Inlandsreisezugwagen der ÖBB

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Inlandsreisezugwagen der ÖBB
Austria cityshuttle 02.jpg
Nummerierung: 21-73 000 bis 21-73 453
21-73 800 bis 21-73 839
80-73 000 bis 80-73 129
80-73 200 bis 80-73 224
84-73 000 bis 84-73 009
Anzahl: 566 Zwischenwagen, 152 Steuerwagen
Hersteller: SGP Graz, JW
Baujahr(e): 1980–1989
Gattung: Wendezug
Spurweite: 1435 mm
Länge über Puffer: 26,40 m
Höhe: 3,70 m
Drehzapfenabstand: 18,30 m
Leermasse: 40 Tonnen
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Kupplungstyp: Schraubenkupplung
CityShuttle-Garnitur der ÖBB beim Salzburger Hauptbahnhof im Oktober 2018. Der Pflatsch wurde hier bereits durch die Wortmarke ersetzt.

Als Inlandsreisezugwagen der ÖBB wird eine Bauart von Reisezugwagen der ÖBB bezeichnet, die in den Jahren 1980 bis 1989 gebaut und von den 1990er-Jahren bis circa 2006 zu den bekannten CityShuttle-Wagen umgebaut wurden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1980 folgte nach den Schlierenwagen eine neue Serie (auch als „lange Schlieren“ bezeichnet), die die UIC-Standardlänge von 26,40 Metern besitzen. Ansonsten wurden sie nach den gleichen Baugrundsätzen (niedrige Wagenhöhe, kleinere Räder, Leichtbauweise) wie die Schlierenwagen gebaut. Die Wagen erhielten nun Übersetzfenster und Schwenkschiebetüren und waren für eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h konzipiert. Sie wurden daher in den 1980er- und 1990er-Jahren überwiegend in InterCity-, Schnell- und Eilzügen verwendet und kamen dadurch auch in die Nachbarländer Deutschland und die Schweiz. Gebaut wurden die Typen Bmpoz, ABmpoz, Ampoz, BDmpsz und BRmpz (das „o“ in der Bezeichnung ist 1981 weggefallen). In der ersten Klasse waren 18, in der zweiten Klasse 20 Sitzreihen in Gegenüberanordnung untergebracht. Der große Sitzteiler kam dabei auch der Gepäckunterbringung zwischen den Rückenlehnen zugute.

Der erste Halbgepäckwagen 82-75 000-2 der Gattung BDmpsz verließ am 19. April 1982 die Jenbacher Werke und wurde dem Bahnhof Wien West zugeteilt. Die Wagen verfügen über 40 Sitzplätze, ein Zugführerabteil sowie einen Gepäckraum mit einem Fassungsvermögen von 4,3 Tonnen. Im Gegensatz zu den Schlierenwagen der Reihe 82-35 ist es bei diesen Wagen aufgrund des Seitenganges möglich, durch den Wagen zu gehen, wodurch die Wagen nicht mehr am Zugschluss eingereiht werden müssen.

Am 22. April 1982 erfolgte die Auslieferung des ersten Halbspeisewagens 85-75 000-9 der Gattung BRmpz, der ebenfalls dem Bahnhof Wien West zugeteilt wurde. Von den 41 Sitzplätzen befinden sich 29 Plätze im Speiseraum, welcher vom Fahrgastraum durch eine Glasdrehtür getrennt ist. Im Fahrgastraum ist es möglich, durch Einstecktischchen, die an den vorhandenen Fenstertischen angehängt werden können, aus den drei Sitzkarrees zusätzliche Buffetplätze zu machen.

Alle Bmpz wurden nachträglich in 2. Klasse-Wagen (Bmpz-l) der Reihe 21-73 umgebaut – die Ampz- und ABmpz-Wagen wurden zu den Reihen 21-73.8, 21-73.9 und 39-73.1 umgebaut:

  • Die Reihe 21-73.8 entstand aus den 40 deklassierten 1. Klasse-Wagen der Reihe 29-75 (ehemals 19-75) und besitzt nur vier 4er-Sitzgruppen in der Wagenmitte.
  • Zehn ehemalige ABmpz-Wagen waren für den Umbau in Bmpz-l vorgesehen, wobei nur die Wagen 29-75 101 und 104 zu den Wagen 21-73 901 und 902 umgebaut wurden. Die Wagen unterscheiden sich von jenen der Reihe 21-73.0 durch die geänderte Sitzaufteilung (höherer Anteil von Plätzen mit Fensterflächen).
  • Die restlichen acht ABmpz-Wagen wurden zur Reihe 39-73.1 umgebaut und besitzen einen 1. Klasse-Bereich mit roten statt blauen Sitzgarnituren und wurden ursprünglich auf den Salzach-Sprintern zwischen Salzburg und Wörgl eingesetzt.
  • Die Wagen der Reihen 21-73.9 und 39-73.1 wurden im Jahr 2012 mit einem Fahrradabteil mit 24 Stellplätzen ausgestattet und tragen seitdem die Bezeichnung Bmpvz-l mit den Nummern 84-73 000 bis 009.

Bei den Bmpz-l wurde die Sitzanordnung teilweise auf Reihenbestuhlung geändert und der Sitzreihenabstand ohne Rücksicht auf den Fensterabstand reduziert, so dass jetzt 22 Sitzreihen in einem Wagen zweiter Klasse zu finden sind; die Kapazität beträgt jedoch weiterhin 80 Sitzplätze, weil im Eingangsbereich auf jeder Seite nur ein Sitzplatz angeordnet wurde. Nach dem Umbau gibt es nur noch ein WC, am anderen Wagenende wurden Ski- beziehungsweise Fahrradabstellplätze eingerichtet.

Steuerwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte der 1990er Jahre begann in den TS-Werken Floridsdorf und St. Pölten der Umbau in Wendezugwagen, bei dem 152 Zwischenwagen zu Steuerwagen (Bmpz-s) umgebaut worden sind:

  • 102 Stück der Reihe 82-75 (mit Gepäckabteil)
  • 15 Stück der Reihe 85-75 (Buffetwagen)
  • 10 Stück der Reihe 88-75 (Speisewagen)
  • 25 Stück der Reihe 20-75

Die ersten 43 neuen Steuerwagen wurden noch als Reihe 80-75 bezeichnet. Davon trugen die ersten 10 noch nicht das heutige CityShuttle-Design (CRD 2000), welches im Laufe der Jahre bei allen Wagen Einzug hielt, sondern einen Jaffa-ähnlichen Anstrich. Sie besaßen noch rote statt grauen Schneeräumern. Nach einer Modernisierung aller Wagen, ebenso im TS-Werk St. Pölten, bekamen alle Wagen das heutige CRD2000-Design und alle 80-75 wurden zu 80-73 umbezeichnet. Alle darauffolgenden Steuerwagen gingen bereits als 80-73 in Dienst. Nun sind alle Wagen einheitlich lackiert und alle Steuerwagen als 80-73 bezeichnet. Lediglich die roten Schneeräumer der ersten 10 Steuerwagen weisen noch auf deren Zeit als 80-75 hin, wobei diese durch Verschmutzung oft nicht zu erkennen sind.

Alle Steuerwagen weisen einen rund 22 m² großen Mehrzweckraum für Fahrräder, Kinderwagen und Traglasten auf.

Bei den Steuerwagen die in Linz stationiert sind oder waren wurde der gesamte Fahrgastbereich als Ruhezone gekennzeichnet.

Umbau EM160WZ[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Steuerwagen Bmpz-s 80-73 049-3 wurde im Jahr 2017 in der ÖBB-Werkstätte St. Pölten in den Oberbaumesswagen EM160WZ umgebaut. Hierbei handelt es sich weiterhin um einen Steuerwagen welcher allerdings mit einem Besprechungsraum, Messraum, Serverraum, einer Küche, einem Sozialbereich mit WC, Dusche und zwei Ruheabteilen ausgestattet ist. Der Oberbaumesswagen dient zur Inspektion des gesamten signalisierten Schienennetzes der ÖBB. Alle 25 Zentimeter werden folgende Messdaten erhoben:

  • Abstand der Schienen
  • Höhenunterschiede der Schienen (Überhöhung, Querhöhe, ...)
  • Qualität der Schienenlage (Längshöhe, Richtung, Verwindung, ...)

Alle 100 Zentimeter werden folgende Messdaten erhoben:

  • Ortsbestimmung mittels DGPS
  • Messung der Schienenquerschnitte (2000 Messpunkte je Messung)
  • Erkennung des Neuprofils und Vergleich zur Messung
  • Ermittlung der Abnützungswerte (Höhen- und Seitenabnützung)
  • Berechnung der äquivalenten Konizität

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In IC-Zügen wurden die Wagen inzwischen von den Modularwagen abgelöst, einer flexiblen Wagenbauart, die aber nur als Großraumwagen zweiter Klasse verwirklicht wurde. Aus Wagenmangel wurden jedoch bis zur Auslieferung aller Railjet-Garnituren auf einigen IC-Linien auch weiterhin „lange Schlierenwagen“ eingesetzt. Aktuell (2018) laufen Steuerwagen Bmpz-s 80-73 in Intercity-Zügen von Graz nach Linz, Salzburg und Innsbruck, da die ÖBB außerhalb der Railjets keine Fernverkehrs-Steuerwagen haben. Als Verstärker oder Ersatzgarnituren sind auch die Mittelwagen noch ab und an im Fernverkehr anzutreffen.

Die kürzesten Zugläufe die aktuell mit Cityshuttle-Wagen geführt werden sind die Regionalzüge von Selzthal nach Liezen, welche somit nur eine einzige Station weit fahren. Der längste Zuglauf der mit Cityshuttle-Wagen geführt wird, ist der REX 2772 von Fehring nach Wien Hauptbahnhof welcher eine Strecke von rund 200 Kilometern zurücklegt.

Im Zuge der Einführung der Desiro ML-Triebwagen (als Cityjet bezeichnet) wurde 2016 die etappenweise Ausmusterung der Wagen bekannt gegeben.[1] Die CityShuttle-Wagen sollen voraussichtlich noch bis 2025 eingesetzt werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Reinthaler, Hermann Heless: Reisezugwagen österreichischer Eisenbahnen, Vierachsige Reisezugwagen in Ganzstahlbauart der ÖBB, Eisenbahn-Fahrzeug-Archiv A.4, Alba, Düsseldorf 2006, ISBN 3-87094-194-4. S. 135–145 (Beschreibung, Fotos), S. 270 (Drehgestell), S. 292f (Bestandesverzeichnis).
  • Erich Doleschal: "Der einstöckige Wendezug", in: Schienenverkehr Aktuell 6/2003, S. 6–11
  • "Zwei neue Reisewagentypen der ÖBB", in: ÖBB-Journal 3/82, S. 26–27

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Inlandsreisezugwagen der ÖBB – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXV/AB/AB_08075/imfname_527642.pdf