Inside the Beltway

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Autobahnring Interstate 495 (rote Linie) um die US-Bundeshauptstadt Washington.

Inside the Beltway bezeichnet das politische Establishment in der US-Bundeshauptstadt Washington, D.C.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die oft abschätzig gebrauchte Redewendung „Inside the Beltway“ (innerhalb des Autobahnrings) bezeichnet den inneren Zirkel der Macht in der US-Bundeshauptstadt Washington und die Politiker, Berater, Lobbyisten und Medienvertreter, die im Umfeld des Washingtoner Politikbetriebs tätig sind. Die Redewendung spiegelt die weit verbreitete Meinung wieder, dass der Horizont des politischen Washingtoner Establishments häufig an der Stadtgrenze endet, und dass die dazugehörenden Personen keine Ahnung haben von dem wirklichen Leben der amerikanischen Bürger und ihren Sorgen und Nöten.

In der umweltpolitischen Studie The Risk Professionals lieferten die Autoren 1988 auch eine Definition der Redewendung „Inside the Beltway“:[1]

„Die meisten Amerikaner halten die Washingtoner für eine seltsame und eigenartige Rasse, die sie mit einer Mischung aus Verachtung und Ehrfurcht betrachten. Einerseits halten sie die Washingtoner für machtgierig, selbstgefällig und dem normalen Leben entrückt. Andererseits … glauben wir in unserem Nationalstolz, dass wir nur unsere besten Töchter und Söhne nach Washington entsenden. Die Mischung aus Verachtung und Ehrfurcht ändert sich mit der Zeit und je nach Person, aber die Ansicht, dass Politiker sich grundlegend unterscheiden vom Rest der Nation, ist weit verbreitet und hält sich hartnäckig. Dazu kommt meist das Gefühl, dass die Politiker inside the beltway[2] sich von dem normalen Volk noch weit mehr unterscheiden, und dass sie – als die Washingtoner Elite – sich ebenso untereinander gleichen wie sie sich von normalen Amerikanern unterscheiden.“

Andere Schreibweisen: inside the beltway, inside the Beltway, inside-the-beltway.

Wortherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Redewendung „Inside the Beltway“ geht zurück auf den Namen eines Autobahnrings (rote Linie im Titelbild), der seit den 1960er Jahren die US-Bundeshauptstadt Washington umschließt und durch die Bundesstaaten Virginia (grün) und Maryland (violett) verläuft. Wie einige andere Straßen an der Nord-Süd-Autobahn Interstate 95 trägt der Autobahnring die offizielle Bezeichnung Interstate 495 und wird auch als Capital Beltway (Hauptstadt-Autobahnring) oder einfach nur als Beltway bezeichnet.

Nach Fertigstellung des Beltways 1964 scheint die Redewendung spätestens in den 1980er Jahren aufgekommen zu sein. In der umweltpolitischen Studie The Risk Professionals aus dem Jahr 1988 sprechen die Autoren von „those ‚inside the beltway’ “ (die ‚innerhalb des Beltways’), siehe auch Bedeutung.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernie Sanders, ein bodenständiger Politiker aus dem Bundesstaat Vermont, wurde 1990 als Außenseiter ohne Parteizugehörigkeit in das Repräsentantenhaus und 2007 in den Senat gewählt. 2016 errang er große Erfolge bei den Vorwahlen der Demokraten zu den US-Präsidentschaftswahlen, konnte sich aber nicht gegenüber Hillary Clinton durchsetzen.
In zwei Büchern, in denen er seine politischen Erfahrungen in seinem kleinen Bundesstaat und auf der Washingtoner Bühne beschreibt, beklagt sich Bernie Sanders über „the stale inside-the-beltway ideas“,[3] „the Inside the Beltway leadership“[4] und „the Inside the Beltway pundits“[5] (die abgeschmackten Ideen, die Führungsriege und die Experten des Washingtoner Establishments).
  • In der Talkshow „Hardball with Chris Matthews“ antwortete Bernie Sanders 2016 dem aggressiven Moderator:
„Chris, you and I look at the world differently, you look at it inside the beltway, I’m not an inside the Beltway about that I am an outside the Beltway guy.“ (Chris, Sie und ich sehen die Welt aus verschiedenen Augen. Sie betrachten sie aus dem Beltway heraus, aber mein Platz ist nicht im Inneren des Beltway, ich bin ein Beltway-Außenseiter.)[6]
  • Während eines Abendessens mit einem Journalisten der Washington Post lässt Huck Gutman, Stabschef von Senator Bernie Sanders, seinen Blick durch das fensterlose Restaurant im Untergeschoss des Dirksen-Senatsgebäudes in Washington schweifen. Er klagt wehmütig über die seltsame Welt, die sich einem innerhalb des Washingtoner Beltways darbietet:
„This is a very strange world we’re eating in the middle of. It’s entirely absorbed with itself. It’s all so inside the Beltway. I feel the occasional need to break out of this world.“ (Das ist eine sehr seltsame Welt, in der wir unser Essen zu uns nehmen. Die Leute sind vollkommen mit sich selbst beschäftigt. So ist das überall im Washingtoner Beltway. Bisweilen habe ich das Bedürfnis, aus dieser Welt auszubrechen.)[7]
  • In einer Studie über das Verhalten der Regierungsbeamten in Washington heißt es:
„Official Washington … lives in its own inside-the-Beltway bubble, where Washingtonians converse with one another and rarely interact on an intellectual plane with Americans at large.“ (Das offizielle Washington lebt in seiner eigenen Blase innerhalb des Beltways. Die Washingtoner bleiben unter sich und suchen nur selten die intellektuelle Kommunikation mit den übrigen Amerikanern.)[8]
  • Das Online-Wörterbuch „Urban Dictionary“ zitiert den folgenden Satz:
„These inside the beltway fatcats have lost touch with the values of the average american family!“ (Diese Washingtoner Bonzen haben jedes Gefühl verloren für die Werte einer amerikanischen Durchschnittsfamilie!)[9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jennifer Bachner; Benjamin Ginsberg: What Washington gets wrong : the unelected officials who actually run the government and their misconceptions about the American people. Amherst, New York : Prometheus Books, 2016, Zitat online.
  • Thomas Dietz; Robert W. Rycroft: The Risk Professionals. New York : Russell Sage Foundation, 1988.
  • Frederick C. Mish (Herausgeber): Merriam-Webster’s Collegiate Dictionary: Eleventh Edition. Springfield, Mass.: Merriam-Webster, 2004, Seite 113.
  • Manuel Roig-Franzia: Huck Gutman brings a bit of poetry and verse to U.S. Senate colleagues. In: Washington Post, 19. Januar 2010, online.
  • Bernie Sanders; Huck Gutman: Outsider in the White House. London : Verso, 2015.
  • Bernie Sanders: Our Revolution : A Future to Believe. New York : Thomas Dunne Books, 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Übersetzung eines Absatzes in #Dietz 1988, Seite 11.
  2. Innerhalb des Washingtoner Zirkels.
  3. #Sanders 2015, Seite XVIII.
  4. #Sanders 2016, Seite 109.
  5. #Sanders 2016, Seite 84.
  6. Talkshow auf MSNBC vom 25. Februar 2016: online.
  7. #Roig-Franzia 2010.
  8. #Bachner 2016.
  9. Urban Dictionary: „inside the beltway“.