Internationaler Bund

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Logo der IB-Gruppe (IB)
Zentrale des IB in Frankfurt am Main

Der Internationale Bund (IB, bis 1995 Internationaler Bund für Sozialarbeit / Jugendsozialwerk e.V.) ist mit seinem eingetragenen Verein (e.V.), seinen gemeinnützigen und gewerblichen Gesellschaften und Beteiligungen einer der großen deutschen Dienstleister in den Bereichen der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit. Auch im Ausland ist der IB sehr aktiv, u.a. mit der Stiftung Internationaler Bund Polska sowie u.a. mit Bildungseinrichtungen in China, Georgien und der Türkei.

Internationaler Bund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung des IB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Internationale Bund wurde 1949 in Tübingen gegründet. Initiatoren waren der ehemalige HJ-Hauptbannführer und Hauptabteilungsleiter der Reichsjugendführung Heinrich Hartmann, der SPD-Politiker und damalige Landesdirektor für Justiz, Erziehung und Kunst des Landes Südwürttemberg-Hohenzollern und Mitglied des Parlamentarischen Rates Carlo Schmid sowie der französische Besatzungsoffizier und Sozialist Henri Humblot.[1] Hartmann bildete ein Netzwerk aus ehemaligen HJ-Führern und anderen NS-Funktionären, um mit dem IB eine Organisation aufzubauen, die orientierungslos gewordenen Jugendlichen die Möglichkeit zu öffentlichen und gemeinnützigen Arbeiten bieten sollte. Darüber hinaus wurde frühzeitig auch die Betreuung Heimatvertriebener an ihren neuen Wohnorten zu einer Hauptaufgabe. Für Schmid und Humblot stand von Anfang an der Gedanke der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Vordergrund.

Mitglieder der Gründungsversammlung am 11. Januar 1949 in der Eberhard Karls Universität Tübingen waren unter anderen der Innenminister des Landes Südwürttemberg-Hohenzollern, Viktor Renner, der Rektor der Uni Tübingen, Walter Erbe und der Politikwissenschaftler Theodor Eschenburg. Zum Gründungspräsidenten wurde der Theologe Ernst Steinbach gewählt. Von 1953 bis 1978 war Georg Ebersbach geschäftsführender Vorsitzender.

Heute unterhält der IB bundesweit rund 700 Einrichtungen an über 300 Orten und fördert zahlreiche Bildungsaktivitäten im Ausland.

In seiner Sitzung vom 31. Januar 2014 hat das Präsidium des IB den Auftrag erteilt, die Geschichte des IB zu dokumentieren. Dazu sollen mit wissenschaftlicher Beratung Zeitzeugen befragt und Dokumente ausgewertet werden. Der erste Teil zur Gründungsgeschichte und den ersten 20 Jahren des Bestehens des Internationalen Bundes wird 2016 erscheinen.

Geschäftsfelder und Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich der sozialen Arbeit betreibt er unter anderem 28 Jugendwohnheime, 80 Jugendzentren, 90 Jugendmigrationsdienste, in denen er (2014) 16.000 junge Migranten betreut hat, 118 Kindertagesstätten und 24 Wohnheime für Menschen mit geistiger Behinderung.

Im Bereich der beruflichen Bildung unterhält der IB 38 Bildungszentren, 48 berufsbildende Schulen in freier Trägerschaft mit 6000 Schülern und vier Sprachinstitute. Außerdem betreibt der IB Hotels, Gästehäuser und Jugendgästehäuser u. a. in Frankfurt am Main, Stuttgart, Jena und Dresden. Im Bereich der internationalen Arbeit ist er gemeinsam mit 200 Partnern aus aller Welt an rund 105 Projekten in 30 Ländern beteiligt. So betreut der IB jährlich insgesamt rund 350.000 Menschen. Auch in der Arbeitsvermittlung ist der IB tätig.[2]

Der IB ist mit einer 75-prozentigen Beteiligung Mehrheitsgesellschafter der Hochschule der Wirtschaft für Management gGmbH, die die 2011 gegründete private Hochschule der Wirtschaft für Management in Mannheim betreibt.

Organisation und Finanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der IB ist ein gemeinnütziger Verein und parteipolitisch und konfessionell unabhängig. Vorstandsvorsitzender ist seit 2013 Thiemo Fojkar. Ehrenamtliche Präsidentin des IB ist seit Juni 2013 die Bundestagsabgeordnete (bis September 2013) Petra Merkel. Dem ehrenamtlichen Präsidium gehören Vertreter des öffentlichen Lebens, der Sozialpartner, Parteien sowie aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung an.

Im Jahr 2012 machte der IB e.V. einen Umsatz von 315,2 Millionen Euro.[3] Die IB-Gruppe erzielte 2014 einen Umsatz von 501,7 Millionen Euro.[4]

Im Jahr 2014 kamen die insgesamt 529,9 Mio Euro Erträge der IB-Gruppe aus folgenden Quellen:[5]

Quelle Mio Euro Prozent
Kommunen 121,6 23,0
Bundesagentur für Arbeit 113,6 21,5
Bundesländer, Regierungspräsidien, Kreise 106,0 20,0
Sonstige Erträge 56,8 10,7
Verträge mit Unternehmen, Institutionen und Teilnehmern 44,3 8,4
Bund 32,3 6,1
ARGEn, optierende Kommunen, Landkreise 25,6 4,8
Pflegedienstleistungen 18,2 3,4
EU, internationele Aktivitäten 10,4 2,0
Spenden, Bußgelder, Beiträge 1,1 0,2

Sitz des IB ist Frankfurt am Main.

IB-Beschäftigte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die IB-Gruppe beschäftigte Ende 2014 9.919 Mitarbeiter. Die überwiegende Anzahl - 5.815 - ist im e.V. tätig. In seinen Gesellschaften beschäftigt der IB 4.104 Mitarbeiter. [6] In seinem Geschäftsbericht 2014/2015 spricht der IB offiziell von aktuell 14.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, einschließlich der Honorarkräfte und ehrenamtlichen Helfer. Der Internationale Bund hat Anfang 2016 die größte Umstrukturierung seiner Geschichte abgeschlossen. Im gemeinnützigen Bereich sind acht große Organisationseinheiten entstanden. Drei (IB Süd, IB Nord, IB Baden) im IB e.V. und fünf als gemeinnützige GmbHs (IB Berlin-Brandenburg, IB Mitte, IB West, IB Südwest und IB Gesellschaft für interdisziplinäre Studien).

Öffentlichkeitsbild des IB[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte in der Vergangenheit die vom IB durchgeführte Ausgründung einzelner Geschäftsbereiche in selbständige Betriebe, meist in bundesweit agierende GmbHs, als arbeitnehmerfeindlich. In NRW beispielsweise wurde im März 2006 rund 300 Mitarbeitern der ausgelagerten GmbH ein Arbeitsvertrag angeboten, der eine Absenkung der Bezüge um 30 Prozent vorsah, einhergehend mit der Ankündigung, die gesamte NRW-Niederlassung zu schließen, wenn nicht mindestens 90 Prozent der Beschäftigten innerhalb der nächsten zehn Tage auf das Angebot eingehen.[7] Die Gewerkschaften Ver.di und GEW gaben daher im Sanierungstarifvertrag vom 27. März 2006 zwischen der IB GmbH NRW und ver.di/GEW[8] ihr Einverständnis, die Gehälter zwischen 15 und 20 Prozent abzusenken. Im Mai 2012 drohte die Geschäftsführung des IB damit, die Niederlassung West mit insgesamt drei Betrieben in NRW und ca. 600 Beschäftigten zu schließen, wenn diese nicht zu weiteren Gehaltsabsenkungen bereit seien.

Bundespräsident Horst Köhler würdigte die Bemühungen des IB anlässlich seines Besuchs einer Kindertagesstätte in Berlin. Vor dem Hintergrund seiner in der Berliner Rede geforderten „Bildung für alle“ informierte sich Horst Köhler in Anwesenheit zahlreicher Medienvertreter über die Arbeit des IB.[9] Am 28. September 2007 hat der IB die Charta der Vielfalt unterzeichnet. Damit verpflichtet sich der IB unter anderem, „ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frei von Vorurteilen ist. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen Wertschätzung erfahren - unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität“.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Zowislo: Die Gründungsgeschichte eines Wohlfahrtsverbandes oder Die Vergangenheitsbewältigung ehemaliger HJ-Führer, in: Zeitschrift für württembergische Landesgeschichte 52, Stuttgart 1993, S. 466–478.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Philipp Mausshardt: Wer war Henri? Ehemalige Hitlerjungen und der Internationale Bund. In: Die Zeit, Nr. 49, 29. November 1996.
  2. http://job-server.net/pt/ib/ Server der Arbeitsvermittlung
  3. Geschäftsbericht 2014, Seite 22 ff
  4. Website des IB
  5. Jahresbericht 2014/2015, S. 22. Internationaler Bund, abgerufen am 13. April 2016.
  6. Personalbericht 2014
  7. Kölner Stadt-Anzeiger vom 10. März 2006
  8. Im Tarifarchiv ver.di NRW einzusehen
  9. IB-Intern 1/2007