Initial Coin Offering

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Initial Coin Offering (ICO) oder auch Initial Public Coin Offering (IPCO) ist eine unregulierte Methode des Crowdfundings, die von Firmen verwendet wird, deren Geschäftsmodell auf Kryptowährungen basiert.[1][2][3] Mit dieser Methode der erstmaligen Kapitalaufnahme vermeiden Kryptowährungs-Firmen den streng regulierten Prozess der Kapitalaufnahme, der von Risikokapitalgebern, Banken oder Börsen vorgeschrieben wird.[3] In einem Initial Coin Offering wird ein Anteil einer neu emittierten Kryptowährung an Anleger verkauft im Austausch gegen staatlich emittierte Währungen oder gegen andere Kryptowährungen wie bspw. Bitcoin.[3]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um ein sehr ähnliches Konzept zu einem Börsengang (Initial Public Offering). Der Begriff wird oft im Zusammenhang mit „Token Sale“ verwendet und stellt eine Form von Crowdfunding dar. Beide Begriffe referenzieren eine Finanzierungsmöglichkeit, bei der Investoren Zugang zu einem künftigen Feature des finanzierten Projektes bekommen; das Projekt startet aber erst in der Zukunft. Über ICOs erwirbt der Investor hingegen einen Eigentumsanteil oder Erlösanteile am finanzierten Projekt. Laut Amy Wan, Partnerin bei der Kanzlei Trowbridge Sidoti LLP und dort in den Bereichen Crowdfunding und Konsortialrecht, ist „das ‚coin‘ bei einem ICO das Symbol für das Interesse, Eigentum an einer Organisation zu erwerben – sozusagen eine digitale Aktie“.[4] Über ICO kann aber auch mehr als ein monetärer Vorteil erworben werden, wie das Beispiel Storjcoin zeigt: Über Storjcoins erwirbt der Käufer das Recht, von storj.io angebotenen Speicherplatz zu nutzen.[5][6]

Der erste Verkauf sogenannter Tokens (vergleichbar zu Tokens sind Kupons, deren Funktion je nach ICO variieren kann[5]) erfolgte durch Mastercoin im Juli 2013.[7] Ethereum sammelte Geld über den Verkauf von Tokens im Jahre 2014 ein.[8] Der erste ICO war der von Karmacoin in April 2014 für dessen Karmashares-Projekt.[9] ICOs und Token Sales sind v. a. in den USA mittlerweile sehr populär. Laut der Webseite ICO Alert gibt es zum Stand Ende Juli 2017 über 60 ICO-Angebote[10], und der ICO des neuen Webbrowsers Brave erbrachte ca. 35 Millionen Dollar in weniger als 30 Sekunden.[11] Aktuell gibt es mehr als 30 Websites, die ICOs dokumentieren.

Im Juli 2017 deutete die US-amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) an, dass sie die amerikanische Wertpapiergesetzgebung auf ICOs anwenden könne[12]. Die BaFin veröffentlichte Leitlinien zu ICOs.[13] Die SEC äußerte sich nicht dazu, ob alle auf Blockchains basierende Tokens und Kryptowährungen Wertpapiere im zu regulierenden Sinne darstellen, diese Entscheidung werde von Fall zu Fall getroffen.[14] Das Statement der SEC könnte aber mehr Vertrauen der breiten Öffentlichkeit in ICOs schaffen und damit eine höhere Investitionsbereitschaft in diese Finanzinstrumente.[15][4] Im November 2017 veröffentlichte die BaFin eine Verbraucherwarnung zu den ICOs. Darin macht die Finanzaufsichtsbehörde auf erhebliche Risiken für Verbraucher, bis hin zu einem Totalverlust der Investition, aufmerksam.[16]

Der erste bekannte ICO in Deutschland ist der Verkauf von Wys-Token durch die Berliner Wysker UG.[17][10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christopher Hahn/Adrian Wons: Initial Coin Offering (ICO) - Unternehmensfinanzierung auf Basis der Blockchain-Technologie, Springer Gabler: Wiesbaden 2018, ISBN 978-3-658-21787-7.
  • Peter Zickgraf: Initial Coin Offerings - Ein Fall für das Kapitalmarktrecht? In: Die Aktiengesellschaft. 2018, S. 293 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Initial Coin Offerings (ICOs): Risks, Regulation, and Accountability. Regulation of Financial Institutions Journal: Social Science Research Network (SSRN). abgerufen am 6 Dezember 2017.
  2. Osi Momoh: Initial Coin Offering (ICO). In: Investopedia. 20. Dezember 2016 (investopedia.com [abgerufen am 27. Juli 2017]).
  3. a b c Patrick Schueffel: The Concise Fintech Compendium. Hrsg.: Institut für Finanzen. Hochschule für Wirtschaft Freiburg, Freiburg, Schweiz September 2017 (schueffel.biz).
  4. a b Why Your Initial Coin Offering Is Probably Regulated By Securities Law. 6. März 2017, abgerufen am 27. Juli 2017.
  5. a b ICO erklärt: Das steckt hinter dem Finanzierungsmodell der Blockchain-Szene. In: t3n News. (t3n.de [abgerufen am 28. Juli 2017]).
  6. Storj - Decentralized Cloud Storage. Abgerufen am 28. Juli 2017 (amerikanisches Englisch).
  7. Christoph Bergmann: ICO: Die eierlegende Wollmilchsau der Projektfinanzierung – oder doch nur Hype und Abzocke? In: BitcoinBlog.de - das Blog für Bitcoin und andere virtuelle Währungen. 28. September 2016, abgerufen am 27. Juli 2017.
  8. ICO, Explained. In: CoinTelegraph. (cointelegraph.com [abgerufen am 27. Juli 2017]).
  9. Karmacoin Becomes First Cryptocurrency to Issue Shares. In: Cointelegraph. (cointelegraph.com [abgerufen am 27. Juli 2017]).
  10. a b ICO Alert — The trusted ICO Discovery Platform of active and upcoming Initial Coin Offerings. Abgerufen am 28. Juli 2017.
  11. $35 Million in 30 Seconds: Token Sale for Internet Browser Brave Sells Out – CoinDesk. In: CoinDesk. 31. Mai 2017 (coindesk.com [abgerufen am 27. Juli 2017]).
  12. SEC: US Securities Laws 'May Apply' to Token Sales - CoinDesk. In: CoinDesk. 25. Juli 2017 (coindesk.com [abgerufen am 27. Juli 2017]).
  13. Aufsichtsrechtliche Einordnung von sog. Initial Coin Offerings (ICOs) zugrunde liegenden Token bzw. Kryptowährungen als Finanzinstrumente im Bereich der Wertpapieraufsicht. Abgerufen am 22. Februar 2018 (PDF).
  14. 'Not a Surprise': Blockchain Industry Saw SEC ICO Action Coming - CoinDesk. In: CoinDesk. 26. Juli 2017 (coindesk.com [abgerufen am 27. Juli 2017]).
  15. Token Summit Creator: SEC ICO Guidance a 'Breath of Fresh Air' – CoinDesk. In: CoinDesk. 26. Juli 2017 (coindesk.com [abgerufen am 27. Juli 2017]).
  16. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht: Verbraucherwarnung: Risiken von Initial Coin Offerings (ICOs). 9. November 2017, abgerufen am 28. November 2017.
  17. Kim Rixecker: Erster deutscher ICO: Wysker bringt Shopping auf die Blockchain. In: t3n. Abgerufen am 5. Oktober 2017.