Ingolf U. Dalferth

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Ingolf Ulrich Dalferth (* 1948 in Stuttgart) ist ein deutscher Religionsphilosoph und evangelischer Theologe. Er gilt als methodischer Grenzgänger zwischen Analytischer Philosophie, Hermeneutik und Phänomenologie und ist ein ausgewiesener Experte der zeitgenössischen Religions- und Orientierungsphilosophie.

Leben[Bearbeiten]

Ingolf U. Dalferth studierte in Tübingen, Edinburgh, Wien und Cambridge Theologie, Philosophie und Linguistik. Nach Promotion und Habilitation in Theologie an der Universität Tübingen hatte er verschiedene Stellen als Studieninspektor am Evangelischen Stift Tübingen, als Lecturer in Durham und als Professor in Tübingen, Uppsala und Frankfurt am Main inne. Von 1995 bis 2013 war er Professor für Systematische Theologie, Symbolik und Religionsphilosophie an der Universität Zürich und von 1998 bis 2012 Direktor des Instituts für Hermeneutik und Religionsphilosophie der Universität Zürich.

Von 1987 bis 1989 war er Hulsean Lecturer an der University of Cambridge, 1995 Samuel Ferguson Lecturer an der Manchester University, von 2004 bis 2009 Fellow am Collegium Helveticum in Zürich, von 2005 bis 2006 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, 2008 Bapsybanoo Marchioness of Winchester Lecturer an der University of Oxford. Seit 2007 ist er Danforth Professor of Philosophy of Religion an der Claremont Graduate University in Kalifornien.

Von 1986 bis 1988, von 1996 bis 1998 und von 2004 bis 2006 war er Präsident der Europäischen Gesellschaft für Religionsphilosophie, von 1999 bis 2008 Gründungspräsident der Deutschen Gesellschaft für Religionsphilosophie. 2015/16 ist er Präsident der Society for the Philosophy of Religion in den USA.

Er ist Herausgeber der Theologischen Literaturzeitung (Leipzig) sowie von Religion in Philosophy and Theology (Tübingen).

In den Jahren 2005 und 2006 wurde er mit Ehrendoktortiteln der Universitäten Uppsala und Kopenhagen ausgezeichnet.

Werk[Bearbeiten]

Schwerpunkte der Forschungstätigkeit von Dalferth sind christologische, ekklesiologische und methodologische Themen der Systematischen Theologie, Kirche und Ökumene (Anglikanismus), Religionsphilosophie (Analytische Religionsphilosophie, Phänomenologie) und philosophische Theologie, Semiotik, Sprachphilosophie und Hermeneutik (Zeichentheorie, Sprachprozesse, Verstehensformen) sowie Emotionen, Passionen, Vertrauen, Gebet, Böses und Übel. Zu seinem Arbeitsbereich gehören auch verschiedene Funktionen innerhalb der schweizerischen und deutschen Kirche sowie in der Ökumene.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Transzendenz und säkulare Welt, Tübingen: Mohr Siebeck 2015.
  • Selbstlose Leidenschaften. Christlicher Glaube und menschliche Passionen, Tübingen: Mohr Siebeck 2013.
  • Umsonst. Eine Erinnerung an die kreative Passivität des Menschen, Tübingen: Mohr Siebeck 2011.ISBN 978-3-161-50940-7
  • Die Kontingenz des Bösen, in: Das Böse. Drei Annäherungen, hg. von dem Forschungsinstitut für Philosophie Hannover, Freiburg i. Br. 2011 (daneben die Beiträge von Karl Kardinal Lehmann, Die Frage nach dem Ursprung des Bösen, und von Navid Kermani, Islamische Deutungen des Unheils auf der Welt), S. 9-52. ISBN 978-3-451-34057-4
  • Radikale Theologie. Glauben im 21. Jahrhundert. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2010. ISBN 978-3-374-02786-6
  • Malum. Theologische Hermeneutik des Bösen, Tübingen 2008. ISBN 978-3-16-149447-5
  • Bibel in gerechter Sprache? Kritik eines misslungenen Versuchs. Mohr Siebeck, Tübingen 2007. ISBN 978-3-16-149448-2
  • Das Böse. Essay über die kulturelle Denkform des Unbegreiflichen. Mohr Siebeck, Tübingen 2006. ISBN 978-3-16-149031-6
  • Leiden und Böses. Vom schwierigen Umgang mit Widersinnigem. Evangelische Verlansanstalt, Leipzig 2006. ISBN 978-3-374-02411-7
  • Becoming Present. An Inquiry into the Christian Sense of the Presence of God, Leuven/Paris/Dudley 2006.
  • Evangelische Theologie als Interpretationspraxis. Eine systematische Orientierung, Leipzig 2004. ISBN 978-3-374-02120-8
  • Die Wirklichkeit des Möglichen. Hermeneutische Religionsphilosophie, Tübingen 2003.
  • Auf dem Weg der Ökumene. Die Gemeinschaft evangelischer und anglikanischer Kirchen nach der Meissener Erklärung, Leipzig 2002. ISBN 978-3-374-01949-6
  • Gedeutete Gegenwart. Zur Wahrnehmung Gottes in den Erfahrungen der Zeit, Tübingen 1997.
  • Der auferweckte Gekreuzigte. Zur Grammatik der Christologie. Mohr, Tübingen 1994. ISBN 3-16-146296-3
  • Jenseits von Mythos und Logos. Die christologische Transformation der Theologie, Freiburg u.a. 1993.
  • Gott. Philosophisch-theologische Denkversuche, Tübingen 1992.
  • Kombinatorische Theologie. Probleme theologischer Rationalität. QD 130, Herder, Freiburg u.a. 1991. ISBN 3-451-02130-7
  • Theology and Philosophy, Oxford 1988.
  • Existenz Gottes und christlicher Glaube. Skizzen zu einer eschatologischen Ontologie, München 1984.
  • Religiöse Rede von Gott, Studien zur Analytischen Religionsphilosophie und Theologie, München 1981.

Weblinks[Bearbeiten]