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Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war

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Film
Titel Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war
Produktionsland Deutschland, Österreich
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2026
Länge 97 Minuten
Altersfreigabe
Produktions­unternehmen zero one film
  • Navigator FILM Produktion
Stab
Regie Regina Schilling
Drehbuch Regina Schilling
Produktion Thomas Kufus
Musik Anja Plaschg
Kamera Johann Feindt
Schnitt Carina Mergens
Besetzung

Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war ist ein deutscher Dokumentarfilm von Regina Schilling aus dem Jahr 2026.

Inhalt und Aufbau

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Zeitstruktur und Raumstruktur

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Die Erzählzeit des Films erstreckt sich über einen Sommertag und beginnt mit einer Szene mit Sandra Hüller am frühen Morgen auf der Terrasse einer Wohnung in Rom. Zu hören ist ein Zitat aus Malina: „Am frühen Morgen bin ich im Schaukelstuhl zusammengesunken, ich starre die Wand an, die einen Sprung bekommen hat, es muß ein alter Sprung sein, der sich jetzt leicht weitet, weil ich ihn immerzu anstarre.“[3.1]

Regisseurin Regina Schilling und Schauspielerin Sandra Hüller stecken sodann das gemeinsame Filmprojekt ab, wobei die Regisseurin nur aus dem Off spricht: Einen Tag gegen Ende von Bachmanns Leben in Räumen filmisch zu imaginieren, die der letzten Wohnung der Dichterin gleichen, und dabei auch die Stadt Rom einzubeziehen. Schon in den ersten Sätzen des Films wird die ausgewählte Lebenssituation der Schriftstellerin als eine beschrieben, die geprägt von Alkohol- und Tablettenabhängigkeit sowie Alleinsein ist.

Die erzählte Zeit erstreckt sich von Bachmanns Geburt bis zum Tod. Der Aufbau des Films ist weitgehend, aber nicht völlig chronologisch.

Das Publikum wird anfangs Zeuge, wie Sandra Hüller sich Bachmann in ihrem Aussehen annähert und auch deren Gestik und Mimik zu übernehmen lernt. Die Schauspielerin stellt die Dichterin aber insoweit nicht dar, als sie in den Filmszenen keine Bachmann-Texte spricht; vielmehr wurden diese im Vorfeld aufgenommen und Sandra Hüller hörte sie während der Dreharbeiten über Kopfhörer. Außerdem wird durch die Verwendung ahistorischer Gegenstände wie etwa eines IPhones die mögliche Erwartung einer historisch korrekten Reinszenierung gebrochen.

Kurz vor Ende des Films wird das Setting des Anfangs wieder aufgegriffen: Es ist nun Nacht. Sandra Hüller liegt auf dem Boden, atmet bewusst und hört ein beruhigendes Audio. Als Gegengewicht zum Verfall wird ganz am Ende Bachmanns Festhalten an der Hoffnung gesetzt. In einem Fernsehinterview von 1972 spricht Volker Zielke sie auf eine mögliche Resignation an, was sie energisch von sich weist. Trotz allem habe sie nie an Resignation gedacht, sondern halte an dem Glauben an eine Utopie auch wider besseres Wissen fest. Dem entspricht das Ende des Films, an dem Bachmann auf die Frage, wie denn ihre zukünftige Welt aussehe, aus Malina zitiert: „Ein Tag wird kommen, an dem die Menschen schwarzgoldene Augen haben, sie werden die Schönheit sehen [...] Ein Tag wird kommen, sie werden frei sein, es werden alle Menschen frei sein, auch von der Freiheit, die sie gemeint haben. [...]“[4]

Bild- und Tonebene

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Das Zusammenspiel von Bild- und Tonebene des Films ist äußerst vielschichtig. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Präsentation von Werken der Dichterin: Gedichte werden im Ganzen gelesen, aus Prosatexten, Reden und Essays aussagekräftige Ausschnitte. Zur Rekonstruktion ihrer Biografie werden Statements von zahlreichen Personen aus Bachmanns privatem, literarischem und künstlerischem Umfeld eingesetzt, die eine Einbettung in die Zeit erlauben. So ist etwa der damals einflussreiche Kritiker Marcel Reich-Ranicki mit der Ansicht zu hören, Frauen seien für andere Dinge als die Literatur bestimmt. Auch biografische Details, die erst seit kurzem bekannt sind und das öffentliche Bachmann-Bild verändert haben, werden nicht ausgespart. Dazu gehört zum Beispiel Bachmanns Angst, ermordet zu werden. Während das Publikum über Originalton davon erfährt, sieht es Sandra Hüller beim Ausschneiden von Zeitungsberichten über Morde zu. Ebenso erwähnt werden Bachmanns Selbstmordversuch mit Schlaftabletten nach der Trennung von Max Frisch und die Gebärmutterentfernung. Beschrieben werden nicht nur deren körperliche Langzeitfolgen und das unsensible Verhalten der Ärzte, sondern auch die Beschädigung von Bachmanns Selbstbild als Frau durch den Eingriff: „Ich habe kein Geschlecht, man hat es mir herausgerissen.“ Auch von Unfällen wird berichtet: In Kommentaren aus dem Off erfährt das Publikum von einem Sturz in der Badewanne im August 1970 und einem kurz darauf folgenden Unfall als Fußgängerin mit einem Auto. Bachmann wird dabei als sehr diszipliniert dargestellt: Um nicht ins Krankenhaus zu müssen, sondern weiter an Malina arbeiten zu können, lässt sie sich gegen den Rat der Ärzte ein Korsett anmessen. Deutlich wird, dass Bachmann das Schreiben als einzig mögliche Existenzform, aber auch als Fluch erlebte: „Ich kenne nur meinen Schreibtisch. Es ist eine Strafe.“ Gezeigt wird auch ein häufig zitierter Ausschnitt aus einem Interview von Dieter Zilligen 1971, in dem Bachmann alle Männer als unheilbar krank bezeichnet.

Häufig werden Fotos von Bachmann mit der Audioaufnahmen von Lesungen kombiniert. Zu hören ist sehr oft Bachmann selbst, aber es lesen auch Sandra Hüller und andere. Titel und Erscheinungsjahre der vorgestellten Werke werden dabei kurz eingeblendet. Historische Tonaufnahmen anderer Personen werden ebenfalls manchmal mit Fotos kombiniert, so etwa die Lesung des Gedichts In Ägypten durch Paul Celan, das dieser Ingeborg Bachmann widmete. Optische Elemente aus dem zeitgenössischen Bachmannbild werden an vielen Stellen zitiert: Fotos zeigen die Eleganz der Dichterin, auch mit Zigarette ist sie zu sehen. Kettenrauchen, Alkohol- und Tablettenkonsum werden dem Publikum in den Szenen mit Sandra Hüller vermittelt.

Als akustischer roter Faden zieht sich das jeweils mehrmalige Klingeln eines Festnetztelefons durch den Film, das auch in Malina eine Rolle spielt.[3][3.2][A 1] Erstmals ist es zu hören, als die Beziehung zu Paul Celan thematisiert wird. Erst in der letzten Szene mit einem Klingeln wird der Hörer abgenommen: Als nämlich gegen Ende des Films die Protagonistin ihr Schminken unterbricht und einen Termin mit der anrufenden Person für den kommenden Tag sehr bestimmt und kurz angebunden absagt.

Bei historischen Filmausschnitten ist meist Originalton eingesetzt, etwa bei einer Bachmann-Lesung des Gedichts Die gestundete Zeit (1961), Interviews mit ihr oder der Interpretation des Gedichts Anrufung des Großen Bären durch Walter Jens. Weitere Elemente des Films sind Interviews mit Zeitgenossinnen und Zeitgenossen aus dem privaten und beruflichen Leben von Ingeborg Bachmann, etwa einer Schulkameradin, Hans Werner Henze, Marcel Reich-Ranicki. Die Namen der Personen sind dabei kurz im Bild. An zwei Stellen werden, angebunden an ein Bachmann-Zitat, Filmausschnitte aus Romanze in Moll gezeigt. Auch aus der Oper Undine von Hans-Werner Henze, zu der Bachmann das Libretto schrieb, ist eine Szene im Film enthalten.

Video: Natalia Kutateladze singt die Arie Habanera auf dem 57. Concurs Internacional de Cant Francesc Viñas (2020)

An manchen Stellen ist jedoch kein Originalton zu hören: Der Filmausschnitt zur Reise der Autorin nach Polen 1973 etwa wird von Bachmann selbst kommentiert; in Filmszenen, in denen Bachmann durch Wien geht, sind Ausschnitte aus dem Fragment Gier zu hören. Filmszenen aus verschiedenen Verleihungen von Auszeichnungen an Bachmann, in denen ein fast rein männliches Publikum zu sehen ist, werden im Film unmittelbar hintereinander gezeigt, aber nicht mit Originalton: Sie sind mit Geräuschen unterlegt, etwa mit dem wiederholten Klickgeräusch eines hängen gebliebenen Tonarms eines Plattenspielers, auf dem sich eine abgelaufene Schallplatte immer weiter dreht. Zu einzelnen Musikstücken mit einem Textbezug zu Bachmanns Leben wurden Szenen gefilmt, in denen Sandra Hüller sich in Rom bewegt. So fährt sie etwa mit dem E-Roller zu einem Ausschnitt aus der Arie Habanera aus der Oper Carmen von Georges Bizet durch die Stadt oder drückt zur Motette Exsultate, jubilate von Wolfgang Amadeus Mozart ihre Lebensfreude durch in einer freien Choreografie am Tiber aus.

Schilling entwarf den Film als hybride Verbindung von Archivszenen und Schauspiel von Sandra Hüller. Dies tat sie nach eigenen Angaben, da es wenig Archivmaterial von Bachmann gebe und sie sich Hüller gut als Vorleserin der Texte vorstellen könne. Beide entwickelten die Inszenierung zusammen. Für Hüller war es dabei wichtig, eher als Sprecherin der Texte und weniger als Schauspielerin in der Rolle Bachmanns aufzutreten. Schilling gab an, sie wolle mit dem Film die Modernität von Bachmanns Texten zeigen.[5]

Er eröffnete das DOK.fest 2026 am 6. Mai 2026 und feierte damit seine Premiere.[6] Der Vertrieb erfolgt durch Weltkino Filmverleih.[7]

Auszeichnungen und Nominierungen

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  • 2026 DOK.fest München: Nominiert im Hauptwettbewerb VIKTORIA DOK.international[7]
  • 2026 Kinofest Lünen: Auszeichnung mit dem Hauptpreis für den besten Film (Lüdia)[8]

Dieter Oßwald schrieb auf Programmkino.de, dieses eigenwillige Biopic sei keine bleischwere Pflichtübung für Deutsch-Leistungskurse. Stattdessen „ein funkelndes Kaleidoskop, das Lust macht auf das (Wieder-)Entdecken der Werke dieser Literatur-Ikone.“[9]

  1. In dem Roman Malina (Roman)|Malina telefonieren die weibliche Ich-Erzählerin und ihr Geliebter Ivan oft miteinander. Das Telefonklingeln findet sich auch in einer Schlüsselstelle am Ende des Romans Malina (Roman): Nachdem die Ich-Erzählerin in die Wand gegangen ist, ruft Ivan an. Malina hebt ab und leugnet, dass es unter dieser Nummer je eine Frau gegeben habe.

Einzelnachweise

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  1. Freigabebescheinigung für Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK-Nummer: 281943; abgerufen am 24. Mai 2026).
  2. Alterskennzeichnung für Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war. Jugendmedien­kommission.
  3. Ingeborg Bachmann: Malina. In: Christine Koschel, Inge von Weidenbaum, Clemens Münster (Hrsg.) Ingeborg Bachmann Werke. Band 3. München / Zürich 1978
    1. Seite 317
    2. S. 336–337
  4. Ingeborg Bachmann: Malina. In: Christine Koschel, Inge von Weidenbaum, Clemens Münster1 (Hrsg.): Ingeborg Bachmann. Werke. 2. Auflage. Band 3. Piper Verlag, München / Zürich 1978, ISBN 3-492-02774-1, S. 121 (Sonderausgabe 1982).
  5. Interview zum Eröffnungsfilm INGEBORG BACHMANN – JEMAND, DER EINMAL ICH WAR mit Regisseurin Regina Schilling und Sandra Hüller von Adele Kohout. In: DOK.fest München. Abgerufen am 22. April 2026.
  6. ›INGEBORG BACHMANN: JEMAND, DER EINMAL ICH WAR‹. In: literaturhaus-muenchen.de. Abgerufen am 22. April 2026.
  7. 1 2 INGEBORG BACHMANN – JEMAND, DER EINMAL ICH WAR. In: DOK.fest München. Abgerufen am 11. Juli 2026.
  8. Das war das 35. Kinofest Lünen: Die LÜDIA 2026 geht an Regina Schilling für ihren Film „Ingeborg Bachmann - Jemand, der einmal ich war“. Stadt Lünen, 9. Juni 2026, abgerufen am 9. Juni 2026.
  9. Lina Fügmann: Ingeborg Bachmann - Jemand, der einmal ich war. In: Programmkino. 8. Mai 2026, abgerufen am 9. Mai 2026.