Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik

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Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik
Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik
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Rechtsform des Trägers: Unabhängige, gemeinnützige Stiftung privaten Rechts
Standort der Einrichtung: Bremen und Bremerhaven
Mitarbeiter: 50
Homepage: www.isl.org

Das Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) ist ein gemeinnütziges maritimes Forschungs- und Beratungsinstitut mit Sitz in Bremen und Bremerhaven. Es wurde 1954 gegründet und ist damit erstes maritimes Institut in Deutschland und Vorbild für weitere Institute weltweit. Das ISL untergliedert sich in die drei Tätigkeitsschwerpunkte Logistische Systeme, Maritime Wirtschaft und Verkehr sowie Informationslogistik. Im Mittelpunkt der Tätigkeiten steht satzungsgemäß der Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Praxis. Mit seinen F+E-Dienstleistungen und seinem wissenschaftlichen Consulting bildet das Institut somit eine Schnittstelle zwischen Forschung und Anwendung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ISL in Bremerhaven

Das Institut wurde 1954 in Bremen als unabhängige, gemeinnützige Stiftung privaten Rechts „Institut für Schiffahrtsforschung“ mit dem Zweck gegründet, wissenschaftliche Schifffahrtsforschung zu betreiben und zu fördern. Dazu gehörte auch die Gründung einer umfangreichen Schifffahrtsbibliothek. Gründer und erster Direktor war Gustav Adolf Theel. 1967 änderte es seinen Namen in „Institut für Seeverkehrswirtschaft“. Das Institut wurde dem Bremer Senator für Bildung, Wissenschaft und Kunst zugeordnet. Der „Förderkreis Stiftung Institut für Seeverkehrswirtschaft e.V.“ wurde 1982 von namhaften Repräsentanten deutscher Schifffahrtsunternehmen ins Leben gerufen. Die Mitglieder unterstützten die wissenschaftliche Forschung des Instituts sowohl in ideeller als auch in materieller Hinsicht. 1988 wurde eine neue Satzung eingesetzt und der Namen in „Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik“ geändert. Als Organe wurden das Kuratorium und das Direktorium eingerichtet und die Aufgaben und Zuständigkeiten geregelt. 1989 wurde der wissenschaftliche Beirat gegründet. Er besteht aus Vertretern von Wissenschaft und Praxis, berät das ISL auf den Gebieten der Forschung und Entwicklung und trägt wesentlich zur praxisorientierten Zielformulierung der Entwicklungsstrategien bei. Der Standort Bremerhaven wurde 1997 gegründet. Zum 50-jährigen Jubiläum 2004 wurde ein Senatsempfang im Bremer Rathaus und ein Workshop im Congress Centrum Bremen veranstaltet. Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft von Bremens Bürgermeister Henning Scherf.

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logistische Systeme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ISL in Bremen

Die Schwerpunkte des Tätigkeitsbereichs Logistische Systeme gliedern sich in Intermodalität, Wissensmanagement, Standortlogistik und Nachhaltige Systeme für Produktion und Logistik. Mit Blick auf die Entwicklung von logistischen Lösungen in Unternehmen, in der Supply Chain, am Standort und in der verteilten Produktion, stehen die unternehmerische Systemintegration intermodaler Verkehre, die Konfiguration synergetischer regionaler Netzwerke (etwa eines Güterverkehrszentrums), das Wissensmanagement und Kooperationscontrolling (beispielsweise für logistische Netzwerke und Supply Chains) sowie die prozessorientierte Gestaltung nachhaltiger Systeme in der Logistik im Mittelpunkt der Forschungsaktivitäten.

Maritime Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schwerpunkt des Tätigkeitsbereichs Maritime Wirtschaft und Verkehr umfasst Analysen und Prognosen sowie Untersuchungen von Einflussfaktoren und Wirkungszusammenhängen in den Bereichen Schifffahrt, Häfen und Schiffbau. Darüber hinaus werden verkehrspolitische Maßnahmen und Handlungskonzepte analysiert und qualitativ-empirische Ansätze im Bereich der Verkehrsmodellierung entwickelt. Zu den Forschungs- und Beratungsfeldern zählen: Marktanalysen und Evaluierung, Erstellung politikrelevanter Analysen und Prognosen, Verkehrsplanung sowie Modellierung. Traditionell umfasst das Aufgabenspektrum darüber hinaus eine breit gefächerte Beratung von Politik und Wirtschaft durch fundierte ökonomische Fakten (Marktinformationen) und statistischen Informationen und Datengrundlagen.

Informationslogistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schwerpunkte des Tätigkeitsbereichs Informationslogistik liegen in der Unterstützung des Aufbaus und Betriebs transportwirtschaftlicher und logistischer Dienstleistungen durch informations- und simulationstechnische Lösungen. Im Mittelpunkt der Forschungsaufgaben stehen die Simulation von Knoten, Korridoren und Netzen, die Sicherheit in der Transportkette, die Software-Unterstützung intermodaler Transporte sowie der Einsatz mobiler Kommunikationstechnologien wie Auto-ID/RFID und SCEM. Entsprechend dem Forschungsauftrag sind zwei spezielle Entwicklungsschwerpunkte am Standort Bremerhaven angesiedelt: Das Kompetenzzentrum „Optimierung und Simulation“ arbeitet an der Entwicklung und Durchführung von Consultingprojekten für die Bereiche Häfen, intermodale Bahnterminals und Umschlagsanlagen. Beispiele sind Verkehrswege-Simulation zur Engpassvermeidung, Methoden und Werkzeuge zur Kapazitätsplanung von Terminals, Modelle zur Optimierung von Hafenanlaufstrategien, Simulation von Güterströmen in multimodalen Netzen sowie mathematische Optimierung und animierte 3D-Visualisierung logistischer Prozesse. Das Kompetenzzentrum „Auto-ID und Sicherheit im Containerverkehr“ arbeitet an der Erstellung und Durchführung von Pilotprojekten zum Einsatz automatischer Identifizierungstechniken und ihre Einbindung in Geschäfts- und IT-Prozesse, z.B. im Containerumschlag oder zum Aufbau von Überwachungssystemen intermodaler Ketten aus Logistik- und Sicherheitssicht.

Statistische Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die statistischen Veröffentlichungen des ISL für die maritime Wirtschaft enthalten Marktdaten zu Schifffahrts- und Schiffbaumärkten, zu Seehandel und Frachtratenentwicklung sowie zum Güterumschlag der führenden Weltseehäfen. Zu den wichtigsten Publikationen zählen die ISL Shipping Statistics and Market Review (SSMR), das ISL Shipping Statistics Yearbook (SSYB) und der ISL Monthly Container Port Monitor (MCPM).

InfoCenter / Bibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ISL InfoCenter ist ein europaweit führender Dienstleister für Information und Dokumentation rund um Themen der maritimen Wirtschaft und Logistik. Es bietet ein professionelles Serviceangebot über Branchen, Märkte und Unternehmen in den Bereichen Schifffahrt, Schiffbau und Häfen, Verkehr, Transport und Logistik sowie Wirtschaft und Handel.

Die ISL Bibliothek, die bereits seit 1954 besteht, ist eine der größten wissenschaftlichen Spezialbibliotheken im Bereich der maritimen Wirtschaft und Logistik. Neben dem Erwerb von Fachbüchern liegt ein besonderer Sammelschwerpunkt bei Marktstudien, Forschungsberichten, Tagungsberichten, Wirtschaftsstatistiken, Geschäftsberichten sowie Schiffsregistern. Der Gesamtbestand der Bibliothek beträgt mehr als 131.000 Bände sowie 200 laufende Zeitschriftenabonnements (Stand: Januar 2016). Neben dem Bestand vor Ort bietet die Bibliothek Zugang auf die Literaturdatenbank ISL SEABASE, elektronische Zeitschriften sowie E-Books.

Die Bibliothek ist öffentlich zugänglich, die Nutzung ist kostenfrei. Ein Lesesaal, mehrere Online-Arbeitsplätze und ein Münzkopierer sind vorhanden.

Kooperationen und Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Centre for Maritime Studies, University of Turku, Finnland
  • Deutsche Außenhandels- und Verkehrs-Akademie (DAV) Bremen, Deutschland
  • Erasmus Universiteit Rotterdam (EUR), Niederlande
  • Hochschule Bremerhaven, Deutschland
  • Hochschule für Internationale Wirtschaft und Logistik (HIWL) Bremen, Deutschland
  • Hunan University Changsha, China
  • Instytut Morski (IM) Gdansk, Polen
  • Jiatong University Beijing, China
  • Maritime Research and Consultation Center (MRCC) Alexandria, Ägypten
  • National Maritime University Odessa, Ukraine
  • Nationale Wadym-Hetman-Wirtschaftsuniversität Kiew, Ukraine
  • National University Pusan, Institute of Logistics Innovation and Networking (LIN), Südkorea
  • National Technical University of Athen (NTUA), Griechenland
  • Ruttgers University New Jersey, Center for Advanced Infrastructure and Transportation (CAIT), USA
  • State University St. Petersburg, Russland
  • Shanghai Maritime University (SMU), China
  • University Antwerpen, Belgien
  • Universität Bremen, Deutschland
  • Universität Lissabon, Portugal
  • University of Commerce, Vietnam
  • Universität Rostock, Ostseeinstitut für Marketing, Verkehr und Tourismus, Deutschland
  • World Maritime University (WMU) Malmö, Schweden

Netzwerke und Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arbeitskreis Logistik Bremerhaven
  • Association for Automatic Identification and Mobility (AIM) e.V.
  • Baltic Sea Forum e.V., Hamburg
  • Bremische Hafenvertretung (BHV) e.V.
  • Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V., Bremen
  • Council of Supply Chain Management Professionals, USA
  • dbh Logistics IT AG, Bremen
  • Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Bonn
  • Deutsche GVZ-Gesellschaft, Bremen
  • Deutsches Maritimes Kompetenz Netz (DMKN)
  • Deutsches Verkehrsforum, Berlin
  • Deutsche Verkehrswissenschaftliche Gesellschaft (DVWG) e.V., Berlin
  • European Intermodal Association (EIA), Brüssel, Belgien
  • Informations- und Dokumentationsverbund Verkehr (InDVV)
  • International Association of Maritime Economists, Rotterdam, Niederlande
  • LogDynamics Forschungsverbund, Bremen
  • Northern Dimension Institute (NDI), Finnland
  • Race Network RFID, Europa
  • Via Bremen e.V.
  • Windenergie Agentur Bremerhaven/Bremen (WAB) e.V.
  • Wirtschaftsverband Weser e.V., Bremen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]