Internationaler Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und an seine Abschaffung

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Sklavenaufstand in Haiti (Gemälde von January Suchodolski, 1845)

Der Internationale Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und an seine Abschaffung (englisch International Day for the Remembrance of the Slave Trade and its Abolition) ist ein Gedenktag der UNESCO, der jährlich am 23. August begangen wird. Die Generalversammlung der UNESCO erklärte den Tag während ihrer 29. Plenarsitzung im November 1998 in Paris mit ihrer Resolution 29C/RES.40 zu einem offiziellen Gedenktag der Organisation.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die UNESCO bestimmte den 23. August zum Gedenktag, weil in der Nacht vom 22. auf den 23. August 1791 die Sklaven in Saint-Domingue, einer französischen Kolonie auf dem Gebiet des heutigen Haiti, in den Aufstand getreten waren. Aus der Revolte entstand der Staat Haiti, der erste unabhängige Staat in Lateinamerika und gleichzeitig der erste, der durch ehemalige Sklaven geformt wurde.[1] Die Ereignisse führten auch anderenorts, teils mit erheblicher zeitlicher Verzögerung, zur Abschaffung der Sklaverei. Mit dem Gedenktag möchte die UNESCO „die Tragödie des Sklavenhandels in das kollektive Gedächtnis der Menschheit einschreiben“. Er soll Gelegenheit bieten, „die historischen Gründe, die Methoden und die Konsequenzen dieser Tragödie“ zu beleuchten und außerdem die vielfältigen Beziehungen zwischen Afrika, Europa, Amerika und der Karibik zu analysieren.[2]

Der Internationale Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und an seine Abschaffung wurde schon kurz vor seiner offiziellen Anerkennung an verschiedenen Orten, vor allem in Haiti (23. August 1998), begangen.[2] Am 23. August 1999 wurde erstmals auf der Insel Gorée vor der Küste Senegals des Sklavenhandels gedacht. Von dort aus wurden Schwarzafrikaner nach Amerika verschifft; heute ist das sogenannte "Sklavenhaus" auf der Insel ein Symbolort für die Erinnerung an den Handel mit den Schwarzen.[3] 2001 beteiligte sich das Stoffdruckmuseum im französischen Mülhausen mit einem Workshop für bedrucktes Kattungewebe, das als Währung im Sklavenhandel eingesetzt wurde, an dem Gedenktag.[2]

In besonderer Weise wird der Gedenktag in Liverpool begangen. Die National Museums der Stadt bringen seit 1999 den Sklavenhandel in Erinnerung. Am 23. August 2007 wurde in Liverpool das Internationale Sklavereimuseum eröffnet, das seitdem ein Teil der National Museums ist. Seit 2011 lädt der Walk of Remembrance (Spaziergang der Erinnerung) zur Auseinandersetzung mit der Geschichte ein. Die Stadtführung wird seit 2013 von der Jamaikanerin Gee Walker organisiert, die 2005 ihren 18-jährigen Sohn nach einem rassistisch motivierten Mordanschlag verlor. Der Walk führt unter anderem zum Old Dock der Stadt, wo Sklavenschiffe festmachten und repariert wurden.[4][5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Philipp Hanke, Revolution in Haiti. Vom Sklavenaufstand zur Unabhängigkeit, Köln 2017, S. 71 ff.
  2. a b c International Day for the Remembrance of the Slave Trade and its Abolition, UNESCO, abgerufen am 23. August 2020.
  3. Michael Magercord: Geschichte und Müllkünstler von Gorée. Deutschlandfunk, 2. Dezember 2012, abgerufen am 23. August 2020.
  4. Richard Benjamin, Museums and Sensitive Histories: The International Slavery Museum. - In: Ana Lucia Araujo (Hrsg.), Politics of Memory: Making Slavery Visible in the Public Space, New York 2012, S. 178–196.
  5. Gee Walker leads slavery walk of remembrance in Liverpool, Liverpool Echo, 23. August 2013, abgerufen am 23. August 2020.