Ingrid Gilcher-Holtey

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ingrid Gilcher-Holtey (* 13. November 1952 in Witten) ist eine deutsche Historikerin. Seit 1994 ist sie Professorin für Allgemeine Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte an der Universität Bielefeld.

Arbeitsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schwerpunkte ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit liegen auf den Gebieten der Geschichte der Intellektuellen, der Geschichte der Neuen Sozialen Bewegungen - insbesondere der transnationalen 68er-Bewegungen - sowie der Geschichte des literarischen Feldes in Deutschland von 1918 bis zur Gegenwart. Theoretisch orientieren sich ihre Studien an der Feldtheorie Pierre Bourdieus, der Soziologie der Kritik Luc Boltanskis, der Soziologie der Intellektuellen sowie an neueren Ansätzen der Politik- und Kulturgeschichte.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gilcher-Holtey studierte von 1971 bis 1976 Geschichtswissenschaft, Politische Wissenschaft und Romanistik an den Universitäten Marburg und Heidelberg. Sie schloss ihr Studium 1976/77 mit dem Staatsexamen für das Höhere Lehramt an Gymnasien ab. Von 1978 bis 1981 studierte sie Soziologie an den Universitäten Heidelberg und Mannheim und wurde 1985 an der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg von Werner Conze und Klaus von Beyme mit einer Arbeit über Karl Kautsky und die Sozialdemokratie zum Dr. phil. promoviert. 1994 folgte die Habilitation an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit einer Studie über den Mai 1968 in Frankreich.

Von 1981 bis 1989 war Ingrid Gilcher-Holtey Wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Arbeitskreis für moderne Sozialgeschichte e.V. in Heidelberg und von 1985 bis 1986 zugleich Lehrbeauftragte für Politische Theorie am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Heidelberg. Von 1989 bis zu ihrer Berufung an die Universität Bielefeld im Jahre 1994 war sie als Hochschulassistentin am Historischen Seminar der Universität Freiburg tätig und von 1991 bis 1992 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.

1999/2000 war Ingrid Gilcher-Holtey Gastprofessorin am Institut d’études politiques de Paris (IEP, "Sciences Po"), Paris. Zwischen 2001 und 2006 forschte sie mehrere Monate als Gastprofessorin an der Universität Paris X, Nanterre, sowie an der Maison des Sciences de l'Homme, Paris, und 2008/09 war sie Visiting Professor am St Antony’s College der Universität Oxford.[1]

Ingrid Gilcher-Holtey ist seit 2000 Mitglied des Comité de Lecture de la Maison des Sciences de l'Homme, Paris, seit 2005 membre associé du Centre européen de sociologie et de science politique de l'Université (CSE/EHESS), Paris,[2] seit 2009 Mitglied des Comité International d'Evaluation de la Fondation Maison des Sciences de l’Homme, Paris,[3] sowie - ebenfalls seit 2009 - Mitglied der Redaktion der deutsch-französischen Zeitschrift TRIVIUM.[4] Zudem ist sie seit 2004 Mitglied im wissenschaftlichen Beirat Germanistik des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD), Bonn,[5] und seit 2008 Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Haus der Geschichte, Bonn.

2016 war sie am Kapitalismustribunal in Wien beteiligt.[6]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1968. Eine Zeitreise, Frankfurt a.M. (Suhrkamp) 2008.
  • Eingreifendes Denken. Die Wirkungschancen von Intellektuellen, Weilerswist (Velbrück) 2007.
  • Die 68er Bewegung. Deutschland - Westeuropa - USA, München (Beck) 2001, 4. Aufl. 2008.
  • "Die Phantasie an die Macht". Mai 68 in Frankreich, Frankfurt a.M. (Suhrkamp stw) 1995, 2. Aufl. 2001.
  • Das Mandat des Intellektuellen. Karl Kautsky und die Sozialdemokratie, Berlin (Siedler) 1986.

Herausgeberschaften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • "1968" - Eine Wahrnehmungsrevolution? Horizont-Verschiebungen des Politischen in den 1960er und 1970er Jahren, München (Oldenbourg) 2013.
  • Writing Political History Today (zusammen mit Willibald Steinmetz und Heinz-Gerhard Haupt), Frankfurt a.M./New York (Campus) 2013.
  • Voltaire, Die Affäre Calas, Berlin (Insel) 2010.
  • Gewalt im politischen Raum. Fallanalysen vom Spätmittelalter bis ins 20. Jahrhundert (zusammen mit Neithard Bulst und Heinz-Gerhard Haupt), Frankfurt a.M./New York (Campus) 2008.
  • Zwischen den Fronten. Positionskämpfe europäischer Intellektueller im 20. Jahrhundert, Berlin (Akademie Verlag) 2006.
  • 1968 - Vom Ereignis zum Gegenstand der Geschichtswissenschaft, Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 1998.

Aufsätze (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Quand les phrases interdites descendaient dans la rue: mouvements sociaux et internalisation - l'exemple de Mai 68, in: Gisèle Sapiro (Hrsg.), L'espace intellectuel en Europe. De la formation des Ètats-ations à la mondialisation XXIXe-XXe siècles, Paris (La Decouverte) 2009, S. 183-200.
  • May in France, in: Martin Klimke/Joachim Scharloth (Hrsg.): 1968 in Europe: A History of Protest and Activism, 1965-77, New York/London (Palgrave Macmillan) 2008, S. 111-124.
  • Liebe im 20. Jahrhundert: Ruth Berlau/Bertolt Brecht und Dora Maar/Pablo Picasso, in: Leviathan. Berliner Zeitschrift für Sozialwissenschaft 4 (2006), S. 560-582.
  • Gegen Strukturalismus, Pansymbolismus und Pansemiologie: Pierre Bourdieu und die Geschichtswissenschaft, in: Catherine Colliot-Thélène/Etienne François/Gunter Gebauer (Hrsg.), Pierre Bourdieu: Deutsch-französische Perspektiven, Frankfurt (Suhrkamp) 2005, S. 179-194.
  • Herbert Marcuse – Der eindimensionale Mensch, in: Hans-Peter Müller/Michael Schmid (Hrsg.), Hauptwerke der Ungleichheitsforschung, Opladen (Westdeutscher Verlag) 2003, S. 165-167.
  • "Kritische Ereignisse" und "kritischer Moment". Bourdieus Modell der Vermittlung von Ereignis und Struktur in: Manfred Hettling/Andreas Suter (Hrsg.), Struktur und Ereignis, (Sonderheft von Geschichte und Gesellschaft 19), Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht) 2001, S. 120-137.
  • Guy Debord und die Situationistische Internationale, in: Rolf Grimminger (Hrsg.), Kunst-Macht-Gewalt. Der ästhetische Ort der Aggressivität, München (Fink) 2000, S. 87-104.
  • 1968 in Deutschland und Frankreich: ein Vergleich, in: Etienne François/Emmanuel Terray et al. (Hrsg.), 1968 - ein europäisches Jahr?, Leipzig (Universitätsverlag) 1997, S. 67-77.
  • Robespierre: Die Charismatisierung der Vernunft, in: Geschichte und Gesellschaft, 21 (1995), S. 248-258.
  • Karl Kautsky, in: Walter Euchner (Hrsg.), Klassiker des Sozialismus, 2 Bde. München (Beck) 1991, Bd. 1, S. 233-249.
  • Max Weber und die Frauen, in: Jürgen Kocka/Christian Gneuss (Hrsg.), Max Weber. Ein Symposium, München (dtv) 1988, S. 142-154.
  • Eingreifendes Denken. In: Haus Bartleby (Hg.): Das Kapitalismustribunal, Zur Revolution der ökonomischen Rechte (Das rote Buch). Herausgegeben von Alix Faßmann, Anselm Lenz und Hendrik Sodenkamp. Übersetzt von Corinna Popp, Viktor Kucharski, Anselm Lenz. Haus Bartleby e.V., Wien: Passagen Verlag 2016, ISBN 978-3-70920-220-3, S. 61-64.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Publikation des St Antony's College Oxford (Memento vom 6. September 2011 im Internet Archive)
  2. Verzeichnis der assoziierten Mitglieder Université de Paris (Memento vom 4. Mai 2014 im Internet Archive)
  3. Programme Franco-Allemand de Traduction, Fondation Maison des Sciences de l'Homme
  4. Wissenschaftlicher Beirat von TRIVIUM
  5. Pressemitteilung der Universität Bielefeld über die Mitgliedschaft im wissenschaftlichen Beirat des DAAD, 2007, abgerufen am 4. Mai 2014
  6. Ingrid Gilcher-Holtey: Eingreifendes Denken. In: Haus Bartleby (Hg.): Das Kapitalismustribunal, Zur Revolution der ökonomischen Rechte (Das rote Buch). Herausgegeben von Alix Faßmann, Anselm Lenz und Hendrik Sodenkamp. Übersetzt von Corinna Popp, Viktor Kucharski, Anselm Lenz. Haus Bartleby e.V., Wien: Passagen Verlag 2016, ISBN 978-3-70920-220-3, S. 61-64.