Insensitive Munition

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Insensitive Munition ist eine Munition, die besonders sicher zu handhaben ist, ohne ungewollt zu detonieren. Sie muss daher in der Lage sein, externe Einflüsse wie mechanische Schocks oder Hitze zu überstehen. Darüber hinaus muss sie noch immer bestimmungsgemäß explodieren, wenn sie verwendet wird.[1]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die insensitive Munition darf nur verbrennen und nicht detonieren, wenn sie erhitzt, von anderen Geschossen oder Splittern oder der Detonationswelle einer in der Nähe stattfindenden Explosion getroffen wird. Der Begriff findet unter anderem Anwendung auf Sprengköpfe, Bomben, Raketentriebwerke, wobei die Definition stark länderabhängig ist.

Prinzipiell gibt es drei verschiedene Ansätze insensitive Munition zu gewährleisten:

  1. Schutz durch Transportbehälter oder Ummantelungen: Durch geeignete Transportbehälter oder Ummantelungen kann ein beschränkter externer Schutz vor mechanischer oder thermischer Beschädigung aufgebaut werden.
  2. Chemische Stabilität des Treibmittels oder Sprengstoffes: Durch die Wahl von geeigneten chemischen Mixturen kann eine höhere Stabilität erreicht werden.
  3. Gehäusekonstruktion: Das Gehäuse, in dem sich der Explosivstoff befindet, kann so konstruiert werden, dass eine Belüftung oder Druckabbau möglich sind und so die Explosion vermieden wird, das heißt, es kann beispielsweise ein Abbrennen des Sprengstoffes ermöglicht werden ohne einen kritischen Druck zu erzeugen.

Die Konstruktion von insensitiver Munition setzt umfangreiche und teuere Tests voraus. Daher wird heute oft auf Simulationsprogramme zurückgegriffen.

Insensitive Sprengstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insensitive Munition ist praktisch immer mit feuer- und stoßsicherem Sprengstoff gefüllt. Meist kommen hier polymer-gebundener Sprengstoff (PBX), TATB oder anderen insensitive Sprengstoffmischungen zum Einsatz. So wird TATB nicht explodieren, wenn es verbrannt oder von einem Granatsplitter getroffen wird.

Der insensitive Sprengstoff IMX-101 wurde beispielsweise von der US-Armee als Ersatz für TNT zugelassen.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Nuklearunglück von Palomares am 17. Januar 1966, bei dem ein B-52G-Bomber mit vier Typ B28RI-Wasserstoffbomben abstürzte[2], und dem Absturz einer weiteren B-52 in der Nähe der Thule Air Base am 21. Januar 1968, verseuchte die Explosion des konventionellen Sprengstoffes durch die Verteilung des radioaktiven Materials große Landstriche. Daher wurden Anstrengungen unternommen, einen Sprengstoff zu finden, der einen derartigen Flugzeugabsturz überstehen würde ohne zu explodieren.

Das Lawrence Livermore National Laboratory entwickelte daraufhin den „Susan Test“, der die Belastung einen Flugzeugabsturzes simuliert. Das Los Alamos National Laboratory entwickelte basierend auf diesem Test einen insensitiven Sprengstoff (englisch insensitive high explosive, IHE) zur Verwendung in US-amerikanischen Nuklearwaffen. Diese IHE überstehen einen Abprall mit 460 m/s (konventionelle Sprengstoffe detonieren bereits bei 30 m/s).

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwendung in Nuklearwaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der insensitive Sprengstoff steht der US-Armee seit 1979 zur Verfügung. Bis zum Jahr 1991 wurde er in rund 25 % der Nuklearwaffen verwendet. Moderne US-amerikanische und britische Nuklearwaffen besitzen heute alle Primärladungen aus IHE. Hier kommen praktisch ausschließlich TATB der Mischungen LX-17-0 und PBX-9502 zum Einsatz.

Verwendung in konventionellen Waffen und zivile Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Verringerung des Risikos unkontrollierter Detonationen werden heute auch im Bereich der konventionellen Waffen mehr insensitive Munitionen oder Sprengstoffe eingesetzt.[3][4] Auch im zivilen Bereich werden hochbrisante Sprengstoffe, die durch obengenannte Belastungen leicht explodieren, durch sie ersetzt.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Arnold F. Holleman, Egon Wiberg, Nils Wiberg: Lehrbuch der anorganischen Chemie, Verlag Walter de Gruyter, 2007, ISBN 9783110177701, S. 96 [1]
  2. The Worst Nuclear Disasters. time.com, abgerufen am 10. November 2015.
  3. Hochleistungsantriebe für den militärischen und zivilen Markt. Rheinmetall Defence, abgerufen am 10. November 2015.
  4. Munition 40mm Infanteriemunition. (Nicht mehr online verfügbar.) Diehl Defence, archiviert vom Original am 17. November 2015; abgerufen am 10. November 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.diehl.com
  5. Neue Explosivstoffe. (Nicht mehr online verfügbar.) Bayerische Patentallianz, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 10. November 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]