Informationsnetzwerk Homöopathie

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Das Informationsnetzwerk Homöopathie (INH) ist ein freier Zusammenschluss von Homöopathiekritikern.

Logo

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Informationsnetzwerk Homöopathie (INH) ist eine themenbezogene Interessenvereinigung ohne eigene Rechtspersönlichkeit, die Mitglieder und Unterstützer aus medizinischen, anderen wissenschaftlichen sowie weiteren Bereichen zusammenführt. Nach eigenen Angaben ist die Vereinigung „ein Gremium der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e. V. (GWUP)“, dennoch aber von dieser unabhängig.[1] Sachkosten werden laut dem Netzwerk aus Spenden von Privatpersonen und mit Unterstützung der GWUP und des Deutschen Konsumentenbundes getragen. Die Mitwirkenden des INH stellen demnach Arbeitszeit und Ressourcen unentgeltlich zur Verfügung. Darüber hinaus erhält das INH keine Zuwendungen.[2][3]

Das Informationsnetzwerk und seine Mitglieder verstehen sich als Teil der Skeptikerbewegung.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zusammenschluss zum INH fand anlässlich eines vom Autor und Homöopathiekritiker Norbert Aust initiierten Treffens gleich Interessierter aus Deutschland und Österreich im Januar 2016 in Freiburg statt.[5][6] Zum Gründerkreis zählten u. a. Natalie Grams (Ärztin und ehemalige Homöopathin), Rudolf Happle (Arzt, Leopoldina-Mitglied und Verfasser der Marburger Erklärung zur Homöopathie) und Christian Weymayr (Journalist und Wissenschaftsautor). Die Leitung wurde Natalie Grams übertragen. Anlässlich des Gründungstreffens wurden Anliegen und Ziele des Netzwerks in der sogenannten Freiburger Erklärung zur Homöopathie niedergelegt.[7]

Die Gründung des INH fand Beachtung in den Printmedien, regional, überregional und auch in Periodika.[8][9][10][11][12]

Ziele und Forderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Freiburger Erklärung zur Homöopathie beschreibt das INH seine Ziele wie folgt:[7]

„Ziele unserer Kritik sind nicht der heilsuchende Patient und der einzelne homöopathisch arbeitende Therapeut, sondern die aufgebaute Lehre und die Institutionen des Gesundheitswesens, welche die Widersinnigkeit der Homöopathie längst erkennen könnten, aber dennoch nicht einschreiten. Wir fordern die Akteure des wissenschaftlich begründeten Gesundheitswesens auf, sich endlich von der Homöopathie und anderen pseudomedizinischen Verfahren abzuwenden und zurückzukehren zu dem, was selbstverständlich sein sollte: Wissenschaftlich validierte, faire und allgemein nachvollziehbare Regeln für eine hochwertige Medizin, ausgerichtet am Wohlergehen der Patienten.“

Konkret fordert das Netzwerk:

  • Umfassende Aufklärung und Information der Patienten zum Thema Homöopathie, insbesondere darüber, dass homöopathische Präparate keine therapeutische Wirksamkeit über den Placebo-Effekt hinaus haben und es sich bei der Homöopathie weder um Naturheilkunde noch um Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) handelt.[10]
  • Beendigung des Binnenkonsenses und der rechtlichen Sonderstellung der Homöopathie als „besondere Therapieeinrichtung“.[13]
  • Keine Kostenübernahme homöopathischer Behandlungen durch die Krankenkassen mittels Beschränkung der Satzungsleistungen im GKV-Versorgungsgesetz.[14]
  • Abschaffung der Apothekenpflicht für Homöopathika, um deren Partizipation am seriösen Image der Institution Apotheke zu verhindern.[15]
  • Kennzeichnung der verwendeten Stoffe in Deutsch und nicht mehr in Latein (z. B. „Hundekot“ statt „Excrementum caninum“) unter Verbraucherschutzgesichtspunkten.[16]
  • Keine weiteren Aus-, Fort- und Weiterbildungen zur Homöopathie an Universitäten und Hochschulen, es sei denn, auf medizinhistorischer und methodenkritischer Grundlage.[17]
  • Stärkung der evidenzbasierten Medizin und Abgrenzung zu esoterischen Komplexen.[10]
  • Stärkung der Patientenorientierung in der Medizin.[7]

Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das INH unterhält eine Internetpräsenz mit einer Reihe von Artikeln zur Homöopathie.[18][19]
  • Das vom INH betriebene Online-Nachschlagewerk Homöopedia hat zum Ziel, kritische Informationen über die Homöopathie, deren Grundlagen und Methoden zu bieten. Die Veröffentlichungen unterliegen nach eigenen Angaben einem vorherigen Review.[8][20]
  • Das internetbasierte Projekt Susannchen braucht keine Globuli soll vor allem die Zielgruppe der Eltern mit Kindern ansprechen.[4] Im Dezember 2016 wurde dieses Projekt durch eine Plakataktion in Heidelberg, München, Hamburg und Köthen der Öffentlichkeit vorgestellt.[21]

Initiativen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im November 2016 entschied die amerikanische Wettbewerbsaufsicht (Federal Trade Commission, FTC), dass homöopathische Mittel dahingehend zu kennzeichnen sind, dass es keine wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit der Produkte gebe und dass sich die Angaben der Hersteller lediglich auf die Theorien der Homöopathie stützen, die aus dem 18. Jahrhundert datieren und von den meisten medizinischen Fachleuten nicht akzeptiert werden. Vom INH ergingen darauf eine Stellungnahme[22] sowie ein offener Brief an insgesamt 134 verantwortliche Personen und Institutionen aus Politik und Verbraucherschutz sowie die zuständigen Behörden, mit der Frage, ob für Deutschland angesichts dieser grundlegenden Entscheidung Handlungsbedarf gesehen werde.[23][24]
  • Zur Schirmherrschaft der Parlamentarischen Staatssekretärin im Gesundheitsministerium Annette Widmann-Mauz über den 72. Homöopathischen Weltärztekongress vom 14. bis 17. Juni 2017 in Leipzig haben das INH und der GWUP-Wissenschaftrat in einem gemeinsamen Offenen Brief die Staatssekretärin aufgefordert, auf die Unterstützung des Kongresses zu verzichten.[25][26]
  • In einem offenen Brief an Gesundheitsminister Jens Spahn forderte das INH 2019 eine Abschaffung „des sogenannten Binnenkonsens im Paragrafen 38 des Arzneimittelgesetzes“, welcher einen „nicht nachvollziehbaren Schutzraum für Mittel 'besonderer Therapierichtungen'“ schaffe.[27][28]
  • Das INH kritisierte 2019 in einem offenen Brief die Übernahme der Schirmherrschaft von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig über den jährlichen Kongress des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte.[29][30]
  • Im September 2019 sprach sich Gesundheitsminister Jens Spahn gegen eine Herausnahme der Homöopathie aus den Satzungsleistungen der gesetzlichen Krankenkassen aus. In einem offenen Brief an ihn kritisierte das INH unter anderem, der Minister gebe damit einer „zunehmenden Wissenschafts- und Faktenfeindlichkeit Raum“.[31]

Öffentlichkeitsarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die Mitglieder des INH sind in den Medien präsent. So kam Christian Lübbers in seiner Eigenschaft als Sprecher des INH in einem Video des Neo Magazin Royale zu Wort[32][33]. Zudem schrieb er Gastbeiträge für Die Zeit.[34][35] Norbert Aust demonstrierte in einem Beitrag von Spiegel TV die Herstellung homöopathischer Verdünnungen.[36] Auch in der Presse finden die Positionen des INH und seiner Repräsentanten Resonanz.[37][38][39][40]

Mitglieder und Unterstützer (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.netzwerk-homoeopathie.eu/ueber-uns
  2. Hanno Charisius: "Es ist Pseudomedizin". In: sueddeutsche.de. 15. Februar 2016, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  3. http://www.netzwerk-homoeopathie.eu/ueber-uns
  4. a b STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H.: Initiative warnt Eltern vor Homöopathie. In: derStandard.at. (derstandard.at [abgerufen am 2. März 2017]).
  5. Rüdiger Soldt: Den Homöopathen soll es an die Globuli gehen. In: FAZ.net. 3. Februar 2016, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  6. Homöopathiekritiker starten Informations-Netzwerk. In: Deutsche Apotheker-Zeitung. 1. Februar 2016, abgerufen am 22. August 2019.
  7. a b c Die Freiburger Erklärung zur Homöopathie. In: Informationsnetzwerk Homöopathie. Abgerufen am 14. Mai 2017.
  8. a b Edda Grabar: Homöopathie: Die Nestbeschmutzerin. In: Die Zeit. 15. Mai 2016, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 14. Mai 2017]).
  9. Rüdiger Soldt: Alternativmedizin in Kritik: Den Homöopathen soll es an die Globuli gehen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 3. Februar 2016, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 14. Mai 2017]).
  10. a b c Reject the pseudoscience of homeopathy. In: statnews.com. 26. Februar 2016, abgerufen am 14. Mai 2017.
  11. Jay: Zum sogenannten „Netzwerk Homöopathie“. In: Der Freitag. 15. Februar 2016, ISSN 0945-2095 (freitag.de [abgerufen am 2. März 2017]).
  12. WELT: Alternativmedizin: Homöopathie-Kritiker gründen Internetplattform. 5. Februar 2016 (welt.de [abgerufen am 22. August 2019]).
  13. Isabel Aulehla: Homöopathie: Kritikerin erhält Unterlassungsforderung von Globuli-Hersteller. Medical Tribune, 17. Juni 2019, abgerufen am 22. August 2019.
  14. Berliner Morgenpost- Berlin: Sollten Krankenkassen die Kosten für Homöopathie erstatten? 14. Dezember 2017, abgerufen am 22. August 2019 (deutsch).
  15. Union sagt Homöopathie den Kampf an. Frankfurter Rundschau, 6. August 2017, abgerufen am 22. August 2019.
  16. Hundekot soll Hundekot heißen. Frankfurter Rundschau, 26. Juli 2017, abgerufen am 22. August 2019.
  17. Nadja Ayoub: Absurder Streit: Homöopathie ist Unsinn, verkauft sich aber wie blöd. In: chip.de. Abgerufen am 22. August 2019.
  18. FAQ – Netzwerk Homöopathie. Abgerufen am 14. Mai 2017.
  19. Kurz erklärt – Netzwerk Homöopathie. Abgerufen am 2. März 2017.
  20. „Initiative geht online: Neue Portale informieren kritisch über Homöopathie“. In: DAZ.online. 5. April 2016 (deutsche-apotheker-zeitung.de [abgerufen am 27. Mai 2017]).
  21. Informationsnetzwerk Homöopathie schaltet Plakat-Aktion zum Claim 'Susannchen braucht keine Globuli'. Abgerufen am 2. März 2017.
  22. Informationsnetzwerk Homöopathie: Stellungnahme des INH zu den Entwicklungen in den USA und den Anforderungen der FTC. (netzwerk-homoeopathie.eu [abgerufen am 14. Mai 2017]).
  23. Informationsnetzwerk Homöopathie: „Wirkt nicht-Warnhinweise“ auf Homöopathika? Eine Frage an die Politik in Deutschland. (netzwerk-homoeopathie.eu [abgerufen am 14. Mai 2017]).
  24. Erstes Update – Reaktionen auf unsere Briefaktion zur Kennzeichnungspflicht von Homöopathika | Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie. Abgerufen am 14. Mai 2017.
  25. Informationsnetzwerk Homöopathie: Offener Brief an das BMG wegen Schirmherrschaft über Welt-Ärzte-Homöopathie-Kongress – ein Tabubruch. (netzwerk-homoeopathie.eu [abgerufen am 14. Mai 2017]).
  26. Informationsnetzwerk Homöopathie: Parl. Staatssekretärin Widmann-Mauz antwortet auf unseren offenen Brief. (netzwerk-homoeopathie.eu [abgerufen am 14. Mai 2017]).
  27. Offener Brief des INH an den Bundesminister für Gesundheit zum Binnenkonsens des AMG. In: Informationsnetzwerk Homöopathie. 14. Juni 2019, abgerufen am 15. Juni 2019 (deutsch).
  28. Wider den Binnenkonsens: Streit um Homöopathie wird schärfer. In: Medscape. Abgerufen am 22. August 2019.
  29. Udo Endruscheit: Offener Brief des INH an die Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern als Schirmherrin und zum Grußwort für den Homöopathie-Kongress Stralsund 2019. Abgerufen am 28. Mai 2019 (deutsch).
  30. Manuela Schwesig in der Kritik – weil sie Schirmherrin für einen Homöopathen-Kongress ist. 10. Mai 2019, abgerufen am 28. Mai 2019.
  31. Christian Kreil: 20 Millionen Euro für Homöopathie: Deutschland fördert den Schwindel weiter. In: DerStandard.at. Abgerufen am 3. Oktober 2019 (österreichisches Deutsch).
  32. „Nicht über den Placebo-Effekt hinaus“? In: pharma-relations.de. Abgerufen am 22. August 2019.
  33. Homöopathie wirkt* | NEO MAGAZIN ROYALE mit Jan Böhmermann - ZDFneo. Abgerufen am 22. August 2019.
  34. Christian Lübbers: Homöopathie: Globukalypse now! In: Die Zeit. 14. November 2019, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 16. November 2019]).
  35. Christian Lübbers: Alternativmedizin: Wem nützt Homöopathie? In: Die Zeit. 28. September 2019, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 16. November 2019]).
  36. Die Homöopathie-Lüge: Wenn Globuli gefährlich werden - SPIEGEL ONLINE - Video. In: Spiegel Online. 7. November 2018 (spiegel.de [abgerufen am 22. August 2019]).
  37. Lena Henning: Was sind eigentlich Paderborner Pupsglobuli? Neue Westfälische, abgerufen am 22. August 2019.
  38. Nina Weber: Homöopathie-Berichterstattung: "Aus meiner Sicht ist das Pharmawerbung". In: Spiegel Online. 6. Dezember 2016 (spiegel.de [abgerufen am 22. August 2019]).
  39. Wirkungslos, aber bezahlt?: Die Krankenkassen streiten um die Homöopathie. Handelsblatt, abgerufen am 22. August 2019.
  40. Alternativmedizin: Russland lehnt Homöopathie als Pseudowissenschaft ab. In: Spiegel Online. 6. Februar 2017 (spiegel.de [abgerufen am 22. August 2019]).
  41. Unsere Unterstützer. In: Informationsnetzwerk Homöopathie. Abgerufen am 22. August 2019 (deutsch).