Intergovernmental Panel on Climate Change

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
 
Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen
Intergovernmental Panel on Climate Change
Groupe d’experts intergouvernemental sur l’évolution du climat (GIEC)

Logo
Organisationsart Zwischenstaatlicher Ausschuss
Kürzel IPCC
Leitung Hoesung Lee
(seit Oktober 2015)
Gegründet November 1988
Hauptsitz Genf (Schweiz)
ipcc.ch (englisch)

Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen)[1], im Deutschen oft als „Weltklimarat“ bezeichnet, wurde im November 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) als zwischenstaatliche Institution ins Leben gerufen, um für politische Entscheidungsträger den Stand der wissenschaftlichen Forschung zum Klimawandel zusammenzufassen, ohne dabei Handlungsempfehlungen zu geben.[2] Der Sitz des IPCC-Sekretariats befindet sich in Genf (Schweiz). 195 Regierungen sind Mitglieder des IPCC [3], außerdem sind mehr als 120 Organisationen als Beobachter des IPCC registriert.[4]

Hauptaufgabe des Ausschusses ist es, die naturwissenschaftlichen Grundlagen und den weltweiten Forschungsstand über die Auswirkungen des Klimawandels und seine Risiken sowie Minderungs- und Anpassungsstrategien zusammenzutragen und aus wissenschaftlicher Sicht zu bewerten [5][6]. Dazu beruft der IPCC tausende Wissenschaftler aus aller Welt. Diese erstellen die „Sachstandsberichte“ des IPCC. Bisher hat der IPCC fünf Sachsstandsberichte und mehr als zehn Sonderberichte sowie Richtlinien für die Erstellung von Treibhausgasinventaren veröffentlicht.[7]

Die Sachstandsberichte des IPCC gelten in der Wissenschaft als glaubwürdigste und fundierteste Darstellung bezüglich des naturwissenschaftlichen, technischen und sozioökonomischen Forschungsstandes über das Klima und seine Veränderungen sowie über Möglichkeiten des Umgangs damit.[8] Die Organisation wurde 2007, gemeinsam mit dem ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Der erste Vorsitzende des IPCC war von 1988 bis 1996 der schwedische Meteorologe Bert Bolin, gefolgt von dem britischen Chemiker Robert Watson. Seit 2002 war der indische Ökonom Rajendra Kumar Pachauri Vorsitzender des IPCC. Nach dessen vorzeitigem Rücktritt von 2015 übernahm der bisherige Vizepräsident Ismail El Gizouli die kommissarische Leitung.[9] Im Oktober 2015 wurde der koreanische Ökonom Hoesung Lee zum neuen Vorsitzenden gewählt.[10]

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das IPCC betreibt selbst keine Forschung, sondern in seinem Auftrag tragen tausende Experten die Ergebnisse der Forschungen aus verschiedenen Disziplinen zusammen, darunter der Klimatologie, den Sozialwissenschaften und der Technologie. Er bildet eine kohärente Darstellung dieses Materials in sogenannten Sachstandsberichten ab, den IPCC Assessment Reports.

Die Sachstandsberichte des IPCC bestehen aus drei Bänden, die jeweils von einer Arbeitsgruppe erstellt werden.[11] Arbeitsgruppe 1 behandelt die naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels, Arbeitsgruppe 2 beschäftigt sich mit der Verwundbarkeit von sozioökonomischen und natürlichen Systemen gegenüber dem Klimawandel und dessen Auswirkungen. Zudem beschreibt sie Wege, wie sich die Menschen an eine globale Erwärmung anpassen können. Arbeitsgruppe 3 zeigt politische und technologische Maßnahmen zur Minderung des Klimawandels auf. In jeder Arbeitsgruppe arbeiten mehrere hundert Experten aus aller Welt etwa drei Jahre an einem Bericht von jeweils mehr als tausend Seiten. Sonderberichte werden nach demselben Verfahren wie Sachstandsberichte erstellt, behandeln aber ein bestimmtes Thema sehr ausführlich[12].

Die Sachstandsberichte des IPCC durchlaufen ein mehrstufiges Begutachtungsverfahren[13][14]. In drei aufeinanderfolgenden Begutachtungsrunden werden Kommentare, Kritik und Vorschläge von den Autoren bearbeitet. Beim Fünften Sachstandsbericht wurden mehrere zehntausend Kommentare von hunderten von Forschern und Regierungen eingereicht [15]; unabhängige Begutachtungseditoren, sogenannte Review Editors, achten darauf, ob die Überarbeitungen alles angemessen berücksichtigen[13].

Die Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger, die in allen Sachstandsberichte und Sonderberichten enthalten sind, werden Satz für Satz von den Regierungen in einer Vollversammlung unter dem Vorsitz der Wissenschaftler verabschiedet.[16][14][17] Dabei achten die Regierungsvertreter vor allem darauf, dass die Aussagen vollständig, verständlich und ausgewogen sind. Es dürfen nur Informationen aus den zugrundeliegenden Berichten genutzt werden. Die wissenschaftlichen Autoren haben das letzte Wort, denn sie entscheiden, ob die von den Regierungen vorgeschlagenen Formulierungen korrekt sind. Das Plenum stimmt dem Gesamtbericht einschließlich der Zusammenfassung zu. Durch dieses Verfahren erkennen die Regierungen die wissenschaftlichen Aussagen der IPCC-Berichte an.

Während der Erstellung und Begutachtung sind die Berichte und Gutachterkommentare vertraulich. Ist ein Bericht veröffentlicht, können alle Unterlagen eingesehen werden [18].

Der IPCC machte in seinen Sachstandsberichten vielzitierte Aussagen über zukünftige Klimaänderungen. Diese Aussagen sind seit Jahren die dominierende Basis der politischen und wissenschaftlichen Diskussionen über die globale Erwärmung.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der IPCC gibt keine Handlungsratschläge oder politische Empfehlungen und betreibt selbst keine Forschung.[19] Im Auftrag des IPCC tragen Experten aus aller Welt den aktuellen Wissensstand zu den unterschiedlichen Aspekten des natürlichen und menschengemachten Klimawandels zusammen und bewerten ihn aus wissenschaftlicher Sicht. Die Autoren greifen auf bereits veröffentlichtes Wissen zurück, wenn möglich aus begutachteten, wissenschaftlichen Zeitschriften.[20] Dabei geben sie den Grad ihres Vertrauens in ihre Aussagen aufgrund der vorhandenen Belege und deren Übereinstimmungsgrad an; falls möglich, machen Sie auch quantitative Wahrscheinlichkeitsaussagen.[21] Die Berichte des IPCC durchlaufen ein mehrstufiges Begutachtungsverfahren.[20]

Der IPCC befasst sich u.a. mit folgenden Themen:

Bei seiner Arbeit bemüht sich der IPCC darum, die Teilnahme von Entwicklungs- und Schwellenländern an den IPCC-Aktivitäten zu verbessern.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der IPCC ist eine Institution der Vereinten Nationen. Er ist ein wissenschaftliches Gremium und gleichzeitig ein zwischenstaatlicher Ausschuss. Der Sitz des Rates ist Genf. Zurzeit (2016) sind 195 Länder Mitglied des IPCC, Regierungen von Staaten, die Mitglieder der Vereinten Nationen oder der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) sind.[3] Für jeden Bericht werden neue Autorenteams zusammengestellt, Wissenschaftler aus der ganzen Welt, die ohne zusätzliche Bezahlung zur Arbeit des IPCC als Autoren und Gutachter beitragen. Außerdem hat der IPCC mehr als 100 akkreditierte Beobachter von internationalen Organisationen sowie aus der Zivilgesellschaft.[4]

Die Mitgliedsstaaten des IPCC kommen etwa einmal jährlich zum Plenum zusammen. Daran nehmen hunderte Fachleute und Vertreter der Regierungen und anerkannter Beobachterorganisationen teil. Das Plenum entscheidet über Managementangelegenheiten, Verfahrensregeln [20] für die Berichtserstellung und das Arbeitsprogramm. Außerdem wählt es die Vorsitzenden des IPCC und seiner Arbeits- und Projektgruppen sowie die übrigen Vorstandsmitglieder. Fertige Berichte werden dort verabschiedet und Themen für künftige beschlossen.

Die 34 Vorstandsmitglieder [22] sind anerkannte Experten und unterstützen die wissenschaftliche Arbeit des IPCC. Ein Exekutivkomitee [23] sorgt dafür, dass Beschlüsse des Plenums umgesetzt werden. Dieses Komitee hat etwa ein Dutzend Mitglieder und setzt sich zusammen aus den Vorsitzenden und Vizevorsitzenden des IPCC sowie den Vorsitzenden der Arbeitsgruppen und einer Projektgruppe. Die Leiter des IPCC-Sekretariats und der Geschäftsstellen [24] sind als Berater dabei.

Drei Arbeitsgruppen erstellen den Sachstandsbericht sowie die Sonderberichte:

  • Arbeitsgruppe I[25] befasst sich mit den naturwissenschaftlichen Aspekten des Klimasystems und der Klimaänderung.
  • Arbeitsgruppe II [26] befasst sich mit den Auswirkungen des Klimawandels, der Verwundbarkeit von sozioökonomischen und ökologischen Systemen gegenüber Klimaänderungen sowie Möglichkeiten der Anpassung.
  • Arbeitsgruppe III [27] befasst sich mit technologischen und sozioökonomischen Maßnahmen zur Minderung des Klimawandels.

Jeweils zwei Ko-Vorsitzende koordinierten die Arbeit jeder der drei Arbeitsgruppen, unterstützt von sieben oder acht Vizevorsitzenden und je einer Geschäftsstelle.

Eine ständige Projektgruppe, The Task Force on National Greenhouse Gas Inventories[28], befasst sich mit der Entwicklung von Methodologien und der Standardisierung von Verfahren für die Erstellung Inventaren von Emissionsdaten von Treibhausgasen in den einzelnen Ländern, z.B. für die Klimarahmenkonvention. Die Projektgruppe wird von zwei Ko-Vorsitzenden koordiniert, unterstützt von 12 Vizevorsitzenden und einer Geschäftsstelle.

Der IPCC unterhält außerdem ein Datenzentrum, das IPCC Data Distibution Center[29], koordiniert von der Projektgruppe zu Daten und Szenarien, der Task Group on Data and Scenario Support for Impact and Climate Analysis [30].

Berichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das IPCC veröffentlicht Berichte in vier Kategorien:

  • Sachstandsberichte (Assessment Reports): Umfassende und objektive wissenschaftliche Bewertung des Forschungsstandes zum Klimawandel, meist in drei Bänden (Naturwissenschaftliche Grundlagen/Folgen, Anpassung, Verwundbarkeit/Klimaschutz);
  • Sonderberichte (Special Seports): Ein Sachstandsbericht zu einem bestimmten Thema;
  • Methodik Berichte (Methodology Reports): Methodologien zur Erstellung von Treibhausgasinventaren.
  • Technische Berichte (Technical Papers): Zusammenfassung bestimmter Inhalte aus Sachstands- oder Sonderberichten;

Sachstandsberichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonderberichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Jahr 2009 hat der IPCC insgesamt 10 Sonderberichte herausgegeben. Dazu gehören die im Jahr 2000 veröffentlichten Berichte zu Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft[32] und zu den im dritten und vierten Sachstandsbericht verwendeten Emissionsszenarien[33] sowie der 2005 herausgegebene Sonderbericht zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid.[34]

Im April 2011 veröffentlichte der IPCC einen Sonderbericht über Erneuerbare Energiequellen und die Minderung des Klimawandels.[35][36] Ein Sonderbericht zum „Management des Risikos von Extremereignissen und Katastrophen zur Förderung der Anpassung an den Klimawandel“ (SREX) erschien im März 2012.[37]

Bis Ende 2019 wird der IPCC drei weitere Sonderberichte zu folgenden Themen erstellen [38]:

  • Sonderbericht über 1,5 Grad globale Erwärmung - Der IPCC-Sonderbericht über die Folgen einer globalen Erwärmung um 1,5 °C gegenüber vorindustriellem Niveau und die damit verbundenen globalen Treibhausgasemissionspfade im Zusammenhang mit einer Stärkung der weltweiten Reaktion auf die Bedrohung durch den Klimawandel, nachhaltiger Entwicklung und Bemühungen zur Beseitigung von Armut (Verabschiedung im Jahr 2018);
  • Sonderbericht über den Klimawandel, Wüstenbildung, Bodendegradation, nachhaltiges Landmanagement, Nahrungsmittelsicherheit und Treibhausgasflüsse in terrestrischen Ökosystemen (Verabschiedung im Jahr 2019);
  • Sonderbericht über den Klimawandel, die Ozeane und die Kryosphäre (Verabschiedung im Jahr 2019).

Budget[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeit des IPCC wird vom IPCC-Treuhandfonds unterstützt. Im Jahr 2009 gab das IPCC für seine Arbeit ca. 6,9 Millionen CHF oder umgerechnet 5,3 Millionen Euro aus.[39] Mit diesen Mitteln wird insbesondere die Mitarbeit von Fachleuten aus Entwicklungsländern (z.B. durch Reisekostenzuschüsse) und die Veröffentlichung und Übersetzung von IPCC-Berichten finanziert.

Der IPCC-Treuhandfonds erhält zum einen freiwillige Beiträge der Mitgliedstaaten. Letztere betrugen im Jahr 2009 beispielsweise 441.772 CHF aus Deutschland, 30.151 CHF aus Österreich, 100.000 CHF aus der Schweiz und 1.578.900 CHF aus den USA.[39] Zum anderen leisten die Gründungsorganisationen UNEP und World Meteorological Organization sowie die Klimarahmenkonvention UNFCCC (Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen) Beiträge. UNEP und WMO tragen außerdem zur Finanzierung des IPCC-Sektretariats bei.

Die Geschäftsstellen der Arbeits- und Projektgruppen werden von den Ländern finanziert, in denen die Ko-Vorsitzenden arbeiten, hauptsächlich von Industrieländern. Diese finanzieren häufig auch Autorentreffen oder Plenarsitzungen.

Der Vorsitzende des IPCC, die Vizevorsitzenden und die Ko-Vorsitzenden sowie die Autoren der Berichte des IPCC erhalten für ihre Arbeit keine zusätzliche Bezahlung.

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vergleich des gemessenen Meeresspiegelanstiegs zwischen 1970 und 2010 mit den Projektionen des IPCC seit 1990: Die Realität bewegt sich am oberen Ende der damaligen IPCC-Szenarien.
Das Schmelzen des Meereises in der Arktis verläuft schneller als alle Klimamodelle, die Grundlage des 4. Sachstandsberichts des IPCC von 2007 waren, erwarten ließen.

Da die Berichte des IPCC Grundlage der weltweiten Klimapolitik sind, steht der IPCC häufig in der Kritik von organisierten Klimawandelskeptikern und -leugnern, die ihn mit dem Vorwurf zu diskreditieren versuchen, politisch beeinflusst zu sein.[8][40][41][42] Entgegen der häufig von Klimaskeptikern vorgebrachten Falschbehauptung, dass Klimawissenschaftler und das IPCC zu „alarmistisch“ seien (das heißt Ausmaß und Folgen der globalen Erwärmung zu übertreiben), kamen wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass die Sachstandberichte des IPCC tendenziell einige Aspekte der globalen Erwärmung eher unterschätzen.[43] Zudem sind die Sachstandberichte nicht nur konservativer, sondern auch vorsichtiger und zurückhaltender formuliert als die Verlautbarungen von Klimaskeptikern. Begründet wird dieses Phänomen damit, dass IPCC-Autoren möglichst keine Angriffsfläche für Vorwürfe von Klimaskeptikern bieten wollen, während Klimaskeptiker ihre Aussagen im Gegensatz dazu umso aggressiver formulieren, um besser attackieren zu können.[41] So wurden u. a. um das Jahr 2010 von der organisierten Klimaleugnerindustrie Angriffe auf Klimaforschung und insbesondere das IPCC intensiviert, nachdem vergleichsweise unbedeutende Fehler im 2007 veröffentlichten vierten Sachstandsbericht aufgefallen waren.[44]

Anfang 2010 unterzeichneten daraufhin 277 niederländische Wissenschaftler einen offenen Brief, in dem sie das IPCC verteidigten und gegen die Diskreditierung der Klimaforschung in der öffentlichen Debatte protestierten. Um die Fehler im vierten IPCC-Bericht habe es eine „unverhältnismäßige Aufregung“ (disproportionate commotion) gegeben. Das IPCC sei zwar nicht unfehlbar, aber seine Arbeitsweisen seien „transparent und sorgfältig“ (transparent and thorough). Die grundlegenden Ergebnisse des IPCC würden trotz der Fehler gültig bleiben. Gleichzeitig forderten die Wissenschaftler, dass das Gremium in Zukunft Fehler noch schneller einräumen solle.[45]

Darüber hinaus wurde von wissenschaftlicher Seite empfohlen, die Prozesse weiter zu verbessern. So schlug u. a. der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen Hans Joachim Schellnhuber nach der Entdeckung einer fehlerhaften Gletscherprognose im Vierten Sachstandsbericht vor, die „Struktur des Rates und den Zuschnitt der Arbeitsgruppen“ zu optimieren, um zukünftig ähnliche Fehler zu vermeiden.[46]

Interessenkonflikte wurden früher wegen des politischen Einflusses auf die Endredaktion der Zusammenfassungen thematisiert.[47][48] So wurde im Zusammenhang mit dem vierten Sachstandsbericht bekannt, dass einige Regierungen (unter anderem die USA und China) eine deutliche Abschwächung des von den Wissenschaftlern vorgelegten Berichtsentwurfes durchgesetzt haben.

PBL-Bericht zum vierten IPCC-Sachstandsbericht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: PBL-Bericht

Vor diesem Hintergrund beauftragte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon den InterAcademy Council (IAC), einen internationalen Zusammenschluss von Wissenschaftsakademien, mit einer Untersuchung der Arbeit des IPCC. Der IAC legte daraufhin im Sommer 2010 einen Bericht vor. Darin bescheinigte er dem IPCC gute Arbeit und machte gleichzeitig mehrere Reformempfehlungen. Neben der Einrichtung eines Leitungsteams wurde u. a. vorgeschlagen, dem IPCC-Sekretariat einen Exekutivdirektor zu geben.[49]

Vor dem Hintergrund der Debatte um Fehler im vierten IPCC-Sachstandsbericht beauftragte die niederländische Umweltministerin Jacqueline Cramer am 29. Januar 2010 die nationale Umweltbehörde PBL, eine umfassende Beurteilung der (im Syntheseband aufgeführten) 32 Schlussfolgerungen zu den regionalen Auswirkungen der globalen Erwärmung und der zugrunde liegenden Kapitel der Arbeitsgruppe II vorzunehmen. Der am 5. Juli 2010 veröffentlichte PBL-Bericht kam zu dem Ergebnis, dass die Schlussfolgerungen im Syntheseband nicht durch gefundene Fehler untergraben würden. Allerdings enthielten mehrere Schlussfolgerungen Aussagen, die keine Grundlage in den Kapiteln oder den dort zitierten Quellen hätten. Auch seien vereinzelt unzulässige Generalisierungen sowie mangelnde Transparenz und Glaubwürdigkeit von Quellen aufgetreten. So schloss das IPCC von rückläufigen Erträgen bei Hirse, Erdnuss und Augenbohne im Niger auf rückläufige Erträge von Nutzpflanzen in der Sahelzone, und von rückläufiger Rinderproduktivität in Argentinien auf rückläufige Nutztierproduktivität in Südamerika. Insgesamt wurden leichte Mängel bei fünf und schwere Mängel bei drei der 32 Schlussfolgerungen festgestellt.[50]

Der PBL-Bericht kam insgesamt zu dem Ergebnis, dass die Schlussfolgerungen des vierten IPCC-Berichts weiterhin zulässig und insgesamt gut begründet seien. Neben den Fehlern wurde bemängelt, dass in der Zusammenfassung der Ergebnisse der Arbeitsgruppe II im Syntheseband negative Prognosen herausgepickt und positive Prognosen nicht genannt worden seien, ohne dieses „risikoorientierte“ Auswahlverfahren hinreichend zu verdeutlichen.[50]

„Lecks“ beim Fünften IPCC-Sachstandsbericht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Verfahrensregeln des IPCC sind die Entwürfe der Berichte sowie die Gutachterkommentare während der dreistufigen Begutachtung vertraulich.[51] Nach Veröffentlichung der Berichte werden alle Unterlagen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. [52]

IPCC-Projektion des Temperaturanstiegs und der Niederschläge im 21. Jahrhundert (September 2013)

Im Dezember 2012 veröffentlichte der Blogger und Klimaskeptiker Alec Rawls unautorisiert eine Vorab-Version des fünften Sachstandsberichts im Internet. Durch Anmeldung als externer Gutachter des IPCC hatte er sich dazu Zugang verschafft. Aus einem Satz, dass der Einfluss der kosmischen Strahlung noch nicht ganz verstanden sei, schloss er, dass dadurch die bisherige Klimatheorie ins Wanken gerate. Verschiedene Experten widersprachen dem. Die Kernaussage sei im Gegenteil, dass der Einfluss kosmischer Strahlung vermutlich zu vernachlässigen sei. Insgesamt hätte sich die Beweislage zur anthropogenen globalen Erwärmung verdichtet (die Wahrscheinlichkeitsabschätzung dafür betrage nun 95 % statt 90 % beim letzten Bericht).[53][54] Auch werde der voraussichtliche Meeresspiegelanstieg vermutlich nach oben korrigiert.[55]

Anfang November 2013 gelangte erneut eine Entwurfsversion des IPCC-Berichts (2. Teil) an die Öffentlichkeit.[56] Aufgrund der „Lecks“ wurde von verschiedener Seite (u. a. InterAcademy Council, KNMI, einige beteiligte Wissenschaftler) gefordert, den gesamten Entwurfsprozess schon während der Erstellung der Berichte öffentlich zu machen.[57][58]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Silke Beck: Das Klimaexperiment und der IPCC: Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Politik in den internationalen Beziehungen. Metropolis-Verlag, Marburg 2009, ISBN 978-3-895-18-771-1.
  • Ulrike Bolle: Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC): Eine völkerrechtliche Untersuchung. Mohr Siebeck, Tübingen 2011, ISBN 978-3-16-151665-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Intergovernmental Panel on Climate Change – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ipcc.de: Vereinbarungen für die Übersetzung englischer Fachbegriffe aus den Klimawissenschaften ins Deutsche Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle, abgerufen am 30. Dezember 2016
  2. Behauptung: „Der IPCC ist eine politische Organisation“ klimafakten.de, abgerufen am 30. Dezember 2016.
  3. a b ipcc.ch: Liste der Mitgliedsstaaten des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016
  4. a b ipcc.ch: Liste der Beobachterorganisationen des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016
  5. ipcc.ch: History of the IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016
  6. Der Weltklimarat IPCC Webseite der Deutschen IPCC-Koordinierungsstelle, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  7. ipcc.ch: Publication and Data, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  8. a b Stefan Rahmstorf, Hans Joachim Schellnhuber: Der Klimawandel. Diagnose, Prognose, Therapie. Beck, München 2007, S. 88.
  9. ipcc.ch: IPCC agrees on Acting Chair after R.K. Pachauri steps down. Presseerklärung vom 24. Februar 2015, abgerufen am 16. März 2015.
  10. IPCC elects Hoesung Lee of Republic of Korea as Chair. Press Release. Intergovernmental Panel on Climate Change, 6. Oktober 2015, abgerufen am 7. Oktober 2015.
  11. Assessment Reports Webseite des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  12. Special Reports Webseite des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  13. a b Appendix A to the Principles Governing IPCC Work, PROCEDURES FOR THE PREPARATION, REVIEW, ACCEPTANCE, ADOPTION, APPROVAL AND PUBLICATION OF IPCC REPORTS Webseite des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  14. a b Verfahren der Erstellung der IPCC-Berichte Webseite der Deutschen IPCC-Koordinierungsstelle, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  15. Begutachtung des Fünften IPCC-Sachstandsberichtes Webseite des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  16. Approval of an IPCC report Webseite des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  17. Deutsche Übersetzungen der Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  18. Fifth Assessment Report: review comments and responses Webseite des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  19. Principles governing IPCC work: policy relevant but not policy prescriptive Webseite des IPCC, abgerufen am 31. Dezember 2016.
  20. a b c Principles and Procedures of the IPCC Webseite des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  21. Guidance Note on Consistent Treatment of Uncertainties Webseite des IPCC, abgerufen am 30. Dezember 2016.
  22. Bureau of the IPCC Webseite des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  23. Executive Committee of the IPCC Webseite des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  24. IPCC Secretariat and Technical Support Units of the Working Groups Webseite des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  25. Webseite der IPCC-Arbeitsgruppe I abgerufen am 29. Dezember 2016.
  26. Webseite der IPCC-Arbeitsgruppe II abgerufen am 29. Dezember 2016.
  27. Webseite der IPCC-Arbeitsgruppe III abgerufen am 29. Dezember 2016.
  28. Webseite der Task Force on National Greenhouse Gas Inventories Webseite abgerufen am 29. Dezember 2016.
  29. Webseite des IPCC Data Distribution Centers abgerufen am 29. Dezember 2016.
  30. Webseite der Task Group on Data and Scenario Support for Impact and Climate Analysis abgerufen am 29. Dezember 2016.
  31. ipcc.ch: Sixth Assessment Report cycle: „The 43rd Session of the IPCC held in April 2016 agreed that the AR6 Synthesis Report would be finalized in 2022 in time for the first UNFCCC global stocktake when countries will review progress towards their goal of keeping global warming to well below 2 °C while pursuing efforts to limit it to 1.5 °C. The three Working Group contributions to AR6 will be finalized in 2021.“ („Die 43. Tagung des IPCC im April 2016 vereinbarte, dass die AR6-Synthese 2022 fertig gestellt werden soll, zur ersten globalen Bestandsaufnahme der UNFCCC, ob die Länder Fortschritte erreicht haben im Hinblick auf ihr Ziel, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 °C zu begrenzen, wobei Anstrengungen unternommen werden, sie auf 1,5 C zu begrenzen. Die Beiträge der drei Arbeitsgruppen werden 2021 fertiggestellt.“), abgerufen am 30. Dezember 2016.
  32. IPCC/Watson et al. (Hrsg.) (2000): IPCC Special Report on Land Use, Land-Use Change And Forestry (online)
  33. IPCC/Nakicenovic et al. (Hrsg.) (2000): IPCC Special Report on Emissions Scenarios, siehe (online)
  34. IPCC/Metz et al. (2005): IPCC Special Report on Carbon Dioxide Capture and Storage (PDF; 23,9 MB)
  35. IPCC/Edenhofer et al. (Hrsg.) (2012): IPCC Special Report on Renewable Energy Sources and Climate Change Mitigation, https://www.ipcc.ch/report/srren/, englische Fassung, abgerufen am 30. Dezember 2016.
  36. Ottmar Edenhofer: Es gibt Alternativen. - Wie eine entschlossene deutsche Energiepolitik jetzt aussehen könnte. zeit.de 9. April 2011
  37. IPCC/Field et al. (Hrsg.) (2012): IPCC Special Report on Managing the Risks of Extreme Events and Disasters to Advance Climate Change Adaptation, https://www.ipcc.ch/report/srex/, englische Fassung, abgerufen am 30. Dezember 2016.
  38. Sixth Assessment Report cycle Webseite des IPCC, abgerufen am 31. Dezember 2016.
  39. a b IPCC Trust Fund Programme and Budget, Thirty-second Session of the IPCC, 11-14 October 2010 (PDF; 117 kB)
  40. Riley E. Dunlap, Aaron M. McCright: Organized Climate Change Denial, in: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (Hrsg). The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford University Press 2011, S. 144–160, insb. S. 150 und 153.
  41. a b Srdan Medimorec, Gordon Pennycook: The language of denial: text analysis reveals differences in language use between climate change proponents and skeptics. In: Climatic Change. Band 133, Nr. 4, 2015, S. 597–605, doi:10.1007/s10584-015-1475-2.
  42. Steve Vanderheiden: Atmospheric Justice: A Political Theory of Climate Change. Oxford University Press, 2008, ISBN 978-0-19-973312-5, The Campaign against Climate Science, S. 32 (Vanderheiden nennt als Beispiel Versuche der Global Climate Coalition in den Jahren 1994 und 1995, das IPCC und seine Ergebnisse zu diskreditieren, für die sie, ihm zufolge, mehr als 1 Mio. US$ aufgewendet hat).
  43. Keynyn Brysse et al: Climate change prediction: Erring on the side of least drama? In: Global Environmental Change. Band 23, 2013, S. 327–337, doi:10.1016/j.gloenvcha.2012.10.008.
  44. Riley E. Dunlap, Aaron M. McCright: Organized Climate Change Denial, in: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (Hrsg). The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford University Press 2011, S. 144–160, S. 144.
  45. Open letter by Dutch scientists on IPCC and errors in Climate Report 2007, 30. März 2010
  46. Falsche Gletscherprognose empört Klimaforscher. In: Spiegel-Online, 19. Januar 2010. Zuletzt abgerufen am 10. September 2016.
  47. Axel Bojanowski: Der Klimabasar, in: Die Zeit, 1. Februar 2007
  48. So kritisiert etwa der US-amerikanische Klimaforscher Roger A. Pielke in einem Interview, dass die hauptsächlichen Bewertungen und Einschätzungen der wissenschaftlichen Untersuchungen zum Klimawandel von genau den gleichen Personen stammen würden, die diese Untersuchungen erarbeiteten. (online (Memento vom 1. Februar 2008 im Internet Archive)).
  49. Experten empfehlen Reform des Klimarats, in: taz, 1. September 2010
  50. a b PBL (2010): Assessing an IPCC assessment. An analysis of statements on projected regional impacts in the 2007 report; Zusammenfassung und ausführlicher Bericht (PDF; 1,87 MB)
  51. Absatz 4.2 des Appendix A to the Principles Governing IPCC, PROCEDURES FOR THE PREPARATION, REVIEW, ACCEPTANCE, ADOPTION, APPROVAL AND PUBLICATION OF IPCC REPORTS Webseite des IPCC, abgerufen am 30. Dezember 2016.
  52. Unterlagen zur Begutachtung des Fünfen Sachstandsberichts, insgesamt wurden 142 631 Kommentare bearbeitet, Webseite des IPCC, abgerufen am 29. Dezember 2016.
  53. Ulrich Schnabel: Klimabericht: Das Leck. In: Zeit Online, 19. Dezember 2012, abgerufen am 16. März 2013.
  54. Leo Hickman: Landmark climate change report leaked online. In: The Guardian, 14. Dezember 2012. Abgerufen am 16. März 2013.
  55. Mark Colvin: Draft IPCC report leaked. In: ABCNews, 14. Dezember 2012, abgerufen am 16. März 2013.
  56. Dennis Ballwieser: Uno-Entwurf: Klimawandel verschärft weltweite Nahrungsnot. In: Spiegel Online, 2. November 2013, abgerufen am 4. November 2013.
  57. Axel Bojanowski: Posse um Uno-Bericht: Der Klima-Geheimrat. In: Spiegel Online, 23. August 2013, abgerufen am 4. November 2013.
  58. Justin Gillis: Climate Change Seen Posing Risk to Food Supplies. In: The New York Times, 1. November 2013, abgerufen am 2. November 2013.