Individualisiertes Lernen

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Individualisiertes Lernen oder Individualisierter Unterricht ist eine Organisationsform des Unterrichts oder ein Unterrichtsprinzip, bei dem jeder Schüler innerhalb einer Klasse im Sinne der Binnendifferenzierung individuell gefördert und auf seinem jeweiligen Stand abgeholt wird. Diese Unterrichtsform drängt sich dann auf, wenn die schulischen Voraussetzungen der Lernenden sehr heterogen sind und ein Klassenunterricht kaum mehr möglich ist.

Begriffsbestimmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Individualisierter oder individualisierender Unterricht beschreibt die Berücksichtigung eines jeden einzelnen Individuums innerhalb einer Lerngruppe. Während bei der Differenzierung lediglich zwischen verschieden leistungsstarken Gruppen unterschieden wird (z. B. gute, mittlere, schwache), soll bei der Individualisierung jedes Individuum einzeln betrachtet werden, was u.a. die Einbeziehung der individuellen Persönlichkeit jedes Gruppenmitgliedes ermöglicht.

Ela Eckert definiert wie folgt[1]:

Individuelles Fördern heißt, jeder Schülerin und jedem Schüler die Chance zu geben, ihr bzw. sein motorisches, intellektuelles, emotionales und soziales Potential umfassend zu entwickeln und sie bzw. ihn dabei durch geeignete Maßnahmen zu unterstützen (durch die Gewährleistung ausreichender Lernzeit, durch spezifische Fördermethoden, durch angepasste Lehrmittel und gegebenenfalls durch Hilfestellungen weiterer Personen mit Spezialkompetenz).

Als Indikatoren für Individualisierten Unterricht werden hier genannt: das Arbeiten an unterschiedlichen Aufgaben / nach Thema, Interessensschwerpunkten und Leistungsvermögen unterschiedliche Lehrbücher, Lernmaterialien und Arbeitshilfen / zusätzliche Hilfen für schwache Schüler / Reflexion des Lernfortschritts seitens der Schüler (Metakognition) / Lernschleifen / Lernstandsdiagnostik und Förderpläne für schwache Schüler / genügend Zeit steht zur Verfügung / Die Möglichkeit einer Auszeit / Kinder mit gesundheitlichen Problemen werden berücksichtigt / die Möglichkeit zur Arbeit an eigenen Schwerpunkten / Sensibilisierung der Kinder für Leistungsunterschiede – Kinder unterstützen sich gegenseitig / transparente Leistungserwartungen / gegebenenfalls additive Unterrichtsangebote

Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Individualisiertes Lernen ist kein mit Inhalten gefülltes Didaktikmodell, sondern ein Unterrichtsideal. Es hat zwar eine klare Zielsetzung, aber keine einheitliche Methode, mit der es diese Zielsetzung realisiert. (Siehe hierzu auch im Artikel Differenzierung (Didaktik) den Abschnitt zur Individualisierung).

Die Faktoren, die bei der Individualisierung im Unterricht eine Rolle spielen sind:

  • die individuelle Betrachtung der persönlichen Leistungsfähigkeit und des Leistungsstandes,
  • die individuelle Betrachtung des persönlichen Interesses und der Neigungen,
  • die individuelle Betrachtung der Persönlichkeit und der emotionalen Lage.

Wo Individualisiertes Lernen anfängt und wo es aufhört, ist nicht einheitlich geklärt. So stellt sich die Frage, ob ein Unterricht der allein die persönliche Leistungsfähigkeit berücksichtigt, bereits als ein individualisierter Unterricht bezeichnet werden kann oder ob ein Unterricht erst durch die Berücksichtigung aller drei oben genannter Faktoren zu einem individualisierten Unterricht wird.

Folgende Impulse zur Realisierung individualisierten Unterrichts sind zu finden:

  • Systemische Impulse: Reduzierung der Gruppengröße und Erhöhung der Lehrerzahl pro Klasse
  • Materielle Impulse: Bereitstellung von individuell zugeschnittenen Materialien
  • Methodisch/Didaktische Impulse: Offener Unterricht, Selbständiges Lernen, Kompetenzorientierung

In der Literatur stößt man im Zusammenhang mit der Umsetzbarkeit von individualisiertem Lernen häufig auf Muster des selbstständigen, selbst regulierten und offenen Lernens. So betrachten Lischewski und Müller in ihrer Dissertation an der Uni Duisburg-Essen zum Individualisierten Unterricht zwei Jahre lang an dem Duisburger Clauberg-Gymnasium ein Projekt, das Lischewski entwickelt und an der Schule implementiert hatte.[2] In dem Projekt können die Schüler an selbstgewählten Projekten arbeiten. Hierbei erstellen sie z. B. Lerntagebücher.

Schnack und Timmermann schreiben in der Zeitschrift Pädagogik (09/2008): „Eine individuelle Unterstützung für einzelne Schüler setzt jedoch voraus, dass die anderen bereits in der Lage sind, über einen längeren Zeitraum hinweg zuverlässig selbständig zu arbeiten.“

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hilbert Meyer: Was ist guter Unterricht? CornelsenScriptor, Berlin 2008, ISBN 978-3-589-22047-2.
  • Jochen Schnack, Uwe Timmermann: Kernkompetenz Selbstständigkeit. Was junge Menschen heute lernen müssen. In: Pädagogik. Beltz, Weinheim 2008, Bd. 60, Heft 9, S. 6–9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ela Eckert in: Hilbert Meyer: Was ist guter Unterricht?, S. 97
  2. Friedhelm Lischewski und Renate Müller: Individualisiertes Lernen. Möglichkeiten und Grenzen in der Schulpraxis. Dissertation, Universität Duisburg-Essen 2006