämmige Sioux und Kongressabgeordnete Ben Reifel. Etliche deutsche Entdeckungsreisende und Auswanderer des 19. und 20. Jahrhundert verliehen den edlen Wilden Nordamerikas einen besonderen Reiz. Sie hinterließen beredte literarische Zeugnisse, meist als Reiseberichte und Tagebücher:

Philipp Georg Friedrich von Reck bereiste 1733/34 Massachusetts und Georgia, wo er sich bei den Muskogee aufhielt. Christian Gottlieb Prieber aus Zittau, ein Jurist und politischer Utopist, emigrierte 1735 nach Nordamerika. Ab 1736 lebte er mit den Cherokee in Tennessee. Er nahm ihre Sitten an, versuchte aber auch, dort seine Idealgesellschaft zu errichten. 1743 wurde er vom Militär festgenommen und starb 1745 im Gefängnis. Um 1781 war Johann Gottfried Seume als hessischer Söldner in Amerika und Kanada und beschrieb Begegnungen mit Indianern in dem autobiographischen Bericht Mein Leben. Seine Bewunderung für die natürliche Ungezwungenheit der Einwohner schlug sich in seinem oft zitierten Gedicht Der Wilde nieder: „Ein Kanadier, der Europens übertünchte Höflichkeit nicht kannte...“ 1815 bis 1817 bereiste Maximilian zu Wied-Neuwied Brasilien, wo er zwei angepassten und sechs intakten Indianerstämmen begegnet. In Wort und Bild dokumentierte er seine Reise. 1832 bis 1834 leitete Wied eine Expedition durch Nordamerika, bei der er sich vom Schweizer Maler Karl Bodmer begleiten ließ. Die Wittelsbacher-Prinzessin Therese von Bayern, eine Tochter des Prinzregenten Luitpold, reiste 1893 in die USA. Die Sammlung von indianischen Kunst- und Handwerkserzeugnissen, die sie von dort mitbrachte, bereichert heute das Völkerkundemuseum in München. Sie publizierte unter anderem über die Pueblo-Indianer. Der Begründer der modernen amerikanischen Kulturanthropologie, Franz Boas, 1858 in Minden geboren, wanderte nach Amerika aus und studierte das Leben der Kwakiutl in den USA und Kanada. Die indianisch-US-amerikanische Schriftstellerin Louise Erdrich, deren Vater deutscher Abstammung ist, thematisiert in ihren Werken immer wieder das Zusammenleben von „Weiß“ und „Rot“, insbesondere auch das Schicksal deutscher Einwanderer.

Besonders für das Verhältnis von Deutschen und Indianern in Nordamerika sind die Ereignisse in Texas. Dorthin hatte der Mainzer Adelsverein eine Gruppe Siedler geschickt, die die heutigen Städte New Braunfels und Fredericksburg gründeten. Obwohl es Verträge mit Indianern gibt, die als „der einzige Vertrag, der nie gebrochen wurde“ gelten, ist der Friedensvertrag dieser Siedler mit den Indianern tatsächlich bis heute nicht gebrochen und es ist der einzige Vertrag zwischen „Rot“ und „Weiß“, für den das gilt. Beide Gruppen, die Nachfahren der Komantschen wie die Nachfahren der Deutsch-Texaner, treffen sich noch heute alljährlich zum „Founders' Day“, um des Vertrages zu gedenken, der ihnen den Frieden brachte.[6]

Bildende Kunst, Museen, Ausstellungen[Bearbeiten]

Indianer von August Macke

Karl Bodmer (1809–1893) begleitete 1832–1834 den Naturforscher Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied auf dessen Nordamerika-Expedition. Er porträtierte zahlreiche Indianer in North Dakota, am Ohio River und Missouri River, unter anderen Blackfoot, Choctaw, Cherokee und Chickasaw. Bodmer arbeitete seine Skizzen zu Aquarellen aus. 81 seiner Illustrationen schmücken Prinz Maximilians Werk Reise im Inneren von Nordamerika (1844). Viele Bodmer-Skizzen werden heute im Nordamerika Native Museum (NONAM) in Zürich sowie im Joslyn Art Museum in Omaha, Nebraska, aufbewahrt.

Der Journalist und Maler Rudolf Cronau (1858–1939) illustrierte nicht nur seine Berichte aus Nordamerika, sondern freundete sich auch mit Sitting Bull an, den er 1881 porträtierte.

Der Artist und Hobby-Ethnologe Ernst Tobis, der sich selbst Patty Frank nannte, sammelte auf seinen Tourneen durch die USA Originalstücke. Durch seine Begeisterung für die Indianer entstand mit Hilfe dieser Sammlung 1928 das Indianermuseum in Radebeul. Auf Veranlassung Klara Mays, der Witwe und Nachlassverwalterin Karl Mays, wurden Mays und Tobis' Sammlung vereinigt und in der neugebauten Villa Bärenfett ausgestellt. Patty Frank blieb bis zu seinem Lebensende in den 1960er Jahren Hüter der Sammlung.

1913 bis 1921 lebte der Münchner Maler Julius Seyler in Montana. Er bewirtschaftete eine Farm und malte zahlreiche Bilder von seinen Nachbarn im Stamm der Blackfeet (Three Bear, Eagle Calf, Bear Pipe Man usw.) und von ihren heiligen Orten wie dem Chief Mountain.

Klaus Dill wurde durch zahlreiche Illustrationen zu Karl-May-Büchern und Plakaten zu Western bekannt, sein bekanntestes Werk "Die Rothaut und ich", ist dabei das am besten erhaltene. Er malte einen Zyklus zum Leben von Tecumseh aus zwölf großformatigen Ölbildern.

Verschiedene Völkerkundemuseen haben bedeutende Sammlungen zur indianischen Kultur und Kunst. In Berlin, München oder im Lindenmuseum Stuttgart wurde in den letzten Jahren erweitert oder umstrukturiert, ebenso in Zürich (siehe Weblinks).

Der Richter i.R. Karl-Heinrich Gehricke (1929–2010) war wie Bründl ein privater Sammler. 1975 besuchte er erstmals Indianer in den USA und lebte dann immer wieder bei verschiedenen Stämmen. Er besaß er die weltgrößte private Sammlung von Kulturgütern, von Medizinbeuteln bis zu Schmuck und Töpferware. 2001 begann er, sein eigenes Indianermuseum im Herrenhaus Gevezin (Mecklenburg-Strelitz) aufzubauen. Es ist nach seinem Tod 2010 geschlossen worden.

Wahrnehmung indianischer Soldaten[Bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg nahmen knapp 15.000 Indianer auf Seiten der alliierten Streitkräfte Kanadas und der USA teil. Sowohl auf amerikanischer Seite wie bei den Deutschen wurden die Indianer sowohl als „vanishing race“ (deutsch: ‚schwindende Rasse‘) charakterisiert wie auch für ihr soldatisches Ethos (Kampfgeist) gefürchtet und gepriesen. Eine besondere Beziehung der Deutschen zu den Indianern wurde mehrfach festgestellt, was insbesondere auf den Einfluss Karl Mays zurückgeführt wurde. Eine Aufstellung segregierter, rein indianisch stämmiger Einheiten wurde verschiedentlich gefordert, aber nicht durchgängig durchgeführt. Seitens der deutschen Einheiten wurde der Einsatz indianischer Soldaten als Meldegänger, als Scharfschützen und Stoßtrupps gefürchtet, bereits zum Ende des Ersten Weltkriegs wurden Indianersprachen als Mittel der Verschlüsselung der Kommunikation erfolgreich eingesetzt. In Einzelfällen traten im Ersten Weltkrieg auch Indianer in traditioneller Kriegsbemalung auf.[7] Im Zweiten Weltkrieg verwendeten amerikanische Fallschirmjäger etwa der 101. US-Luftlandedivision den Irokesenschnitt wie auch Kriegsrufe Geronimo! und Symbolik mit Indianerbezug. Johnny Cashs Ballade vom Ira Hayes thematisiert den zwiespältigen Umgang mit indianischen Kriegshelden in den USA und wurde auch in Deutschland bekannt. Bei aktuellen deutsch-indianischen Kontakten und Austausch spielen die in Deutschland stationierten indianischen Soldaten eine wichtige Rolle, zudem sind 45 % der amtierenden und ehemaligen Stammesführer ehemalige Soldaten.[8]

Literatur, Film und andere Medien[Bearbeiten]

Adelbert von Chamisso nahm 1815–18 an einer von Russland initiierten Weltumseglung unter Leitung von Otto von Kotzebue teil. Dabei lernte er sowohl Indios in Lateinamerika als auch kalifornische Indianer kennen. Er verfasste zwei Gedichte dazu: Der Stein der Mutter oder der Guahiba-indianer und Rede des alten Kriegers Bunte Schlange im Rate der Muskogee-Indianer. Chamisso kritisierte den Umgang der Kolonisatoren und der US-Regierung mit den „Indianern“.

Karl Postl (1793–1864) lebte von 1823 bis 1831 in den USA. Er veröffentlichte unter dem Pseudonym Charles Sealsfield mehrere Romane, darunter Tokeah oder Die Weiße Rose. Darin behandelt er die Vertreibung der Muskogee und lässt historische Persönlichkeiten wie Tecumseh auftreten. Bei ihm und auch bei Friedrich Gerstäcker sind die Indianer realistischer dargestellt. Vorangehende Autoren beschrieben Indianer entweder als primitive Wilde oder als edle Helden.

Der amerikakritische österreichische Schriftsteller Nikolaus Lenau thematisierte in seiner Ballade Die Drei Indianer den durch die Weißen verursachten Untergang der indianischen Kultur.

CoopersLederstrumpf“-Romane begeisterten Goethe und erreichen seit ihrem Erscheinen auch in Deutschland eine beachtliche Leserzahl.

Franz Kafka verfasste die Erzählung Wunsch, Indianer zu werden, die erstmals 1913 gedruckt wurde.[9] Die Erzählung besteht nur aus einem Satz:

„Wenn man doch ein Indianer wäre, gleich bereit, und auf dem rennenden Pferde, schief in der Luft, immer wieder kurz erzitterte über dem zitternden Boden, bis man die Sporen ließ, denn es gab keine Sporen, bis man die Zügel wegwarf, denn es gab keine Zügel, und kaum das Land vor sich als glattgemähte Heide sah, schon ohne Pferdehals und Pferdekopf.“

Franz Kafka

Fritz Steubens Tecumseh-Romane wurden in den 1930er Jahren ein großer Erfolg und in der Nachkriegszeit erneut erfolgreich wiederaufgelegt, nachdem die offensichtlichen NS-Elemente entfernt waren.

In den 1950er Jahren veröffentlichte der Schweizer Ernst Herzig unter dem Pseudonym Ernie Hearting einige Biographien von bekannten Häuptlingen und sprach damit vor allem Jugendliche an.

Der österreichische Schriftsteller Franz Xaver Weiser schrieb zwischen 1930 und 1970 einige Jugendromane über die Waldlandindianer des Nordostens. Hervorzuheben ist die Trilogie Orimha („Orimha der Irokese“ 1969, „Orimha der Waldläufer“ 1970 und „Orimha bei den Sioux“ 1973). In dieser Trilogie werden Episoden aus dem Leben des französischen Entdeckers und Pelzjägers Pierre Radisson in die Romane eingebunden.

Die deutsche Schriftstellerin Liselotte Welskopf-Henrich veröffentlichte zwischen 1951 und 1980 zwei Romanreihen, sechs Bände unter dem Titel „Die Söhne der Großen Bärin“ und fünf unter „Blut des Adlers“. In die „Die Söhne der Großen Bärin“ beschreibt sie das Leben der Prärieindianer, die ersten Kontakte mit den Weißen und deren Auswirkungen aus der Sicht der Indianer. „Das Blut des Adlers“ führt die ersten sechs Bände weiter in einem zeitlichen Sprung in die Zeit der Reservation. Die Oglala-Lakota ehrten Liselotte Welskopf-Henrich mit dem Namen „Lakota-Tashina“ (Schutzdecke der Lakota). Die Söhne der Großen Bärin wurde von der DEFA verfilmt. Er war der erste Defa-Indianerfilm.

Die österreichische Schriftstellerin Käthe Recheis veröffentlichte bis 2004 mehr als 60 eigene Titel. Sie publizierte neben Kinder- und Jugendliteratur zum Thema Indianer auch 13 Titel mit indianischen Originaltexten. Recheis erreicht Leser im gesamten deutschsprachigen Raum und wird auch von Indianern positiv rezensiert. Seit 1961 unternahm sie zahlreiche Reisen nach Nord- und Südamerika, wo sie bei Indianern lebte. Der Abenaki Joseph Bruchac gab Recheis den Namen Molse-Mawa (Fell des Wolfes, d.h. Beschützerin der Indianer). Recheis gründete zusammen mit ihrem Bruder, dem Arzt Romed Recheis, den Gemeinnützigen Verein zur Unterstützung von Indianerschulen.[10]

In seiner Romanbiographie Die Entdeckung der Langsamkeit (1983) behandelt der deutsche Schriftsteller und Historiker Sten Nadolny das Leben des britischen Forschungsreisenden John Franklin. Ausführlich schilderte er die Nordamerika-Expeditionen Franklins und baut den Häuptling Akaitcho zum Alter Ego der Hauptfigur aus.

Von Werner Arens und Hans-Martin Braun wurde Der Gesang des Schwarzen Bären veröffentlicht. Die zweisprachige Anthologie enthält Lieder und Gedichte der Indianer und bildet erstmals in deutscher Sprache einen Querschnitt über 500 Jahre ihrer Entwicklung.

Karl May[Bearbeiten]

Früheste Winnetou-Darstellung (1879)

Karl May (1842–1912) begründete die Indianer-Liebe ganzer Generationen von Deutschen – unter ihnen auch etlicher führender Nationalsozialisten – mit seinen Winnetou-Romanen. Er hatte Einfluss auf das Naturbild der Bündischen Jugend, besonders der Wandervögel. Das wirkliche oder angenommene Schicksal der nordamerikanischen Ureinwohner wurde regelmäßig, so während der Weltkriege, zum Anlass genommen, Antiamerikanismus und deutsche antiamerikanische Vorurteile und Propaganda zu bestärken oder auszubauen. Die Nationalsozialisten versuchten Mays Popularität und sein Werk zu vereinnahmen. Daher blieb in der DDR der Umgang mit Karl May – seine Werke wurden zumindest bis Anfang der achtziger Jahre dort nicht verlegt – wie auch mit den Indianersehnsüchten der Bevölkerung zwiespältig.[11]

In Radebeul ist in der Villa Shatterhand das Karl-May-Museum und im hinteren Teil des Grundstücks in dem Blockhaus „Villa Bärenfett“ die Indianerausstellung eingerichtet. Zum Karl-May-Fest reisen jährlich „echte“ Indianer nach Sachsen, um vor interessierten Besuchern Bräuche und Tänze zu zeigen. Karl May wurde insbesondere ins Französische und in einige osteuropäische Sprachen übersetzt, aber im englischen Sprachraum kaum gelesen. Moderne Indianer erkennen aber seine Bemühungen an, das Ansehen der Indianer zu stärken. Zwischen dem Kulturzentrum der Mescalero-Apachen und dem Karl-May-Haus in Hohenstein-Ernstthal wurde im Herbst 2006 ein Kooperationsvertrag geschlossen.

  • Die ersten Karl-May-Festspiele fanden 1938 auf der Felsenbühne Rathen statt.
  • Die Winnetou-Romane wurden unter anderem 1962 bis 1968 mit Pierre Brice in der Titelrolle erfolgreich verfilmt.
  • Gojko Mitić erlangte als Hauptdarsteller historischer und fiktiver Indianer-Persönlichkeiten zahlreicher DEFA-Indianerfilme große Popularität im gesamten Ostblock
  • Die Jugendzeitschrift Bravo vergibt den so genannten Bravo-Otto in Gestalt einer Indianerfigur an vom Publikum erwählte Schauspieler, Sänger, Musikgruppen etc. Pierre Brice erhielt den Goldenen Otto nicht weniger als zwölf Mal, aber auch Rex Gildo oder Jeanette Biedermann sind Empfänger des kleinen Indianers in Leggins und mit Feder im Haar.
  • Eine weitere Adaption Der Schuh des Manitu (2000) von Michael Bully Herbig (Drehbuch, Regie, Doppelrolle als Abahachi und Winnetouch) wurde 2001 zu einem der größten deutschen Kinoerfolge.

Indianer in Deutschland[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert wurden Indianer im Rahmen von Völkerschauen ausgestellt, die teils in Zoos stattfanden. Berühmt wurden die Völkerschauen von Carl Hagenbeck (1844–1913). Die Dresdner konnten sich bereits 1879 acht kanadische Irokesen anschauen, und Rudolf Cronau engagierte als Freund von Sitting Bull Hunkpapa-Lakota, die 1886 nach Europa kamen. Im großen Stil unternahm Buffalo Bill Europareisen: Er brachte 1890 rund 200 Indianer mit. Eine weitere Tournee unternahm er 1903–1907.

In Deutschland leben seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs viele Indianer, die als Angehörige der US-Armee ins Land kamen, hier blieben und mitunter weitere Indianer nachholten. Ein Verband von Indianern in Deutschland ist die 1994 gegründete Native American Association of Germany (NAAoG) mit Sitz in Kaiserslautern. Sie hat Mitglieder in Deutschland, Europa und USA.

Indianer in der Schweiz[Bearbeiten]

1974 reiste der avantgardistische Künstler und Cherokee Jimmy Durham in die Schweiz, um die Gründung eines Netzwerkes anzuregen, das zusammen mit den Indianern für ihre Rechte einstehen soll. Wichtig war Durham insbesondere der Zugang zur UNO in Genf, um den Indianern Gehör an höchster internationaler Stelle zu verschaffen. So entstand die Schweizer Menschenrechtsorganisation Incomindios Schweiz, welche die Indianer unter anderem noch heute bei ihrem jährlichen Besuch an der UNO unterstützt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich von Borries/ Jens-Uwe Fischer: Sozialistische Cowboys. Der Wilde Westen Ostdeutschlands. Frankfurt/ Main: Suhrkamp, 2008, ISBN 978-3-518-12528-1 (www.sozialistische-cowboys.de)
  • Robert Edgerton: Trügerische Paradiese. Der Mythos von den glücklichen Naturvölkern, Hamburg: Kabel, 1994, ISBN 3-8225-0287-1
  • Gerd Gemunden, Colin G. Calloway, Susanne Zantop: Germans and Indians: Fantasies, Encounters, Projections, University of Nebraska Press, Lincoln, NE 2002, ISBN 978-0803264205
  • Ulrich van der Heyden: Eine unentdeckte Nische der DDR-Gesellschaft: Die "Indianistikszene" zwischen "antiimperialistischer Solidarität" und Verweigerung, in: Kultursoziologie. Aspekte – Analysen – Argumente, Nr. 2, Leipzig 2002, S. 153–174
  • Pamela Kort und Max Hollein (Hrsg.): I like America. Fiktionen des Wilden Westens. Katalog der Schirn Kunsthalle Frankfurt. München: Prestel, 2006.
  • Sirinya Pakditawan: Die stereotypisierende Indianerdarstellung und deren Modifizierung im Werk James Fenimore Coopers. Hamburg 2007. S. 44 ff. Kap. 1.2: Der „edle Wilde“ in der europäischen Tradition des Fremden
  • Hans-Peter Rodenberg: Der imaginierte Indianer. Zur Dynamik von Kulturkonflikt und Vergesellschaftung des Fremden, Frankfurt/ Main: Suhrkamp, 1994.
  • Gerd Stein (Hg.): Die edlen Wilden. Die Verklärung von Indianern, Negern und Südseeinsulanern auf dem Hintergrund der kolonialen Greuel, Frankfurt/ Main: S. Fischer, 1984 ISBN 3-596-23071-3

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. dazu Sammelband: Colin Gordon Calloway, Gerd Gemünden, Susanne Zantop (Hrsg.): Germans and Indians. Fantasies, encounters, projections. University of Nebraska Press, Lincoln and London 2002.
  2. In den 1950er und 1960er Jahren gehörten indianische Bräuche, wie Messerwerfen, Bola-Tricks zum Standard-Repertoire der DDR-Indianergruppen bei ihren Auftritten als Volkjskunstkollektive. vgl. dazu: Ausgezeichnete Volkskunstkollektive. In: Borries/ Fischer: Sozialistische Cowboys. Der Wilde Westen Ostdeutschlands, Frankfurt/ Main: 2008, S. 35–39.
  3. dazu: Friedrich von Borries, Jens-Uwe Fischer: Sozialistische Cowboys. Der Wilde Westen Ostdeutschlands. Suhrkamp, Frankfurt/ Main 2008.
  4. a b c Shepard Krech: The Ecological Indian: Myth and History. W. W. Norton & Co Ltd., 21. Oktober 1999. ISBN 0-393-04755-5.
  5. James Hunter: A Dance Called America: Scottish Highlands, the United States and Canada. Mainstream Publishing, 1995, ISBN 1-85158-807-8.
  6. Alexander Emmerich: Die Geschichte der Deutschen in Amerika. Fackelträger, 2010, ISBN 3-7716-4441-0.
  7. Thomas A. Britten: American Indians in World War I: at home and at war. Part 570, UNM Press, 1999 ISBN 0-8263-2090-2
  8. Jack Utter: American Indians: answers to today's questions, Civilization of the American Indian. University of Oklahoma Press, 2001, ISBN 0-8061-3309-0
  9. In: Betrachtung, Leipzig: Rowohlt.
  10. Käthe Rechels: Die Stimme des Donnervogels. Mit Illustrationen von Karen Holländer, Gabriel Thienemann, sowie Käthe Recheis: Die Kinder der Prärie. Kerle, Herder sowie auch Käthe Recheis: Zwischen Wigwam und Prärie. Ravensburger Taschenbuch
  11. Karl Marx statt Karl May. In: Borries, Fischer: Sozialistische Cowboys, S. 18–22. wie auch Jens Mühling: Indianer in der DDR. Das rote Reservat. Wilder Westen in Deutschlands Osten: Ein Veteran und ein Buch verraten, warum in der DDR die Indianerkultur blühte. In: Tagesspiegel vom 1. Juni 2008