Internationaler Übersetzertag

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Albrecht Dürer: Hieronymus im Gehäus, 1514

Der Internationale Übersetzertag, Journée mondiale de la traduction; International Translation Day, wird jährlich am 30. September gefeiert, dem Todestag von Hieronymus im Jahre 420, einem Kirchenvater, der das Alte und Neue Testament aus dem Hebräischen bzw. Griechischen ins gesprochene Latein übersetzte, die sog. Vulgata. Hieronymus gilt, bildlich gesehen, als Schutzheiliger der Übersetzer. Der Tag wird im deutschsprachigen Bereich oft auch "Hieronymustag" genannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diesen Tag hatte die Fédération internationale des traducteurs, FIT, 1954 erstmals in Paris ins Leben gerufen. 1991 erweiterte die FIT die Idee zu einem weltweiten "Internationalen Übersetzertag", um Solidarität innerhalb der internationalen Übersetzergemeinschaft zu zeigen und um den Beruf des Übersetzers in möglichst vielen Ländern der Welt zu fördern, auch wenn manche Kontinente möglicherweise nicht zum Einflussbereich des Hieronymus gehören, wie Asien. Der Tag bietet dem Übersetzer eine Gelegenheit, Stolz auf seinen Beruf zu zeigen, der in einer Zeit fortschreitender Globalisierung an Bedeutung gewinnt. Jährlich gibt es, unter anderem vom Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke, VdÜ, Lesungen aus übersetzten Werken in Deutschland. Auch Österreich, Litauen, Frankreich und Dänemark waren in Europa bisher schon mit öffentlichen Veranstaltungen beteiligt.

Weltweite Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die UNO-Generalversammlung hat am 24. Mai 2017 den Internationalen Übersetzertag einstimmig weltweit in Kraft gesetzt. Die Generalversammlung erkennt damit die Rolle der professionellen Übersetzung bei der Vernetzung von Nationen an, zur Friedensförderung, zum gegenseitigen Verständnis und zur gesellschaftlichen Entwicklung.[1][2]

Wo immer gesprochen, geschrieben, gelesen oder etwas gesungen wird, sind Übersetzer beteiligt. Ihnen verdankt es die Welt, dass in der je eigenen Sprache das Wissen aller anderen Menschen zur Kenntnis genommen werden kann und eventuell das Bewusstsein verändert. Die Übersetzungsarbeit ist eine Voraussetzung für die Förderung von Kultur und Wissenschaft, aber auch für die Entwicklung von Volkssprachen. Sie dient dem vereinten Europa. In mehrsprachigen Ländern, wie z.B. Belgien oder der Schweiz, sind Übersetzungen unerlässlich. Im mehrsprachigen Kanada müssen laut Gesetz politische Vorgänge aller Art immer in die andere Hauptsprache übersetzt werden, falls erforderlich, zusätzlich in die Sprache der Aborigines.

Weltweites Plakat für den Internationalen Übersetzertag 2016

Am Internationalen Übersetzertag wecken zahlreiche öffentliche Veranstaltungen mit Fachleuten der Branche ein Bewusstsein für die Bedeutung verstehbarer Sprache und machen die Personen sichtbar, die durch ihre Arbeit hinter einer Übersetzung stehen, von der schönen Literatur bis zum Fachbuch, vom Theater bis zu Film und Fernsehen, von Zeitungen und Zeitschriften bis hin zu Werbung und technischen Gebrauchsanweisungen.[3]

Der Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke lässt anlässlich dieses Tages im 2-Jahres-Turnus einen Ring, genannt Hieronymus-Ring, weitergeben, jeweils vom bisherigen Inhaber an den von ihm selbst ausgesuchten Nachfolger. Dieser Ring ehrt einen hervorragenden Literaturübersetzer. 2015 wurde der Ring an Miriam Mandelkow verliehen.

Die Mottos der letzten Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2012 :  "Übersetzung: ein Träger interkultureller Verständigung"
  • 2013 :  "Jenseits sprachlicher Grenzen"
  • 2014 :  "Das Recht auf Sprachen: eine Voraussetzung jeden Menschenrechts"
  • 2015 :  "Neue Auffassungen von Übersetzung und Interpretation"

„Übersetzen und Dolmetschen verbindet Welten. Lasst uns Welten vereinen dank Übersetzung und Interpretation“

Motto des IÜT 2016

Der IÜT mit Bezug zur deutschen Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im deutschsprachigen Bereich fördern die Veranstaltung zum IÜT das Goethe-Institut, Pro Helvetia, Robert Bosch Stiftung und die S. Fischer Stiftung.

Veranstaltungsorte:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Notizen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Resolution The role of professional translation in connecting nations and fostering peace, understanding and development.; mit gleicher Signatur auch in Französisch Le rôle de la traduction professionnelle dans le rapprochement des nations et la promotion de la paix, de la compréhension et du développement, Russisch Роль профессионального перевода в сближении народов, укреплении мира и содействии взаимопониманию и развитию, Spanisch La función de la traducción profesional en el establecimiento de vínculos entre las naciones y la promoción de la paz, el entendimiento y el desarrollo, 71. Sitzung, Tagesordnung Nr. 125
  2. Zwei Sprecher äußerten sich zur Vorlage: ... The Assembly requested that the Secretary-General continue to preserve high quality and excellence in the work of language professionals within the Organization, while affirming the important role of professional translation in upholding the purposes and principles of the United Nations Charter. Andrei Dapkiunas (Belarus) presented the draft, emphasizing that its meaning and importance was much broader and deeper than simply demonstrating respect for a profession closely linked to diplomacy and international affairs.  It was not about institutions or bodies; rather, it was first and foremost about people, the invisible workers and unsung heroes of the linguistic profession. Language played an underappreciated role in human society, despite the fact that deeper respect for culture and language could help to forge greater unity and build bridges among civilizations and cultures, he said. Gustavo Meza-Cuadra (Peru), speaking for the Group of Friends of Spanish, said the Group championed multilingualism as a core United Nations value touching on all areas of the Organization’s work.  It influenced how the United Nations projected itself to the world.  The Secretary-General’s associated report, titled “Multilingualism” (document A/71/757), detailed various activities carried out in support of multilingualism, including the proposed terms of reference for a Coordinator of Multilingualism who would be tasked with implementing multilingualism in a consistent and coherent manner across the Organization.  Noting that human resources work across the Organization was generally carried out in English and French, he called for human resources information brochures to be published in Spanish on Inspira.  He also welcomed the launch of the United Nations iLibrary platform, expressing hope that additional languages would soon be featured on the site.  Hopefully, the Department of Public Information would soon be able to provide coverage of intergovernmental meetings in all six official United Nations languages. He welcomed enhanced efforts to recruit qualified Spanish-language translators and interpreters, as well as other professionals.
  3. Zur Tätigkeit von Literaturübersetzern: "Man muss den Ton eines Werkes hören können", Interview mit Claudia Dathe, Robert Bosch Stiftung, aus Anlass des IÜT 2009
  4. Der Standort des Literaturbüros wechselt im Herbst 2017 in die Universität