Inselmühle Norderney

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Inselmühle Norderney

Inselmühle Norderney.Der Fuchs auf dem Bremsbalken hat dekorativen Charakter und sollte in erster Linie Vögel, die sich des Getreides annehmen wollten, vertreiben.

Inselmühle Norderney.
Der Fuchs auf dem Bremsbalken hat dekorativen Charakter und sollte in erster Linie Vögel, die sich des Getreides annehmen wollten, vertreiben.

Lage und Geschichte
Inselmühle Norderney (Niedersachsen)
Inselmühle Norderney
Koordinaten 53° 42′ 22″ N, 7° 9′ 23″ OKoordinaten: 53° 42′ 22″ N, 7° 9′ 23″ O
Standort DeutschlandDeutschland Deutschland
NiedersachsenNiedersachsen Niedersachsen
DEU Landkreis Aurich COA.svg Landkreis Aurich
DEU Norderney COA.svg Norderney
Erbaut 1862
Stillgelegt 1962
Zustand funktionstüchtiges technisches Denkmal
Nutzung als Gastronomiebetrieb
Technik
Nutzung Getreidemühle
Mahlwerk Zwei Mühlsteine
Antrieb Windmühle
Windmühlentyp Galerieholländerwindmühle
Flügelart Segelgatterflügel
Anzahl Flügel 4
Nachführung Windrose mit Zahnradwinkelgetriebe
Website www.norderney-muehle.de

Die Inselmühle Norderney namens Selden Rüst ist eine unter Denkmalschutz stehende, 1862 als Getreidemühle erbaute Holländerwindmühle auf der Insel Norderney in Niedersachsen. Sie ist neben Kap und Leuchtturm eines der Wahrzeichen der Stadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die einzige Mühle auf einer der niedersächsischen Inseln wurde in der Bauform eines einstöckigen Galerieholländers durch den aus Ostermarsch stammenden Müller Ihbe Lammers Hellmers im Jahr 1862 errichtet, um die Bäcker der Insel mit Weizen- und Roggenmehl versorgen zu können.[1][2] Der Grund waren die zu dieser Zeit rund 2000 Einwohner und 2815 Kurgäste (im Jahr 1864), die sich auf der Insel aufhielten.[3] Die Vorgänger der Windmühle waren die nicht sehr ertragreichen Hand- oder Pferdemühlen. Zudem musste Mehl noch zusätzlich und kostspielig vom Festland bestellt werden.[4] Die Mühle steht auf einer flachen Düne, die sich zur Zeit der Erbauung außerhalb der Deichanlagen im Überflutungsgebiet befand.[5] Heute ist es die Kreuzung von Marienstraße und Mühlenstraße, östlich des heutigen Stadtzentrums von Norderney, gegenüber der Napoleonschanze am neuen Kurpark der Insel. Die Mühle selbst steht als Bau- und Industriedenkmal unter Denkmalschutz und wird in niederdeutscher Sprache Selden Rüst genannt, was übersetzt selten Rast[6] bedeutet. Im Jahr 1895 kaufte der Müllermeister Eilert Ibben Fleetjer im Alter von 56 Jahren, der bereits in den Jahren 1875/76 eine Windmühle in Schirum erbauen ließ, die Mühle und übergab sie im Jahr 1910 an seinen Sohn Okko Luitjens Fleetjer, in dessen Besitz sie bis in das Jahr 1962 blieb.[7] Im 19. Jahrhundert konnten die beiden Mahlsteine täglich bei einem Wind ab etwa fünf bis sechs Windstärken bis zu fünf Tonnen des auf der Insel angebauten Getreides (Weizen, Roggen und Gerste) für die Norderneyer Bäcker mahlen.[2]

Der Achtkant und die Kappe sind als einziges Gebäude der Insel Norderney mit Reet gedeckt.[5] Die Windrose oberhalb der Rückseite der Mühlenkappe dient der Flügelnachführung und dreht die Kappe mit den segelbespannten Flügeln über ein Zahnradwinkelgetriebe in den Wind. Unterhalb der Windrose ragt der Bremsbalken heraus (mit Fuchs), mit dem die Bandbremse am Kammrad zur Abbremsung bzw. Feststellung der Flügelachse betätigt werden kann.[8] Nachdem ein Flügel im März 1951 aufgrund eines Sturmes gebrochen war, brannte die Mühle nach Reparaturarbeiten an der Blitzableiteranlage am 24. April desselben Jahres völlig nieder. Die Norderneyer Feuerwehr löschte den Brand und konnte eines der Wahrzeichen der Insel vor der kompletten Vernichtung retten.[9] Da die Mühle von der Familie Fleetjer ausreichend feuerversichert war, konnte sie aus diesen Mittel einigermaßen wiederhergestellt werden. Der Mühlenbetrieb konnte schon wenige Tage nach dem Brand wieder aufgenommen werden.[2][7][10][11] Im Jahr 1965 begannen Restaurierungsarbeiten durch den Mühlenbauer Hermann Böök aus Dunum in Ostfriesland.[12] Diese Umbauarbeiten umfassten auch den Ausbau des Erdgeschosses mit dem noch heute in der Mühle befindlichen Gastronomiebetrieb.

Instandsetzungsarbeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Reetdach wurde 1990 erneuert, die Flügel 1992 ausgetauscht.[13][14] Im September 2011 wurde ein tragender Balken der Mühlenkappe durch den aus Dunum stammenden Zimmermann Henno Böök erneuert.[15]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2010 ist die Mühle ein ausgewiesener Standort der Niedersächsischen Mühlenstraße.[4] Eine Bilderausstellung zur Geschichte der Mühle befindet sich im Conversationshaus der Insel. Von ehrenamtlichen Mühleninspektoren wird die Mühle in unregelmäßigen Abständen zu Schauzwecken betrieben.[8]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilder der Inselmühle Norderney
Inselwindmühle Norderney.JPG
Die Mühle von vorne
Kurpark Norderney.jpg
Die Mühle mit dem neuen Kurpark im Vordergrund. Dahinter die Kooperative Gesamtschule Norderney (links) und eines der ehemals für die Angehörigen der Wehrmacht eingerichteten Kasernengebäude.
Ny muehle3.jpg
Detailansicht der Nabe


Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Inselmühle Norderney – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung [DGM] e.V (Hrsg.): Mühlenstandorte in Niedersachsen-Bremen. Bezirk Ostfriesland. S. 5 (muehlen-dgm-ev.de [PDF; 324 kB]).
  2. a b c SEHwürdig. Staatsbad Norderney GmbH. Archiviert vom Original am 28. März 2012. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.norderney.de Abgerufen am 11. Juli 2012.
  3. Gottfried Kiesow: Architekturführer Ostfriesland. Deutsche Stiftung Denkmalschutz – Monumente Publikationen, Bonn 2009, ISBN 978-3-86795-021-3, Die Inseln, S. 365.
  4. a b Dirk Kähler: he! NORDERNEY. Saisonmagazin des Norderneyer Morgen. Fischpresse GbR, Norderney Dezember 2011, Die Mühle wird 150 Jahre alt, S. 4 ff. (he-norderney.de [PDF; 12,4 MB]).
  5. a b Jann Saathoff: Norderney. Band 1 – Die bauliche Entwicklung der Insel Nordsee-Insel. Soltau-Kurier-Norden, Norden 2010, ISBN 978-3-939870-82-1, 1939: Das Gemeindebad wird wieder Staatsbad. Zwei Weltkriege sind nicht spurlos an der Bausubstanz vorbeigegangen – Der Zahn der Zeit hat sein Werk getan, S. 27.
  6. Plattdeutsches Wörterbuch. Heinrich Evers. Abgerufen am 5. Oktober 2015.
  7. a b 1862 – Inselwindmühle. Hans-Helmut Barty. 30. Mai 2011. Abgerufen am 11. Juli 2012.
  8. a b Reiner Will: he! NORDERNEY. Saisonmagazin des Norderneyer Morgen. Fischpresse GbR, Norderney März 2011, Ein attraktives Ziel: Die Norderneyer Windmühle, S. 22 f. (he-norderney.de [PDF; 8,3 MB]).
  9. 1951. Hans-Helmut Barty. 31. August 2011. Abgerufen am 11. Juli 2012.
  10. Ostfriesische Mühlen. Ostfriesland Tourismus GmbH. Abgerufen am 15. September 2012.
  11. 1965. Hans-Helmut Barty. 31. August 2011. Abgerufen am 11. Juli 2012.
  12. Windmühle Norderney. Arbeitsgruppe Mühlenstraße i.d. Mühlenvereinigung Niedersachsen - Bremen e.V.. Abgerufen am 27. Juni 2012.
  13. 1990. Hans-Helmut Barty. 31. August 2011. Abgerufen am 11. Juli 2012.
  14. 1992. Hans-Helmut Barty. 31. August 2011. Abgerufen am 11. Juli 2012.
  15. Schäden an Mühle besichtigt. Die Schäden an der Mühle Selden Rüst besichtigten Erik Fischer von den Technischen Diensten Norderney und Henno Böök, Mühlenfachmann aus Dunum. Sie nutzten einen Leiterwagen der Feuerwehr. In: Norderneyer Morgen. Nr. 193, 9. September 2011, S. 5 (norderneyer-morgen.de [PDF; 1,7 MB]).