Indianerkommune

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Die Indianerkommune war eine 1972 in Heidelberg gegründete Organisation der Pädophilenbewegung, die bis Mitte der 1980er Jahre in Nürnberg ansässig war.[1] Sie bezeichnete sich als „Kinderrechtekommune“ und setzte sich für „die konsequente Selbstbestimmung des Individuums und die Aufhebung sämtlicher Gesetze des Jugendschutzes“[2] ein, darunter auch die Freigabe pädophiler Sexualkontakte. 1980 spaltete sich die Berliner Oranienstraßen-Kommune ab und wurde eine eigenständige, dezidiert weibliche Kommune, deren Mitglieder sich Kanalratten nannten.[3] Die Indianerkommune beeinflusste zeitweise die kinder- und jugendpolitische Programmatik der Partei Die Grünen.

Forderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommune forderte 1985 in einem Spendenaufruf: „Das Recht auf ausziehen von zuhause für die Betroffenen, wann und wohin Kinder und Jugendliche wollen; die Abschaffung der Schulpflicht; die Abschaffung der Paragraphen, die schwule und lesbische Liebe auch für Kinder und Jugendliche verbieten; die Abschaffung aller Psychiatrien, Heime und Knäste; Reiserecht überall hin; Kinder sind keine Hätschel-Tätschel Schoßhunde für einsame Mütter und Väter.“[4]

Für ihre Ziele engagierte sich die Indianerkommune in der Schwulen-,[5] der Anti-AKW- und der Alternativbewegung, wo sie wegen ihrer störenden Auftritte gefürchtet war.[1] Im Jahr des Kindes 1979 führten Angehörige der Indianerkommune einen Hungerstreik durch. 1981 kam es zu einem Strafverfahren gegen den Kommunegründer Uli Reschke wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern; Reschke war dreizehneinhalb Monate inhaftiert und wurde in zweiter Instanz freigesprochen. Die Kommunarden besetzten mehrfach Redaktionsräume der tageszeitung, um die Veröffentlichung ihrer Forderungen zu erzwingen.[6][7]

Einflussnahme auf die Grünen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1972 vom späteren Grünen-Mitglied Uli Reschke gegründete Indianerkommune nahm in der Gründungsphase der Grünen Einfluss auf die Programmatik der Partei.[8] Obwohl sie damit beim Gründungsparteitag der Grünen am 13. Januar 1980 scheiterte, soll der Abschnitt zu „Kindern und Jugendlichen“ im ersten Parteiprogramm von der Indianerkommune verfasst worden sein; er wurde am 22. Juni 1980 auf der Bundesversammlung der Grünen mit großer Mehrheit angenommen.[2] Werner Vogel, der 1983 für die Grünen in den Deutschen Bundestag gewählt wurde, sein Mandat aber nicht annahm, unterstützte 1982 parteiintern die Anliegen der Indianerkommune.[9] Im Herbst 1983 besetzten jugendliche Mitglieder der Indianerkommune vorübergehend die Bundesgeschäftsstelle der Grünen in Bonn.[10] Gruppen der Indianerkommune störten Grünen-Parteitage, um ihre Forderungen nach straffreien Sexualkontakten zwischen Kindern und Erwachsenen zu verbreiten, darunter den Landesparteitag der Grünen in Nordrhein-Westfalen 1985.[11]

Diese Einflussnahme auf die Grünen wurde 2013, im Rahmen der Pädophilie-Debatte um Bündnis 90/Die Grünen, wieder in der Presse diskutiert.

Beobachtung durch Kinderschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2013 waren ehemalige Mitglieder im „Anti-Kinderklau Aktionsbündnis Kinderrecht“ (AKKAK), im „Forum für anarchistische Kinder und Jugendpolitik“,[10] in der „Jugendselbsthilfe Nürnberg“ und in einem Fahrradladen tätig. Ihre Aktivitäten werden von der Abteilung Kinder- und Jugendschutz im Jugendamt der Stadt Nürnberg und vom Kinderschutzbund Nürnberg beobachtet.[12]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Sebastian Hauss: Identität in Bewegung. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Heidelberg 2004, ISBN 3-8100-4150-5, S. 220.
  2. a b Frank Schnieder: Von der sozialen Bewegung zur Institution? Die Entstehung der Partei DIE GRÜNEN in den Jahren 1978 bis 1980. Lit, Münster 1998. ISBN 3-8258-3695-9. S. 94
  3. Zwischenbericht. (PDF) Göttinger Institut für Demokratieforschung.
  4. Spendenaufruf Indianerkommune. Vollversammlung des Verbundes alternativer Projekte und autonomer Frauenprojekte, Nürnberg, 1985, abgerufen am 12. August 2013.
  5. faz.net
  6. Nina Apin: Kuscheln mit den Indianern. Pädo-Aktivisten im linken Mileu. In: die tageszeitung. 22. April 2010 (taz.de [abgerufen am 12. August 2013]).
  7. Ann-Katrin Müller: Rosa Flieder. In: Der Spiegel. Nr. 22, 2013 (online).
  8. spiegel.de
  9. Grünen-Urgestein Werner Vogel unterstützte Pädophilen-Gruppen. In: Focus. Nr. 33/2013, 11. August 2013 (focus.de [abgerufen am 3. Mai 2014]).
  10. a b Klaus Tscharnke: Die Nürnberger „Stadtindianer-Kommune“ gibt es noch. nordbayern.de, 23. Mai 2013, abgerufen am 12. August 2013.
  11. Matthias Drobinski: Tabu und Toleranz. Pädophilie-Vorwürfe gegen die Grünen. In: Süddeutsche Zeitung. 26. Mai 2013 (sueddeutsche.de [abgerufen am 12. August 2013]).
  12. Rüdiger Gollnick: Sexuelle Grenzverletzungen im Lehrer-Schüler-Verhältnis an staatlichen Schulen. Lit, Münster 2013. ISBN 978-3-643-11931-5. S. 200 f.