Industrieschule

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Industrieschulen wurden 1779 in Böhmen von Bischof Ferdinand Kindermann von Schulstein gegründet, weitere entstanden in den folgenden Jahren in Deutschland (Rudolf Steiner, Friedrich Adolf Sauer), Österreich und vereinzelt in der Schweiz. Dort sollten v. a. Kinder aus der Unterschicht zur Arbeit erzogen und ausgebildet werden, damit sie später für das Erwerbsleben in der sich entfaltenden Industriegesellschaft gerüstet waren:

  • Buben lernten Spinnen, Gartenbau oder Baumpflege,
  • Mädchen Stricken, Nähen, Häkeln oder Flicken und Kochen.

Schulsystem[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnlich den Philanthropen Ludwig Gerhard Wagemann (1746–1804)[1] und Heinrich Philipp Sextro legte auch Johann Heinrich Pestalozzi Wert auf die Verbindung von manueller Arbeit mit schulischer Erziehung und Wissensvermittlung. "Industriepädagogen", zu denen auch Philipp Emanuel von Fellenberg gehörte, setzten auf unablässige Tätigkeit, damit Müßiggang und Laster verhindert und die Armen "veredelt" würden. Zur Ausbildung von Lehrern für die Industrieschulen wurde 1811 in Würzburg eine Zentralindustrieschule[2] eingerichtet.

Kritik an Industrieschulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Industrieschulen setzten sich nicht durch, weil die Anstalten als Einrichtungen zur Förderung der Kinderarbeit und sozialer Ausbeutung in Verruf gerieten. Später ging dieses Schulsystem in anderen Schulsystemen auf.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfram Hauer: Lokale Schulentwicklung und städtische Lebenswelt: Das Schulwesen in Tübingen von seinen Anfängen im Spätmittelalter bis 1806. Steiner, Stuttgart 2003, ISBN 3-515-07777-4.
  • Wolfgang Marquardt: Geschichte und Strukturanalyse der Industrieschule. Arbeitserziehung, Industrieunterricht, Kinderarbeit in niederen Schulen (ca. 1770 - 1850/1870). Diss. phil. TU Hannover 1975 (nicht im Handel; bei Dt. Nationalbibliothek Standort Ffm. vorhanden; Standardwerk)
  • Markus Meumann: Findelkinder, Waisenhäuser, Kindsmord in der Frühen Neuzeit. Unversorgte Kinder in der frühneuzeitlichen Gesellschaft. Reihe: Ancien Regime, Aufklärung und Revolution, 29. Oldenbourg Wissenschaft, München 1994 ISBN 3486560999
  • Jürgen Schallmann: Arme und Armut in Göttingen 1860 - 1914. Studien zur Geschichte der Stadt Göttingen, 25. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014 ISBN 3525854277

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. in: Göttingisches Magazin für Indüstrie und Armenpflege. Hg. L. G. Wagemann. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen Nr. 1.1788/89 bis 6.1803,1 = 21 Nummern. Mikrofiche Olms, Hildesheim 1997-1997; Reprint: Topos, Vaduz 1982
  2. Thomas Tippach: Würzburg – Aspekte der Zentralität. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2 (I: Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs. 2001, ISBN 3-8062-1465-4; II: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. 2004, ISBN 3-8062-1477-8; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9), Theiss, Stuttgart 2001–2007, Band III (2007), S. 369–393 und 1296–1298, hier: S. 372.