Inkulturation

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Inkulturation bezeichnet das Einbringen von Verhaltensmustern, Gedanken über Dinge oder Ansichten von einer Kultur in eine andere. Der Begriff wird in unterschiedlichen Bereichen etwa seit Mitte der 1960er Jahre verwendet, vorher gebrauchte man für das Phänomen meist den Begriff „Akkommodation“.

Inkulturation gegen Kolonialismus[Bearbeiten]

Im Kontext der Geschichtswissenschaft und Soziologie wird Inkulturation als methodischer Begriff gegen Kolonialismus und Imperialismus eingeführt. Während diese die Kultur der indigenen Völker nicht berücksichtigten, sondern versuchten, ihnen einseitig die eigene Kultur überzustülpen, damit aber letztlich nur Ablehnung erzeugten, besagt die Methode der Inkulturation, dass die eigenen Ideen in die Kultur der indigenen Völker eingehen müssen und sich dementsprechend anpassen müssen.

Inkulturation von Demokratie und Menschenrechten[Bearbeiten]

Heute ist diese Methode insbesondere im Gespräch, wenn es um die Universalität der Demokratie und Menschenrechte geht. Während die Ideen durchaus als universal gedacht werden können, ist deren Realisierung aber kulturell geprägt, so dass zum Beispiel das westliche Demokratie- und Menschenrechtsverständnis nicht einfach in islamischen, afrikanischen, chinesischen usw. Kontext übertragen werden kann, ohne die dort gewachsenen kulturellen Strukturen zu bedenken und einzubeziehen.

Inkulturation und Mission/Evangelisation[Bearbeiten]

Vor allem im Bereich der christlichen Mission bzw. Evangelisation wird diese Methode diskutiert und im Bereich der großen christlichen Kirchen teilweise als Grundlage genommen. Dies kann Auswirkungen zum Beispiel im Blick auf die Liturgie haben. Die Methode ist keineswegs neu – schon seit frühester christlicher Zeit wird in der Mission so verfahren (vgl. z. B. die Slawenmission von Kyrill und Methodius).

Inkulturation und interkulturelle Erziehung/Pädagogik[Bearbeiten]

Inkulturation ist in diesem Sinne eine erzieherische, pädagogische Kompetenz. Daher wird auch von interkultureller Erziehung bzw. Pädagogik gesprochen. Außerdem bemüht sich die Wissenschaft, in den verschiedensten Bereichen interkulturelle Vergleichsstudien anzustellen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Raúl Fornet-Betancourt: Lateinamerikanische Philosophie zwischen Inkulturation und Interkulturalität. IKO – Verlag für Interkulturelle Kommunikation, Frankfurt am Main 1997
  • Fritz Frei (Hrsg.): Inkulturation zwischen Tradition und Modernität. Kontext – Begriffe – Modelle. Universitäts-Verlag, Freiburg CH 2000, ISBN 3-7278-1292-3.
  • Konrad Hilpert, Karl-Heinz Ohlig (Hrsg.): Der eine Gott in vielen Kulturen. Inkulturation und christliche Gottesvorstellung. Benziger, Zürich 1993, ISBN 3-545-24114-9.
  • Ellen Johann, Hildegard Michely, Monika Springer: Interkulturelle Pädagogik. Methodenhandbuch für sozialpädagogische Berufe. Cornelsen, Berlin 1998, ISBN 3-464-49155-2.
  • John Mwangangi Kyule: Inkulturation des Christentums in Afrika angesichts des gesellschaftlichen Wandels (= Theologie und Praxis. Bd. 9). Lit, Münster 2000, ISBN 3-8258-4876-0 (Zugleich: Münster, Universität, Dissertation, 1999).
  • Mulago gwa Cikala Musharhamina (Hrsg.): Afrikanische Spiritualität und christlicher Glaube. Erfahrungen der Inkulturation (= Theologie der Dritten Welt. Bd. 8). Herder, Freiburg (Breisgau) u. a. 1986, ISBN 3-451-20681-1.
  • Gerhard Rott, Horst Sing, Michael Heberling (Hrsg.): Inkulturation als Herausforderung und Chance. Grundfragen – pastorale Herausforderungen – Erfahrungen aus Partnerschaften (= Dokumentation des 1. Dialogforums der Partnerdiözesen Poona und Eichstätt. Schriften zur vergleichenden Sozialarbeitswissenschaft und zur interkulturellen/internationalen Sozialarbeit.). Riese Springer, Aachen 2001, ISBN 3-933682-05-3.

Siehe auch[Bearbeiten]