Ingolf U. Dalferth

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Ingolf Ulrich Dalferth (* 1948 in Stuttgart) ist ein deutscher Religionsphilosoph und evangelischer Theologe. Er gilt als methodischer Grenzgänger zwischen Analytischer Philosophie, Hermeneutik und Phänomenologie und ist ein ausgewiesener Experte der zeitgenössischen Religions- und Orientierungsphilosophie.

Von 1998 bis 2012 war Dalferth Direktor des Instituts für Hermeneutik und Religionsphilosophie an der Universität Zürich. 1987 bis 1989 war er Hulsean Lecturer an der University of Cambridge, 1995 Samuel Ferguson Lecturer an der Manchester University, 2004–2009 Fellow am Collegium Helveticum in Zürich, 2005 bis 2006 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, 2008 Bapsybanoo Marchioness of Winchester Lecturer an der University of Oxford. Von 1986-1988, 1996–1998 und 2004–2006 war er Präsident der Europäischen Gesellschaft für Religionsphilosophie, von 1999 bis 2008 Gründungspräsident der Deutschen Gesellschaft für Religionsphilosophie. 2015–2016 ist er Präsident der Society for the Philosophy of Religion in den USA. Seit 2007 ist er Danforth Professor of Philosophy of Religion an der Claremont Graduate University in Kalifornien. Er ist Herausgeber der Theologischen Literaturzeitung (Leipzig) sowie von Religion in Philosophy and Theology (Tübingen).

Biographie[Bearbeiten]

Ingolf Dalferth studierte in Tübingen, Edinburgh, Wien und Cambridge Theologie, Philosophie und Linguistik. Nach Promotion und Habilitation in Theologie an der Universität Tübingen hatte er verschiedene Stellen als Studieninspektor am Evangelischen Stift Tübingen, als Lecturer in Durham und als Professor in Tübingen, Uppsala und Frankfurt a.M. inne. Von 1995 bis 2013 war er Professor für Systematische Theologie, Symbolik und Religionsphilosophie an der Universität Zürich. In den Jahren 2005 und 2006 wurde er mit Ehrendoktortiteln der Universitäten Uppsala und Kopenhagen ausgezeichnet.

Werk[Bearbeiten]

Schwerpunkte der Forschungstätigkeit von Dalferth sind christologische, ekklesiologische und methodologische Themen der Systematischen Theologie, Kirche und Ökumene (Anglikanismus), Religionsphilosophie (Analytische Religionsphilosophie, Phänomenologie) und philosophische Theologie, Semiotik, Sprachphilosophie und Hermeneutik (Zeichentheorie, Sprachprozesse, Verstehensformen) sowie Emotionen, Passionen, Vertrauen, Gebet, Böses und Übel. Zu seinem Arbeitsbereich gehören auch verschiedene Funktionen innerhalb der schweizerischen und deutschen Kirche sowie in der Ökumene.

Bibliographie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Selbstlose Leidenschaften. Christlicher Glaube und menschliche Passionen, Tübingen: Mohr Siebeck 2013.
  • Umsonst. Eine Erinnerung an die kreative Passivität des Menschen, Tübingen: Mohr Siebeck 2011.ISBN 978-3-161-50940-7
  • Die Kontingenz des Bösen, in: Das Böse. Drei Annäherungen, hg. von dem Forschungsinstitut für Philosophie Hannover, Freiburg i. Br. 2011 (daneben die Beiträge von Karl Kardinal Lehmann, Die Frage nach dem Ursprung des Bösen, und von Navid Kermani, Islamische Deutungen des Unheils auf der Welt), S. 9-52. ISBN 978-3-451-34057-4
  • Radikale Theologie. Glauben im 21. Jahrhundert. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2010. ISBN 978-3-374-02786-6
  • Malum. Theologische Hermeneutik des Bösen, Tübingen 2008. ISBN 978-3-16-149447-5
  • Bibel in gerechter Sprache? Kritik eines misslungenen Versuchs. Mohr Siebeck, Tübingen 2007. ISBN 978-3-16-149448-2
  • Das Böse. Essay über die kulturelle Denkform des Unbegreiflichen. Mohr Siebeck, Tübingen 2006. ISBN 978-3-16-149031-6
  • Leiden und Böses. Vom schwierigen Umgang mit Widersinnigem. Evangelische Verlansanstalt, Leipzig 2006. ISBN 978-3-374-02411-7
  • Becoming Present. An Inquiry into the Christian Sense of the Presence of God, Leuven/Paris/Dudley 2006.
  • Evangelische Theologie als Interpretationspraxis. Eine systematische Orientierung, Leipzig 2004. ISBN 978-3-374-02120-8
  • Die Wirklichkeit des Möglichen. Hermeneutische Religionsphilosophie, Tübingen 2003.
  • Auf dem Weg der Ökumene. Die Gemeinschaft evangelischer und anglikanischer Kirchen nach der Meissener Erklärung, Leipzig 2002. ISBN 978-3-374-01949-6
  • Gedeutete Gegenwart. Zur Wahrnehmung Gottes in den Erfahrungen der Zeit, Tübingen 1997.
  • Der auferweckte Gekreuzigte. Zur Grammatik der Christologie. Mohr, Tübingen 1994. ISBN 3-16-146296-3
  • Jenseits von Mythos und Logos. Die christologische Transformation der Theologie, Freiburg u.a. 1993.
  • Gott. Philosophisch-theologische Denkversuche, Tübingen 1992.
  • Kombinatorische Theologie. Probleme theologischer Rationalität. QD 130, Herder, Freiburg u.a. 1991. ISBN 3-451-02130-7
  • Theology and Philosophy, Oxford 1988.
  • Existenz Gottes und christlicher Glaube. Skizzen zu einer eschatologischen Ontologie, München 1984.
  • Religiöse Rede von Gott, Studien zur Analytischen Religionsphilosophie und Theologie, München 1981.

Herausgegebene Bücher: • I.U. Dalferth/M.Ch. Rodgers (eds.), Revelation, Claremont Studies in the Philosophy of Religion, Conference 2012, Tübingen: Mohr Siebeck 2014. • I.U. Dalferth/S. Peng-Keller (Hg.), Vertrauen Interdisziplinär, Zürich 2013. • I.U. Dalferth/A. Hunziker (eds.), Gott denken – ohne Metaphysik? Zu einer aktuellen Kontroverse in Theologie und Philosophie, Tübingen: Mohr Siebeck. 2013. • I.U. Dalferth/M.Ch. Rodgers (Hg.), Conversion, Claremont Studies in the Philosophy of Religion, Conference 2011, Tübingen: Mohr Siebeck 2013 • I.U. Dalferth/S. Peng-Keller (eds.), Grundvertrauen. Hermeneutik eines Grenzphänomens, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2013. • I.U. Dalferth/M. Rodgers (eds.), Skeptical Faith, Tübingen: Mohr Siebeck 2012. • I.U. Dalferth/S. Peng-Keller (eds.), Gottvertrauen. Die ökumenische Diskussion um die fiducia, Freiburg i. Br./Basel/Wien 2012. • I.U. Dalferth/P. Bühler/A. Hunziker (eds.), Hermeneutische Theologie – heute? Tübingen: Mohr Siebeck 2012. • I.U. Dalferth/S. Peng-Keller (eds.), Kommunikation des Vertrauens, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2012. • I.U. Dalferth/M. Rodgers (eds.), Passion and Passivity, Religion in Philosophy and Theology 61, Tübingen: Mohr Siebeck 2011. • I.U. Dalferth/S. Berg (Hg.), Gestalteter Klang – gestalteter Sinn. Orientierungsstrategien in Musik und Religion im Wandel der Zeit, Evangelische Verlagsanstalt: Leipzig 2011. • I.U. Dalferth/H. Schulz (eds.), Religion und Konflikt. Grundlagen und Fallanalysen, Research in Contemporary Religion, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2011. • I.U. Dalferth/A. Hunziker (eds.), Seinkönnen. Der Mensch zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit, Religion in Philosophy and Theology 54, Tübingen: Mohr Siebeck 2011. • I.U. Dalferth/H. von Sass (eds.), The Contemplative Spirit. D.Z. Phillips on Religion and the Limits of Philosophy, Religion in Philosophy and Theology 49, Tübingen: Mohr Siebeck 2010. • I.U. Dalferth (eds.), The Presence and Absence of God, Religion in Philosophy and Theology, Tübingen: Mohr Siebeck 2009. • I.U. Dalferth/Ph. Stoellger/A. Hunziker (eds.), Unmöglichkeiten. Zur Phänomenologie und Hermene-utik eines modalen Grenzbegriffs, Religion in Philosophy and Theology 38, Tübingen: Mohr Siebeck 2009. • I.U. Dalferth/Ph. Stoellger (eds.), Gott nennen. Gottes Namen und Gott als Name, Religion in Philo-sophy and Theology 35, Tübingen: Mohr Siebeck 2008. • I.U. Dalferth/A. Hunziker unter Mitarbeit von A. Anker (eds.), Mitleid. Konkretionen eines strittigen Konzepts, Religion in Philosophy and Theology 28, Tübingen: Mohr Siebeck 2007. • I.U. Dalferth/J. Schröter (eds.), Bibel in gerechter Sprache? Kritik eines misslungenen Projekts, Tübingen: Mohr Siebeck 2007. • I.U Dalferth/ Ph. Stoellger (eds.): Hermeneutik der Religion, Religion in Philosophy and Theology 27, Tübingen: Mohr Siebeck 2007. • I.U Dalferth et. al. (eds.), Eine Wissenschaft oder viele? Die Einheit evangelischer Theo¬logie in der Sicht ihrer Disziplinen, ThLZ.F.17, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 2006. • I.U. Dalferth/ H.-P. Grosshans (eds.): Kritik der Religion. Zur Aktualität einer unerledigten philoso-phischen und theologischen Aufgabe. Tübingen: Mohr Siebeck 2006. • I.U. Dalferth/ Ph. Stoellger (eds.), Interpretation in den Wissenschaften, Interpretation Interdisziplinär Bd. 3, Würzburg: Königshausen & Neumann 2005. • I.U. Dalferth/ Ph. Stoellger (eds.), Krisen der Subjektivität: Problemfelder eines strittigen Paradigmas, Tübingen: Mohr Siebeck 2005. • I.U. Dalferth/ C.R. Famos (eds.), Das Recht der Kirche. Zur Revision der Zürcher Kirchenordnung, Zürich: TVZ 2004. • I.U. Dalferth/ Ph. Stoellger (eds.), Wahrheit in Perspektiven. Probleme einer offenen Konstellation, Religion in Philosophy and Theology 14, Tübingen: Mohr Siebeck 2004. • I.U. Dalferth/ J. Fischer/ H.-P. Großhans (eds.), Denkwürdiges Geheimnis. Beiträge zur Gotteslehre. Festschrift für Eberhard Jüngel zum 70. Geburtstag, Tübingen: Mohr Siebeck 2004. • I.U. Dalferth/ P. Oppenheim (eds.), Einheit bezeugen. Zehn Jahre nach der Meissener Erklärung. Beiträge zu den theologischen Konferenzen von Springe und Cheltenham zwischen der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Kirche von England/Witnessing to Unity. Ten years after the Meissen Declaration, Frankfurt a.M.: Lembeck 2003. • I.U. Dalferth (ed.), Ethik der Liebe. Studien zu Kierkegaards ‚Taten der Liebe‘, Tübingen: Mohr Siebeck 2002. • I.U. Dalferth/ E. Jüngel (eds.), Karl Barth, Fides quaerens intellectum. Anselms Beweis der Existenz Gottes im Zusammenhang seines theologischen Programms (1931), Zürich 32002. • I.U. Dalferth/ Ph. Stoellger (eds.), Vernunft, Kontingenz und Gott, Konstellationen eines offenen Problems, Religion in Philosophy and Theology 1, Tübingen: Mohr Siebeck 2000. • I.U. Dalferth/ H.J. Luibl/ H. Weder (eds.), Die Wissenschaften und Gott, Zürich/Freiburg 1998. • I.U. Dalferth/ H.J. Luibl/ H. Weder (eds.), Europa verstehen. Zum europäischen Gestus der Universa-lität, Zürich: Pano 1997. • I.U. Dalferth/ E. Jüngel (eds.), Karl Barth. Fides quaerens intellectum, Zürich: TVZ 1981.

Weblinks[Bearbeiten]