Innensechskant

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Eine verzinkte Zylinderkopfschraube mit Innensechskant
Innensechskantschlüssel verschiedener Größen
Innensechskantschlüssel mit kugeligem Kopf erlauben das Drehen der Schraube, auch wenn sie nicht mit dem Schraubendreher fluchtet
gleiche Inbusgröße mit verschiedenen Gewindemaßen

Innensechskant (im Deutschen geläufig unter der Markenbezeichnung Inbus) ist ein Mitnahmeprofil für Schrauben mit einem Innensechskant im Schraubenkopf. Der zugehörige Schraubenschlüssel mit Außen-Sechskantprofil heißt Innensechskantschlüssel. In vielen Ländern wird die Innensechskantschraube nach dem Unternehmen Allen Manufacturing Company (Hartford, Connecticut) Allen screw, der Inbusschlüssel Allen key oder Allen wrench genannt.

Markenname Inbus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Akronym Inbus steht für „Innensechskantschraube Bauer und Schaurte“. Häufig wird der Name durch Assimilation entgegen der markenrechtlich korrekten Schreibung „Imbus“ ausgesprochen. Der Name leitet sich vom Ersthersteller Bauer & Schaurte (bis 1980 in Neuss) ab. Heute gehört die Marke INBUS der INBUS IP GmbH mit Sitz in Breckerfeld[1]. Schrauben mit dem Zeichen INBUS werden in Lizenz ausschließlich von der Firma Nedschroef[2][3] hergestellt und vertrieben. Werkzeuge mit dem Zeichen INBUS fertigt und vertreibt die HaFu Werkzeugfabrik H.J. Fuhrmann GmbH in Lizenz exklusiv.

Entwicklung und Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werbung der Allen Manufacturing Company 1913
Feststellschrauben

William G. Allen ließ sich 1910 ein Herstellverfahren für Innensechskantschrauben patentieren. In den USA werden Innensechskantschlüssel oft als Allen Key bezeichnet.

Die Standard Pressed Steel Company (SPS) soll circa 1911 unabhängig von Allen Innensechskantschrauben entwickelt haben. Die Motivation von SPS war, Feststellschrauben ohne hervorstehenden Schraubenkopf zu entwickeln und so die Maschinensicherheit zu erhöhen. (Kleidungsstücke können sich an hervorstehenden Schraubenkopfen fest hängen, bei einer versenkten Madenschraube entfällt dieses Risiko). Als Inspiration dienten SPS Innenvierkantschrauben aus Großbritannien (Robertson-Schraube), welche SPS auf Grund von Kosten und Patenten nicht einsetzen wollte. Es ist nicht überliefert, wie SPS die Schrauben herstellte. Da aber Allen nur das Patent für ein bestimmtes Herstellverfahren hielt, war das Patent von Allen bei Bedarf umgehbar.

Bauer & Schaurte ließ diese Schraubenart 1936 in Deutschland patentieren und brachte sie auf den Markt. Die Technik wurde unter anderem von Walter Beduwé, damals leitender Ingenieur, weiterentwickelt und vollendet.

Bei dieser Schraubenart ist ein Innensechskant in einem zylindrischen Schraubenkopf versenkt. Im Vergleich zur Sechskantschraube (mit Außensechskantkopf) wird weniger Platz für den Kopf benötigt. Im Vergleich zu einer gleich großen Kreuzschlitzschraube kann eine Inbus-Schraube etwa das zehnfache Drehmoment aufnehmen.

Eigenschaften und Anwendungsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inbusschrauben eignen sich gut für Schraubenverbindungen, bei denen die Schraubenköpfe konstruktionsbedingt schwer zugänglich sind. Es reicht aus, wenn der Kopf von oben erreicht werden kann, beispielsweise durch ein Loch, dessen Durchmesser größer als das Eckenmaß des jeweiligen Schlüssels ist. Mit Schlüsseln, deren Spitze kugelig angeschliffen ist, lassen sich die Schrauben auch dann anziehen und lösen, wenn Schlüssel und Schraube nicht fluchten. Inbusschrauben lassen sich zudem platzsparend versenken, falls überstehende Schraubenköpfe stören.

Inbusschlüsselsätze sind preiswert und kompakt in den Abmessungen. Zudem können Inbusschlüssel leicht mit einem Rohr verlängert werden, um höhere Anzugs- bzw. Lösemomente zu erzeugen. Diese Eigenschaften machen die Inbusschraube deshalb zur bevorzugten Schraube bei Sondermaschinen.

Am Fahrrad werden Inbusschrauben gerne eingesetzt, weil damit das Bordwerkzeug klein gehalten werden kann. Der preiswerte Inbusschlüssel kann auch bei Bausätzen, zum Beispiel für Möbel, kostensparend durch den Hersteller beigegeben werden. Die Zylinderschraube mit Innensechskant zeichnet sich durch ein gefälliges Aussehen aus, weshalb sie gerne für Zierzwecke verwendet wird. Bei Gebrauchsgegenständen hat die runde Form den Vorteil, dass sich kaum Teile oder Textilien daran festhaken können und die Verletzungsgefahr geringer ist.

Ein Nachteil des Innensechskantes bei Verwendung im Außenbereich besteht darin, dass sich Schmutz und Wasser im Hohlraum ansammeln und zu Korrosion führen können. Außerdem ist prinzipbedingt der Schraubenkopf höher als der einer Sechskantschraube, dafür aber auch schmaler im Durchmesser.

Inzwischen gibt es Schraubenantriebs-Systeme, die im Vergleich zum Innensechskant eine bessere Übertragung des Anzugsmomentes auf die Schraube gestatten und höhere Drehmomente zulassen, zum Beispiel Torx aus den USA oder Vielzahn XZN nach DIN 34824.

Normung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inbusschrauben gibt es in verschiedenen Ausführungen, die auch in Normen beschrieben sind. Die im Maschinenbau gängigsten Inbusschrauben sind in folgenden Normen aufgeführt:

  • EN ISO 4026 (früher DIN 913): Gewindestift mit Innensechskant und Kegelkuppe
  • EN ISO 4027 (früher DIN 914): Gewindestift mit Innensechskant und Spitze
  • EN ISO 4028 (früher DIN 915): Gewindestift mit Innensechskant und Zapfen
  • EN ISO 4029 (früher DIN 916): Gewindestift mit Innensechskant und Ringschneide
  • EN ISO 4762 (früher DIN 912): Zylinderkopfschraube mit Innensechskant
  • EN ISO 10642 (früher DIN 7991): Senkkopfschraube mit Innensechskant
  • DIN 7984: Zylinderkopfschraube mit niedrigem Kopf und Innensechskant
  • DIN 6912: Zylinderkopfschraube mit niedrigem Kopf, Schlüsselführung und Innensechskant

Werden oben genannte Ausführungen in technischen Dokumentationen aufgeführt, so ist die Bezeichnung nach der jeweiligen Norm zu verwenden. Die Bezeichnung Inbusschraube ist umgangssprachlich. Die Größenangabe der Inbusschlüssel bezieht sich auf den senkrechten Abstand in Millimetern zweier paralleler Seiten seines sechseckigen Querschnittes, der auch als Schlüsselweite, abgekürzt SW, bezeichnet wird.

Ähnliche Kopf-Anschlussformen für Schraubendreher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1/2"-Nüsse: RIBE, Torx TR, XZN, Inbus und Torx E

Von einigen Autoherstellern werden, unter anderem für die Bremsen, statt Innensechskantschrauben die selteneren Innenfünfkantschrauben eingebaut. Die dazu passenden Innenfünfkantschlüssel sind im Fachhandel erhältlich.[4]

Ein Innenfünfkant dient auch als Diebstahlsicherung bei Schnellspannern in der Fahrradtechnik, allerdings verlieren diese Befestigungen dabei ihren eigentlichen Schnellspanncharakter. Der Spannhebel wird durch einen abziehbaren Innenfünfkant-Stift ersetzt, der dann durch den Fahrer mitgeführt werden muss.

Ebenfalls in der Automobilindustrie findet der Innenvielzahn (XZN) Anwendung, wenn besonders hohe Anzugsmomente gefordert werden, beispielsweise bei den Gelenkwellen im Antriebsstrang.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://register.dpma.de/DPMAregister/marke/register/477514/DE
  2. Erfinder des Inbus-Schlüssels in Not. 20. August 2015. Zugriff: 19. Februar 2016
  3. Wichtiger Schritt zur Sanierung Automobilzulieferers Whitesell19. August 2015. Zugriff: 19. Februar 2016
  4. Innenfünfkantschlüssel im Fachhandel. Abgerufen am 4. September 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]