Industriebahn Halle (Saale)

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Industriebahn Halle (Saale)
Streckenlänge: 1,21 km
Spurweite: 1000 mm (Meterspur)
Höchstgeschwindigkeit: 15 km/h
   
0,0 Industriebahnhof Halle-Turmstraße
   
Übergang zur Hafenbahn Halle
   
Lauchstädter Straße
   
Lutherplatz (nord-östliche Seite)
   
Abzweig Industriegelände 1
   
Abzweig Industriegelände 2
   
Abzweig Industriegelände 3
   
Abzweig Industriegelände 4
   
Abzweig Industriegelände 5
   
Abzweig Industriegelände 6 Straße Pfännerhöhe
   
Pfännerhöhe
   
1,2 Maschinenfabrik Halle an der Pfännerhöhe

Die Industriebahn in Halle (Saale) war eine schmalspurige Anschlussbahn zur Verbindung der im Süden der Stadt liegenden Fabriken an das Netz der regelspurigen Hafenbahn Halle.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. Februar 1895 wurde die schmalspurige Industriebahn eröffnet. Sie verband zunächst sieben Fabriken als Stichstrecke mit der regelspurigen Hafenbahn. Dazu wurde an der Kreuzung Turmstraße ein Betriebsbahnhof mit Rollbockverkehr errichtet. Die Industriebahn führte mit ihren Gleisen in sehr engen Bögen fast durch jedes Fabriktor und teilweise sogar bis in die Produktionshallen. Die Schmalspurstrecke wurde ebenso wie die Normalspurstrecke zwischen dem Thüringer Güterbahnhof und dem Sophienhafen (die Hafenbahn Halle) von der Halleschen Hafenbahn AG, die 1897 mit der Halle-Hettstedter Eisenbahn-Gesellschaft fusionierte, betrieben.

Die Länge der Industriebahn betrug 1,21 km. 1949 wurde die Strecke von der Deutschen Reichsbahn übernommen und nach der politischen Wende 1992 stillgelegt. 1980 wurden noch drei Anschlüsse bedient.

Streckenverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliger Lokschuppen der Industriebahn

Der Bahnhof Turmstraße verfügte ursprünglich über ein südlich der Hafenbahn gelegenes Empfangsgebäude, Rollbockgruben und einen Lokschuppen (nördlich der Hafenbahn). Heute sind nur noch der Lokschuppen und Reste der Rollbockanlagen vorhanden. Der Schuppen wird nach Umbauten von Gewerbebetrieben in der Turmstraße genutzt. Vom Bahnhof verlief die Strecke zunächst rechts entlang der Turmstraße in nördlicher Richtung, überquerte den Lutherplatz westlich vom Wasserturm Süd (Anschluss zum Schalthaus Turmstraße) und folgte dann weiter der Turmstraße bis zur Pfännerhöhe. Hier erreichte die Bahn auf dem Gelände der Maschinenfabrik Halle ihren Endpunkt.

Lokomotiven[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu den sonst bei Schmalspurbahnen üblichen Mittelpufferkupplungen erhielten die Hallenser Loks nur eine lange Kuppelstange. Zunächst wurden zwei 1894 bei Hagans in Erfurt hergestellte kleine zweiachsige (gekuppelte) Nassdampflokomotiven vom Lenz-Typ x eingesetzt. Sie trugen die Betriebsnummern 3x und 4x. Bei der DR trugen sie die Nummern 99 5801 und 99 5802 und wurden nach Ablauf der Kesselfristen 1966 und 1967 ausgemustert und verschrottet. Danach wurde der Betrieb mit den zwei Diesellokomotiven 100 903 und 904, ab 1973 199 003 und 004 (erste Besetzung), vom Typ LKM Ns 3 abgewickelt, die wiederum 1984 außer Betrieb gingen.

1983 wurden im RAW Halle zwei Rangier-Diesellokomotiven vom Typ Kö II für den Meterspurbetrieb umgebaut und ab 1984 bis zur Stilllegung auf der Industriebahn eingesetzt. Die Lokomotiven bekamen die Nummer 199 003 und 199 004 (zweite Besetzung); die beiden vorherigen Maschinen erhielten noch bis zur Ausmusterung die Nummern 199 991 und 992.

Rollböcke/Rollwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich wurden nur Rollböcke zum Transport der Normalspurwagen eingesetzt. Als Ersatz für die Rollböcke wurde ab 1985 der Transport auf Rollwagen eingeführt. Dazu wurde eine Rollbockgrube zu einer kombinierten Rollbock-/Rollwagengrube umgebaut. Reste davon finden sich noch am ehemaligen Bahnhof Turmstraße. Es ließen sich allerdings nicht alle Anschlüsse so bedienen, weshalb der Rollbockbetrieb bis zum Betriebsende weiterhin parallel durchgeführt wurde. Die neun Rollwagen wurden 1985 über die Friedrich Krupp AG von der Hohenlimburger Kleinbahn aus der damaligen BRD beschafft.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Kieper, Reiner Preuß: Schmalspurbahnarchiv. transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1980.
(alternativer Titel: Schmalspur zwischen Ostsee und Erzgebirge. Alba Buchverlag, Düsseldorf 1980, ISBN 3-87094-069-7.)
  • Hartmut Stange: Eisenbahnen in Halle (Saale) 1979–1981. Selbstverlag Hartmut Stange, Radebeul 2014, ISBN 978-3-00-045072-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dietmar Franz: Die meterspurigen Rollwagen der Deutschen Reichsbahn der DDR. In: Die Museums-Eisenbahn. Nr. 4/1997, ISSN 0936-4609, S. 31.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]