Institut für Hochschulkunde

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Das Institut für Hochschulkunde (IfH) ist eine private wissenschaftliche Einrichtung an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg mit bedeutenden Sammlungen zur Studentengeschichte, insbesondere zur Geschichte des Korporationsstudententums. Rechtsträgerin ist die Deutsche Gesellschaft für Hochschulkunde (DGfH). Aufbewahrung und Erschließung der Bestände für den Leihverkehr obliegen der Universitätsbibliothek Würzburg.

Geschichte des Instituts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründungsbeschluss des Hochschularchivs der Deutschen Studentenschaft

Vorläufer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehemalige Freistudent und Studentenhistoriker Paul Ssymank, der an der Georg-August-Universität Göttingen einen Lehrauftrag für Hochschul- und Studentengeschichte innehatte, gründete 1920 ein „Hochschularchiv der Deutschen Studentenschaft (DSt)“ mit Sitz in Göttingen. Um angesichts des Verfassungskonfliktes innerhalb der DSt den Fortbestand der schnell anwachsenden Bestände zu sichern, vereinigte Ssymank das Archiv im September 1925 mit seiner Hochschulkundlichen Bücherei (begründet 1909), einer Auslandsabteilung und der Sammelstelle für studentische und akademische Zeitschriften und benannte es in Institut für Hochschulkunde um. 1929 wurde ihm zusätzlich der Wissenschaftliche Apparat für Studentengeschichte an der Universität Göttingen angegliedert.

1928 entstand unter Mitwirkung des Rektors der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Fritz Drevermann, des Magistrats der Stadt Frankfurt und privater Förderer die der Stadtbibliothek in Frankfurt angegliederte Hochschulkundliche Sammlung in Frankfurt a. M. Sie umfasste insbesondere die bedeutende studentengeschichtliche Sammlung von Carl Manfred Frommel (ca. 12.000 Nummern, Grafik und Bibliothek), die bisher der Universitätsbibliothek in Marburg angegliederte Bibliothek des Verbandes Alter Corpsstudenten (VAC) (4000 Bände), das Archiv des Kösener Senioren-Convents-Verbandes, das Archiv des Verbandes Alter Corpsstudenten, das Archiv des Allgemeinen Deutschen Waffenrings, das Archiv des Verbandes der Chemikerschaften an den deutschen Hochschulen und das Archiv der Frankfurter Studentenhilfe. Das Göttinger Hochschularchiv der Deutschen Studentenschaft wurde ebenfalls der Frankfurter Sammlung übergeben.[1] Auf Veranlassung von Reichsarchivdirektor Ernst Müsebeck (Wingolf), der von Anfang an in die Planungen eingebunden war, wurde die Verantwortung für Sammlung und Verwaltung 1931 durch die Abteilung Frankfurt des Reichsarchivs übernommen.

Das Institut für Hochschulkunde in Würzburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg Meyer-Erlach

Der Würzburger Stadtrat Umhau und Georg Meyer-Erlach initiierten ab 1935 auf der Festung Marienberg ein weiteres Institut, in das die Frankfurter Bestände 1937 überführt wurden. Die Stadt Würzburg unterstützte den Aufbau maßgeblich durch Übernahme von Bau- und Personalkosten sowie durch den Ankauf der bedeutenden Sammlungen Georg Schmidgall und Oskar Scheuer. Im Januar 1937 löste Ssymank sein Institut auf und veräußerte seine Bestände ebenfalls an die Stadt Würzburg. Das Institut geriet allerdings schnell unter der Kontrolle der Reichsstudentenführung, die den Historiker und Burschenschafter Arnold Brügmann mit der Leitung beauftragte. Unter seiner Leitung wurde das Institut zugleich Archiv des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes und der Deutschen Studentenschaft.

In der Nachkriegszeit wurden die Sammlungen des Instituts, soweit sie die Luftangriffe und Plünderungen überstanden hatten, auf Initiative mehrerer Altherrenverbände gesichert und per Leihvertrag mit der bayerischen Staatsregierung in der Alten Universität (Domerschulstraße) untergebracht, um sie der interessierten Fachöffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Erschließung übernahmen Meyer-Erlach, der dem Institut bis 1956 vorstand, und sein bis Dezember 1976 dort wirkender Nachfolger Albin Angerer. Die Trägerschaft übernahm 1961 die Deutsche Gesellschaft für Hochschulkunde.

Ab 1982 befand sich das Institut, das ab Januar 1977 unter Leitung von Walter M. Brod (1912–2010)[2][3] stand, in eigenen Räumlichkeiten der neuen Universitätsbibliothek Würzburg. Wissenschaftlicher Leiter des Instituts war von 2006 bis 2010 der Würzburger Hochschullehrer und Kunsthistoriker Stefan Kummer. Ihm folgte der Historiker Matthias Stickler. Kustodin ist seit 2006 die Kunsthistorikerin Michaela Neubert. Sie organisierte 2014 den Umzug in ein erneuertes Gebäude der aufgelassenen Leighton Barracks. Das IfH teilt seine Archivräume mit der am 4. Juli 2014 gegründeten Forschungsstelle Deutscher Orden.

Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Hochschulkunde ist Karsten Bahnson.

Bestände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut für Hochschulkunde vereinigt Bibliotheks-, Museums- und Archivgut aus vier Jahrhunderten. Zu seinen Sammlungen gehören:

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut beteiligt sich an Ausstellungen. Dazu sind folgende Kataloge erschienen:

  • Wider Zopf und Philisterey. Deutsche Studenten zwischen Reformzeit und Revolution 1800–1850. Würzburg 1985
  • Studentenverbindungen und Verbindungsstudenten in Bonn. Ausstellungskatalog des Arbeitskreises Bonner Korporationen und des Instituts für Hochschulkunde. Würzburg 1989

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Institut für Hochschulkunde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. C. M. Frommel, Die Hochschulkundliche Sammlung, S. 91
  2. Jürgen Weber: Laudatio auf Walter M. Brod anläßlich der Verleihung der Kulturmedaille der Stadt Würzburg. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 17, 1998, S. 559 f.
  3. Moenania Würzburg: Walter M. Brod. (Online), abgerufen am 6. Oktober 2016.
  4. Florian Hoffmann: Vom Aktenfriedhof zur Forschungsstätte. Neue Aufgaben für das Kösener Archiv. Corps Magazin (Deutsche Corpszeitung) 4/2008, S. 17