Indymedia

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Indymedia oder auch Independent Media Center (IMC) (Unabhängiges Medienzentrum) ist ein globales Non-Profit-Netzwerk von Medienaktivisten und Journalisten im Internet, das sich als Teil des Graswurzel-Journalismus sieht. Indymedia ist aus den globalisierungskritischen Bewegungen hervorgegangen und im Spektrum der neuen sozialen Bewegungen beheimatet.

Im deutschsprachigen Raum gibt es seit 2001 Indymedia Deutschland, Indymedia Schweiz und seit August 2008 Indymedia Linksunten. Die österreichische Plattform wurde im Juli 2012 eingestellt. Im August 2017 wurde Indymedia Linksunten in Deutschland verboten. Verbindungen zum Linksextremismus wurden sowohl bei Indymedia Deutschland als auch Indymedia Linksunten seit längerem gesehen.

Entstehung und Zielsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Indy-Center in Edinburgh während des G8-Gipfels im Juli 2005. Bei Großereignissen werden solche Medienzentren aufgebaut, die für alle Interessierten offen sind.

Das aus heterogenen Gruppen bestehende Netzwerk betreibt nicht-kommerzielle Berichterstattung und versteht sich als Teil einer antikapitalistischen Bewegung. Den Grundstein für dieses Netzwerk legten Hacker und Journalisten Ende November 1999 durch die Berichterstattung über die Proteste anlässlich der Ministerkonferenz der Wirtschafts- und Handelsminister der WTO in Seattle 1999.[1] Ziel ist kein objektiver Nachrichtenjournalismus, sondern eine subjektive Berichterstattung.[2] Indymedia sieht sich als Plattform, die bestehende alternative Medienprojekte vernetzen will.

Ursprünglich wurden viele Artikel unter der Open Content Licence veröffentlicht. Seit 2004 können die Autoren zwischen verschiedenen Creative-Commons-Lizenzen wählen oder die Beiträge als Public Domain freigeben. Das Logo ist nur für die nichtkommerzielle Verwendung lizenziert.

Indymedia steht gemäß eigener Grundsätze jedermann zur freien Verbreitung von Informationen zur Verfügung:

„Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt.“

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte 2001 existierten etwa 50 administrativ und redaktionell unabhängige indymedia-Ausgaben, darunter die deutsche[3], Ende 2002 rund 100 lokale Independent Media Center in 31 Ländern auf sechs Kontinenten. Anfang 2005 waren es 165 lokale Projekte sowie verschiedene globale Schwerpunktseiten z. B. zur Koordination von Übersetzungen, zu den Themen Ökologie oder Biotech oder zu Indymedia-Radio-Projekten, TV- und Videoprojekten, Zeitungsprojekten und zu Technik- und Netzwerkprozessen.

Das Land mit den meisten IMCs sind die Vereinigten Staaten von Amerika mit 60, gefolgt von Kanada mit zwölf. Während in den USA die IMCs lokal organisiert sind, gründeten sich in Europa und Lateinamerika zunächst landesweite Indymedia-Netzwerke. Die einzelnen Gruppen finanzieren sich selbstständig, und zwar vorwiegend aus Spenden. Das Mitwirken an Indymedia ist dabei unentgeltlich.

Im deutschsprachigen Raum gibt es seit 2001 indymedia Deutschland, indymedia Schweiz und seit August 2008 indymedia linksunten. Von 2001 bis 2012 reduzierte sich das deutsche Kernteam von 100 auf 15 Personen.[4] Die österreichische Plattform wurde im Juli 2012 stillgelegt.[4] Indymedia linksunten wurde im August 2017 vom deutschen Bundesinnenministerium verboten.[5]

Spektrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Indymedia Cuiabá im freien Radio SBPC, 2004. Mato Grosso Universität, Cuiaba, Brasilien

Die IMCs betreiben sowohl Print- als auch Audio- und Videojournalismus, sind aber überwiegend durch ihre internetbasierten Nachrichten bekannt geworden: Die Internetseiten werden nach dem Open-Publishing-System erstellt, was bedeutet, dass dort jeder Informationen veröffentlichen kann.

Dadurch entspricht ein Teil der Veröffentlichungen nicht journalistischen Standards, Berichte sind subjektiv gefärbt, in Umgangssprache verfasst und spiegeln auch interne Grabenkämpfe wider. Bei einigen Indymedia-Seiten ist es üblich, dass Artikel zunächst auf einer „Openposting-Seite“ erscheinen und dann, wenn sie den Kriterien entsprechen, auf die Startseite gestellt werden. Kriterium ist bei den meisten Seiten: Der Artikel sollte ein selbstverfasster Bericht sein.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im deutschsprachigen Raum nutzten autonome Gruppierungen insbesondere Indymedia Linksunten auch zur Veröffentlichung von Bekennerschreiben, so zum Beispiel nach den Brandanschlägen auf Berliner Bahnanlagen 2011[6] und Sachbeschädigungen an der Bundeszentrale der SPD 2013[7] sowie der Hamburger Messe im Vorfeld des G20-Gipfel in Hamburg 2017.[8] Auch Anleitungen zum Bau von Molotowcocktails, Beleidigungen und Aufrufe zu Straftaten wurden dort veröffentlicht.[9] Letztere nach Einschätzung des Bundesinnenminsteriums „nahezu täglich“. Artikel enthielten außerdem Drohungen gegen Personen des öffentlichen Lebens, so 2016 gegen den damaligen Berliner Innenminister Frank Henkel (CDU).[10] Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes habe die Moderation „in aller Regel, trotz Kenntnisnahme auch offensichtlich strafrechtlich relevanter Beiträge, keinen Gebrauch von der Möglichkeit gemacht, diese Beiträge von der Website zu entfernen“.[11]

Griechenland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die linksextremistische Terrororganisation[12][13][14][15] Verschwörung der Feuerzellen veröffentlichte 2011 bei Indymedia Griechenland ihre Bekennerschreiben nach Sprengstoffanschlägen und nach dem Verschicken von Paketbomben.[16][17]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antisemitismusvorwürfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2002 wurde die Schweizer Indymedia-Sektion von der Aktion Kinder des Holocaust des Antisemitismus beschuldigt, als dort ein Cartoon von Carlos Latuff veröffentlicht wurde, der einen jüdischen Jungen im Warschauer Ghetto zeigte, der sagte „Ich bin ein Palästinenser“.[18] Im gleichen Jahr kritisierte Naomi Klein Indymedia für die Verbreitung von Verschwörungstheorien über Juden wie eine behauptete Beteiligung an den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und die Veröffentlichung von Auszügen des auf Fälschungen beruhenden antisemitischen Pamphlets Protokolle der Weisen von Zion.[19]

Veröffentlichung von AfD-Parteikongressteilnehmern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Mai 2016 wurde auf Indymedia Linksunten die Namen und Kontaktdaten von 2000 Teilnehmern des Stuttgarter Landesparteitages der Alternative für Deutschland veröffentlicht. Bereits zuvor wurden 3000 Namen vom Bremer Parteitag 2015 veröffentlicht.[20] Die AfD kritisierte die Veröffentlichung von 2016 scharf. Auch in den Kommentaren wurde die Veröffentlichung kontrovers diskutiert.[21]

Konflikte mit staatlichen Organen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Italien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Proteste beim G8-Gipfel in Genua 2001 wurde neben einer Schlafunterkunft für Aktivisten das IMC von Polizeieinheiten durchsucht[22] und die Pressearbeit behindert.[23] Ein RAI-3-Bericht dokumentierte die Aussagen von Augenzeugen. Demzufolge „stürmte die Polizei um Mitternacht zwei Schulgebäude in der Via Battisti, wo Mitglieder der GSF und ihre Pressestellen und auch die unabhängige Medienplattform Indymedia untergebracht waren. Den Anwälten der GSF [Genoa Social Forum], Parlamentariern und Journalisten wird der Eintritt verweigert. Mehr als fünfzig Verletzte sollen aus der Schule herausgebracht worden sein. Nach Meinung eines Anwaltes der GSF sei die Polizei auf der Suche nach Dokumentationsmaterial und äußerst nervös und gewalttätig. Sämtliche Tonbänder von Indymedia sollen konfisziert worden sein.“[24] In Italien wird Indymedia von der Alleanza Nazionale als „Terroristen-Netzwerk“ bezeichnet.

Argentinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 2002 und 2003 wurden fünf Indymedia-Journalisten von Polizisten mit Gummigeschossen oder durch andere Misshandlungen schwer verletzt, als sie über diverse Proteste berichteten.[25]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim G8-Gipfel in Évian-les-Bains 2003 stürmten Polizisten nach Angaben der Protestler das Kulturzentrum L’Usine in Genf, in dem ein Indymedia-Zentrum untergebracht war. 30 internationale Journalisten sollen eine Stunde lang festgehalten und durchsucht worden sein.[26][27] Der Indymedia-Journalist Guy Smallman wurde 2003 bei der Berichterstattung über den G8-Gipfel in Evian bei seiner Arbeit in Genf durch eine Schockgranate der Polizei am linken Bein schwer verletzt.[26][27][28]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. Oktober 2004 beschlagnahmte das FBI auf Drängen italienischer und Schweizer Behörden vorübergehend Server von Indymedia. Der amerikanische Host-Provider Rackspace mit Hauptsitz in Texas wurde durch Anordnung eines US-Gerichts dazu aufgefordert, die Server an die US-Behörden zu übergeben.[29] Indymedia wurde von dem Vorgehen überrascht, 20 ihrer Websites waren nicht mehr erreichbar. Auf Anfrage teilte der Provider Rackspace Indymedia mit, dass er diese nicht über die Anordnung informieren durfte. Zum damaligen Zeitpunkt hatten Schweizer und italienische Behörden das Netzwerk unter Terrorismus-Verdacht. Vor dem G8-Gipfel in Gleneagles 2005 wurden erneut Festplatten eines Indymedia-Servers beschlagnahmt.

Mexiko[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Indymedia berichtete im Jahr 2006 während des Konfliktes im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca regelmäßig über die Protestaktionen der in der APPO zusammengeschlossenen Gruppen. Dort wurde nach Angaben der Tagesschau und Amnesty International der Reporter Brad Will absichtlich durch einen Polizisten erschossen.[30]

Griechenland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2009 drohte der griechische Internetprovider OTE der Universität Athen mit der Abschaltung der Hochgeschwindigkeitsanschlüsse, sollte die Universität Indymedia Athen weiterhin am Netz lassen.[31]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2008 entstand die Subdomain linksunten.indymedia.org als regionales Portal für Süddeutschland und erhöhte die Reichweite stetig auf die gesamte Bundesrepublik. Eine Vereinigung linksunten.indymedia wurde als Betreiber identifiziert und vom Bundesministerium des Innern mit Verfügung vom 14. August 2017 verboten.[32] Auch ist es verboten, Inhalte unter der Subdomain, der zugehörigen .onion-Adresse fhcnogcfx4zcq2e7.onion im Tor-Netzwerk und auf dem Twitter-Account @indy_linksunten zu verbreiten.[32] Es ist weiterhin verboten, Kennzeichen des Vereins linksunten.indymedia für die Dauer der Vollziehbarkeit des Verbots öffentlich, in einer Versammlung oder in Schriften, Ton- und Bildträgern, Abbildungen oder Darstellungen, die verbreitet werden oder zur Verbreitung bestimmt sind, zu verwenden.[32] Sämtliche E-Mail-Adressen des Vereins, insbesondere linksunten@indymedia.org, seien abzuschalten.[32] Das Verbot wurde am 25. August im Bundesanzeiger veröffentlicht und somit wirksam.[32]

In der Begründung hieß es, die Seite laufe den Strafgesetzen zuwider und richte sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung.[33] Am selben Tag erklärte Innenminister Thomas de Maizière, dass sich die Sperrung beziehungsweise das Vereinsverbot gegen den Verein richte, nicht jedoch gegen Indymedia.[34] Der Server, auf dem die Website betrieben wird, stand zum Zeitpunkt des Vereinsverbotes in Frankreich.[35] Ziele dieser Maßnahmen seien unter anderem gewesen, die Betreiberstruktur aufzuklären, den Verein zu zerschlagen, das Vereinsvermögen zu beschlagnahmen und das dauerhafte Abschalten zu erwirken. Es ist das erste Verbot einer linksextremistischen Vereinigung durch einen Bundesinnenminister.[36] Die Subdomain ist jedoch weiterhin erreichbar und setzt auf den Streisand-Effekt.[37]

Polizeikräfte aus Baden-Württemberg hatten zuvor gegen 5:30 Uhr mehrere Liegenschaften durchsucht. Entgegen einer vielzitierten ersten Falschdarstellung des Bundesinnenministers wurden bei den Betreibern keine Waffen gefunden. Als Waffen benutzbare Gegenstände wurden in Räumlichkeiten gefunden, die nicht dem Verein zugeordnet werden konnten.[38][39] Es wurden elektronische Geräte beschlagnahmt. Verhaftungen gab es keine. Wegen der Maßnahmen zum Schutz der Anonymität der Verfasser von Beiträgen sei bis zum Vereinsverbot keine Strafverfolgung möglich gewesen. Unter dem Schutz der Anonymität konnten auf der von der linksradikalen Szene genutzten Plattform Texte veröffentlicht werden, in denen über Demonstrationen berichtet, politische oder soziale Ereignisse kommentiert und zu Aktionen und Demonstrationen aufgerufen wurde. Auch Aufrufe zu Straftaten und Bekennerschreiben konnten anonym eingestellt werden.[40][33][35]

Das Verbot durch Innenminister Thomas de Maizière stieß auf geteiltes Echo. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sprach von einem „wichtigen Schlag gegen gewaltbereite Linksextremisten“.[41] Die innenpolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion Irene Mihalic stellte fest, dass es nötig sein werde, „genau zu prüfen, ob die hohen rechtlichen Voraussetzungen für ein Vereinsverbot im Fall von linksunten.indymedia tatsächlich vorliegen.“[42] Es gab Kommentare, welche die Nähe der Verbotsaktion zu der Bundestagswahl 2017 erwähnten.[43]

Reporter ohne Grenzen, ein NGO, das sich weltweit für Pressefreiheit und gegen Zensur einsetzt, kritisierte die Aktion des Bundesinnenministers als „rechtsstaatlich gefährliche Entwicklung“. Weiter hieß es, dass die Pressefreiheit auch für „unbequeme, ja selbst für schwer erträgliche Veröffentlichungen“ gelte und dass es weniger einschneidende Rechtsmittel gäbe, um gegen strafbare Inhalte vorzugehen.[44] Markus Reuter von netzpolitik.org sagte im Deutschlandfunk, dass man „die Seite nicht auf Gewaltaufrufe reduzieren“ könne.[45] Ebenfalls dort kommentierte Stefan Koldehoff, dass Grenzen zwischen politischer Diskussion und Aktion einerseits und Bereitschaft und Aufruf zur Gewalt nicht verschwimmen dürften und es auch im Internet keine rechtsfreien Räume geben dürfe.[46] Der Hamburger Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Jan Reinecke, bezweifelt den Sinn des Verbots. Die Plattform sei für Ermittler auch polizeitaktisch wichtig gewesen, „um die Szene, ihre Pläne und Bekennerschreiben zu beobachten“, so Reinecke.[41] In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kommentierte Reinhard Müller: „Diejenigen, die gegen die Herrschaft der Mächtigen auf die Straße gehen, sollten das Verbot der Internetseite ‚linksunten.indymedia‘ begrüßen. Es sichert die Freiheit der Friedfertigen und Schwachen.“[47] Die Duldung rechtsstaatszersetzender Angriffe auf linksunten.indymedia würden Meinungs- und Versammlungsfreiheit gefährden.

Einschätzung durch Verfassungsschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2006 veröffentlichte die Los Angeles Times, dass austin.indymedia zusammen mit einer Organisation, die Essen für Obdachlose sammelt, auf einer Liste Anarchism des Texas-Büros des FBI auftauche. Darauf stünden anarchistische oder globalisierungskritische Gruppen, die potentiell eine Nähe zu Gewalt haben könnten. Neben dem Namen indymedia stand laut dem Zeitungsbericht ein Fragezeichen, die Herausgabe oder offizielle Bestätigung über die Veranstaltung hinaus wurden vom präsentierenden FBI-Beamten verweigert.[48]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut dem Verfassungsschutzbericht 2004 des Landes Nordrhein-Westfalen hat das aus der Anti-Globalisierungsbewegung entstandene Netzwerk Indymedia einen dominierenden Anteil daran, der in den herkömmlichen Medien vermissten linken Gegenposition Raum zu geben. Es wolle neben der linksextremistischen Szene auch ein bürgerliches Spektrum ansprechen. Das Internetportal sei „eine der wichtigsten Internet-Informationsseiten der linksextremistischen Szene“.[49] Das Innenministerium Nordrhein-Westfalens stellte 2007 fest, „Indymedia richtet sich vor allem an linksalternative und linksextremistische Nutzer und Konsumenten und versteht sich als frei zugängliches Nachrichtenmedium, das eine Gegenöffentlichkeit zu den kommerziellen Medien schaffen will.“ Zusammen mit anderen Internetportalen werde auch Indymedia „als Vernetzungs-, Agitations- und Mobilisierungsmedium für linksextremistische Inhalte“ benutzt.[50] de.indymedia.org wurde vom Bundesamt für Verfassungsschutz 2011 als ein „von Linksextremisten verstärkt genutzte[s] Internetportal“ bezeichnet.[51]

linksunten.indymedia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen bezeichnete linksunten.indymedia 2013 als „linksextremes Internetportal“.[52] Der Verfassungsschutzbericht 2016 führt an: „Bei ‚linksunten.indymedia‘ handelt es sich um das inzwischen wichtigste Medium des gewaltorientierten Linksextremismus. Seit Jahren bietet es ein Forum für weitgehend distanzlose Berichte über linksextremistische Agitation und Straftaten. Zudem werden auf ‚linksunten.indymedia‘ immer wieder tatsächliche oder vermeintliche Rechtsextremisten ‚geoutet‘. Im Nachgang hat dies oft Straftaten zu deren Nachteil zur Folge.“[53]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Indymedia Austria“ stellte laut des Verfassungsschutzberichts 2005 des österreichischen Innenministeriums eine der „bekanntesten und am häufigsten genutzten Internetplattformen des linksextremen Spektrums in Österreich dar“.[54]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Indymedia Deutschland wurde 2002 für den Förderpreis Medienkompetenz des Grimme-Instituts nominiert[55] und erhielt einen Preis der Rosa-Luxemburg-Stiftung.[56] Weiter wurde Indymedia.de 2002 von der Jury des poldi-Awards zur „besten Online-Initiative im Bereich ‚Wissenschaft, Bildung und Kultur‘“ gekürt,[57] was damit begründet wurde, dass es sich bei der Seite um eine „vorbildliche Online-Initiative“ handle, die den „emanzipatorischen Umgang mit Informationen und Medien“ fördere.[58]

Mexiko[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem 2006 Indymedia-Reporter Brad Will in Oaxaca, Mexiko durch Beamte der Stadt erschossen wurde, wurde Indymedia vom mexikanischen Journalistenverband und der Antonio Sáenz de Miera Foundation für die „cooperation without orders“ ausgezeichnet.[59]

Brasilien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2008 wurden IMC und Brad Will mit der Medalha Chico Mendes de Resistência (Chico Mendes-Widerstandsmedaille) der brasilianischen Menschenrechtsorganisation Tortura Nunca Mais (Folter, nie wieder) für ihren Beitrag für Menschenrechte und eine gerechtere Gesellschaft ausgezeichnet.[60][61]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Indymedia – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Seattle protests seen through other eyes. In: CNN, 2. Dezember 1999
  2. Indymedia.de, die Internetseite für Aktivisten, will vernetzen. In: Der Freitag, 20. April 2001
  3. APO-Online: Die Opposition formiert sich neu im Netz. In: Heise/Telepolis, 16. März 2001
  4. a b Indymedia steht vor dem Aus. Vom modernen Netz überholt. In: TAZ, 30. November 2012
  5. "Linksunten.indymedia": Innenministerium verbietet linksextreme Plattform, Spiegel Online, 25. August 2017
  6. Anna Reimann: Brandsätze in Berlin – Linke Szene spottet über Bekennerschreiben. In: Spiegel Online, 11. Oktober 2011
  7. S. Heiser: Autonome warfen Steine auf die SPD-Zentrale.
  8. Mona Jaeger und Markus Wehner: „Irgendwann wird zurückgeschossen“. In: FAZ.net. 25. August 2017, abgerufen am 30. August 2017.
  9. Jörg Diehl: "linksunten.indymedia": Innenministerium verbietet linksextreme Plattform. In: Spiegel Online. Abgerufen am 25. August 2017.
  10. Die Zeit: Lauter, radikaler, kompromissloser, 26.08.2017
  11. Die Zeit, Lauter, radikaler, kompromissloser, 26.08.2017
  12. Schlag gegen griechische Terrorgruppen.
  13. Linksextremismus: Terror-Prozess in Griechenland beginnt mit Eklat - WELT.
  14. „Feuerzellen“ haben Briefbomben verschickt. 25. November 2010.
  15. STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H.: Linksextremisten bekannten sich zu Briefbomben.
  16. http://www.stern.de/news2/aktuell/anarchistische-gruppe-bekennt-sich-zu-anschlag-vor-gericht-in-athen-1640417.html
  17. http://www.stern.de/news2/aktuell/linksextremistische-griechische-gruppe-bekennt-sich-zu-paketbomben-1626935.html
  18. Alex Schärer: Linke und Antisemitismus: Der Indymedia-Streit – Aufpassen, was im Kübel landet. In: Die Wochenzeitung, 4. April 2002
  19. Naomi Klein: 'Sharon, Le Pen, and Anti-Semitism'. Abgerufen am 11. Januar 2013.
  20. Parteitag: AfD beschließt Anti-Islam-Programm. In: Frankfurter Rundschau. 12. Oktober 2015, abgerufen am 1. Mai 2016.
  21. Stuttgart: Teilnehmerliste von AfD-Parteitag im Netz veröffentlicht. In: Spiegel Online. 1. Mai 2016, abgerufen am 1. Mai 2016.
  22. Genua nach dem G-8 Gipfel. In: fm4v2.orf.at. Abgerufen am 17. August 2016.
  23. Peter Nowak: Angriff auf unbequeme Journalisten in Genua. In: Heise online, 23. Juli 2001
  24. Nachlese: Blutige Polizei-Razzia im Pressebüro des Genoa Social Forum. In: Der Standard, 21. Juli 2006
  25. Argentinien. Journalisten. Presseakkreditierung – Die falschen Empfehlungen? Drohungen, Attacken und Einschüchterungen gegen Mitglieder der Presse. In: Amnesty International, Juni 2004 (PDF; 232 kB)
  26. a b Gipfelbelagerung. In: heise.de, 2. Juni 2003
  27. a b Millionenschäden nach Krawallen in Genf. In: archiv.rhein-zeitung.de
  28. Photographer injured by riot police in Geneva. Archiviert vom Original am 25. September 2006., NUJ report, June 2, 2003, Retrieved August 25, 2007Vorlage:Toter Link/!...nourl (Seite nicht mehr abrufbar)
  29. https://www.heise.de/tp/features/Im-internationalen-rechtlichen-Niemandsland-3437029.html
  30. Urgent Action Nr. UA-227/2006-3. In: Amnesty International
  31. Florian Rötzer: TU Athen droht wegen Indymedia Abschaltung der Internetzugänge. In: Heise online, 9. Juli 2009
  32. a b c d e BAnz AT 25.08.2017 B1 und Text als Pressemitteilung
  33. a b Jörg Diehl: Innenministerium verbietet linksextreme Plattform. In: Spiegel Online. 25. August 2017, abgerufen am 25. August 2017.
  34. Vereinsverbot und Sperrung von linksunten.indymedia. In: LandesPressePortal Berlin. 25. August 2017, abgerufen am 25. August 2017.
  35. a b De Maizières Schlag gegen die linksextreme Szene. In: Tagesspiegel.de. 25. August 2017, abgerufen am 25. August 2017.
  36. Bundesinnenminister verbietet den Verein mit der linksextremistischen Internetplattform linksunten.indymedia. In: bmi.bund.de. 25. August 2017, abgerufen am 26. August 2017.
  37. Wir sind bald wieder zurück… In: linksunten.indymedia.org. Abgerufen am 26. August 2017.
  38. Matthias Monroy: Durchsuchungen wegen Linksunten: Doch keine Waffen bei Journalisten gefunden. In: netzpolitik.org. 26. August 2017, abgerufen am 26. August 2017.
  39. Andrej Reisin: Verwirrung um Waffenfunde. In: Tagesschau.de. 27. August 2017, abgerufen am 30. August 2017.
  40. Bundesinnenministerium verbietet Internetseite. In: Deutschlandfunk.de. 25. August 2017, abgerufen am 25. August 2017.
  41. a b Medien: Bundesinnenminister verbietet linksextreme Internetplattform "linksunten.indymedia". In: Welt Online. 25. August 2017, abgerufen am 26. August 2017.
  42. Grüne kritisieren Verbotsverfahren zu "linksunten". In: all-in, allgäu online. 25. August 2017, abgerufen am 25. August 2017.
  43. Sonja Thomaser: Die Prioritäten sind linksunten. In: Frankfurter Rundschau online. 25. August 2017, abgerufen am 25. August 2017.
  44. Linksextreme Plattform: Reporter ohne Grenzen kritisieren "linksunten.indymedia"-Verbot. In: Spiegel Online. 28. August 2017, abgerufen am 28. August 2017.
  45. Anke Schaefer: "Man kann die Seite nicht auf Gewaltaufrufe reduzieren" Markus Reuter im Gespräch mit Anke Schaefer. In: Deutschlandfunk online. 25. August 2017, abgerufen am 25. August 2017.
  46. Stefan Koldehoff: Rechtsfreie Räume gibt es auch nicht im Internet. In: Deutschlandfunk online. 25. August 2017, abgerufen am 25. August 2017.
  47. Reinhard Müller: Verbot zum Schutz der Friedfertigen. In: faz.net. 25. August 2017, abgerufen am 26. August 2017.
  48. Food Not Bombs, Indymedia investigated by FBI (Memento vom 15. Februar 2012 im Internet Archive) Austin FBI Officer Says Indymedia, FNB, CP of Texas on Terrorist Watch List
  49. Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen über das Jahr 2004 (Memento vom 11. Juni 2007 im Internet Archive) (PDF; 4,9 MB), S. 151.
  50. Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen: Internet und elektronische Kommunikation (Memento vom 30. Oktober 2008 im Internet Archive) (abgerufen am 19. Mai 2007)
  51. Deutscher Verfassungsschutzbericht 2003 (PDF-Datei; 6,0 MB), S. 200
  52. Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen über das Jahr 2013, S. 229 (PDF-Datei)
  53. Verfassungsschutzbericht 2016, S. 116 (PDF-Datei)
  54. Österreichischer Verfassungsschutzbericht über das Jahr 2005. In: bmi.gv.at (PDF-Datei; 448 kB), S. 46
  55. Grimme Online Award | 2002. 28. Februar 2011, abgerufen am 25. August 2017.
  56. Ehrung für Courage der Initiative Berliner Bankenskandal Preis auch für Friedenskoordination Berlin und indymedia Deutschland, Neues Deutschland vom 16. Juni 2003, Spiegel:Ehrung für Courage der Initiative Berliner Bankenskandal Preis auch für Friedenskoordination Berlin und indymedia Deutschland auf http://wmedina.net/, abgerufen 30. Dezember 2012; Textauszug: „Im Roten Salon der Berliner Volksbühne wurde am Sonntag der diesjährige Rosa-Luxemburg-Preis der ebenfalls nach der Sozialistin benannten PDS-nahen Stiftung verliehen. Ausgezeichnet wurden die Initiative Berliner Bankenskandal, die Friedenskoordination Berlin und indymedia Deutschland.“
  57. Jurypreis für Wissenschaft, Bildung & Kultur: indymedia.de. In: politik-digital, 29. August 2002
  58. Guido Heinen: Politiker vergeben Medienpreis an linksextreme Internet-Seite. In: Die Welt, 13. September 2002
  59. Mexican journalists give recognition to Indymedia Mexico and to Brad Will. In: indymedia.org.uk, 8. Dezember 2006.
  60. CMI Brasil - CMI é homenageado pelo Grupo Tortura Nunca Mais com a medalha Chico Mendes. In: midiaindependente.org
  61. CMI Brasil - [Rio de Janeiro] Grupo Tortura Nunca Mais homenagea o CMI com a medalha Chico Mendes. In: midiaindependente.org