Inge Bell

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Inge Bell bei der Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin 2019

Inge Bell (* 28. August 1967 in Kronstadt, Rumänien) ist eine deutsche Menschenrechtsaktivistin, Unternehmerin und zweite Vorsitzende der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes[1] und der bayrischen Vertretung der Hilfsorganisation Solwodi.[2]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inge Bell verbrachte ihre frühe Kindheit in Schäßburg; nach der Flucht ihrer Familie nach Deutschland wuchs sie ab 1971 in München auf. Sie studierte Sprach- und Literaturwissenschaft.

Von 1997 bis 2010 arbeitete sie für die ARD. Im Auftrag des NDR drehte sie für den Weltspiegel von 2000 bis 2003 eine mehrteilige Reportage über ein bulgarisches Heim für behinderte Mädchen und Frauen. Die erste Reportage daraus wurde im April 2000 im ARD-Weltspiegel unter dem Titel Verbannt, vergessen, abgeschoben – Die Mädchen von Malko Scharkovo gesendet.[3]

Diese Ausstrahlung veranlasste den Landesdirektor des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) Ferdinand Esser zum ersten Auslandsengagement des LVR in seiner Geschichte, das zur Gründung des Vereins zur Förderung von Einrichtungen für Behinderte im Ausland e. V.[4] führte, der seitdem das Heim mit Geld- und Sachspenden unterstützt. Der zweite Teil von Inge Bells Reportage, Bulgarien: Das Behindertenheim am Ende Europas, wurde im Mai 2005 im Weltspiegel ausgestrahlt.[5]

Ab 2006 begann Inge Bell, freischaffend als Medien- und Kommunikationstrainerin zu arbeiten. 2012 gründete sie eine Firma, die Videos für Kommunikationstrainings produziert.[6]

2014 kam Bell in die Geschäftsleitung von Kubon & Sagner.[7] 2016 gründete sie mit ihrem damaligen Geschäftspartner und heutigen Ehemann Stefan Baumgarth die Bell & Baumgarth GmbH als Holding. Neben der Bell Media GmbH, der Bridgehouse Bell GmbH und der Biblion Media GmbH wurde Kubon & Sagner Media GmbH eine hundertprozentige Tochter der Holding.[8] 2017 meldete die Kubon & Sagner Media GmbH Insolvenz an.[9] Inge Bell ist in verschiedenen Vereinen und Organisationen europaweit als Mitglied und Vortragsrednerin zu Zwangsprostitution und Menschenhandel aktiv.[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Positionen und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inge Bell bezeichnet ihre Position selbst als „Ich stehe scharf und klar für Frauenrechte“.[14] Sie thematisiert in der Öffentlichkeit immer wieder Menschenrechtsverletzungen an Mädchen und Frauen und tritt als Kritikerin vor allem gegen Prostitution und Menschenhandel, Sexismus, sexualisierte Gewalt und das muslimische „Kinderkopftuch“ ein.[15][16] Im Januar 2017 kritisierte Inge Bell ein Werbefoto der Allianzgeneralvertretung Kundler Berlin als sexistisch, was eine umfangreiche Medienberichterstattung auslöste.[17][18][19] Im Februar 2017 erwirkte die Allianzgeneralvertretung Kundler Berlin eine Einstweilige Verfügung gegen Inge Bell, ersetzte aber das kritisierte Bild.[20]

Im Mai 2017 wählte die Mitgliederversammlung von Terre des Femmes Inge Bell in den Vorstand und verabschiedete die Forderung nach dem Verbot des muslimischen Kinderkopftuchs.[21] Diese Forderung hatte bereits im Vorfeld vereinsintern für Kritik und „Unterwanderungsversuche“ gesorgt.[22]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen in Sammelbänden

  • Inge Bell: Maria – eigentlich gibt es sie nicht. In: Lea Ackermann, Reiner Engelmann (Hrsg.): Solidarität mit Frauen in Not. 20 Jahre SOLWODI. Horlemann, Berlin 2005, ISBN 3-89502-201-2, S. 82–89.
  • Inge Bell: Kinderprostitution in Tschechien. In: Reiner Engelmann/Urs M. (Hrsg.): Kinder ohne Kindheit. Ein Lesebuch für Kinderrechte. Sauerländer, Düsseldorf 2006, ISBN 3-7941-8045-3, S. 134–141.
  • Inge Bell, Maria von Welser, Fritz Köster: Drei Stimmen zu Solwodi. In: Lea Ackermann, Mary Kreutzer, Alicia Allgäuer (Hrsg.): In Freiheit leben, das war lange nur ein Traum. Mutige Frauen erzählen von ihrer Flucht aus Gewalt und moderner Sklaverei. Kösel-Verlag, München 2010, ISBN 978-3-466-30878-1, S. 23-30, urn:nbn:de:101:1-201111044946.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vorstand Terre des Femmes, abgerufen am 7. März 2019.
  2. Solwodi Bayern e. V., Organisationsstruktur, abgerufen am 7. März 2019.
  3. Homepage des Heims, abgerufen am 7. März 2019, auch im NDR-Archiv, Archiv-Nr. 1082210.
  4. Verein Bulgarienhilfe, Historie (Memento vom 4. November 2016 im Internet Archive). In: verein-behindertenhilfe-bulgarien.de, abgerufen am 7. März 2019.
  5. NDR-Archiv, Archiv-Nr. 1100684.
  6. Webseite Bell Media – Institut für anschauliches Lernen. In: bellmedia.info, abgerufen am 7. März 2019.
  7. Inge Bell weitere Geschäftsführerin. Osteuropa-Spezialistin neu bei Kubon & Sagner. In: Börsenblatt, 2. Oktober 2014, abgerufen am 7. März 2019.
  8. Peter Lang übernimmt Slavistik-Programm. In: Börsenblatt, 15. August 2017, abgerufen am 7. März 2019.
  9. Kubon & Sagner Media meldet Insolvenz an. In: Börsenblatt, 28. Juli 2017, abgerufen am 7. März 2019.
  10. Administratorin Ines Holthaus: Terre des Femmes – Menschenrechte für die Frau e. V. – 24. Oktober 2007: Terre des Femmes Mitglied Inge Bell ist „Frau Europas 2007“. In: frauenrechte.de.
  11. Preisträgerin 2007 – Inge Bell (Memento vom 16. November 2013 im Internet Archive)
  12. Als Mensch kann ich nicht wegsehen (Memento vom 24. September 2015 im Internet Archive) In: frauenrat.de.
  13. Bundesverdienstkreuz für „Frau Europas“ Inge Bell. In: netzwerk-ebd.de, Europäische Bewegung Deutschland, 13. März 2013, abgerufen am 7. März 2019.
  14. #unteilbar – ein Wolf im Schafspelz? In: wize.life. 13. Oktober 2018, abgerufen am 7. März 2019.
  15. Inge Bell: Prostitution ist Gewalt. Terre des Femmes fordert das Sexkauf-Verbot. In: Mittelbayerische Zeitung. 17. Juli 2018, abgerufen am 7. März 2019.
  16. Caroline Strang: Werbung. Ist diese Werbung sexy oder sexistisch? In: swp.de, 12. September 2017, abgerufen am 7. März 2019.
  17. Olga Scheer: Gleichberechtigung. Sexismus-Streit bei Allianz-Agentur. In: Spiegel Online. 4. März 2017, abgerufen am 7. März 2019.
  18. Allianz-Agent im Sexismuswirbel. In: finews.ch. 7. März 2017, abgerufen am 7. März 2019.
  19. Tamara Wernli: Absurder Frauenkampf. In: Basler Zeitung. 9. März 2017, abgerufen am 7. März 2019.
  20. Alice Schwarzer: Versicherung oder Escort-Agentur? In: EMMA. 6. März 2017, abgerufen am 9. Dezember 2019.
  21. Recht auf Kindheit muss gewahrt bleiben: TERRE DES FEMMES fordert gesetzliches Kopftuchverbot bei Mädchen. In: frauenrechte.de, 22. Mai 2017, abgerufen am 7. März 2019.
  22. Alexandra Eul: Unterwandersungsversuch bei TdF. In: EMMA, 26. Juni 2017, abgerufen am 7. März 2019.