Institutionensystem

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Das Institutionensystem ist ein aus der römischen Rechtsantike stammendes wissenschaftlich-systematisches Gliederungssystem des allgemeinen Privatrechts. Privatrecht wird dabei in zwei große Sachbereiche eingeteilt, das „Personenrecht“ (personae) und das „Sachenrecht“ (res). Zum Personenrecht im antiken Sinne gehören das "heutige" Personen- und Familienrecht, zum Sachenrecht (im Sinne von Vermögensrecht) das Sachenrecht im "heutigen" Sinne, das Erbrecht und das Schuldrecht.[1]

Das System geht ursprünglich auf den hochklassischen Juristen Gaius zurück, der im 2. Jahrhundert wirkte. Er hatte es für seine „Institutionen“ (Institutiones Gai) entwickelt, ein Schullehrwerk. Damit verfolgte er den Zweck, bis dahin zusammengetragenes Privatrecht an die Erfordernisse des Unterrichts seiner Zeit anzupassen und den Rechtsstoff zu strukturieren, indem er ihn nach sachlogischen Prinzipien einteilte. Der daraus resultierende einschlägige Erfolg führte dazu, dass das Institutionensystem in der Spätantike von Kaiser Justinian übernommen wurde und sich in dessen „Institutionen“ (Institutiones Iustiniani) wiederfand. Diese wiederum waren Bestandteil des später so genannten Corpus Iuris Civilis. Diesem Entwurf folgten vor allem die großen neuzeitlichen Kodifikationen des französischen Code civil von 1804 und des österreichischen Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches von 1811.

Das Besondere und der Vorteil des Institutionensystems[2] ist der weite Sachbegriff. Die res umfassen im gaianischen Verständnis körperliche wie unkörperliche Sachen, also Rechtsobjekte. Aus diesem Grund gehören auch Vermögensrechte wie Sachgesamtheiten, die Erbschaft, der Nießbrauch und die Obligationen dazu.[3]

Ab dem 19. Jahrhundert entwickelte sich auf Grundlage der iustinianischen Digesten die Pandektenwissenschaft als System, das den Stoff des bürgerlichen Rechts abweichend vom Institutionensystem in fünf Teile aufteilte.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Hans Hermann Seiler: Geschichte und Gegenwart im Zivilrecht. Grundzüge des Sachenrechts, Heymanns, Köln 2005, ISBN=978-3-452-25387-3, S. 229–295 (230).
  2. Zu den Vorteilen des Institutionensystems siehe etwa Theo Mayer-Maly: Die Lebenskraft des ABGB. In: Österreichische Notariats-Zeitung. (NZ). 1986, S. 265 ff (267 f).
  3. Vgl. Hans Josef Wieling: Sachenrecht, 5. Aufl., Berlin 2007, I § 1 I 1,2.
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!