Institut für Gärungsgewerbe

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Berlin Wedding Institut für gaerungsgewerbe 24.11.2015 13-35-26.jpg

Das Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie zu Berlin (IfGB) in Berlin-Wedding ist eine technologische Anstalt zur Erforschung der Gärung. Seit 1897 befindet es sich auf einem Wissenschaftscampus im damals noch außerhalb Berlins gelegenen Gutsbezirk Plötzensee am heutigen Standort in der Seestraße 13.

VLB-Neubau

Zeitweise führte das Institut den Zusatz Stärkefabrikation, was zwischenzeitlich auf Biotechnologie geändert wurde. Organisiert war das IfGB bis zur Umstrukturierung zu Beginn des 21. Jahrhunderts als BGB-Gesellschaft; seit 2002 ist es eine Einrichtung der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei (VLB).[1] Seit September 2017 befinden sich die Einrichtungen des IfGB im Neubau der VLB; der historische Gebäudekomplex direkt an der Seestraße wird seitdem ausschließlich von der TU Berlin genutzt.[2]

Das IfGB ist derzeit unterteilt in die Bereiche:

  • Spirituosen und Brennerei mit dem zum 1. Oktober 2015 gegründeten Forschungsinstitut für Spirituosen, Analysetechnologie und Sensorik (FISAS)[3] und der Preussischen Spirituosen Manufaktur;
  • Brauerei und Getränkeindustrie
  • Biotechnologie.[4]
Die ehemalige Bau- und Maschinentechnische Abteilung des Instituts für Gärungsgewerbe

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Likörfabrik 02.jpg

Gegründet wurde das Institut 1874 auf Initiative des Leiters der Versuchsstation der Spiritusfabrikanten (VLSF) Max Delbrück in angemieteten Räumen der Gewerbeakademie Berlin. Seit 1883 verfügte das Institut über Räume im Neubau der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin[5] und mit der Gründung der VLB kam ein weiterer Gesellschafter hinzu.

1897–98 wurde ein Kornversuchsspeicher am Kai des Berlin-Spandauer Schiffahrtskanals errichtet mit Anbindung an das Wasserstraßennetz und die Eisenbahn. Der Kornversuchsspeicher diente der wissenschaftlichen Untersuchung der Getreidelagerung, der vergleichenden Bewertung der Silo- und Schüttbodenspeicherung und der Erprobung moderner Maschinentechnik. Der Speicher war zuerst eine Einrichtung des Instituts für Gärungsgewerbe und wurde 1907 der neugeschaffenen Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung in Berlin-Wedding angegliedert.[6]

1913 hatte das Institut für Gärungsgewerbe 120 wissenschaftliche und technische Mitarbeiter und war damit eine der größten Forschungsanstalten in Deutschland. Hinzu kamen 30 Mitarbeiter in der Verwaltung und 80 Mitarbeiter in Versuchsfabriken.

1924 wurde der Versuchsanstalt der Hefeindustrie e.V. (VH Berlin) am Institut für Gärungsgewerbe (IfGB) in Berlin gegründet; in einer Zeit, die durch einen starken Strukturwandel von kleingewerblicher hin zu industrieller Hefeproduktion gekennzeichnet war.[7]

Bibliotheken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Lorberg-Bibliotek unten; Schultze-Berndt-Bibliothek oben
Alte Bibliothek im Dezember 2017

In der Frühzeit des Instituts wurden die Bibliotheksbestände der Landwirtschaftlichen Hochschule und der Gewerbeakademie mitgenutzt. Mit der Errichtung der ersten Gebäude auf dem Campus Seestraße wurde 1897 ein Bibliothekssaal errichtet; hinzu kam nach Beginn der Ingenieursausbildung 1903 eine Unterrichtsbibliothek.

Im 1936/1937 errichteten Mittelbau des alten Hauptgebäudes befindet sich mit der Alten Bibliothek ein bis zum Herbst 2017 viel genutzter Veranstaltungsraum, der sich seitdem in der Verfügungsgewalt der TU Berlin befindet.

Im Zweiten Weltkrieg fiel ein Teil der Bibliotheksliteratur den Bombenzerstörungen zum Opfer; andere Teile wurden privat ausgelagert. Aus den im Mai 1945 noch verbliebenen Restbeständen wurden Teile auch von Angehörigen der Roten Armee requiriert.

Die Restauration der Bibliotheksbestände geschah teils durch Rückgaben von privater Hand, teils durch Buchspenden von Mitgliedsbetrieben. So konnten auch Bücher und Zeitschriften aus dem 19. Jahrhundert wiederbeschafft werden. Im Zuge der Wiedervereinigung Berlins gelangten einschlägige Werke des Instituts für Gärungschemie und landwirtschaftliche Technologie der Humboldt-Universität zum IfGB.

Bis Ende September 2017 unterhielt die VLB im alten Hauptgebäude die 1962 vom Institut für Gärungsgewerbe eingerichtete und nach Karl Lorberg benannte Lorberg-Bibliothek als Fachbibliothek für Gärungsgewerbe und Biotechnologie mit über 20.000 Bänden;[8] in der auch die mit über 5000 Werken zur Geschichte des Brauwesens bestückte Schultze-Berndt-Bibliothek der Gesellschaft für Geschichte des Brauwesens untergebracht war.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftliche Direktoren des Instituts für Gärungsgewerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 100 Jahre Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie zu Berlin 1874 bis 1974, Herausgeber: 1. Versuchs- und Lehranstalt für Spiritusfabrikation und Fermentationstechnologie in Berlin, 2. Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin und 3. Versuchsanstalt für Hefeindustrie e. V.; Berlin (1974)
  • Das Institut für Gärungsgewerbe und Stärkefabrikation zu Berlin. Festschrift zur Feier seines 50-jährigen Bestehens am 29. September 1924.Verlagsbuchhandlung Paul Parey – Verlag für Landwirtschaft, Gartenbau und Forstwesen: Berlin 1924

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://vlb.ifgb.de/front_content.php
  2. https://www.vlb-berlin.org/news/seestrasse13_2018
  3. Archivlink (Memento des Originals vom 13. August 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/brennerei.ifgb.de
  4. http://www.biotechnologie.ifgb.de/seminars-conventions/index.html
  5. Luitgard Marschall: Im Schatten der chemischen Synthese: industrielle Biotechnologie in Deutschland (1900–1970) Campus Verlag, 2000 ISBN 3-593-36585-5, S. 60
  6. https://www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/liste_karte_datenbank/de/denkmaldatenbank/daobj.php?obj_dok_nr=09050425
  7. http://vh-backhefe.de/geschichte.php
  8. VLSF 125 Jahre, S. 116
  9. http://d-nb.info/gnd/107761653
  10. http://www.herbert-henck.de/Internettexte/Windisch_I/windisch_i.html
  11. http://www.rechenschieber.org/BierBerlin.pdf
  12. http://d-nb.info/gnd/107761645 und http://d-nb.info/gnd/127391258

Koordinaten: 52° 32′ 43,4″ N, 13° 20′ 35,1″ O