Indonesische Literatur

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Die indonesische Literatur ist die Literatur des modernen Indonesien, die ganz überwiegend in der modernen indonesischen Verkehrssprache (Bahasa Indonesia) verfasst ist. Zu ihren Vorläufern gehören die indo-javanische und die islamisch-malaiische Literatur.

Das feuchtheiße Klima der Äquatorzone führte dazu, dass Papier als Medium der Überlieferung von Texten nicht verwendet wurde, da es schnell verrottet. So spielt die orale Tradition eine beherrschende Rolle. Puppen- und Schattenspiel, Rezitationswettbewerbe und mit Musik unterlegter Vortrag waren und sind bis in die heutige Zeit sehr beliebt. Für die Rezipienten ist die aktive Teilnahme an diesen Performances ein wichtiges Moment ihrer Identitätsbildung und -wahrung. Die Abgrenzung von Genres wie Lyrik, Epik, Theater, Musik, Rezitation bis hin zum Masken-, Puppen- und Schattenspiel ist daher schwierig.[1]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 7. Jahrhundert sind im indonesischen Archipel, der von etwa 200 verschiedenen Ethnien mit ebenso vielen Sprachen und zahlreichen Dialekten bevölkert ist, zwei Schriftsprachen dominant: Javanisch (in Java und auf benachbarten Inseln) und Malaiisch. Auf Westjava ist außerdem Sundanesisch verbreitet, das sich deutlich vom Javanischen unterscheidet. Während Javanisch und Sundanesisch in indischen Schriften geschrieben wurden, wurde Malaiisch bis zum Abschluss der niederländischen Kolonisierung Ende des 19. Jahrhunderts in arabischer Schrift geschrieben.

Unter den Einfluss des Hinduismus und der indischen Kultur geriet Java spätestens im 5. und 6. Jahrhundert. Sanskrit wurde dort und später auf Bali zur Sprache der Eliten. Seit dem 7. und 8. Jahrhundert kamen buddhistische Einflüsse aus Indien und aus China hinzu. Der Buddhismus überlebte jedoch nur auf Bali und Lombok.

Die Entwicklung und Blüte der bisher noch wenig erforschten indo-javanischen Literatur war eng verbunden mit den hinduistischen Großreichen auf Java und Süd-Sumatra zwischen dem 9. und 16. Jahrhundert, vor allem mit dem Reich von Majapahit in Ostjava (1294 – 1520). Die ältesten Inschriften sind auf Stein überliefert. Verwendet wurden auch Holz, Tierhäute, Bambus und Palmblätter.

Diese sog. altjavanische Literatur waren durch Nachschöpfungen der in Sanskrit verfassten altindischen Mythen Mahabharata und Ramayana geprägt. Seit dem 14. Jahrhundert treten jedoch javanische Herrscher- und Heldengeschichten in den Vordergrund (sog. neujavanische Literatur), beginnend mit dem Loblied Nagara-Kertagama des Rakawi Prapañca auf König Hayam Wuruk von Majapahit.[2]

Die Helden der Mythen und Epen sind zugleich die wichtigsten Figuren des Puppen- und Schattenspiels, des Wayang.[3] So bezeichnet man die Kombination von Puppenspiel und Schauspiel mit Improvisation, Tanz und Musik, die ihren Ursprung in der Frühzeit der animistischen Lokalreligionen hatte und von den Hindupriestern als Instrument der Bekehrung genutzt wurde.

Daneben wurden zahlreiche Fabeln, Märchen und Tiergeschichten aus stammesgeschichtlicher Zeit in einfacher Prosasprache überliefert.

Seit dem 15. Jahrhundert wurde ausgehend von Malakka zunächst Sumatra islamisiert; seit dem 16. Jahrhundert dominierte auch in weiteren Teilen des Archipels bis auf Bali und Lombok der malaiisch-islamische Kultureinfluss. Das Epos erreichte einen Höhepunkt in gereimten Herrscher- und Heldengeschichten wie der Legende von Hang Tuah (Hykayat Hang Tuah), einem Stoff aus dem 15. Jahrhundert, der erst im 19. Jahrhundert auf Papier niedergeschrieben wurde. Für Rezitation und schriftlich fixierte Literatur wurden dabei jeweils unterschiedliche Reimschemata entwickelt.[4] Weit verbreitet war das vierzeilige Pantun mit dem Reimschema [abab] und 8 bis 12 Silben pro Vers, das vor allem in der mündlich vorgetragenen Liebeslyrik verwendet wurde. Hingegen erfuhr das Puppenspiel auf den Hauptinseln einen Niedergang, da Götterdarstellungen in menschlicher Form vom Islam nicht toleriert wurden. Ersetzt wurde es durch das Schattenspiel mit ausgeschnittenen Figuren. Vor allem der Hofschriftsteller von Surakarta, Raden Nagabehi Jasadipura I. (1729–1803), trug zur Wiederbelebung des javanischen Wayang bei. Auch die auf Palmblattkopien überlieferte javanische Literatur erlebt im 18. und 19. Jahrhundert eine Renaissance.[5] In abgelegenen Regionen überlebte jedoch das Puppenspiel.

Die altmalaiische Literatur (Sastra Melayu Lama)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die klassische malaiische Lyrik, die von persischen Vorbildern beeinflusst war, erreichte in der Form des Syair, der vierzeiligen Stanze, einen Höhepunkt im 19. Jahrhundert. Daneben wurden sufistische Literatur und Epen rezipiert und abgewandelt sowie Herrscherchroniken erstellt. Wichtigster Autor war Raja Ali Haji (1808–73), ein Angehöriger der Bugi aus dem Sultanat Riau (Ost-Sumatra). In seiner Chronik Tuhfat al-Nafis berichtet er u. a. von den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Bugi in Süd-Sulawesi und den Malaien von Riau, die erst mit der holländischen Kolonisierung endeten.

Entstehung der einheitlichen Schriftsprache und Kampf um die kulturelle Identität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert blieb Niederländisch-Ostindien ohne zentrale Verwaltung. Es war kein niederländisches Territorium oder gar Kulturgebiet, sondern eine Ansammlung von Handelsposten, Plantagen und Militärposten. Die Kolonisierung war erst um 1911 abgeschlossen; Riau war eine der letzten Regionen, in denen eine Kolonialverwaltung etabliert wurde und wurde zugleich eine Geburtsstätte der nationalen Sprachbewegung. 1908 wurde ein koloniales Büro für (indonesische) Volksliteratur gegründet. Zudem wurden einige bekannte westliche Unterhaltungsromane und Jugendbücher ins Malaiische übersetzt. Die Verwendung der niederländischen Sprache sollte hingegen der Elite vorbehalten bleiben; die Zahl der Sprecher stieg von nur etwa 5.000 im Jahr 1900 auf ungefähr 860.000 im Jahr 1942.[6] Entsprechend gering blieb der Einfluss der niederländischen Sprache und Literatur.

Bis ca. 1920 wurde von Autoren, die Bücher in Verlagen publizieren wollten, weitgehend Handelsmalaiisch als Lingua franca verwendet. Danach begannen die sog. Generation Angkatan Balai Pustakasie mit Sprachexperimenten auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. So schrieb der Lyriker, Dramatiker und Kritiker der Kolonialpolitik Rustam Effendi (1903–1979) in altmalaiischer Sprache, die er mit Elementen des Arabischen und des Sanskrit anreicherte und verfremdete, um die gewünschten rhythmische Effekte zu erzielen. Suwarsih Djojopuspito (1912–1977) schrieb auf Sundanesisch. Sie verfasste einen Roman über die antikolonialen „wilden Schulen“ im Befreiungskampf.[7]

Gleichzeitig wuchs der europäische Einfluss auf die Literatur des Archipels, vermittelt vor allem über das britische Malaya. Dadurch erfuhr die Literatur des Archipels eine thematische und formale Modernisierung, z. B. durch neue Themen wie Natur und Landschaft. Bala Pustaha, der koloniale Verlag, förderte den „Export“ der Literatur, scheute aber auch vor Zensur nicht zurück.

Der javanische Prinz Noto Soeroto (1888–1951), der in Holland studiert hatte, schrieb in niederländischer Sprache ebenso wie Chairil Anwar (1922–1949), der bis zu seinem frühen Tod über 70 Gedichte und einige andere Werke verfasste und dabei westlich-existenzialistische ebenso wie japanische und chinesische Einflüsse verarbeitete. Auch Sutan Sjahrir und Raden Ajeng Kartini schrieben in niederländischer Sprache. Einige dieser Arbeiten wurden ins Englische und in andere Sprachen übersetzt. Anwar übersetzte wiederum Rilke ins Indonesische.

Chairil Anwar

Seit den 1920er Jahren erstarkte eine Sprachbewegung, die auf die Reform und Vereinheitlichung der Sprache des Archipels zielte. Die Diskussion um die künftige kulturelle Identität des Archipels spitzte sich in der Zeit nach 1933 bis zur Gründung des Untersuchungsausschusses zur Vorbereitung der Unabhängigkeit Indonesien unter der japanischen Okkupation im Juni 1945 zu. So stritten Japaner, Moslems und Christen um die Deutung des Werks von Chairil Anwar, der als antikolonialistischer Vorkämpfer des Einheitsstaates mit einheitlicher Sprache oder aber als Protagonist ihrer jeweiligen Religion angesehen wurde. Der Führer der Unabhängigkeitsbewegung und erste Präsident Indonesiens Sukarno befürchtete, dass bei zu massiver Dominanz des islamischen Einflusses das mehrheitlich von Nicht-Muslimen bevölkerte Bali aus dem Verbund Indonesiens austreten könne. So einigte man sich auf die Formel der fünf Prinzipien (Pancasila), wonach Indonesien zuallererst ein nationalistischer Staat mit Einheitssprache werden solle, der auf Basis der fünf großen Welt- (und Schrift-)religionen gegründet sei.

Zu der Bewegung, die die kulturelle Identitätsfrage auch in der Literatur stellte, der sog. Generation Angkatan Pujangga Baru (der 1930er), zählten der Lyriker Sanussi Pane (1905–1968), der mit seinem Bruder, dem Romanautor Armijn Pane, 1937 das erste moderne indonesische Drama verfasste; ferner Muhammad Yamin (1903–1962), Rustam Effendi und der bedeutende Lyriker Amir Hamzah (1911–1946), der - von der arabischen, persischen und Hinduliteratur beeinflusst - Liebesgedichte und andere Gedichte über existenzielle Themen sowie einige Kurzgeschichten veröffentlichte. Er schloss sich um 1930 der nationalistischen Bewegung auf Java an, gründete 1933 eine Literaturzeitschrift und heiratete später die Tochter des Sultans von Langkat in Nordsumatra. Zeitweise in japanischer Haft, wurde er 1945 zum Repräsentanten der Regierung ernannt. Kommunistische Aufständische ermordeten ihn 1946 wegen angeblicher Kooperation mit den Niederländern.

Viele der nationalistischen Aktivisten wie auch Anwar und Hamzah stammten aus Sumatra, wo ein Malaiisch gesprochen wurde, das sich vom Javanischen und Sundanesischen stark unterschied. Nicht zuletzt aufgrund dieses Einflusses wurde 1945 der malaiische Dialekt von Riau zur Staatssprache Bahasa Indonesia und damit zur Grundlage der Nationalliteratur. Es wurde damals jedoch nur von einer Minderheit der Einwohner des Archipels gesprochen, heute sind es wohl über 80 %.[8]

Die Zeit der Unabhängigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu der revolutionären Generation 45 (Angkatan '45) der Literaten, die den Befreiungskampf aktiv getragen hatte, gehörten u. a. Amir Hamzah, Chairil Anwar, Sitor Situnorang und der Angehörige des Batak-Volkes Mochtar Lubis (Mohtar Lubis), seit den 1950er Jahren der Herausgeber der Literaturzeitschrift Horison und Verfasser eines Buchs über das korrupte Jakarta (Senja di Jakarta, Twilight in Jakarta 1963), der als erster indonesischer Roman ins Englische übersetzt wurde. Diese Generation definierte sich als Erben einer Hochkultur, was in erheblichem Kontrast zum damaligen Zustand der Volksbildung und zur Entwicklung des Leseverhaltens stand.

Gegen Ende der 1950er und in den frühen 1960er Jahren spitzte sich ein gefährlicher Kulturkampf zu, in dem es um die Frage ging, ob Indonesien eine sozialistische oder liberale Demokratie anstreben solle.[9] Diese Frage wurde durch den Putsch Soehartos und die Verfolgung der Kommunisten und Sozialisten obsolet. Bisher wurde diese Phase mitsamt der Rolle der alten Eliten und der Einflussnahme des Auslands politisch noch kaum aufgearbeitet, beschäftigt jedoch die Literatur seit 1998 immer häufiger.

Die Autoren der Generation 66 (Angkatan '66-'70-an) unterstützten die Studierenden im Kampf gegen die Soeharto-Diktatur und für Menschenrechte. Dazu zählen Sitor Situmorang (1923 – 2014), Taufiq Ismail (* 1937), Goenawan Mohamad (* 1941) und der Dramatiker Putu Wijaya (* 1944) aus Bali. Die Dichterin, Psychologin, Philosophin und Feministin Toeti Heraty (* 1933) und der Lyriker Sapardi Djoko Damono (* 1940) führten die urbane Wirklichkeit der expandierenden Großstädte als Thema in die Literatur ein.

An Bekanntheit werden diese Autoren weit übertroffen von Willibrordus S. Rendra (* 1935) (kurz: Rendra), dem wohl populärsten und vielseitigsten Dichter, Schauspieler, Performer, Dramatiker, Regisseur und Übersetzer. Er orientierte sich an der griechischen Dramaturgie und den großen Dramatikern der Weltliteratur ebenso wie an der westlichen Avantgarde. Unter Soeharto wurde er verhaftet und erhielt Auftrittsverbot. Seit den 1970er Jahren wich er auf das Feld der Lyrik aus und wurde durch seine textästhetischen Innovationen bekannt. Günter Grass besuchte ihn zur Zeit des Suharto-Regimes im Armenviertel; zeitweise wurde er als Nobelpreiskandidat gehandelt.[10]

Pramoedya Ananta Toer (1925–2006) (kurz: Pram), der schon in jungen Jahren gegen die Japaner gekämpft hatte und 20 Sprachen erlernte, war unter Soeharto 14 Jahre lang – von 1965–79 – gefangengesetzt. Er, der ebenfalls mehrfach für den Literaturnobelpreis nominiert wurde, wurde neben Rendra die bekannteste Größe unter den indonesischen Autoren. Er schrieb Bukan Pasar Malam, in dem er die Enttäuschung über den neuen Staat und sein korruptes und ungerechtes Gesundheitswesen artikulierte,[11] sowie die Buru-Tetralogie über die berüchtigte Gefängnisinsel Buru sowie Lyrik, die auch ins Deutsche übersetzt wurde.[12]

Ramadhan K. H. (Ramadhan Karta Hadimadja, 1927–2006) wurde als Lyriker, Übersetzer und Filmemacher, vor allem durch seine Serie von Filmporträts indonesischer Autoren und Schauspieler, bekannt.

Der Balinese Putu Oka Sukanta (* 1939), der nach dem Putsch von 1966 10 Jahre lang im Gefängnis einsaß, verfasste Lyrik und Kurzgeschichten, von denen 1987 eine Auswahl durch das Goethe-Institut übersetzt wurde. Nach seiner Entlassung beschäftigte er sich mit traditioneller Medizin, was ihm eine erneute Verhaftung einbrachte. In den 1990er Jahren betätigte er sich auch als Dokumentarfilmer.

In den 1960er und 70er Jahren entstand auch ein modernes indonesisches Theater, dass sich mit Elementen des traditionellen (Wander-)Theaters verband. Zu den Wegbereitern des Theaters und des modernen Fernsehens in Indonesien gehörte Umar Kayam (1932 – 2002). Doch gibt es bis heute keine eigentlichen Theatergebäude, selbst in Djakarta mit seinen ca. 20. Mio. Einwohnern nicht. Gespielt wird in Sporthallen oder unter freiem Himmel.

Zur folgenden Generation der 80er (Dasawarsa '80-an) gehören Ahmad Tohari (* 1948), ein tief religiöser Romanautor (Jantera Bianglala, 1986), der für die Verbindung eines modernen toleranten Islam mit dem traditionellen Volksglauben eintritt, Dorothea Rosa Herliany (* 1963), eine Katholikin, die das konventionelle Frauenbild radikal in Frage stellt und zahlreiche Tabus brach, Agus R. Sarjono (* 1963), ein wichtiger Lyriker, Essayist und Herausgeber, der Nachdichtungen von Rilke und Goethe in indonesischer Sprache verfasste und 2002/03 als Stipendiat der Böll-Stiftung in Deutschland weilte, und der Prosaist, Lyriker und Theaterautor Afrizal Malna (* 1957). Diese Generation hatte weder die koloniale Unterdrückung noch den Befreiungskampf der Gründergeneration erlebt; für sie war es bereits selbstverständlich, sich in der indonesischen Sprache auszudrücken.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sturz Soehartos 1998 und die anschließende Demokratisierung sowie die zunehmende Nutzung digitaler Medien führten zu einer erheblichen Steigerung der Literaturproduktion durch die sog. Reformgeneration (Angkatan Reformasi). Indonesien begreift sich zwar selbst nicht als Kulturnation: Es wird wenig gelesen (wenn, dann meist von Frauen), es gibt keine staatliche Literaturförderung, kein Bibliothekswesen, keinen flächendeckenden Buchhandel außer in den Großstädten Javas und Sumatras. Literatur im engeren Sinne ist also eine Angelegenheit der Eliten in den Ballungsräumen geblieben. Doch die performative Kraft der spezifischen indonesischen Kombination von Sprache, Theater und Tanz hat eine ganz eigene Durchschlagskraft. Internet, soziale Netzwerke, sogar Mobiltelefone tragen zur Verbreitung dieser Hybridkultur bei.[13] Viele Autoren betätigen sich als Blogger, so z. B. Eka Kurniawan (* 1975).

Die Verschmelzung der Genres in der Tradition des Wayang förderte die Entwicklung von modernen Performance-Künstlern, an denen Indonesien heute sehr reich ist. Zu nennen sind hier Rahman Arge, Wawan Sofwan, Sosiawan Leak und Godi Sowarna. Die Themen werden dabei oft dem alten Fundus entnommen.

2002 fand ein erstes Lyrikfestival in Makassar, Bandung und mehreren anderen Regionen statt.[14] Als bedeutendste zeitgenössische indonesische Lyrikerin gilt immer noch Dorothea Rosa Herliany. Auch die Kurzgeschichte findet weitere Verbreitung, so durch Leila S. Chudori, Joni Ariadinata (* 1966), Linda Cristanty (* 1970) und Azhari (* 1981) aus Banda Aceh, einem Tsunami-Überlebenden des Jahres 2004.[15]

Mehr Frauen als Männer beteiligen sich heute am kulturellen und literarischen Leben: Ida Ayu Oka Rusmini (* 1967) setzt sich mit der patriarchalischen Kultur ihres Landes auseinander. Die Autorin und Filmemacherin Djenar Maesa Ayu (* 1973) wurde durch provozierende Storie und Filme bekannt. Die Musikerin und Dichterin Dewi Lestari (* 1976) verfasste eine popliterarischen Romanserie mit provozierend-exotischen Themen. Laksmi Pamuntjak (* 1971), die auch in englischer Sprache schreibt, kann als Vertreterin der literarischen Postmoderne gelten. Bekannt wurden zunächst ihre Restaurantführer. Auch trat sie als Übersetzerin und Herausgeberin der Gedichte Goenawan Mohamads in Erscheinung. Ihr jüngster eindringlicher Roman Amba (2012)[16] handelt von den Langzeitwirkungen des 1965/66 nach der Machtergreifung Suhartos verübten Massenmordes an vermutlich 500.000 als Kommunisten und Terroristen Verrufenen. Dieser blieb 50 Jahre lang ungesühnt, die Täter werden immer noch wie Helden gefeiert. Das Buch stellt das Wunschbild einer einheitlichen indonesischen Nation in Frage. Angedeutet wird auch die Herausforderung durch einen radikalen Islam. Viele Autorinnen versuchen der radikalen Propaganda gegen Frauen etwas entgegenzusetzen, z. B. durch die Veröffentlichung von populären Büchern, die den Standpunkt eines islamischen Feminismus propagieren.

Auch Leila S. Chudori setzt sich in ihrem ersten Roman Pulang mit den Nachwirkungen der Massenmorde auseinander. Als Sachbuchautorin erzielte die Journalistin Feby Indirani (* 1979) mehrere Erfolge, u. a. durch I can (not) hear.[17]

Im Ausland wird die indonesische Literatur vor allem in Malaysia, Australien und den Niederlanden wahrgenommen.

Übersetzungen ins Deutsche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ayu Utami (2005)

Einige Übersetzungen indonesischer Literatur ins Deutsche erschienen bereits in den 1960er bis 1980er-Jahren. 1999 wurde der 1992 erschienene Bestseller von Umar Kayam über die Kolonialzeit und die Entwicklung Indonesiens bis in die 1970er Jahre („Ein Hauch von Macht“) übersetzt. 2007 wurde das 1998 erschienene, äußerst erfolgreiche Werk Saman der Journalistin Ayu Utami (* 1968) ins Deutsche übertragen. Utami war unter Suharto von Publikationsverboten betroffen. Sie griff sofort nach dessen Sturz 1998 in Saman Tabuthemen wie weibliche Sexualität und die Situation von religiösen und ethnischen Minderheiten auf und gab damit den Anstoß zur feministischen Sastra Wangi-Bewegung (Duftende Literatur).[18] Ihre Arbeiten werden von vielen indonesischen Frauen gern gelesen, wenngleich sie in ihrer Themenwahl verengt und gelegentlich popliterarisch klischeebehaftet sind. Übersetzt wurden ferner u. a. Oka Rusminis Erdentanz (dt. 2007) und Andrea Hiratas Die Regenbogentruppe und Der Träumer (dt. 2013). Die beiden Bände Hiratas beschreiben die Bildungsgeschichte eines Bergarbeitersohnes aus Gantung auf dem Weg zur Oberschule.

2011 fand in Berlin ein Jakarta Berlin Arts Festival statt, bei dem sich einige indonesische Autoren vorstellten.[19]

2015 war Indonesien das Gastland der Frankfurter Buchmesse.[20]

Literaturpreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der bekannteste indonesische Literaturpreis, der seit 2001 verliehen wird, ist der Kusala Sastra Khatulistiwa in verschiedenen Kategorien. Weiterhin verleiht das Jakarta Arts Council einen Preis; daneben gibt es staatliche Preise.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ismail Marahimin: Und der Krieg ist vorbei. Aus dem Englischen von Guido Keller. Frankfurt: Angkor Verlag 2015. ISBN 978-3-943839-40-1
  • Putu Wijaya: Telegramm. Aus dem Englischen von Guido Keller. Frankfurt: Angkor Verlag 2015. ISBN 978-3-943839-41-8
  • Seno Gumira Ajidarma: Jazz, Parfüm und der Zwischenfall. Aus dem Englischen von Guido Keller. Frankfurt: Angkor Verlag 2015. ISBN 978-3-943839-42-5
  • Iwan Simatupang: Der Pilger. Aus dem Englischen von Guido Keller. Frankfurt: Angkor Verlag 2015. ISBN 978-3-943839-43-2
  • Hamsad Rangkuti: Glühwürmchen. Erzählungen. Aus dem Englischen von Guido Keller. Frankfurt: Angkor Verlag 2015. ISBN 978-3-943839-44-9

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochschulschriften
  • Helga Blazy: Das Bild des Kindes in der modernen indonesischen Literatur (= Veröffentlichungen des Seminars für Indonesische und Südseesprachen der Universität Hamburg, Band 16). Reimer, Ramburg / Berlin 1992, ISBN 3-496-00425-8 (Dissertation Universität Köln 1990, 274 Seiten, 21 cm).
Anthologie
  • Berthold Damshäuser, Ramadhan Karta Hadimaja (Hrsg.): Gebt mir Indonesien zurück! Eine Anthologie moderner indonesischer Lyrik. Übersetzt und eingeleitet von Berthold Damshäuser. Horlemann, Unklel / Bad Honnef 1994, ISBN 3-92790-589-5.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Indonesische Literatur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rainer Carle: Das Wandertheater der Toba-Batak in Nordsumatra: Schauspiel zur Wahrung kultureller Identität im nationalen indonesischen Kontext. Dramentexte, Kurzkommentare und Dokumentation. 1990. ISBN 978-3496001799
  2. Universal Lexikon: Indonesische Literatur, Zugriff 28. Juni 2015
  3. Carle 1996, S. 725.
  4. Carle 1996, S. 727.
  5. Carle 1996, S. 727.
  6. Das Niederländische und die Niederländer in der Welt: Asien. FU Berlin, Nederlands online (NEON): [1], Abruf am 23. Juni 2015
  7. Carle 1996, S. 731.
  8. Jankowski 2014, S. 145
  9. Carle 1996, S. 731.
  10. Jankowski 2014, S. 79.
  11. Katrin Bandel: Medizin und Magie in der modernen indonesischen Prosa. Books on Demand, 2004.
  12. Rendra: Weltliche Gesänge und Pamphlete. Berlin 1991.
  13. Jankowski 2014, S. 8 ff.
  14. Jankowski 2014, S. 55.
  15. Nikola Richter: Wut und Welle, Tagesspiegel, 24. April 2010, online: [2], Zugriff 22. Juni 2015
  16. Deutsch: Alle Farben Rot. Ullstein-Verlag 2015
  17. Feby Indirani auf www.goodreads.com, Zugriff 1. Juli 2015
  18. Dazu zählen auch Dewi Lestari, Fira Basuki and Djenar Maesa Ayu. Siehe Becky Lipscombe: Chick-lit becomes hip lit in Indonesia. In: BBC News, 10. September 2003 [3]
  19. http://www.jakarta-berlin.de
  20. Islands of Imagination (Memento des Originals vom 4. September 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/islandsofimagination.id, indonesische Website zur Buchmesse (englisch, indonesisch). Abgerufen am 23. August 2015.